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Mittwoch, 20. Dezember 2017

Märry Mählwurm

Auch in diesem Jahr präsentieren die Puppenspiele der Stadt Köln - im Volksmund Hänneschen-Theater genannt - wieder ein Weihnachtsmärchen für Groß und Klein, für Jung und Alt, und auch in diesem Jahr habe ich mir eine Vorstellung angesehen. Das ist schon Tradition. In der Geschichte "Märry Mehlwurm" mit den seit Generationen bekannten und beliebten Stockpuppen geht mit Katja Lavassas, Georg Lenzen und Stefan Mertens ein neues Autorentrio an den Start. Namensgeber der neuen Geschichte ist diesmal Mählwurms Pitter, der Gastwirt von Knollendorf.


Die Knollendorfer sind im Weihnachtsfieber, und (fast) jeder möchte den anderen mit seinen Lichterketten und der festlichen Beleuchtung übertreffen. Vor allem will man in diesem Wettstreit über die Nachbarorte triumphieren. Das geht so weit, dass Tünnes und Schäl sämtliche Weihnachtsbeleuchtung aus einem Nachbardorf stehlen, um die Konkurrenz auszuschalten.

Dieses für Knollendorfer Verhältnisse ungewöhnliche Verbrechen ruft den Polizisten Schnäuzerkowsky auf den Plan, den einzigen aus der bunten Truppe, der sich nicht der Kölschen Sprache bedient, sondern des Berlinerischen. Während sich Peter Mählwurm dem Konkurrenzdenken um die ausufernde Weihnachtsbeleuchtung entzieht und stattdessen auf Kaminfeuer und Kerzenlicht schwört, kappen Tünnes und Schäl unbeabsichtigt die Stromversorgung von Knollendorf und lösen ein veritables Durcheinander aus.

Währenddessen begeben sich die Kinder, allen voran Hänneschen und Bärbelchen, in den winterlichen Wald, um die Futterkrippen für die Tiere zu füllen. Dabei kommt es zu einer unerwarteten Begegnung. In gewisser Weise treffen sie nämlich auf Josef und eine schwangere Maria, die beide in einer ausgesprochenen Notlage stecken.

Natürlich wendet sich dank des Einsatzes der Kinder wieder alles zum Guten, und am Ende steht auf dem Marktplatz in Knollendorf ein wunderschön leuchtender Weihnachtsbaum, sodass die Puppen ein finales Weihnachtslied anstimmen können. Schön.

Samstag, 24. Dezember 2016

Drei Krune för et Chressfess

Wie alle Jahre wieder habe ich auch diesmal die Weihnachtssitzung des Hänneschen-Theaters besucht, des Kölner Puppenspieltheaters. „Drei Krune för et Chressfess“ lautet der Titel der diesjährigen Aufführung. Auf Hochdeutsch heißt das „Drei Kronen für das Christfest“.
 
Denn um drei Kronen geht es unter anderem in dem Stück, und zwar um keine geringeren Kronen als jene der Heiligen drei Könige. Die Vorstellung läuft über vier Aufzüge und bedient sich dabei drei verschiedener Bühnenbilder. Los geht es in Schäls Trödelladen, dann folgt das Stadtbild von Knollendorf, danach der Dreikönigsschrein im Kölner Dom und schließlich wieder Schäls Laden. Für diejenigen, die es nicht wissen: Knollendorf ist natürlich nichts anderes als das alte Köln.
 
Als Kind war das kleine Hänneschen meine Lieblingsfigur, doch längst schon ist es der Schäl. Das wiederum bedeutet Scheel, weil der Kerl schielt. Schäl spielt meistens die Rolle des fiesen Burschen, der jedoch im Laufe der Handlung geläutert wird. So auch in diesem Fall. Der Geizkragen führt ein kleines Geschäft, in dem er seinen Kunden Ramsch als wertvolle Antiquitäten verkauft und seine Angestellten Tünnes und Speimanes ausbeutet. Den beiden armen Kerlen untersagt er, Feierabend zu machen, weil noch so viel zu tun sei. Dabei möchten der Tünnes und der Manes schnellstmöglich nach Hause, weil Weihnachten ist.
 
Schäl indes hat mit Weihnachten nichts am Hut. Er verabscheut das Fest geradezu. Später wird sich der Grund herausstellen. Als er ein kleiner Junge war, starb seine Mutter ausgerechnet an Heiligabend, und so sieht er den Totenkarren immer noch an sich vorbeiziehen. Die Aufklärung dieses Hintergrunds erschließt sich den Zuschauern in Form eines Zeitsprungs in die Vergangenheit. Man kann also glatt von einer Science Fiction-Geschichte sprechen.
 
Im weiteren Verlauf der Handlung kommt es zu einer Reihe von Irrungen und Wirrungen, die dazu führen, Schäl auf den rechten Weg zu bringen. Er erleidet einen Herzanfall, bekommt von seinem Arzt eine düstere Prognose gestellt und verkracht sich mit anderen Knollendorfern. Das passt den beiden Kindern Hänneschen und Bärbelchen gar nicht, weil sie sich auf ein friedliches Weihnachtsfest freuen. Wie immer sind vor allem sie es, die wichtige Beiträge zum Zustandekommen des glücklichen Endes leisten.
 
Doch diesmal erhalten sie unerwartete Unterstützung von drei Stadtstreichern, jeder mit einer eigenen kleinen Geschichte und mit einer wertvollen Gabe im Gepäck. Diese Schätze erlangen ihren Wert aber nur, wenn sie mit drei zugehörigen Kronen in Verbindung gebracht werden. Man ahnt es bereits, es handelt sich um die Kronen der heiligen drei Könige. Irgendwann begreift der verbiesterte Schäl, dass es seine Bestimmung ist, die drei Kronen an den Ort zu bringen, an den sie gehören, nämlich eben zum Dreikönigenschrein im Kölner Dom.
 
Dieses Bühnenbild war für mich das Schönste. Obwohl ich die Stadtansicht von Knollendorf mag, kam der wundervoll präsentierte Schrein besonders beeindruckend rüber. Das lag vermutlich an seiner exaltierten Darstellung inmitten ansonsten reduziert arrangierten optischen Beiwerks.
 
Als sich die Kronen wieder an ihrem angestammten Platz befinden, geht Schäl das Herz auf, und der Weihnachtshasser begreift endgültig den Sinn des Weihnachtsfestes, was sich dann im vierten Aufzug zeigt. In seinem Trödelladen steht nicht nur ein prächtig geschmückter Baum, der bekehrte Schäl spendiert zudem den ungläubigen Tünnes und Speimanes eine Gratifikation und zudem eine Gehaltserhöhung. Bevor am Ende der Vorhang fällt, singen diese und alle anderen in der Handlung auftauchenden Puppen gemeinsam mit den Zuschauern ein Weihnachtslied.
 
Ich hatte Spaß an der Geschichte, auch wenn sie natürlich nach einem vertrauten Muster gestrickt und stellenweise vorhersehbar ist. Doch man muss bedenken, dass es sich um eine Aufführung für Kinder handelt, wenn von diesen auch nur wenige unter den zahlreichen Erwachsenen vertreten waren. Das fiel mir noch nie so sehr auf wie in diesem Jahr.
 
Einen erhobenen Zeigefinger gibt es übrigens nicht, auch wenn das an der einen oder anderen Stelle in diesem Text so klingen mag. Dafür kommt die Geschichte viel zu locker und humorig rüber und ist garniert mit zahlreichen kleinen Gags, die für Gelächter sorgten. Es wird Zeit, dass ich mir mal eine Hänneschen-Aufführung außerhalb des Karnevals- und des Weihnachtsprogramms ansehe. Was läge da näher, als mich im kommenden Frühjahr für Schälock Holmes zu entscheiden? Der Schäl als Sherlock Holmes? Das stelle ich mir jetzt schon köstlich vor.

Samstag, 19. Dezember 2015

De Nosskracher

Seit ein paar Jahren tauche ich in der Adventszeit in die Erinnerungen meiner Kindheit ein. Ich besuche nämlich alljährlich mit Vergnügen die Weihnachtsvorstellung des Puppenspieltheaters der Stadt Köln. Es ist zwar eine Aufführung, die für Kinder gedacht ist, und doch besteht das Publikum zu etwa drei Vierteln aus Erwachsenen jeden Alters. So auch gestern.

»De Nosskracher« heißt die diesjährige Aufführung, auf Hochdeutsch also »Der Nusskracher«. Vorab wunderte ich mich über den Titel. Dass man einen Nussknacker auch als Nusskracher bezeichnet ist mir neu. Die Vorstellung war ausverkauft, wie vermutlich ebenso die vorangegangenen und alle, die bis Weihnachten noch folgen werden.

Der titelgebende Nusskracher spielt eine wichtige Rolle. Doppelt so groß wie die Akteure, ersetzt er den von den Knollendorfern sehnlich erwarteten Weihnachtsbaum, der auf dem Markt zwischen den Buden aufgestellt werden soll. Da anstelle des Prachtbaumes aber nur ein mickriges Gehölz geliefert wird, machen die Puppen aus der Not eine Tugend, indem sie den in einem Keller vergessenen Nusskracher reaktivieren.

Und genau damit beginnen die Irrungen und Wirrungen. Der Legende nach gibt es im Wald nämlich eine goldene Nuss, und derjenige, der sie findet und von dem Knacker knacken lässt, der hat einen Wunsch frei. Hänneschen und Bärbelchen machen sich auf die Suche, weil sie einem durch gebrochenen Flügel nicht mehr flugfähigen Engel in den Himmel zurück helfen wollen.

Schäl, wie immer verschlagen und auf den eigenen Vorteil bedacht, hat selbstverständlich ganz anderes im Sinn. Er sieht sich schon in einem Swimming Pool voll Gold schwimmen. Vorher hat er bereits eine Biberfamilie entführt, für die der Lehrer und die Schüler, allen voran Hänneschen und Bärbelchen, ein Biberreservat anlegen. Oder ein „Biberreserverad«, wie Hänneschen radebrecht, weil er das Wort nicht aussprechen kann. Schäl will die entführten Biber ohnehin viel lieber gewinnbringend verkaufen.

In den vier Aufzügen spielen auch einige der anderen bekannten Puppen mit: der Tünnes und der Speimanes, Maritzebill und der Mählwurm, dazu Dorfpolizist Schnäuzerkowski und der hillije Mann, der vom Himmel auf die Erde hinabsteigt. Neben den Bibern spielen auch die Tiere des Waldes wieder mit, die häufig dabei sind. Sowohl Menschen als auch Tiere – ohnehin samt und sonders Puppen – singen zwischendurch das eine oder andere Weihnachtslied. In den vier Aufzügen gibt es einige gelungene Gags, über die sowohl Kinder als auch Erwachsene lachen. Wie es sich für das Hänneschen-Theater gehört, wird all das in Kölscher Mundart dargeboten.

Am Ende sind es natürlich Hänneschen und Bärbelchen, die alles zum Guten wenden, doch die Paraderolle hat der Schäl, dem es tatsächlich gelingt, die goldene Nuss zu finden und sie vom Nosskracher knacken zu lassen. Doch siehe da, gerade als er am Ziel seiner Träume zum reichen Mann ist, wird der Bursche geläutert und tut endlich mal ein gutes Werk, indem er den gefallenen Engel wieder fliegen lässt.

Drei verschiedene Bühnenbilder gibt es diesmal, wieder liebevoll entworfen und ausgeführt. Da ist zunächst der Knollendorfer Marktplatz mit den noch geschlossenen Weihnachtsständen, gefolgt von einem winterlichen, schneebedeckten Wald und anschließend der guten Stube vom Schäl, in der der Halunke die entführten Biber eingesperrt hat. Zum Finale im vierten Aufzug geht es dann zurück auf den Knollendorfer Marktplatz, wo die Marktstände inzwischen beleuchtet sind und Puppen und Publikum gemeinsam singen.

Sonntag, 30. November 2014

Eine Engelsprüfung in Knollendorf

Das arme Engelchen Jupp ist deprimiert, denn es fühlt sich vernachlässigt. Es ist bereits seit 111 Jahren im Himmel, hat aber immer noch keine Flügel und kommt sich daher wie ein Engel zweiter Klasse vor. Dazu bestehe aber kein Grund, denn schließlich seien 111 Jahre doch ein vernachlässigbarer Zeitraum, wie ihm der Nikolaus eröffnet. Das arme Jüppchen indes kann das nicht trösten. Um seine Flügel zu erhalten, bekommt es eine Chance. Es muß sie sich bei einer Engelspröfung verdienen. So wird Jupp auf die Erde geschickt, um als Schutzengel über den Tünnes zu wachen, der bekanntlich ein ausgemachter Tollpatsch sein kann. Was er dann später auch beweist, als er ein Warnschild in einen (nicht mehr ganz) zugefrorenen See zu rammen versucht und auf Hilfe angewiesen ist.

Es weihnachtet wieder im Hänneschen-Theater, und wie alle Jahre wieder gibt es ein neues Stück des traditionsreichen Kölner Puppenspieltheaters. "De Engelspröfung" ist traditionell in kölscher Sproch gehalten, in kölnischer Mundart also. Knollendorf und seine lustigen Einwohner freuen sich auf Nikolaus und das Fest. Natürlich sind wieder alle beliebten Stockpuppen der bunten Schar dabei. Die Kinder Hänneschen und Bärbelchen, mein Lieblingsduo Tünnes und Schäl, Maria "Bestemo" Sybilla und Nikela "Besteva" Knoll sowie der Speimanes.

Inspiriert durch den Jagdschloßbesitzer Graf zu Hohenknoll, versteift sich Schäl auf die Idee, einen Keiler zu erlegen. Eigentlich verkauft er Weihnachtsbäume, doch das genügt ihm nicht. Er strebt nach Höherem, obwohl er für die Jagd denkbar ungeeignet ist. Das hindert ihn jedoch nicht daran, mit einer Flinte in den winterlichen Wald zu ziehen. Das Wildschwein bekommt er nicht, sein Vorhaben geht - wie eigentlich immer - gründlich in die Hose. Stattdessen geht der Keiler in die Offensive und auf den armen Tünnes los.

Gleich zweimal hat Engelchen Jupp Gelegenheit, seinen Schutzbefohlenen zu retten. Vor dem Ertrinken im eisigen See und vor dem rasenden Keiler. Daß Hänneschen und Bärbelchen ihren Teil zu der Rettung beitragen, versteht sich von selbst. Schließlich richtet sich die Vorstellung vor allem an Kinder, wenngleich diese im Publikum deutlich in der Unterzahl sind.

Bei den fünf Aufzügen gibt es vier verschiedene Bühnenbilder. Nämlich Knollendorf, den Wald mit dem See, das Jagdschloß des Grafen und anfangs den Himmel, aus dem der Nikolaus Engel Jupp mit seinem Schlitten zur Erde befördert. Die Bilder sind gewohnt schön, mit viel Liebe zum Detail gehalten und mit stets stimmiger Beleuchtung, beispielsweise im düsteren Wald.

Insgesamt hat mir das Stück viel besser gefallen als voriges Jahr. Diesmal kommt es wieder locker und beschwingt rüber, mit pfiffigen Dialogen und netten Gags, die gern auch mal Tagesereignisse der jüngeren Vergangenheit aufgreifen. Beispielsweise wenn eins der Kinder augenzwinkernd sagt: "Ich möchte später Lokomotivführer werden. Dann habe ich immer viel Freizeit." Oder wenn teilweise abstruser Internet-Eskapismus auf die Schippe genommen wird. So wird hier die Glühwein-Challenge ausgerufen, bei der sich der Nominierte einen Eimer lauwarmen Glühwein über den Kopf schütten muß. So wünsche ich mir das Hänneschen auch für die kommenden Jahre.

Sonntag, 3. Februar 2013

Fastelovend em Hännesche

Auch in diesem Jahr besuchte ich wieder die Kinderpuppensitzung des Hänneschen-Theaters. Wenige Tage vor Karneval ist sie immer eine schöne Einstimmung auf die närrische Zeit, die 2013 recht früh im Kalender liegt. Vom 11.11. bis zum Aschermittwoch ist es daher nur eine recht kurze Session. Die Karnevalisten hetzen von einem Auftritt zum nächsten. Für sie ist das purer Streß statt Entspannung und Geschäft statt Vergnügen. Sei's drum, mit dem organisierten Sitzungskarneval habe ich ohnehin nichts am Hut. Ich beschränke mich auf den Höhepunkt des traditionellen Straßenkarnevals zwischen Weiberfastnacht und der Nubbelverbrennung vor Aschermittwoch.

Das Bühnenbild auf der Puppenspielbühne ist schmuck wie immer. Daran hatte ich noch nie etwas auszusetzen. Es stellt diesmal das Martinsviertel in der Altstadt dar. Gleich unterhalb von St. Martin liegt das Schiff Diva Colonia auf dem Rhein, auf dem Schäl das Brückenkommando übernommen hat. Natürlich veranstalten die Pänz wieder ihre eigene Karnevalssitzung für Jung und Alt. Hänneschen und Bärbelchen werden dabei von Schäls Tochter Rösjen und Tünnes' Sohn Köbes unterstützt. Weil die ganze Bande mit dem Schiff nach Brasilien aufbrechen will, hat Schäl für die Pänz eine Privatlehrerin eingestellt, die sie unterwegs unterrichten soll. Die sehr an Mary Poppins angelehnte Dame bringt einen gewaltigen Koffer mit an Bord. Aus dem lassen sich, wie die Kinder feststellen, ihre Wunschpersonen - ebenfalls ausnahmslos Puppen, klar - hervorzaubern, die dann einen musikalischen Auftritt hinlegen.

Was im Grunde ein recht witziges Szenario ist, kommt leider wenig karnevalistisch daher. Karl Berbuers Gassenhauer Heidewitzka, Herr Kapitän aus den dreißiger Jahren zu bemühen, ist sicherlich eine schöne Idee. Ihn in verschiedenen Versionen aufzuführen, die mit Karneval nicht das geringste zu tun haben, halte ich jedoch für wenig einfallsreich, um nicht zu sagen grottenschlecht. Da ersteht Michael Jackson auf und bietet das Stück mit seinem Moonwalk dar, ebenso wird es im Gangnam-Style präsentiert und als türkischer Rap. Was ich von dieser Musikart halte, dürfte hinlänglich bekannt sein, zumal wenn sie auch noch in türkisch-deutschem Gestammel daherkommt.

Ich gebe zu, ich war zum ersten Mal von einer Hänneschen-Sitzung enttäuscht. Es macht sicherlich immer noch Spaß, dem Treiben der Puppen zuzuschauen, aber leider geht immer mehr vom traditionellen Brauchtum der Veranstaltung und damit auch von ihrem Charme verloren. Stampfende Deppenklänge haben im Karneval nichts verloren, und ich brauche sie auch sonst nicht. Zum Abschluß kam wie immer die Marie Luise Nikuta-Puppe auf die Bühne und sang ihr Mottolied. Da begab ich mich nach draußen, denn ein Auftritt der Mottoqueen Nikuta - ob als Puppe oder in Natura - ist immer ein guter Grund, den Saal zu verlassen.

Sonntag, 2. Dezember 2012

Kölsche Engelcher

Alle Jahre wieder bringt das Puppenspieltheater Hänneschen ein neues Weihnachtsstück auf die Bühne. Nachdem ich das Hänneschen seit meiner Kindheit für lange Zeit aus den Augen verloren hatte, bin ich seit ein paar Jahren wieder dabei, sowohl Weihnachten als auch Karneval.

Die diesjährige Aufführung trägt den Titel "Kölsche Engelcher", und der ist leicht erklärt. In Knollendorf, dem Heimatort der munteren Puppenschar, herrschen vor Weihnachten Zank und Streit. Wirt Mählwurm zofft sich mit dem Dorfpolizisten Schnäuzerkowski, der Speimanes und seine Verlobte liegen sich in den Haaren, und auch die übrigen Knollendorfer sind sich nicht grün. Zu allem Überfluß verklappen Tünnes und Schäl Sondermüll im See und gefährden die Tiere des Waldes. Kein schöner Zustand also am Morgen von Heiligabend.

Hänneschen und Bärbelchen wollen den Frieden wiederherstellen. Um das zu schaffen, müssen sie zu Engeln werden. Nur so kann ihr Plan funktionieren. Der Nikolaus und das Christkind sind einverstanden und machen die beiden Knollendorfer Pänz für einen Tag zu Engeln.

Diesmal gibt es vier Bühnenbilder. Der erste Aufzug spielt in Knollendorf, der nächste im Himmel auf einer Wolke, wo sich die kleinen Engel tummeln. Weiter geht es im Wald am See, mit dem aus den Vorjahren bekannten Bär und anderen Tieren und mit Tünnes und Schäl, die auf einem Lastwagen Giftmüllfässer herankarren, um sie im See zu versenken. Was sie aber dank des Eingreifens der beiden Kinder nicht machen. Das Finale findet bei Hänneschen und Bärbelchen zu Hause statt, wo sich alle treffen und wieder lieb haben. Denn selbstverständlich ist es den beiden gelungen, Frieden zu stiften, und in Knollendorf herrschen wieder Eintracht und Harmonie.

Die Bühnenbilder sind jedes Mal schön anzuschauen. Die Geschichte ist nett gemacht, die Puppen, die wie immer kölsch sprechen, sind toll. Was mir auffiel war die Altersstruktur des Publikums. Obwohl es sich um eine Kinderveranstaltung handelt, waren nur sehr wenige Kinder im Publikum. Die hatten dafür aber richtig Spaß an der Aufführung.

Freitag, 10. Februar 2012

Herr Präsident - die Woosch!

Das Zusammenspiel funktioniert prächtig, wenn auf der Bühne das Stichwort "Herr Präsident" gegeben wird, und das Publikum - zur Hälfte aus Erwachsenen, zur Hälfte aus Kindern bestehend - lauthals mit "Die Woosch!" antwortet. Aber die auftretenden Interpreten dürfen die Wurst nur ansehen, sie nicht an sich nehmen. Denn der Ring Blutwurst stellt den Karnevalsorden dar, und von dem gibt es nur ein einziges Exemplar, so daß er nicht verliehen werden kann, weil alle nachfolgend auftretenden Künstler sonst leer ausgingen.

Kompliziert? Bizarr? Unverständlich? Nicht, wenn man das Hänneschen kennt und mit den ehernen, alten Riten des kölschen Puppenspieltheaters vertraut ist. Die Puppensitzung im Hänneschen-Theater war eine schöne Einstimmung auf den Karneval.

Hänneschen und die anderen Pänz haben keinen Schulunterricht, sondern eine historische Führung durch die alte Kölner Stadtbefestigung - aber das erst später. Vorher bleibt ihnen Zeit, ihre eigene Sitzung aufzuziehen. Und wie Kinder nun mal so sind, machen sie das nicht in einem prunken Saal, sondern mitten auf der Straße, gleich vorm Severinstor. Die Vringspooz ist dann auch das einzige Bühnenbild, das bei dieser Aufführung Verwendung findet, und ein überaus gelungenes. Gut gefallen haben mir auch die alten Gassenhauer von Willy Ostermann und anderen, die immer wieder eingespielt wurden. Den Puppen zuzusehen ist ohnehin jedesmal aufs Neue eine Freude.

Weniger angetan war ich vom sonstigen musikalischen Programm. Wenn alte kölsche Klassiker in ein Country- oder Rock'n'Roll-Korsett gezwängt werden, brauche ich das nicht. Die Funky Marys sind für mich unsäglich, und Vader Abraham wirkte völlig deplatziert. Da hätte ich unter einen Schulaufsatz vermutlich geschrieben: Thema verfehlt, mangelhaft. Andererseits sind diese Auftritte natürlich den Kindern geschuldet und damit akzeptabel.

Sonntag, 11. Dezember 2011

Chressdachswedder

In Knolldendorf ist die Zeit aus den Fugen geraten. Sonne und Mond gehorchen ihrem normalen Rhythmus nicht mehr. Sie gehen auf, wann sie wollen, und bringen die Knollendorfer um den Schlaf. Und das kurz vor Weihnachten. Auch die Tiere im Wald können nicht schlafen, und die Engel im Himmel sind ratlos. Die Erwachsenen erwägen sogar, Weihnachten ausfallen zu lassen. Eine Katastrophe für die Kinder. Deshalb machen sich Hänneschen und Bärbelchen auf den Weg, um das Rätsel zu lösen.

Das diesjährige Weihnachtsstück des Kölner Puppenspieltheaters präsentiert wieder eine schöne Geschichte für Jung und Alt. So teilte sich das Publikum etwa zu gleichen Teilen in Erwachsene und Kinder. Die Vorstellung, die ich besuchte, war wie stets ausverkauft. Aufgezogen wurde das Stück als Vierakter mit wechselnden Bühnenbildern, die den Ort Knollendorf zeigen, den Wald mit seinen Tieren und die Engelchen im Himmel. Natürlich wird das Stück komplett auf Kölsch aufgeführt. Ebenso selbstverständlich sorgen Hänneschen und Bärbelchen dafür, dass am Ende alles gut ausgeht. Schließlich müssen die Puppen auf der Bühne gemeinsam mit dem Publikum "Stille Nacht, heilige Nacht" singen, bevor der Vorhang fällt.