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Dienstag, 16. Oktober 2018

Viel Glück, Uwe Koschinat

Als Uwe Koschinat vor sieben Jahren das Traineramt bei Fortuna Köln übernahm, erwies er sich als Glücksgriff für den Verein aus Köln-Zollstock. Gemeinsam mit dem Präsidenten Klaus Ulonska führte er die Südstädter in die 3. Liga und damit zurück in den Profifußball.

Nach Klaus Ulonskas Tod wurde Uwe Koschinat sogar noch wichtiger für die Fortuna. Neben seinem offiziellen Status als Trainer war er inoffiziell Kaderplaner, Sportdirektor, Sprachrohr und Gesicht der Fortuna in einem. Die Anhänger, so auch ich, standen hinter ihm. Sie teilten seine Leidenschaft für den Fußball, und er die ihre. Er konnte, wenn es besonders hitzig wurde, auch schon mal am Spielfeldrand seinen Gefühlen freien Lauf lassen. Trainer und Fans sprachen dieselbe Sprache.

Künftig wird Uwe Koschinat nun nicht mehr als Trainer im Südstadion stehen, sondern in gleicher Position beim SV Sandhausen tätig sein, von dem er ein Angebot bekam, das er annahm. Wer will es ihm verdenken, in die 2. Liga zu wechseln, wenn sich die Chance dazu bietet? Zumal er mit seinen 47 Jahren nicht mehr der Jüngste im Trainergeschäft ist.

Vielen Dank für deine sieben Jahre Arbeit und Enthusiasmus bei der Fortuna, Uwe, und für die Erfolge und Emotionen, die du uns geschenkt hast. Und viel Glück an deiner neuen Wirkungsstätte! Der Schlachtruf: "Hier schreit nur einer, Uwe und sonst keiner!" wird von den Rängen nicht mehr zu hören sein.

Mittwoch, 2. Mai 2018

FC vom Double zum wiederholten Abstieg

Vor vierzig Jahren, am 29. April 1978, dem letzten Spieltag der damaligen Bundesligasaison, machte der 1. FC Köln den Gewinn der Deutschen Meisterschaft perfekt. Soweit ich mich erinnere, stand ich damals bei jedem Heimspiel in der Südkurve. Punktgleich mit Borussia Mönchengladbach, aber mit dem deutlich besseren Torverhältnis zu Gunsten der Geißbock-Elf, ging es an jenem denkwürdigen Tag auf die Zielgerade. Eigentlich konnte man sich nur noch selbst schlagen.

Doch was dann geschah, war an Dramatik wohl kaum mehr zu übertreffen. Unvergessen bleibt der 12:0-Sieg der Gladbacher gegen eine Horde Schlachtlämmer von Borussia Dortmund - in meinen Augen noch heute ein Skandal, der Dortmunds damaligem Trainer Otto Rehhagel den Spitznamen Otto Torhagel einbrachte. Da der FC, trainiert vom legendären Hennes Weisweiler und angetrieben von einem glänzenden Mannschaftskapitän Heinz Flohe, in Hamburg beim FC St. Pauli aber ebenfalls deutlich mit 5:0 gewann, wanderte die Deutsche Meisterschaft nach Köln.

Da der FC wenige Tage zuvor bereits den DFB-Pokal gewonnen hatte, holte diese wirklich große Mannschaft das verdiente Double in die Domstadt. Danach reichte es nur noch für einen einzigen Titel: 1983 errang der FC abermals den DFB-Pokal, und das ausgerechnet gegen den Stadtrivalen Fortuna Köln.

Zwanzig Jahre später folgte die Katastrophe, mit der kein FC-Fan jemals gerechnet hatte. Das Gründungsmitglied der Fußball-Bundesliga stieg ab und musste den bitteren Gang in die Zweite Liga antreten. Was von den Verantwortlichen damals wie ein Betriebsunfall abgetan wurde, entwickelte sich von 1998 an jedoch fast schon zur Normalität. Zwanzig Jahre lang wechselten sich Aufstiege und Abstiege ab.

Im vergangenen Jahr schien diese für jeden Anhänger grauenvolle Zeitspanne endlich vorüber zu sein, als die Teilnahme am internationalen Fußballgeschäft gesichert wurde. Meine Zuversicht erhielt jedoch bereits in der desaströs verlaufenden Hinrunde einen Dämpfer nach dem anderen.

Inzwischen ist der sechste Abstieg besiegelt. Fast könnte man fatalistisch sagen: Man hat sich daran gewöhnt. Umso schöner ist es, dass Leistungsträger wie Timo Horn und Nationalspieler Jonas Hector, zwei echte Gesichter der Geißböcke, sich zu ihrem FC bekannt haben und trotz aussichtsvoller Alternativen mit dem Verein in die Zweite Liga gehen.

Montag, 4. Dezember 2017

Alles Gute, Peter Stöger

„Spürbar anders“ will man sein beim 1. FC Köln, und diese zwei Worte hat man sogar als eingängigen Slogan auserkoren. Was darunter zu verstehen ist, sei dahingestellt, aber zumindest klingt der Slogan gut, und er lässt eine Menge Raum für Interpretationen. Im Grunde kann sich jeder darunter vorstellen, was ihm sympathisch ist, und somit ist er natürlich ein gewitztes Wortkonstrukt, auf das sich alle einigen können.
 
Doch was ist so spürbar anders, wenn man die letzten Wochen und besonders die letzten Tage in den Befindlichkeiten des 1. FC Köln und die Vorstandsposse um Trainer Peter Stöger betrachtet? Das Trauerspiel ist vorbei, die hoffnungslos überforderten und sich zuletzt einfach nur noch dilettantisch aufführenden Verantwortlichen in der Clubspitze des FC haben einen Schlussstrich gezogen und Peter Stöger entlassen. Obwohl, von einem Schlussstrich kann keine Rede sein, wenn man sich ansieht, was seit der Trennung in den sozialen Netzwerken los ist. Mehr denn vielleicht je zuvor demonstrieren die Fans des FC den Schulterschluss mit dem beliebten Stöger.
 
Fußballfans haben ein feines Gespür für Gerechtigkeit im Fußball, das beweisen die Ereignisse um Peter Stöger eindringlich. Der Fußballlehrer aus Wien hat in seiner viereinhalbjährigen Tätigkeit für den FC das nach Köln zurückgeholt, was man in der Domstadt kaum noch kannte, nämlich den Erfolg. Er führte die Mannschaft aus der 2. Liga nicht nur in die Bundesliga, sondern in der vergangenen Saison sogar – und das kann man guten Gewissens als sensationell bezeichnen – nach Europa. Internationale Begegnungen gab es hier seit fünfundzwanzig Jahren nicht mehr – und wird es vermutlich im nächsten Vierteljahrhundert nicht mehr geben.
 
Für den Absturz in dieser Saison kann Peter Stöger meiner Meinung nach nur wenig, und das sehe nicht nur ich so. Mit dem vorhandenen Spielermaterial kann Stöger weder diverse Ausfälle ersetzen, darunter langzeitverletzte Leistungsträger wie Marcel Risse oder Jonas Hector, noch kann er den Ball selbst ins gegnerische Tor tragen. Dafür sind andere zuständig, allen voran ein bislang glänzend gescheiterter und hinter sämtlichen Erwartungen zurückbleibender Jhon Cordoba. Der Siebzehn-Millionen-Einkauf geht wie weitere Neuverpflichtungen, die die an sie gestellten Erwartungen nicht erfüllen konnten, auf die Kappe von Jörg Schmadtke. Ende November brachte FC-Torwart Timo Horn es mit den Worten „Der Trainer ist die ärmste Sau“ auf den Punkt.
 
Denn Peter Stöger tat, was in seiner Macht stand, um mit der Mannschaft aus der verfahrenen Lage heraus- und vom Tabellenende wegzukommen. Er lebte den FC, das merkte man ihm an, und er scheute nicht davor zurück, sich vor die Jungs zu stellen und als Blitzableiter zu dienen. In der Außendarstellung war er der Einzige, den man ernst nehmen konnte. Der Vorstand versteckte sich stets hinter seinem (und früher auch hinter Schmadtkes) Rücken. Peter Stöger ist eloquent, charmant und – menschlich, was man in seinem Umgang mit anderen merkte und was im kalten Fußballgeschäft leider viel zu selten vorkommt. Zudem hat mich sein Wiener Schmäh zu so manchem Schmunzeln hingerissen.

Ich habe oft mitbekommen, dass er Köln und dass die Kölner Fans ihn ins Herz geschlossen haben. Und natürlich, das Wichtigste bei alledem, er versah seinen Trainerjob beim FC bis zuletzt mit Leidenschaft. Er tat es mit Herzblut und mit Hingabe, bis zum Tag der größten Instinktlosigkeit des Vorstands überhaupt, nämlich Peter Stöger nach einem nicht nur höchst respektablen, sondern zudem verdienten 2:2 Unentschieden auf Schalke zu entlassen.
 
„Spürbar anders“ will man also sein beim FC, doch leider ist dieses Motto zur Phrase verkommen. Spürbar anders wäre man gewesen, hätte man ein wenig mehr Mut bewiesen und Peter Stöger ohne Wenn und Aber die Chance gegeben, doch noch da unten rauszukommen. Hätte es nicht geklappt, wäre man mit ihm in die 2. Liga gegangen, aus der er den FC schon einmal nach oben führte. Ich hätte diesen Weg voll und ganz unterstützt, und viele andere auch, wie ich persönlichen Gesprächen und unzähligen öffentlichen Kommentaren entnehme.

Ich bin enttäuscht und sauer über die Entscheidung des Vorstands. Ich hätte Peter Stöger gewünscht, hier weitermachen zu dürfen. Ich wünsche ihm alles Gute und bin sicher, dass man ihn schon bald auf einer anderen Fußballbühne wiedersehen wird.

Montag, 7. Dezember 2015

Fortuna Köln - Der Film

Bernhard Küchler und Valentin Scholz haben einen Film über den SC Fortuna Köln gedreht. In dem Portrait der beiden Filmemacher geht es nicht um die Vergangenheit des Traditionsvereins aus der Kölner Südstadt, sondern um das Hier und Heute. Küchler und Scholz haben sich der Mannschaft und des Vereins seit 2014 angenommen, seit dem Aufstieg in die 3. Liga und der Rückkehr in den Profifußball. Das ist aktuell, das ist modern – und, wie ich finde, für eine rund neunzigminütige Produktion wie diese ungewöhnlich genug. Ich hatte das Vergnügen, den Film gestern im Odeon-Kino auf der Severinstraße zu sehen.

Eingangs kommen einige der Aufstiegshelden zu Wort, mit launigen und nachdenklichen Stellungnahmen zu den Kollegen. Darunter sind Kapitän Daniel Flottmann, Dauerläufer Thomas Kraus und der überragende Torschütze Ercan Aydogmus. Allein schon aus deren Aussagen kann man heraushören, was die Spieler zu einer Mannschaft zusammengeschweißt hat, die unter Präsident Klaus Ulonska und Trainer Uwe Koschinat das große Ziel erreichte, das die Fußballfans in der Südstadt so sehr herbeigesehnt hatten.

Natürlich kommen im Laufe des Films auch die beiden letztgenannten zu Wort, ebenso wie von anderen über sie gesprochen wird. Man sieht Uwe Koschinat in seiner engagierten Art an der Seitenlinie, man lauscht noch einmal den Worten des großartigen Klaus Ulonska, der uns leider so früh verlassen hat. Das im Kino anwesend Publikum lauschte ohnehin gebannt, doch besonders bei einer Sequenz herrschte andächtige Stille.

Klaus Ulonska hatte gerade ein Interview gegeben und wurde an dessen Ende gefragt, ob er in Kürze noch für ein paar weiterreichende Fragen zur Verfügung stehe. Das täte er selbstverständlich jederzeit, entgegnete er in seiner offenen und herzlichen Art. Dann gibt es einen Schnitt. Man sieht Laub, Bäume, den Schwenk auf ein Grab, auf dem sein Name steht. Wieder ein Schnitt: Spieler, Vereinsangehörige, Offizielle und Zuschauer bei der Schweigeminute vor dem Anpfiff des folgenden Heimspiels, dem ersten, an dem Klaus nach seinem überraschenden Tod nicht mehr teilnehmen konnte.

Die wunderbare Helge Ulonska plaudert über ihren verstorbenen Mann. Sie erzählt noch einmal, wie er von Fans dazu gedrängt wurde, die Geschicke der Fortuna zu übernehmen, wie er es nur ein Vierteljahr lang machen wollte – und es schließlich mehr als zehn Jahre machte.

Den traurigen und besinnlichen Szenen folgt Klaus Ulonskas größter Triumph. Vorn auf der Leinwand laufen die entscheidenden Szenen des Rückspiels der Relegation zwischen der 2. Mannschaft des FC Bayern München und der Fortuna, die nach der regulären Spielzeit eigentlich schon tot war, in der letzten Sekunde der Nachspielzeit aber das entscheidende Tor zum Aufstieg schoss, dass bei den Kölner Anhängern alle Dämme brechen ließ. Schön, das an dieser Stelle noch einmal nachzuerleben.

Doch es gibt noch mehr. Johannes Rahn kommt zu Wort, Michael Schwetje, ebenso die ehemaligen Fortuna-Spieler Hans Sarpei und Tim Wiese, dazu Sportjournalisten und »Fußball-Philosoph« Bruno Laberthier. Und für Insider: auch Elli. :-) Nicht ausgespart bleibt die bittere Pokalpleite im Stadtderby gegen die Viktoria. Die gehört dazu.

Herausgekommen ist ein sehr schöner Film, bewegend und nachdenklich, melancholisch und euphorisch, begeistert und begeisternd. Oder wie man in Köln sagt: himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Es ist ein Film, der ans Herz geht und der eine Menge Herz besitzt, obwohl es sich bei Küchler und Scholz nicht um erklärte Fortuna-Fans handelt – was das Ergebnis aufgrund der gewissen Distanz aber umso wertvoller macht.

Mit dem Fortuna-Portrait gab es 2015 nach »Heinz Flohe – Der mit dem Ball tanzte« jedenfalls den zweiten gelungenen und mich berührenden Kölner Fußballfilm, den ich mir sicher mehr als nur einmal anschauen werde. Beim Abspann brach das Kinopublikum in spontanen Applaus aus, und das haben sich Küchler und Scholz mit ihrem tollen Portrait absolut verdient. Ich warte dann mal auf die DVD.

Dienstag, 15. September 2015

Helmut Schön wird Hundert

Die Fußballweltmeisterschaft 1974 in Deutschland war das erste große internationale Turnier, das ich als kleiner Junge mitbekam und an das ich mich heute noch erinnere. Es ist für mich untrennbar mit dem Erfolg der deutschen Mannschaft verbunden, und ebenso mit dem Trainer, der diese Elf zum zweiten deutschen WM-Triumph nach Sepp Herberger und dem Wunder von Bern führte.

Natürlich ist die Rede von Helmut Schön. "Der Lange" wurde Schön aufgrund seiner Körpergröße von 1,93 Meter genannt, obwohl er mir niemals so groß vorkam, oder auch "Der Mann mit der Mütze". Unvergessen ist das gleichnamige Lied, das Udo Jürgen 1978 anlässlich Schöns Abschied als Bundestrainer schrieb. Der Mann mit der Mütze geht nach Haus, die lange Zeit des Langen, sie ist aus, so hieß es da. Was mir an Äußerlichkeiten immer viel mehr als Schöns Körperlänge in Erinnerung geblieben ist, war diese Knollennase, die ihm etwas Markantes, und das fast schüchterne Lächeln, das ihm etwas Charmantes verlieh.

Eine lange Zeit war es indes wirklich. Von 1964 bis 1978 füllte Schön das Amt des Bundestrainers aus. Einige riesige Enttäuschungen und gefühlte Niederschläge fielen in diese Zeit: die unglückliche Endspiel-Niederlage 1966 gegen England mit dem ominösen Wembley-Tor, das Verpassen der Europameisterschaft 1968 gegen Fußballzwerg Albanien, die EM-Final-Pleite 1976 gegen die Tschechen, als Uli Hoeneß im Elfmeterschießen den Ball in den Himmel über Belgrad jagte, schließlich das WM-Aus 1978 mit der Schmach von Cordoba, als die deutsche Mannschaft nicht über die Vorrunde hinauskam.

Doch wie ungleich schwerer wiegen Helmut Schöns Erfolge. Er ist bis heute der einzige Bundestrainer, der sowohl die Europameisterschaft (1972) als auch die Weltmeisterschaft gewann, mit der ich eingangs begann. Nicht vergessen werden darf in diesem Zusammenhang auch das sogenannte Jahrhundertspiel, das Halbfinale der WM 1970 in Mexiko, das Deutschland gegen Italien zwar mit 3:4 verlor, doch sehe ich dieses Ergebnis nach dem unglaublichen Spiel, das ich mir kürzlich mal wieder angesehen habe, nicht als Niederlage. Unabhängig vom Resultat war das gesamte Spiel ein Sieg für den Fußball. Im Azteken-Stadion in Mexiko-Stadt hängt zur Erinnerung an das Jahrhundertspiel eine Erinnerungstafel, die des Spiels und der beiden Mannschaften gedenkt.

Am 15. September 1915 in Dresden geboren, wäre Helmut Schön heute einhundert Jahre alt geworden. Gestorben ist er 1996 in Wiesbaden, wo er auch seine letzte Ruhestätte fand, doch seine Erfolge als Bundestrainer sind unsterblich.

Samstag, 5. September 2015

Deutschland schlägt Polen in der EM-Qualifikation

Jonas Hector im Trikot des 1. FC Köln
Die Fußballpause ist vorbei, nicht nur für die nationalen Ligen, sondern auch für die deutsche Nationalmannschaft. Was einen Fußballfreund wie mich natürlich freut, denn ich war und bin ein Anhänger der deutschen Auswahl, so lange ich denken kann.

Am gestrigen Abend war es endlich wieder soweit. Die Elf mit dem Bundesadler auf der Brust trat in Frankfurt gegen die polnische Auswahl an. Unnötig zu sagen, dass die Qualifikation für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich ausgespielt wird. Ebenso unnötig zu erwähnen, dass Deutschland mit 3:1 gewonnen hat. Denn das Ergebnis wie auch der Spielverlauf wird auch für Nichtfußballfans seit dem späten Abend in sämtlichen Medien bekannt gegeben und ist spätestens heute früh, also in wenigen Stunden, in allen Zeitungen zu lesen.

Doch ich möchte meinem Vergnügen, das ich beim Zuschauen der Begegnung hatte, Ausdruck verleihen. Obwohl Polen eine richtig starke Truppe aufs Feld schickte, die meiner Meinung nach in Frankreich durchaus für Furore sorgen kann, war der deutsche Sieg verdient. Von einem solchen war ich im vorhinein ohnehin ausgegangen, und am Montag gegen Schottland erwarte ich einen weiteren ungefährdeten Sieg. Das hat nichts mit Arroganz zu tun - ich bin ja jemand, der generell Respekt für den sportlichen Gegner fordert, und mag er noch so unterlegen sein -, sondern einfach damit, dass ich weiß, wie stark die deutsche Mannschaft ist.

Was mich besonders freut, ist, dass sich Jonas Hector auf der linken Abwehrseite der Nationalmannschaft festgebissen hat. Der Verteidiger des 1. FC Köln machte nicht nur in der Defensive ein gutes Spiel, er sorgte auch für zahlreiche Offensivaktionen. So war er glänzend als Vorbereiter am 2:0 durch Mario Götze beteiligt und hätte beinahe sogar selbst ein Tor geschossen. Klasse, der Junge. Ich fürchte nur, dass bei finanziell potenten Vereinen die Begehrlichkeiten größer werden und Hector den FC in absehbarer Zeit gegen einen ordentlichen Millionenbatzen Geld verlassen wird.

Auch gefreut hat mich, dass "der kölsche Prinz" Lukas Podolski kurz vor Schluss eingewechselt wurde und zumindest noch die dreiminütige Nachspielzeit mitmachen durfte. Welcher Beliebtheit sich Poldi, dessen 126. Länderspiel das war, bei Fußballfans in ganz Deutschland erfreut, zeigten die im Frankfurter Stadion gleich nach seiner Einwechslung aufbrandenden Sprechchöre, die lautstark "Lukas Podolski" skandierten. Das fand ich schön, und ich fiebere dem Montagspiel gegen Schottland entgegen.

Donnerstag, 30. Juli 2015

Groundhopping (2) - Pokalspiel in einem Kreisliga-Stadion

Sieht man von den wenigen extrem heißen Tagen mit Temperaturen bis knapp an die 40 Grad ab, ist dieser Sommer ziemlich verregnet. Der gestrige Abend war trocken und mild, und ich hatte Lust auf ein Fußballspiel. So sah ich mir eine Begegnung der 2. Runde im Bitburger Kreispokal an. Es traf die in der Kreisliga A antretende SpVgg Hurst-Rosbach auf den TuS 05 Oberpleis aus der Landesliga.

Von Anfang an entwickelte sich ein munteres Spiel, bei dem beide Mannschaften die Offensive suchten. Zwar zeigte Oberpleis den gekonnteren Spielaufbau und kam vorwiegend über die rechte Angriffsseite immer wieder zu guten Möglichkeiten, doch hielten die zwei Ligen tiefer spielenden Hausherren mit Leidenschaft und Einsatzwillen dagegen und erarbeiteten sich kurz vor der Pause eine Großchance, die eigentlich hätte verwertet werden müssen. Das Unentschieden zur Halbzeit war jedenfalls verdient.

Gleich nach dem Seitenwechsel kam aber auch schon der Anfang vom Ende für den Kreisligisten. Mit der Führung für Oberpleis war das Spiel im Grunde entschieden, denn trotz allen Einsatzwillens ließen die Kräfte von Hurst-Rosbach nun doch nach. So fielen die weiteren Treffer zwangsläufig, und es stand schnell 0:4. Der Ehrentreffer für die Hausherren wurde von den einheimischen Anhängern mit aufrichtigem Applaus bedacht, und auch ein weiteres Gegentor zum 1:5-Endstand tat der Zufriedenheit mit der eigenen Mannschaft keinen Abbruch.

Ein Spieler stach mir während der ganzen Partie besonders ins Auge, nämlich der rechte Verteidiger der Heimmannschaft, Jan Zerbin. Der Junge kämpfte und ackerte unermüdlich gegen den besonders in der zweiten Halbzeit überlegenen Gegner aus Oberpleis, zeigte zudem einige technische Fertigkeiten und sorgte auf seiner rechten Seite immer wieder für Impulse nach vorn.

Die "Metternich-Arena" genannte Sportanlage ist übrigens sehr gepflegt, der Kunstrasen so akkurat, dass man vermutlich Golf darauf spielen könnte. Ein Erlebnis am Rande habe ich in dieser Form noch nie erlebt. Am Bierstand musste man nicht jedes Bier direkt bezahlen, sondern es wurden Deckel bis nach dem Spiel gemacht. Die Besucher kennen und vertrauen sich. Sehr sympathisch fand ich auch, dass kurz nach Spielende ein Spieler von Hurst-Rosbach einen Kranz Bier in die Gästekabine brachte, was bei den Akteuren von Oberpleis sehr gut ankam, wie ich dem Gejohle entnehmen konnte.

Mittwoch, 29. Juli 2015

Groundhopping (1)

Ich stand vorhin auf einem Dorffußballplatz - und hatte Spaß dabei. Dabei musste ich daran denken, welche Arenen und was für Äcker ich im Laufe meines Fußballfanlebens schon gesehen habe. Eine tolle Sache, die wahrscheinlich nur Fußballfans nachvollziehen können. Jedenfalls habe ich beschlossen, in lockerer Folge über diese manchmal unheimlichen Begegnungen der Dritten Art zu plaudern.

Wenn also in der Überschrift "Groundhopping" auftaucht, mögen bitte alle, die nichts mit Fußball am Hut haben, einfach nur darüber hinwegsehen. Das gilt ganz besonders auch für all diejenigen, die Fußball normalerweise als Proletensport sehen, bei Weltmeisterschaften aber plötzlich ihre Liebe zu dem runden Leder und der Mannschaft in Schwarz-Rot-Gold entdecken, weil sie dann auf einmal ganz chauvinistisch ihre Deutschland-Fähnchen schwenken, sich Wimpel ans Auto hängen und ihrem Gröhl- und Feierwahn frönen können.

Vielleicht findet ihr euch selbst oder eure Heimatorte darin wieder, des öfteren wohl Mannschaften, die ihr kennt, und vielleicht hin und wieder Vereine oder Orte, von denen ihr noch nie gehört habt. Denn es geht von unterklassigen Ligen über Bundesligapartien bis hin zu internationalen Begegnungen, vom Ulrike-Meyfarth-Stadion bis zum Olympiastadion und von Meppen bis Berlin.

Morgen geht es los mit dem schnuckeligen kleinen Sportplatz, auf dem ich heute ein Pokalspiel angesehen habe, nämlich mit der Metternich-Arena in Windeck. Noch einmal meine Bitte: Fußballhasser, bitte wegschauen.

Sonntag, 12. Juli 2015

Heinz Flohe - Der mit dem Ball tanzte

Der Dokumentationsfilm "HEINZ FLOHE - Der mit dem Ball tanzte" war seit längerem angekündigt, nun ist er endlich erschienen. Ich habe ihn mir mit großen Erwartungen zu Gemüte geführt und war - soviel vorweg - beeindruckt. Beeindruckt zum einem von dem Dokumentarfilm an sich, beeindruckt ebenso von Szenen aus dem Fußballerleben des Heinz Flohe, die mir nach so vielen Jahren nicht mehr in Erinnerung waren. Dabei war Flocke, wie er in Köln liebevoll genannt wurde, eines meiner großen Idole auf dem Fußballplatz.

Der rund eindreiviertel Stunden lange Film beginnt mit einem fast erratischen Bildersturm sekundenlanger Szenen, einem Zusammenschnitt dynamischer Eindrücke, in deren Mittelpunkt der geniale Ballartist steht. Man sieht Heinz Flohe bei einem Sololauf im Trikot der Nationalmannschaft, mit der Meisterschale auf dem Balkon des Kölner Rathauses, beim Erzielen eines Wahnsinnstores, das alte Müngersdorfer Stadion aus der Vogelperspektive, Flocke bei Hacke-Spitze-Tralala auf dem Trainingsgelände des 1. FC Köln, dann weitere Tore, im Trikot des FC und in dem der deutschen Auswahl.

Eine Stimme aus dem Off erklingt: "Heinz Flohe hat den deutschen Fußball mit seiner Kreativität revolutioniert. Vor ihm bestand das Dribbeln vorwiegend aus links Antäuschen und rechts Vorbeigehen. Er ging als erster wesentlich weiter. Flohe war ein Pionier in Sachen Spielkunst. Jenseits des Rheinlands ist das vergessen. Wenn die Großen des deutschen Fußballs aufgezählt werden, kommt er selten vor. Zu unrecht. Dieser Film dokumentiert das Leben des Heinz Flohe."

Und wie er das tut! Die Dokumentation zeichnet das Leben des gebürtigen Euskircheners von seiner Kindheit bis zu seinem tragischen Tod 2013 nach. Zwei Dinge begleiteten Flocke dabei, die großen Triumphe ebenso wie bittere Momente und tragische Schicksalsschläge. Passend ist daher der Untertitels des Films gewählt: "Ein Leben zwischen Triumph und Tragik."

Heinz Flohe war mit technischen Fähigkeiten gesegnet wie nur wenige Fußballspieler seiner Zeit. Als er bereits 1966 von seinem Heimatverein TSV Euskirchen zum 1. FC Köln wechselte, konnte noch niemand in ganzer Tragweite ahnen, welch ein Glücksgriff das für den FC war. Genial am Ball und von seiner Spielanlage her, bildete er in den kommenden Jahren zusammen mit Wolfgang Overath eines der besten Mittelfeldduos in Deutschland, später zusammen mit Herbert Neumann.

Bei den Einschätzungen darüber, was wäre, wenn Heinz Flohe heute spielen würde, wird gemutmaßt, er stände bei Real Madrid oder dem FC Barcelona unter Vertrag. Sein ehemaliger Mannschaftskamerad Jupp Kapellmann sagt, heute würde Flocke die Hundert-Millionen-Euro- oder grundsätzlich jede Transfergrenze bei den Ablösesummen sprengen. Gewagte Aussagen vielleicht, aber sie zeigen die Wertschätzung, die er genoss und auch zwei Jahre nach seinem Tod noch genießt. Zahlreiche fußballerische Weggefährten kommen in der Doku zu Wort. Unumstrittene Fußballgrößen wie Franz Beckenbauer, Jupp Heynckes und Günter Netzer äußern sich in höchsten Tönen über den vollendeten Künstler am Ball. Netzer, für mich einer der größten deutschen Spieler überhaupt, schwärmt über Flohe: "Er ist so unglaublich gut gewesen, hat Dinge gemacht, die sonst keiner von uns konnte, auch die ganz großen Spieler Deutschlands nicht." Beckenbauer bezeichnet ihn gar als einen der besten Techniker der Welt.

Diese Fähigkeiten sind in dem Film in zahlreichen Ausschnitten zu bewundern. Übersteiger, Finten, geniale Dribblings und Tricks mit unglaublicher Kreativität kennzeichneten nicht nur einen überragenden Einzelspieler, sondern zudem den spielfreudigen Spielführer, der die ganze Mannschaft mit riss und den 1. FC Köln zu seinem größten Triumph führte. Er war dreifacher Gewinner des DFB-Pokals, Weltmeister 1974, Vize-Europameister 1976 und stand im Aufgebot des WM-Kaders 1978.

Auf dem Höhepunkt seiner Kunst war Heinz Flohe 1978. Unter Hennes Weisweiler war er zum absoluten Führungsspieler gereift. In einer Saison, in der er als Mannschaftskapitän, Spielführer, Einzelakteur, Torvorbereiter und Torschütze gleichsam einer außergewöhnlichen Kölner Elf voranging, führte er den 1. FC Köln zum Gewinn des Doubles. Es wurde nicht nur der schon 1977 errungene Pokal verteidigt, sondern auch zum dritten Mal die deutsche Meisterschaft nach Köln geholt. Beim Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem punktgleichen Verfolger aus Mönchengladbach traf Flohe auch in den letzten beiden entscheidenden Saisonspielen gegen den VfB Stuttgart und in Hamburg beim FC St. Pauli. In jener Saison stand ich bei sämtlichen Heimspielen in der Südkurve und durfte einen herausragenden Fußballspieler bewundern.

Doch nicht erst seit diesem Jaht und nicht nur wegen des außergewöhnlichen Triumphes wurde Flocke in Köln verehrt und, mehr noch, von den Fans geradezu geliebt. Er war das, was man in der Domstadt einen "Jung us em Lääve" nennt. Er war einer wie du und ich und seiner Zeit nicht nur fußballerisch voraus, sondern auch in seinem Umgang mit den Fans. Für Heinz Flohe, von seinen Freunden "Hein" gerufen, waren alle gleich, und die von ihm gelebte Fannähe war damals mehr Ausnahme als Selbstverständlichkeit. Starallüren waren ihm fremd.

Das wurde auch in seiner Außendarstellung deutlich. Interviews gab er nicht gern. Nicht etwa aus Überheblichkeit, sondern weil er in sich gekehrt wirkte. In dem Film sieht man ihn als Gast im "Aktuellen Sportstudio", nach dem Erringen des Doubles, wo er beinahe schüchtern rüberkommt. Denn er stand nicht gern im Mittelpunkt, es sei denn auf dem Fußballplatz, wo er aus sich herausging und ein anderer Mensch zu sein schien. In der heutigen Medienlandschaft, in der Fußballstars auf Schritt und Tritt unter Beobachtung stehen, kaum vorstellbar.

Das Jahr seines größten Triumphs, 1978, wurde auch zum Jahr des ersten Schicksalsschlags. Hatte er bis dahin aus mir unverständlichen Gründen keinen Stammplatz in der Nationalmannschaft innegehabt, stand er im Aufgebot für die Weltmeisterschaft in Argentinien und erwies sich auch dort als absoluter Führungsspieler. Legte er noch gegen Mexico eine glänzende Partie hin, zog er sich im Spiel gegen Italien eine Verletzung zu, die für ihn das WM-Aus bedeutete. Was danach, ohne Heinz Flohe, geschah ist bekannt. Es folgte die so genannte Schmach von Cordoba mit der Niederlage gegen Österreich, die zugleich Deutschlands Ausscheiden aus dem Turnier bedeutete.

Die Verletzung hinterließ ihre Spuren. Flockes Karriere in der Nationalelf war beendet, und im Folgejahr trumpfte er auch in der Bundesliga nicht mehr so auf wie früher. Getrieben von allzu großem Ehrgeiz, kurierte er seine Verletzung nie richtig aus. Er hatte weiterhin geniale Momente, doch er wurde nicht mehr zu dem überragenden Spieler wie im Jahr des Double-Gewinns. Nach einem negativen Zwischenfall beim Auswärtsspiel in Hamburg wurden er und Herbert Neumann von Hennes Weisweiler aus dem Team geworfen, woraufhin Heinz Flohe zu den damals in der Bundesliga spielenden Blau-Weißen von 1860 München wechselte, wohl die größte Fehlentscheidung, die der FC jemals getroffen hat.

Für Flocke dauerte das Intermezzo bei den Löwen nicht lange. Beim Spiel gegen den MSV Duisburg wurde er von Paul Steiner dermaßen brutal gefoult, dass er sich nicht nur einen komplizierten Schien- und Wadenbeinbruch zuzog, sondern auch Nervenschäden im Bein, an denen er noch lange laborieren sollte. Die Karriere des großartigen Ballkünstlers war beendet. So wie viele andere Kölner Fußballfans habe ich nie verstanden, dass der FC mit Paul Steiner später den Mann für die Abwehr verpflichtete, der für die Tragödie von Flockes Aus als Tänzer mit dem Ball verantwortlich war.

Heinz Flohe selbst nahm es dem FC nicht übel, zumindest mit einigem Abstand nicht. Er besuchte die Heimspiele des FC und kehrte später sogar als Co-Trainer zu den Geißböcken zurück. Die Tragik seines Lebensweges setzte sich fort, als er sich nach 1992 Anfang des Jahres 2004 einer zweiten Herzoperation unterziehen musste, bei der ihm eine neue Herzklappe eingesetzt wurde. 2010 brach er nach einem Schwächeanfall zusammen und wurde in ein künstliches Koma versetzt, aus dem er nicht mehr aufwachte. Bis zu seinem Tod 2013 lag er im Wachkoma.

Bei den Kölner Fußballanhängern ist Heinz Flohe als einer der ganz Großen unvergessen.  Der zu Herzen gehende Dokumentarfilm ist eine wunderbare Würdigung eines herausragenden Ballkünstlers und außergewöhnlichen Menschen. Wie zu Beginn erwähnt, hat der Film mich sehr beeindruckt - und gleichermaßen bewegt. Angesichts von Flockes traurigem Schicksal hatte ich beim Ansehen mit der einen oder anderen Träne zu kämpfen, und ich bildete mir ein, wieder 1978 in der Südkurve zu stehen und Heinz Flohe und den FC auf der Zielgeraden zum Gewinn des Doubles zu begleiten.

Auch der 1. FC Köln würdigte Flockes große Verdienste um den Verein. Der FC gründete 2013 die "Fußballschule Heinz Flohe" und errichtete im Oktober 2014 vor der Südtribüne des Müngersdorfer Stadions eine Bronzestatue des Mannes, der dem Verein zwölf Jahre lang treu gewesen war und ihn zu seinem größten Triumph geführt hatte. Beim jährlich stattfinden internationalen Fußballfilm-Festival 11mm erreichte "HEINZ FLOHE - Der mit dem Ball tanzte" 2015 den zweiten Platz beim Publikumspreis und wurde damit als bester deutscher Film in dieser Kategorie ausgezeichnet.

Samstag, 16. Mai 2015

Konferenz statt Köln

Es passiert extrem selten im Verlauf einer Fußballsaison, dass ich die Bundesligakonferenz auf Sky einem Spiel der Kölner Mannschaften vorziehe. Heute war es soweit. Weder war ich im Südstadion, wo Fortuna Köln gegen Wehen-Wiesbaden antrat, noch habe ich mir das Gastspiel des 1. FC Köln bei Mainz 05 angesehen. Denn sowohl die Fortuna als auch der FC haben bereits am vergangenen Wochenende, also zwei Spieltage vor Saisonschluss, den Klassenerhalt in ihren jeweiligen Ligen geschafft - was mich natürlich sehr freut. Doch ist die Luft ein wenig raus.

Anderswo ist es dafür umso spannender. Zum einen kämpfen noch einige Mannschaften um den Einzug in einen internationalen Wettbewerb, zum anderen ist der Kampf gegen den Abstieg und um den Verbleib in der Bundesliga in diesem Jahr spannend wie selten zuvor. Ein halbes Dutzend Mannschaften können noch ins Gras beißen, sprich: den bitteren Gang in die 2. Liga antreten. Entsprechend zur Sache ging es am heutigen Nachmittag.

Der VfB Stuttgart geriet zunächst in Rückstand, drehte die Partie gegen den HSV aber noch. Huub Stevens durfte, zumindest vorübergehend, jubeln, während Bruno Labbadia nur eine lange Flappe blieb. Hannover gewann auswärts, und der SC Freiburg schlug die Bayern. Da kam Schadenfreude auf. Ein wenig leid tat es mir nur für den SC Paderborn, der kurz vor Schluss gegen die langweiligen Schalker das 0:1 kassierte und damit einen wichtigen Punkt verlor. Doch selbst als nun Tabellenletzter kann der Vorjahresaufsteiger den Klassenerhalt am letzten Spieltag noch sichern, denn im Tabellenkeller ist es extrem eng.

Übrigens haben die letzten beiden Spieltage noch etwas anderes Schönes als nur den Spannungskitzel. Um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, finden sämtliche Begegnungen parallel am Samstagnachmittag statt. Das ist ganz wie früher, als die Spieltage aus kommerziellen Gründen noch nicht völlig auseinander gerissen waren. Meinetwegen könnte das wieder zum Standard werden, auch wenn das natürlich ein frommer Wunsch ist, der sich nicht erfüllen wird. Dass ich mich auf den letzten Spieltag am kommenden Samstag freue, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen.

Samstag, 21. März 2015

Klaus Ulonska 1942 - 2015

„Fortuna Kölns Herz schlägt nicht mehr“, titelte der Kölner Express über den unerwarteten Tod von Klaus Ulonska. Der Präsident von Fortuna Köln starb am 14. März 2015 völlig überraschend an einem Herzinfarkt.


Das Entsetzen war groß in Köln in den vergangenen Tagen, und es zog sich durch alle Schichten und Altersklassen. Ich bekam die Welle von Anteilnahme in den Medien mit und im Vereinsheim, wo ein Kondolenzbuch auslag. Ich spürte die Wertschätzung und Liebe, die Ulonska genossen hat, bei der Gedenkfeier in St. Aposteln. Die Bläck Fööss sangen, und die Fortuna-Spieler trugen den Sarg. Es war ergreifend, ebenso wie die anschließende Beisetzung auf Melaten, wo viele Freunde und Weggefährten von Klaus Ulonska zusammenkamen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen, darunter auch viele Anhänger von Fortuna Köln. Ich hatte mit den Tränen zu kämpfen, als ich mich auf dem Friedhof von Klaus’ Frau Helge verabschiedete und ihr für alles dankte, was sie und ihr Klaus zehn Jahre lang für die Fortuna getan haben.

Schon in jungen Jahren begeisterte sich Ulonska für den Sport, dem er in verschiedenen Bereichen sein Leben lang treu blieb. Für den ASV Köln war er als Sprinter über 100 und 200 Meter sowie als Staffelläufer über die 4 x 100 Meter aktiv. Mit der Staffel wurde er 1962 Europameister. Nach seiner aktiven Karriere blieb er dem Sport weiterhin verbunden. Er war über viele Jahre  Präsident des Kölner Eis-Klubs, wirkte als Organisator der großen Leichtathletik-Sportfeste des ASV und setzte sich für die Gründung des Kölner Seniorensportvereins sowie des Kölner Behindertensportvereins ein.

Auch außerhalb des Sports war sein Schaffen breit gestreut. Als Mitglied des Traditionskorps der Altstädter Köln lebte er seine Begeisterung für  den Karneval und das Kölner Brauchtum aus. 1973 gehörte er als Jungfrau Claudia dem Kölner Dreigestirn an. Seitdem leitete er unzählige Sitzungen, zumeist als Clown verkleidet. Kaum ein anderes Kostüm hätte seine Lebensfreude besser ausdrücken können.

Denn Klaus Ulonska war ein durch und durch positiver Mensch, ein gläubiger Mensch, dem alle gleich viel wert waren und der für jeden ein offenes Ohr hatte. Als Ratsherr der Stadt Köln arbeitete er unermüdlich zum Wohl der Stadt, später setzte er sein soziales Engagement auf anderer Ebene fort, beispielsweise als Unterstützer des Kölner Obdachlosenfrühstücks. Für seinen Einsatz für die Menschen von Köln und seine vielfältigen Verdienste um den Sport wurde ihm 2014 das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Mir wurde Klaus Ulonska bekannt, als er 2004 die Geschicke von Fortuna Köln übernahm. Es war eine Zeit, in der die Fortuna sowohl finanziell als auch sportlich in ziemliche Schieflage geraten war. Nach dem Tod von Jean „Schäng“ Löring rutschte der Verein bis in die 5. Liga ab, der Konkurs schien kaum noch abzuwenden. Der Südstadtclub stand vor dem Aus.

Damals, so weiß es die Legende zu berichten, schellten ein paar enthusiastische Fortuna-Fans bei Klaus Ulonska, um ihn als neuen starken Mann für die Fortuna zu gewinnen. Er wollte nicht, zunächst, doch seine Frau Helge bat die Fans in die Wohnung. Ein stundenlanges Gespräch folgte, an dessen Ende sich Ulonska bereiterklärte, es zu machen – für sechs Wochen. Aus diesen sechs Wochen wurden mehr als zehn Jahre.

Denn Klaus Ulonska entdeckte seine Liebe zur Fortuna, für die er schon bald von morgens bis abends aktiv war, häufig bis spät in die Nacht hinein. Wie zu Beginn unterstützte seine Frau ihn dabei und ließ ihm alle Freiheiten, die er benötigte, um die Fortuna in ruhigeres Fahrwasser zu manövrieren. Dem leidenschaftlichen Ulonska gelang aber noch viel mehr als das: unter seiner Ägide konnte der Verein sich wirtschaftlich konsolidieren und steht heute schuldenfrei dar. Dafür sorgten unter anderem all die Förderer und Sponsoren, die er durch seine vielfältigen Kontakte gewinnen konnte. Zudem erfüllte er den Traum aller Fortuna-Fans: nach dem zwischenzeitigen Aufstieg aus der Verbandsliga führte er den Verein 2014 in die 3. Liga und damit zurück in den Profifußball.


Eine schöne Sache – und eine, die im Fußball ganz und gar ungewöhnlich ist – drückt die Beliebtheit von Klaus Ulonska aus. Nicht nur Kölner bringen ihm große Sympathie entgegen, sondern auch die Fans der Gastmannschaften waren von ihm begeistert. Bei Heimspielen begrüßte Ulonska sämtliche Gästefans persönlich. Das wurde ihm niemals zuviel. »Wer war dieser freundliche Mann eben?«, wurde dann häufig gefragt. Und groß war die Überraschung, wenn es hieß: »Klaus Ulonska, der Präsident von Fortuna Köln.«

In den sozialen Netzwerken fiel es mir in den vergangenen Tagen besonders auf. Die Anteilnahme über Ulonskas Tod kommt von Fußballanhängern aus ganz Deutschland, die mit ihren Vereinen auf die Fortuna getroffen sind: ob von Preußen Münster oder den Bayern, den Stuttgarter Kickers oder Borussia Dortmund. Voller Wärme und Mitgefühl war der mehrseitige Nachruf eines BVB-Fanclubs über den „sympathischsten Fußballpräsident der Welt“.

Längst zur Legende geworden ist Klaus Ulonskas Spendenball. Mit dem durchschritt er bei jedem Heimspiel die Reihen der Besucher, um Geld zu sammeln für die Jugendmannschaften der Fortuna. Denn die vielen hundert Kinder und Jugendlichen aus 23 Nationen, die bei der Fortuna kicken, waren ihm – ebenso wie seinem Vorgänger Jean Löring – eine Herzensangelegenheit.

So oft ich Klaus Ulonska begegnete, er war nie abweisend, hatte niemals schlechte Laune.  »Viel Glück und Segen auf allen Fortuna-Wegen«, so pflegte er stets zu sagen. Mit seinem sonnigen Gemüt und seiner Herzlichkeit lachte er gern und viel. Nur einmal habe ich ihn anders gesehen, nämlich nach dem entscheidenden Relegationsspiel in München gegen die zweite Mannschaft der Bayern. Nach dem Fortuna-Erfolg und dem Aufstieg in die 3. Liga heulte Klaus Rotz und Wasser. Es waren Tränen der Freude und der Erleichterung. Er hatte sein Ziel erreicht – eigentlich nur ein weiteres Zwischenziel, denn mit einem Auge schielte er für die kommenden Jahre bereits auf die 2. Liga. Diesen Traum wird er sich und den Fortuna-Anhängern nun leider nicht mehr erfüllen.

Klaus Ulonska hat ein großes, ein respektables Lebenswerk hinterlassen. Dieser freundliche, herzensgute und sympathische Mann wird der Fortuna ebenso sehr fehlen wie vielen anderen Menschen in Köln. Sein Verlust ist kaum zu kompensieren. Noch vor kurzem haben wir ein paar Worte gewechselt, und wie immer sprühte er vor Energie. Nichts ließ ahnen, dass er schon bald nicht mehr bei uns sein würde. Ich danke Klaus und seiner Frau Helge für alles, was sie für die Fortuna getan haben. Wo wären wir heute ohne euch?

Freitag, 6. März 2015

Der Schäng ist unvergessen

Ich erinnere mich noch gut an jenen Tag im März 2005, an dem die Trauerfeier für Jean Löring stattfand. Die kleine Kapelle auf dem Südfriedhof platzte aus allen Nähten, als sich der langjährige Präsident des SC Fortuna Köln auf seinen letzten Weg machte. Der Schäng, wie ihn jeder nannte, war am 6. März gestorben, und die Anteilnahme in Köln war groß.

Heute jährte sich sein Todestag zum zehnten Mal. Ich unternahm einen Abstecher auf den Südfriedhof und schaute am Familiengrab der Lörings vorbei. Bei meinem Eintreffen legte eine junge Frau, eine Familienangehörige möglicherweise, gerade einen Strauß Lilien ab. Zuvor waren bereits andere da gewesen, hatten Blumen hinterlassen und Kerzen angezündet. Daneben steckte ein Wimpel des Fortuna-Fanclubs "Schäng Gäng".

Das hat mir gefallen. Es beweist, dass der Schäng nicht vergessen ist. Ich verweilte kurz und sagte dem Mann, der die Fortuna über Jahrzehnte hinweg verkörperte wie kein zweiter, noch einmal Tschüss.

Samstag, 15. November 2014

Fortuna überwintert im Pokal

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, es war mein erster Besuch im Erftstadion in Euskirchen. Anlaß war die zweite Runde im FVM-Pokal. Für diejenigen, die sich im Fußball nicht auskennen: das ist der Pokal des Fußballverbandes Mittelrhein. Die Mannschaft, die ihn gewinnt, ist für die erste Hauptrunde im DFB-Pokal in der kommenden Saison qualifiziert.

Die Auslosung bescherte Fortuna Köln das Gastspiel beim Verbandsligisten TSC Euskirchen. Vom Papier her eine klare Angelegenheit für den Drittligisten aus der Kölner Südstadt. Allerdings hat die Fortuna sich in den vergangenen Jahren bei niederklassigeren Vereinen mehr als nur einen Ausrutscher erlaubt.

Das war diesmal anders. Von Beginn an entwickelte sich ein munteres Spiel. Man merkte Euskirchen an, daß der Verbandsligist sich nicht verstecken wollte, sondern mutig nach vorne spielte. Das große Manko offenbarte sich aber schnell. Zwar wurde das Mittelfeld mehrfach mit schnellen, direkten Bällen überbrückt, doch die Hausherren fanden dabei vorne viel zu selten einen Abnehmer. Die meisten Vorstöße verpufften oder blieben in der Kölner Abwehr hängen.

Da war die Fortuna wesentlich effizienter. Goalgetter Ercan Aydogmus schob nach einer halben Stunde im Anschluß an eine Ecke ziemlich unbedrängt zur Führung ein und hätte mit einem Elfmeter schon vor der Pause alles klarmachen können. Er scheiterte jedoch sowohl mit dem Strafstoß als auch mit dem Nachschuß am nicht nur in dieser Situation starken Euskirchener Torwart Griesehop. So sahen die Zuschauer bis zur Pause ein abwechslungsreiches Spiel, in dem die Hausherren nun auch zu ein paar Torchancen kamen. Die Mehrzahl und die besseren hatte trotzdem die Fortuna.

Nach der Halbzeitpause verflachte das Spiel zunehmend, erst recht nach dem zweiten Gästetreffer durch Oliver Laux. Da war noch keine Stunde gespielt. Gleich mehrfach hätte die Fortuna das Ergebnis noch deutlicher gestalten können, traf aber erst kurz vor Spielschluß durch Cauly Oliveira Souza zum längst überfälligen 3:0. Das Fazit fällt leicht. Auch wenn Euskirchen mit Leidenschaft kämpfte und rannte, fehlten doch die Möglichkeiten, den zwei Spielklassen höher antretenden Gästen Paroli bieten zu können.

Dank des hochverdienten Erfolgs überwindert die Fortuna im Mittelrheinpokal. Ich bin gespannt, wen sie als Gegner fürs Viertelfinale zugelost bekommt.

Montag, 29. September 2014

Sie nannten ihn Schäng

Er sei bei einem Stromausfall auf den Flutlichtmast geklettert und habe eigenhändig die Kabel aneinandergehalten, damit ein Heimspiel der Kölner Fortuna zu Ende geführt werden könne. So wird eine Geschichte in verschiedenen Variationen seit vielen Jahren kolportiert. Sie stimmt natürlich nicht, zeigt aber, welch Hansdampf in allen Gassen der Schäng war.

Denn es gibt ähnliche Anekdoten, und von denen entsprechen eine ganze Menge der Wahrheit. Nachzulesen ist das im neuen Sonderheft der Fußballzeitschrift 11 FREUNDE. Von 1966 bis 2001 war Jean Löring, den in Köln alle nur den Schäng nannten, Präsident von Fortuna Köln. Er hat in seiner Eigenschaft als Mäzen - nicht als Sponsor oder gar Investor, der irgendwann eine Rendite herausholen will - zig Millionen in sein Vereinchen gesteckt.

Leider umfaßt der Artikel nur vier Seiten. Kein Wunder, das Heft beleuchtet schließlich 40 Jahre Zweite Liga. Daß der Schäng da überhaupt seinen Platz eingeräumt bekommt - und wer will daran zweifeln, daß er das verdient hat? -, finde ich schön. In der Südstadt, bei den Fortuna-Fans ist er ohnehin unvergessen. Da ist es passend, daß die gesamte Sportanlage um das Südstadion in Köln-Zollstock jetzt Jean-Löring-Sportpark heißt.

Einmal schrieb er auf den Spielberichtsbogen eines Schiedsrichters: "Alles gelogen." Auch eine Anekdote, aber die stimmt. Ebenso daß er dem DFB mal ein Schnippchen geschlagen hat. Weil er während eines Heimspiels einen Schiedsrichter zu heftig angegangen war, wurde er mit einem Stadionverbot belegt. Es war vor Weihnachten, und so fand er sich im Nikolauskostüm ein und blieb unerkannt und unbehelligt. So war er, unser Schäng.

Sonntag, 27. Juli 2014

Willkommen in der 3. Liga

Es ist gerade zwei Wochen her, daß Deutschland Fußballweltmeister wurde, und schon geht es wieder los mit den nationalen Ligen. Das für einen Fußballfan unerträgliche Sommerloch mit der spielfreien Zeit war dank der WM auf ein Minimum verkürzt. Keine Langeweile, keine Entzugserscheinungen. Ich finde das gut. Es muß nicht immer Bundesliga sein. Bekanntlich bin ich ja auch Anhänger des unterklassigen Fußballs, womit, was ich bei der WM einmal mehr gehört habe, viele Eventfans nichts anfangen können.

Gestern legte die 3. Liga los. Ich gestehe ihr Reiz und Attraktivität zu. Sage und schreibe neun ehemalige Bundesligisten sind in der Liga am Start. Die Sportschau ließ es sich nicht nehmen, mehrere Spiele als Livestream zu zeigen. Zunächst schaute ich mir die Begegnung zwischen Jahn Regensburg und dem MSV Duisburg an, später die Partie zwischen dem VfL Osnabrück und Energie Cottbus. Die nach dem Abstieg aus der 2. Liga völlig neu zusammengestellte Truppe aus der Niederlausitz hat schön gespielt, verdient gewonnen und gehört für mich mit zu den Aufstiegsfavoriten.

Davon kann der Aufsteiger Fortuna Köln natürlich nur träumen. Doch selbst das wäre vermessen. Keine Frage, für meine Südstädter kann es in dieser Saison nur ein Ziel geben, nämlich den Klassenerhalt. Das hat sich gleich am ersten Spieltag bestätigt. Heute griff die Fortuna ins Geschehen ein. Nach vierzehn Jahren das erste Punktspiel im Profifußball. Darauf hätte vor ein paar Jahren kaum jemand einen Pfifferling gesetzt, doch drei Aufstiege seit 2008 haben es möglich gemacht.

Auf dem Plan stand heute die Auswärtsbegegnung bei der SG Sonnenhof Großaspach. Nach der anfänglichen Führung mußte die Fortuna sich dem Mitaufsteiger aus Württemberg am Ende knapp mit 2:1 geschlagen geben. Ein Tor geschossen, aber keinen Punkt erobert. Schade. Es war ein Vorgeschmack auf das, was uns in dieser Saison in dieser Liga erwartet. Meiner Freude darüber, überhaupt in den Profifußball zurückgekehrt zu sein, tut das keinen Abbruch. Ich freue mich auf das erste Heimspiel. Am kommenden Samstag erwartet Fortuna die Zweitvertretung von Mainz 05 im Südstadion.

Donnerstag, 17. Juli 2014

Ein Bild für die Ewigkeit

Bitte nicht ganz ernst nehmen, aber ich habe etwas Nettes bekommen. Die Aufnahme entstand nach dem WM-Sieg. Bekleidet mit dem Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft (noch mit 3 Sternen) und schwarz-rot-goldener Fahne stemmte ich ein Weizen in die Höhe und bildete mir ein, es sei der Pokal. Jemand - vielen Dank an die Dame - hat nicht nur das Foto geschossen, sondern dann auch diese Montage mit dem echten Pokal daraus gezaubert, mit Text versehen und mir zukommen lassen. Ach ja, fußballhassende Gaucho-Tanz-Basher mögen nicht hinschauen. Ich finde es jedenfalls witzig, auch wenn die Zeiten, in denen ich selbst dem runden Leder hinterhergejagt bin, schon ein paar Jahre zurückliegen und es nie für einen großen Titel gereicht hat.


Mittwoch, 16. Juli 2014

So geh'n die Gauchos

Ich habe mir gestern die Berichterstattung über die Ankunft der frisch gebackenen Weltmeister in Berlin angesehen. Unglaublich, was auf der Fanmeile am Brandenburger Tor los war. Die ausgelassene Stimmung und die begeisterte, friedliche Atmosphäre zeigten, wie viel Freude die deutsche Nationalmannschaft und der errungene WM-Titel den Menschen gemacht haben. Ich finde das großartig, und es wäre in Argentinien nicht anders gewesen, hätte die Albiceleste das Endspiel gewonnen. Ganz zu schweigen von Brasilien, wenn die Selecao Weltmeister geworden wäre.

Das hat in meinen Augen nicht das geringste mit Patriotismus oder gar Nationalismus zu tun. Wer so etwas kolportiert, sollte dafür plädieren, sämtliche nationalstaatlich übergreifenden Wettbewerbe abzuschaffen. Die Begeisterung in Berlin - und natürlich überall dort, wo ebenfalls gefeiert wurde - war der Verbundenheit mit dieser tollen Mannschaft geschuldet, und der Tatsache, nach langen 24 Jahren endlich wieder einmal den WM-Titel gewonnen zu haben. Und das in aller Offenheit nach außen hin, wofür wohl kaum einer deutlicher stehen kann als die deutschen Spieler mit - ein furchtbares Wort - Migrationshintergrund. Miro Klose, Mesut Özil, Lukas Podolski, Jerome Boateng oder Shkodran Mustafi.

Trotzdem läßt sich etwas typisch Deutsches am Ende nicht ausschließen. Der Gaucho-Tanz, der im Netz hohe Wellen schlägt. Dabei meine ich nicht den Tanz an sich, sondern die negativen Kritiken von einigen Moralaposteln, die offensichtlich keine anderen, keine ernsthaften Sorgen haben. Das kleine Liedchen - ursprünglich ein Kinderlied, wenn ich mich nicht irre - ist in der Fußballwelt wohlbekannt und wird seit vielen Jahren gesungen. Bei Länderspielen, bei Ligaspielen. Von jedem über jeden, ohne daß es übel genommen wird. Es ist eine augenzwinkernde Frotzelei, mehr nicht. Auf keinen Fall eine Herabwürdigung des sportlichen Kontrahenten.

Daß es ein paar ausgelassene, übermütige junge Spieler gesungen und getanzt haben, hat keine negative Intention, nicht mehr als der Jubel nach dem Siegtor. Es juckt auch keinen, weder in Argentinien, noch anderswo in der Welt. Nur ein paar moralinsaure deutsche Berufsnörgler, die zum lachen in den Keller gehen, müssen den Gag als Staatsaffäre thematisieren. Das sind wahrscheinlich solche, die ihren eigenen Namen tanzen, Tatsachen jedoch nicht akzeptieren können, ohne ihnen einen negativen Beigeschmack zuordnen zu müssen. Mir tun solche Leute einfach nur leid.

Montag, 14. Juli 2014

Der 4. Stern für Deutschland

Ich habe immer daran geglaubt, daß die deutsche Mannschaft in Brasilien Weltmeister wird. Jetzt ist es so gut gekommen, und ich kann es auch mit einem Tag Abstand immer noch nicht richtig glauben. Aber es ist wahr, es ist Wahnsinn. Auch wenn mein Trikot mit den drei Sternen nun nicht mehr aktuell ist. Drei, wo wir jetzt 4 haben? Das ist so ähnlich wie der Express vom Vortag oder ein Weihnachtsbaum nach Neujahr.

Sage und schreibe 24 Jahre hat es gedauert seit dem letzten Titel. Seit Andreas Brehmes legendärem Elfmetertor im Endspiel von 1990. Eine ganz schön lange Durststrecke für einen echten Fußballfan. Da ist die Freude umso größer. Damals wie gestern ging es gegen Argentinien, und beide Partien endeten 1:0, 1990 durch einen Elfmeter, 2014 in der Verlängerung.

Dabei hat die deutsche Mannschaft den Titel in meinen Augen absolut verdient. Über die ganze WM gesehen, hat sie nicht nur den effektivsten Fußball gespielt, sondern auch den schönsten, trotz des einen oder anderen Holperers. Gegen Algerien - ich habe mich bereits darüber ausgelassen - riefen einige enttäuschte Jubelfans schon den nationalen Notstand aus. Völlig zu Unrecht. Die Truppe hatte ihr Ziel, glaubte daran und an sich selbst und ließ sich nicht von ihrem Weg abbringen.

Zumal Joachim Löw machen konnte, was er wollte. Es stellte sich als richtig heraus. Auch für ihn ist der Erfolg eine Art Ritterschlag. Wäre er das vierte große Turnier in Folge ohne Titel geblieben, würde ihm der Ruf als (höchstens) ewiger Zweiter anhängen, ähnlich wie Bayer Leverkusen. Das wünscht ihm keiner. So jedoch steht der Jogi in einer Reihe da mit den Vorgängern Sepp Herberger, Helmut Schön und Franz Beckenbauer, die Deutschland zum Weltmeistertitel geführt haben.

Es war ein würdiges Finale gestern, kämpferisch, spielerisch, dramatisch und spannend bis zum Abpfiff. Mehr als einmal habe ich gezittert, besonders wenn Lionel Messi am Ball war. Zwar hat er das Spiel nicht so dominiert, wie es die Argentinier gern gehabt hätten, doch sobald er am Ball war, war Zug nach vorn. Ansonsten zeigten sich die Gauchos so, wie ich sie kenne und einschätze, nämlich häufig überhart. Was allein der arme Schweinsteiger einstecken mußte, tat schon am Bildschirm weh.

Doch die Jungs haben sich den Schneid nicht abkaufen lassen. Ich sage es ja, völlig verdient, dieser Titel. Und zudem die Krönung einer unfaßbaren Saison. Fortuna Köln ist in die 3. Liga aufgestiegen, der 1. FC Köln in die Bundesliga. Ich bin immer noch im Überschwang, besonders nach dem gestrigen Sieg und bei den Gedanken an den vierten Stern. Wer mit Fußball nichts am Hut hat, wird es nur schwer nachvollziehen können, aber ich sage herzlich Dankeschön an Jogi Löw und diese tolle Mannschaft.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Historischer Sieg

Ich bin immer noch perplex von dem, was sich gestern abend in Belo Horizonte ereignet hat. Mit sage und schreibe 7:1 fegte die deutsche Nationalmannschaft Brasilien aus dem Turnier. Den Gastgeber, den selbsternannten Titelfavoriten. Die angeblich so spielstarken Wunderfußballer. Was für ein großartiger, rauschender Fußballabend. Phasenweise dachte ich, ich träume, als die Tore fast im Minutentakt fielen. Ich saß fassungslos da, und den Leuten um mich herum erging es nicht anders. So richtig glauben konnte das keiner.

Nie zuvor gab es einen so hohen Sieg in einem WM-Halbfinale. Und der war verdient, wenn vielleicht auch um ein oder zwei Tore zu hoch. Doch spätestens nach dem zweiten deutschen Tor lief bei den Brasilianern nichts mehr zusammen. Es war erschreckend zu sehen, wie die Mannschaft auseinanderfiel. Kein Aufbäumen, es wurde nicht dagegen gehalten. Nach dem 2:0 durch Klose hatte ich den Eindruck, man habe sich aufgegeben.

Umso vehementer verwehre ich mich dennoch dagegen, Deutschland sei fürs Endspiel nun der ganz große Favorit. Weder Argentinien noch die Niederlande als mögliche Gegner werden es Jogis Truppe so leicht machen wie Brasilien, das in der Abwehr riesige Lücken erkennen ließ, den Deutschen unwahrscheinliche Räume bot und in der Abwehr neben dem Ball herlief, statt sich den Angreifern konsequent entgegenzustellen. Schweinsteiger und Co konnten mehr oder weniger schalten und walten, wie sie wollten. Solch ein einfaches Spiel werden wir im Finale nicht haben, auf keinen Fall, obwohl ich dem zuversichtlich entgegensehe.

Gefreut habe ich mich über Miro Kloses 16. WM-Treffer. An vier Weltmeisterschaften teilgenommen und nun alleiniger Rekordtorschütze vor Ronaldo. Das muß ihm irgendwann erst mal einer nachmachen. Richtig schön wäre es natürlich, wenn er bei seiner letzten WM-Teilnahme den Titel mit nach Hause nehmen würde.

Sonntag, 6. Juli 2014

Verregnetes Zollstocker Sommerfest

Dieser Sommer wird von Regen und Sturm dominiert. So war es auch gestern beim Sommerfest in Köln-Zollstock, das zum vierten Mal von den Freunden des Zollstocker Dienstagszugs organisiert wurde. Es regnete an einer Tour, was mich aber nicht von einem Abstecher abhielt. Trotz kurzer Hose und T-Shirt war es warm, und das Kölsch war kalt.

Das musikalische Rahmenprogramm war noch kälter. Zumindest ließ es mich extrem kalt. Mit Schlagern und Stimmungsmusik kann ich nun mal nichts anfangen. Der singende Türsteher, Der Engeln, Thommy Walter und gar eine Helene Fischer Tribute Show, ärger hätte es mich kaum treffen können. Ist Helene Fischer an sich nicht schlimm genug? Muß es noch Epigonen von ihr geben? Von mir aus, der Musik wegen bin ich ja nicht nach Zollstock gefahren.

Sondern wegen Fortuna Köln. Nach der Regionalliga-Meisterschaft wurde die Mannschaft inklusive der Neuzugänge für die 3. Liga vorgestellt. Präsident Klaus Ulonska und Trainer Uwe Koschinat plauderten zwanglos, und die Spieler hatten reichlich Spaß auf der Bühne. Besonders bei der Helene Fischer-Mimin. Den Jungs sollte bei Gelegenheit jemand gute Musik nahebringen. Räuber und Domstürmer hätte ich mir angesehen, aber bei deren Auftritt war ich schon weg.

Denn ich fuhr ich nach Weiden, wo ein Vorbereitungsspiel für die kommende Saison stattfand. Die Südstädter traten gegen Hennef 05 an. Die Hennefer sind in die Regionalliga West aufgestiegen, welche die Fortuna just eine Liga weiter nach oben verlassen hat. Es entwickelte sich ein munteres Spiel, bei dem Hennef kurz nach dem Anpfiff in Führung ging, sich aber mit 4:1 geschlagen geben mußte. Michael Kessel, Aufstiegsheld Oliver Laux, Kusi Kwame und Publikumsliebling Ercan Aydogmus, der Spieler der Saison 2013/2014 machten die Sache für die künftigen Drittliga-Profis klar. Und Uwe Koschinat wechselte in der Halbzeitpause komplett durch.