Samstag, 5. September 2015

Deutschland schlägt Polen in der EM-Qualifikation

Jonas Hector im Trikot des 1. FC Köln
Die Fußballpause ist vorbei, nicht nur für die nationalen Ligen, sondern auch für die deutsche Nationalmannschaft. Was einen Fußballfreund wie mich natürlich freut, denn ich war und bin ein Anhänger der deutschen Auswahl, so lange ich denken kann.

Am gestrigen Abend war es endlich wieder soweit. Die Elf mit dem Bundesadler auf der Brust trat in Frankfurt gegen die polnische Auswahl an. Unnötig zu sagen, dass die Qualifikation für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich ausgespielt wird. Ebenso unnötig zu erwähnen, dass Deutschland mit 3:1 gewonnen hat. Denn das Ergebnis wie auch der Spielverlauf wird auch für Nichtfußballfans seit dem späten Abend in sämtlichen Medien bekannt gegeben und ist spätestens heute früh, also in wenigen Stunden, in allen Zeitungen zu lesen.

Doch ich möchte meinem Vergnügen, das ich beim Zuschauen der Begegnung hatte, Ausdruck verleihen. Obwohl Polen eine richtig starke Truppe aufs Feld schickte, die meiner Meinung nach in Frankreich durchaus für Furore sorgen kann, war der deutsche Sieg verdient. Von einem solchen war ich im vorhinein ohnehin ausgegangen, und am Montag gegen Schottland erwarte ich einen weiteren ungefährdeten Sieg. Das hat nichts mit Arroganz zu tun - ich bin ja jemand, der generell Respekt für den sportlichen Gegner fordert, und mag er noch so unterlegen sein -, sondern einfach damit, dass ich weiß, wie stark die deutsche Mannschaft ist.

Was mich besonders freut, ist, dass sich Jonas Hector auf der linken Abwehrseite der Nationalmannschaft festgebissen hat. Der Verteidiger des 1. FC Köln machte nicht nur in der Defensive ein gutes Spiel, er sorgte auch für zahlreiche Offensivaktionen. So war er glänzend als Vorbereiter am 2:0 durch Mario Götze beteiligt und hätte beinahe sogar selbst ein Tor geschossen. Klasse, der Junge. Ich fürchte nur, dass bei finanziell potenten Vereinen die Begehrlichkeiten größer werden und Hector den FC in absehbarer Zeit gegen einen ordentlichen Millionenbatzen Geld verlassen wird.

Auch gefreut hat mich, dass "der kölsche Prinz" Lukas Podolski kurz vor Schluss eingewechselt wurde und zumindest noch die dreiminütige Nachspielzeit mitmachen durfte. Welcher Beliebtheit sich Poldi, dessen 126. Länderspiel das war, bei Fußballfans in ganz Deutschland erfreut, zeigten die im Frankfurter Stadion gleich nach seiner Einwechslung aufbrandenden Sprechchöre, die lautstark "Lukas Podolski" skandierten. Das fand ich schön, und ich fiebere dem Montagspiel gegen Schottland entgegen.

Freitag, 4. September 2015

Mangelnder Handlungsfortschritt?

"Erstaunt und erfreut haben mich ... die unauffällig eingestreuten, durchaus kritischen Passagen und Aussagen zu Fremdenfeindlichkeit in Jan Gardemanns Beitrag."

Das schreibt Robert Monners in seiner Besprechung des neuen Ren Dhark-Buchs Feind der Wächter. Da musste ich schmunzeln, denn das wurde vor längerer Zeit auch schon mal anders ausgelegt und der Serie vorgeworfen. Was damals natürlich totaler Unsinn war.

Wie immer rezensiert Monners den aktuellen Ren Dhark-Roman für das Online-Portal phantastik-news.de. Spannend und angenehm zu lesen findet er das Buch, wenngleich ihm der rote Faden fehlt. Und weiter:

"So bleibt als Fazit, dass dieses Mal viel Sense of Wonder auf die Leser wartet, ohne dass die Handlung wirklich merklich vorankommen würde."

Da allerdings muss ich dem Rezensenten vehement widersprechen. Meiner Meinung nach kommt die Handlung deutlich voran, und zwar in allen drei Handlungsebenen. Trotzdem ist es interessant zu sehen, wie unterschiedlich Leser die Geschichte aufnehmen.

Die komplette Besprechung gibt es hier:
http://www.phantastiknews.de/index.php/rezensionen/11012-ren-dhark-weg-ins-weltall-56-feind-der-waechter-ben-b-black-hrsg-buch

Donnerstag, 3. September 2015

Classic Rock 43

Vom Cover schaut einem diesmal David Bowie entgegen, für den mein alter Freund Carsten ein solches Faible hatte. Zuweilen faszinierte mich Bowie in seinen diversen Inkarnationen, mit denen er sich immer wieder neu erfand, aber genauso oft war er mir suspekt. Heroes ist für mich allerdings bis heute ein großer Song, ein ganz großer sogar. Die September-Ausgabe widmet Ziggy Stardust nicht nur das Titelbild, sondern zudem die Titelstory. Speziell werden die fünf wilden Jahre von 1969 bis 1973 beleuchtet.

Mit viel mehr Spaß las ich das Interview mit Lemmy. Lemmy ist wieder gesund, und Lemmy nimmt kein Blatt vor den Mund. "The Last Man Standing" überschreibt Classic Rock das Interview, das Chris Franzkowiak am Vorabend des 3.765sten Motörhead-Konzerts mit dem knorrigen Stehaufmännchen Lemmy führt, der zwischen seinen Antworten seinen Alkohol kippt und eine Zigarette nach der anderen raucht. Im Dezember wird er 70, und Motörhead bestehen seit 40 Jahren. Also alles richtig gemacht, würde ich sagen. Und bitte weitermachen, Lemmy! Aber er will ja eh nicht im Bett sterben, sondern eines Tages mit dem Bass in der Hand beim Auftritt auf der Bühne umfallen.

Jimmy Page zeigt sich im Interview zum Abschluss der Veröffentlichung der Led-Zeppelin-Reissues entspannt und auskunftsfreudig. Warum sollte er auch nicht, nachdem dieses harte Stück Arbeit gelungen ist? Darüber hinaus scheint Page ein sympathischer Zeitgenosse zu sein

Die Meilensteine erinnern an die jeweils im September verstorbenen Keith Moon 1978 und Marc Bolan 1977, der eine 32 Jahre alt, der andere gar erst 29. Gleich daneben der Nachruf auf Chris Squire, den jüngst von uns gegangenen Bassisten und Kopf von Yes. Ebenfalls im September, und zwar 1970, verstorben ist Jimi Hendrix, bekanntlich einer jener Musiker, die man heute als den "Club der 27er" bezeichnet. In den Rock-Mythen wird noch einmal auf die bis heute bestehenden Rätsel bei seinem Tod hingewiesen.

Mötley Crüe gehen auf Abschiedstour. Na sowas, es geschehen Dinge, mit denen man kaum jemals rechnet. Dann schon eher mit einer Werkshow von Paul MacCartneys Schaffen. Die findet sich im vorliegenden Heft, wobei Sir Pauls Arbeit mit den Beatles explizit ausgeklammert bleibt. Hier geht es um Macca allein, mit Linda und natürlich mit den Wings. Band on the Run ist für mich nicht weniger groß als das weiter oben erwähnte Heroes.

Gleich sechs Seiten Konzertberichte sind außergewöhnlich viel, was mir gefällt, weil ich solche Berichte immer gern lese. Und dann froh bin, dieses Konzert ausgelassen, oder enttäuscht bin, jenes verpasst zu haben. Das letzte Wort gehört diesmal John Lydon. Ich staune, dass Herr Rotten noch immer aktiv ist. Das war mir gar nicht bewusst. Im September erscheint tatsächlich ein neues PIL-Album. Da sollte ich mal reinhören.

Mittwoch, 2. September 2015

Matula kehrt auf den Bildschirm zurück

Foto: picture alliance / dpa
"Sag niemals nie", das wusste schon Sean Connery. Nach mehr als einem Jahrzehnt Abwesenheit von James Bond kehrte er 1983 noch einmal als Geheimagent in den Dienst ihrer Majestät zurück.

Noch viel weiter trieb es Götz George als Tatort-Kommissar Horst Schimanski. Nach seinem Ausscheiden aus dem Tatort und damit aus dem Polizeidienst in Duisburg 1991 vergingen sechs Jahre, bis die ARD ihren bis heute beliebtesten Tatort-Ermittler wieder ins Rennen schickte. Er bekam eine eigene "Schimanski"-Reihe, von der die vorerst letzte Folge 2013 ausgestrahlt wurde.

Eine Blaupause für "Ein Fall für zwei"? Die Serie ist zweifellos ein Stück deutsche Fernsehkrimi-Geschichte, und Claus Theo Gärtner ist es ebenfalls. Von 1981 bis 2013 spielte er an der Seite wechselnder Anwälte den Privatdetektiv Hermann Josef Matula. Ein ruppiger Ermittler wie Schimanski war der smarte Matula, der genau so oft wie Schimi was aufs Maul bekam und das Herz doch immer auf dem rechten Fleck hatte.

Nach 300 Folgen des ZDF-Dauerbrenners machte Gärtner im Jahr 2013 Schluss. Mit 70 in TV-Rente zu gehen ist für einen Schauspieler nun sicherlich kein verfrühter Zeitpunkt. Da hatte ich ihn schon viele Jahre aus den Augen verloren. Zahlreiche der frühen Folgen habe ich mir angeschaut, als Günter Strack noch sein Partner war, und später Rainer Hunold. Danach war "Ein Fall für zwei" keiner mehr für mich. Doch als der Pressewirbel mich auf den Abschied von Matula aufmerksam machte, schaltete ich seinen letzten Auftritt als Privatdetektiv ein. "Ein Fall für zwei" war endgültig durch, das dachte nicht nur ich.

Doch weit gefehlt. Gärtners Figur Matula scheint sich beim Publikum nach wie vor großer Beliebtheit zu erfreuen. Wie anders ist zu erklären, dass er mit dem ZDF unter dem schlichten Produktionstitel "Matula" einen neunzigminütigen Film dreht, dessen Sendetermin allerdings noch nicht feststeht. "Wer Wind sät" soll der Film heißen, für den Gärtner ab September vor der Kamera steht.

Der Fall beginnt in Frankfurt und führt Matula an die Nordsee, verriet Gärtner der BZ. Er macht sich als Rentner mit einem Wohnmobil auf den Weg. Aber dann kommt ihm ein Auftrag dazwischen. Und weil Matula ständig Geldmangel hat, nimmt er den Auftrag an.

Dass ich mir den Film anschauen werde ist klar. Unklar ist mir hingegen, ob es bei der einen Produktion bleiben wird. "Schimanski" hat es als eigenständige Reihe auf bisher 17 Folgen gebracht. Mal sehen, wie weit es "Matula" bringt.

Dienstag, 1. September 2015

Erinnerung an das Los Morenos

Schon wieder ist ein Ren Dhark-Manuskript fertig, und schon wieder hatte ich Vergnügen beim Schreiben. Würde ich etwas anderes behaupten, wäre es gelogen, denn ich konnte mich mal wieder richtig austoben. Es gibt nicht nur die Hetzjagd der Point of nach einem großen Geheimnis, sondern auch reichlich Action. Der Roman ist bestimmt für Weg ins Weltall 58 - Götter der Niapave. Das Buch wird voraussichtlich im November erscheinen.

Simon, der Silberne aus dem alten Wächterorden, setzt erneut einen wichtigen Handlungsakzent. Das gilt ebenso für Ren Dhark, meine Lieblingsfiguren Chris Shanton und Arc Doorn, für die Künstliche Intelligenz Artus und den Roboterhund Jimmy, für den Viermeterhünen Parock und den Tel Hon Wolt. Zudem wird Dhark von einem alten Freund kontaktiert, der schon länger nicht mehr in der Handlung aufgetaucht ist, und der geheimnisvolle Unbekannte, der kommt und geht, wie es ihm beliebt, taucht erneut in der Point of auf.

Viele Leser von Ren Dhark erinnern sich sicher noch an das legendäre Los Morenos. Das spanische Restaurant im Amüsierviertel von Cent Field erfreute sich eine Zeitlang bei Dhark, Dan Riker und einigen anderen Regierungsangehörigen großer Beliebtheit. Dann kam es zur Erdvereisung, dem Exodus der Menschheit nach Babylon und der Invasion der von den Menschen auch Eisläufer genannten Riiin. Juan und José Moreno, die Betreiber des Los Morenos, waren zwei der unbeugsamen Terraner, die trotz planetenweiter Eiszeit und den feindlich gesinnten Invasoren auf der Erde blieben, um am Kampf gegen die Riiin teilzunehmen. In der entscheidenden Schlacht fanden die Brüder den Tod, und in den Wirren der Ereignisse verschwand das Los Morenos aus der Handlung und aus den Köpfen der Autoren. Ich erinnere mich daran, dass ich es war, der Juan und José gemeuchelt hat.

Auch ich selbst dachte lange nicht mehr an das Los Morenos. Beim Schreiben des neuen Manuskripts gab es eine Szene, bei der es mir wieder einfiel, und ich bedauerte, dass wir es nach der Befreiung der Erde nicht mehr erwähnt haben. Vermutlich hat es unter dem jahrelangen Eispanzer ohnehin schweren Schaden genommen – aber den kann man ja reparieren. Jedenfalls baute ich das einstmals so beliebte Restaurant in meine Geschichte ein, marginal zwar nur, aber vielleicht kann ich in einem der nächsten Romane mehr daraus machen.

Das Los Morenos in der Ren Dhark-Handlung ist übrigens keine bloße Erfindung. Es besitzt sein reales Gegenstück in unserer Wirklichkeit. Ein spanisches Restaurant in Mönchengladbach heißt tatsächlich Los Morenos, benannt nach den es betreibenden Brüdern Juan und José, ganz wie in der Geschichte also. Ich durfte die hervorragende spanische Küche dort kennen lernen. Denn 2006 – liebe Güte, das ist auch schon wieder neun Jahre her – veranstalteten wir dort unser erstes Ren Dhark-Fantreffen, dem einige weitere folgten. Ich denke gerne an das wunderbare Wochenende mit meinen Kollegen und den anwesenden Dhark-Lesern zurück, bei dem ausnahmslos alle Teilnehmer sehr viel Spaß hatten.

Montag, 31. August 2015

Bläck Fööss seit 40 Jahren am Tanzbrunnen

(c) des Fotos by Frank "Veeni" Veenstra
Ob das irgendeine andere Band an irgendeinem Ort der Welt geschafft hat? Vierzig Jahre lang jedes Jahr mindestens ein, zuweilen sogar zwei oder drei Mal am selben Veranstaltungsort aufzutreten? Die Kölner Mundartgruppe Bläck Fööss hat dieses Kunststück jedenfalls fertig gebracht. 1970 wurden die Fööss gegründet, 1975, also in dem Jahr, in dem Boss Bruce Springsteen sein Jahrhundertalbum Born to Run veröffentlichte, stand die Mutter aller kölschen Bands erstmals auf der Open Air-Bühne des Tanzbrunnens.

Am Samstagabend war es wieder soweit. Vor proppenvollem ausverkauftem Haus und bei strahlendem Sonnenschein legten die sieben Musiker pünktlich um 19 Uhr los. Die Stimmung beim Publikum war sofort da, bei allen "von 8 bis 80", wie Erry Stoklosa feststellte. Fööss-Konzerte sind eine echte Familienangelegenheit, zu der sogar Besucher aus Belgien, den Niederlanden und Skandinavien anreisen. Die Fööss waren bestens aufgelegt, und die Hits kamen Schlag auf Schlag. In 45 Jahren Bandbestehen sammelt sich natürlich ein enormer Fundus an Liedern an

Zu jedem Konzert am Tanzbrunnen lässt die Kölner Kultband sich etwas besonderes einfallen. In diesem Jahr gaben die Musiker ein Elvis Presley-Medley zum besten. Gewandet in typisches Elvis-Bühnenoutfit schmetterten sie ein paar bekannte Stücke des King, um dann ihr Elvis lääv folgen zu lassen. Überhaupt verweisen sie immer wieder auf die Idole ihrer eigenen Jugend

Doch es wurde nicht nur gefeiert und mitgesungen, sondern zwischendurch immer wieder besinnliche, nachdenkliche Töne angeschlagen. Zum Beispiel mit Usjebomb, einem ruhigen Stück über das ausgebombte Köln. An das Kriegsende vor siebzig Jahren erinnerte auch der von Karl Berbuer stammende Gassenhauer Trizonesiensong, unschwer zu erkennen auf die drei Besatzungszonen gemünzt und gleich nach dem Krieg so etwas wie die inoffizielle Ersatzhymne. Bömmel Lückerath nutzte die Gelegenheit, um vor immer offener zu Tage tretenden rechten Tendenzen zu warnen. Harsche Kritik musste auch der Rat der Stadt Köln für so manch verfehlte Politik in den vergangenen Jahren einstecken.

Meine Lieblingslieder der Bläck Fööss stammen vorwiegend aus den Siebziger oder frühen Achtziger Jahren, und da die Band sich durch alle Schaffensperioden spielte, kamen auch sie zum Zug. Kölsche Bröck, erzählt aus der Perspektive einer Kölner Rheinbrücke, Ming eetste Fründin, die natürlich das Meiers Kätchen war, und vor allem das Heimwehstück Ich han nen Deckel.

Klar, dass mir nicht alle Stücke der Bläck Fööss gefallen. Das schafft ja nicht mal BAP, und selbst beim Boss gibt es Songs, die ich nicht mag. Bei den Fööss sind das beispielsweise die vom Publikum stets abgefeierten Kathrin und Bye bye, my Love. Die Leute fahren drauf ab, ich sehe darin nur Schlagerdriss. Aber ein paar wenige Ausfälle bei all den wunderbaren Liedern verzeihe ich den in Ehren ergrauten Herren gern, die die Kölsche Mundart in die Musik und die Musik in die Kölsche Sprooch gebracht haben.

Unsere Stammbaum jagte sich mit Wenn et Leech usjing em Roxy, Surfen am Fühlinger See mit dem Bickendorfer Büdche. Das Publikum der Bläck Fööss ist ausgesprochen textsicher, und zuweilen lassen die Musiker, die in jeder musikalischen Richtung zu Hause sind, ihm den Vortritt. Bei Uptempo-Stücken und Rock'n'Roll ebenso wie bei Balladen und griechischen Melodien. Beim Sirtaki ließ sich das Publikum nicht lange bitten. Da der Tanzbrunnen rechtsrheinisch liegt, durfte Schäl Sick natürlich nicht fehlen, und das Rheinhotel erfreut sich ohnehin immer wieder großer Beliebtheit.

Drink doch eine met und In unserem Veedel habe ich bestimmt tausendmal gehört, habe aber bei beiden Stück immer noch einen Kloß im Hals. Kaum anders geht es mir bei Mer han e Hätz för Kölle, eins ihrer schönsten Stücke, ihrer zu Herzen gehendsten Lieder, bei dem so mancher Lokalpatriot gerne mal ein Tränchen verdrückt.

Manches Stück fehlte, manches andere kam überraschend. Nach dem Veedel war Schluss, um Punkt 22 Uhr und nach einem wundervollen dreistündigen Programm. Länger als bis zehn ist am Tanzbrunnen nicht erlaubt, auch nicht am Wochenende, sonst gibt es Ärger. Man merkte den Musikern an, dass sie liebend gern noch weitergespielt hätten. Durften sie aber nicht. Schade. Dafür haben sie angekündigt, 2016 auch im 41. Jahr am selben Ort auf der Bühne zu stehen. Ich bitte darum.

Sonntag, 30. August 2015

250 Ausgaben deutscher Rolling Stone

Wahrscheinlich ist inzwischen bereits das September-Heft erschienen, aber das möchte ich trotzdem noch nachreichen: Die August-Ausgabe des Rolling Stone war eine ganze besondere, nämlich die Jubiläumsausgabe 250. Ich weiß noch, wie vor über zwanzig Jahren endlich eine deutschsprachige Ausgabe des Musikmagazins an den Kiosken lag. Darauf hatte ich schon eine ganze Weile gewartet. So war ich von der ersten Nummer an ein regelmäßiger Leser, und das viele Jahre lang. Der Rolling Stone berichtete in schöner Regelmäßigkeit über Musiker und Bands, die ich mochte und mag.Irgendwann traten nach und nach Veränderungen ein. Das ist bei einer Zeitung oder Zeitschrift ein ganz normaler Vorgang. Mit dem sich ändernden Layout konnte ich nicht viel anfangen. Nicht so schlimm, denn es geht ja um den Inhalt. Doch auch der veränderte sich. Nicht zum Schlechteren hin, sondern einfach teilweise in eine Richtung, die mich nicht interessierte. Manche Artikel waren immer noch voll und ganz nach meinem Geschmack, andere las ich höchstens noch quer.Dann kam Classic Rock auf den deutschen Markt, und eine Weile las ich beide Magazine parallel. Es zeichnete sich ab, dass ich das auf Dauer nicht beibehalten kann. So viel Zeit habe ich einfach nicht. Man will ja schließlich auch noch andere Sachen lesen. Als ich mich selbst vor die Entscheidung stellte, eine von beiden Lektüren aufzugeben, fiel mir die Wahl nicht mehr schwer. Der Rolling Stone musste dran glauben. Gleichwohl er zweifellos weiterhin ein gutes und fachkundiges Magazin blieb, hatte ihm Classic Rock bei mir thematisch den Rang abgelaufen.Als jetzt die 250. Ausgabe erschien, musste ich trotzdem mal wieder zugreifen. Die Macher feiern sich darin selbst, und das haben sie sich zweifellos verdient. Es gibt einen Parforceritt durch 250 Monate, bei dem sämtliche Cover noch einmal zu sehen sind, dazu kurze Rückblicke und Anekdötchen. Das Titelbild der vorliegenden Ausgabe zieren Musiker, die den Rolling Stone und seine Mitarbeiter über all die Jahre begleitet, begeistert und inspiriert haben. Als Beilage findet sich sogar ein Taschenbuch, das sich mit den 250 Alben des jeweiligen Monats beschäftigt.Doch um zurück zur Gegenwart zu kommen: Es finden sich gerade einmal zwei längere Artikel in der Jubelausgabe, die mich vereinnahmen konnten. Der eine beschäftigt sich mit den Prog-Rock-Größen Rush, die anscheinend selbst unschlüssig sind, ob die bevorstehende Tournee ihre letzte sein wird.Der andere beleuchtet ein weiteres Jubiläum, ein vierzigjähriges gar, nämlich das Erscheinen von Bruce Springsteens 1975er Album Born to Run als Manifest der Mythen des Rock’n’Roll. Unfassbar, dass der Boss, der eine Zeitlang dachte, er würde das Album niemals fertig bekommen, es schließlich, als die Platte dann doch noch fertig wurde, aus Unzufriedenheit wegwerfen wollte. „Ich wurde geboren, alterte und starb, während ich das Album machte.“ Diese später getätigte Aussage Springsteens verdeutlicht seine Zerrissenheit während der langen Produktionsphase.Was für ein Glück, dass er es nicht getan hat. Ein kaum vorstellbarer Verlust, denn ich liebe das Album, egal wie oft ich es angehört habe. Ob es für mich das beste Rockalbum aller Zeiten ist? Schwer zu sagen, aber durchaus möglich. Auf jeden Fall rangiert es mit ganz weit oben. Meinen Dank an Arne Willander für den prima Artikel, und dem Rolling Stone einen herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum. Wie sagt man bei solchen Anlässen? Auf die nächsten 250!

Dienstag, 25. August 2015

Wäscher-Romanadaptionen kommen als E-Books

Das freut mich wirklich sehr. Heute hat der Verlag Peter Hopf bekannt gegeben, dass meine dort erscheinenden Romanadaptionen nach Comics von Hansrudi Wäscher nun auch digital erscheinen. Das gilt für den Weltraumfahrer Nick, für den Sohn des Dschungels Tibor und für den Ritter ohne Furcht und Tadel Falk. Auch die von Thomas Knip verfasste Gesamtausgabe von Bob & Ben wird nicht unterschlagen.

Es soll ja tatsächlich Leute geben, die keine gedruckten Bücher mehr lesen, sondern ausschließlich nur noch E-Books. Sie werden jetzt ebenso bedient wie diejenigen, denen die in limitierter Auflage erscheinenden Printausgaben zu teuer sind. Wie die Hardcover werden auch die E-Books mit den in den Romanen enthaltenen Innenillustrationen versehen.

Los geht es mit Tibor Band 1, der Anfang September erscheint und jetzt schon vorbestellt werden kann. Am 1. Oktober folgt Nick 1, am 2. November Bob & Ben und am 1. Dezember Falk 1. Im nächsten Jahr geht es weiter. Die genauen Veröffentlichungsdaten der weiteren Romane werden noch bekannt gegeben.

Zu diesem Anlasse verweise ich auf die Rezension zum ersten Tibor-Roman, die im Online-Portal Highlightzone erschienen ist:
Der junge amerikanische Millionär Gary Swanson stürzt mit dem Flugzeug über dem afrikanischen Dschungel ab. Er überlebt, verliert allerdings sein Gedächtnis. Beim Stamm des freundlichen Gorillas Kerak findet er nach einigen Anfangsschwierigkeiten Aufnahme. Da Gary auch seinen Namen vergessen hat, gibt Kerak ihm einen Neuen: Tibor.
Nach und nach lernt Tibor im Dschungel ein unglaublich freies und unbeschwertes Leben kennen, er lernt schließlich sogar die Sprache der Tiere. Als er nach vielen wundersamen Abenteuern sein Gedächtnis zurückerlangt und eine Station englischer Kolonialbeamter aufsucht, erwartet ihn ein Schock: Swanson wurde für tot erklärt, sein Vermögen ist verspekuliert, seine Verlobte hat geheiratet. Tibor kehrt der Zivilisation den Rücken und verschwindet für immer im Urwald, um fortan mit seinen Freunden aus dem Tierreich zu leben. 
Achim Mehnert – der in Kennerkreisen als einer der besten zeitgenössischen deutschen SF-Autoren gilt (u.a. Ren DharkPerry RhodanAtlanProfessor Zamorra)- hat Hansrudi Wäschers legendäre Kultcomics in Romanform umgesetzt. 
Wäschers Dschungelheld unterschied sich in so mancherlei von seinen Kollegen Tarzan oder Akim. Im Gegensatz zu diesen war er nicht als Baby von Affen aufgezogen worden, sondern erst im zweiten Bildungsweg als Erwachsener zum Herrn des Dschungels geworden, der die Sprachen aller Tiere versteht. Das gibt potentiellen Aussteigern natürlich Hoffnung, es ihm eines Tages gleichzutun. 
Wäschers Comics zählen zu den absoluten Perlen der neunten Kunst, und Tibors Abenteuer wiederum gehören zu deren Höhepunkten, man denke nur an klassische Geschichten wie den Nandi-Bär-Zyklus. Nun hat Tiborauch die Literatur erobert. Der erste Tibor-Roman beinhaltet handlungsmäßig die Tibor-Piccolos #1-#9. Fortsetzung folgt. 
Fazit: Ein Aussteiger-Schicksal, das sogar Rüdiger Nehberg vor Neid erblassen lässt. Auch in Romanform macht der Dschungelfürst eine gute Figur! Hansrudi Wäschers geniale Stories mit ihrem unverwechselbaren Humor wurden von dem Routinier Mehnert gekonnt in Prosaform umgesetzt. 
http://www.verlag-peter-hopf.de/detail-abenteuer-tibor-001-ebook.php 
http://www.highlightzone.de/buch/tibor.html

Freitag, 21. August 2015

Im Bann eines Schwarzen Raumers

Die Zyklops und die Schwarzen Raumer, die vor 1.350 Jahren im Galaktischen Krieg Planeten zerstört und ganze Zivilisationen ausgerottet haben, waren eines der zentralen Elemente in den klassischen Geschichten von Raumschiff Promet. Kurt Brand hat mit ihnen ein Mysterium in seinen Romanen geschaffen, das mich heute noch fasziniert. Die Schwarzen Raumer haben nichts von ihrem Schrecken verloren.

Ich habe kürzlich die Arbeit an einem weiteren Roman für Raumschiff Promet Neo (Von Stern zu Stern) abgeschlossen. In der Geschichte spielt einer jener Schwarzen Raumer eine wichtige Rolle. Mit der Promet wagen Peet Orell, Arn Borul und ihre Freunde zum ersten Mal den Sprung zum Riesenstern Deneb. Man könnte von der ersten gemeinsamen Mission von Menschen und Moranern sprechen, und sie endet mit schwerwiegenden Problemen für die Promet.

Ich habe dem Roman den vorläufigen Titel Sternentod verpasst. Ob das für 2016 geplante Buch auch unter diesem Titel erscheint, weiß ich noch nicht. Mir schwirren immerhin drei alternative Titelvorschläge im Kopf herum.

Dienstag, 18. August 2015

Schlomo zum Vierten - Trivialliteratur? Ja klar!

Schlomo hat wieder zugeschlagen. Beim Zauberspiegel erschien just der vierte Teil seiner Kolumne zum Thema Ren Dhark. Diesmal widmet Schlomo sich den beiden aktuellen Büchern, nämlich Band 55 der Hauptserie und dem Unitall-Sonderband 28, also Vereinigung der alten Völker und Das Geheimnis von Iondru. Doch halt, Schlomo wäre nicht Schlomo, wenn das so einfach wäre oder gar linear geschähe.

Zunächst einmal geht es darum, warum Schlomo auf Trivialliteratur abfährt und sie gar für die bedeutendste Richtung der Literatur insgesamt ansieht. Aber dann geht es um sein Labor und Musik, um Anagramme und Geheimcodes, um T'Pol, Lethal Weapon und Transsylvanien, um NCIS, Perry Rhodan und Andreas Eschbach, um eine Gasmaskentasche der US Army, Zeitreisegeschichten und Energieunschärfe, die Dekohärenz der Quantenmechanik, Interferenzmuster und die Weltenwahrscheinlichkeitsfunktion. Hier bricht dann endgültig der Physiker in Schlomo durch. Und natürlich dreht sich immer wieder alles um Kippen und Kaffee. Wie Schlomo selbst anmerkt, schreibt er sämtliche Gedanken einfach so runter, wie sie ihm durch den Kopf rauschen.

Auch hat Schlomo Mess-Skalen mit eigenen Einheiten. So ist "H" die Einheit "Hajo" für die Genialität eines Exposés und "Me" die Einheit "Mehnert" für geniale Ideen in einer Geschichte. Da fühle ich mich nicht nur gebauchpinselt, ich lache mich auch schlapp. Das völlig irre Kaleidoskop Schlomoscher Gedankengänge kommt rüber wie ein erratischer Bildersturm und macht Spaß. Ich lese seine Kolumne mit Vergnügen, und diesmal hat er sich selbst übertroffen. Ach ja, eingangs erwähnte Bücher hat er en passant auch besprochen, 28 ausführlich, 55 zur Hälfte. Der Rest folgt in der nächsten Kolumne. Ich freue mich schon drauf.

Schlomos Artikel gibt es hier: http://www.zauberspiegel-online.de/index.php/zauberstern-kolumnen-mainmenu-75/ren-dhark-das-all/26434-arbeitstitel-trivialliteratur-ja-klar-schlomos-vierte-kolumne

Montag, 17. August 2015

Feind der Wächter

Belegexemplare in der Post, schön, so wie immer. Ren Dhark - Weg ins Weltall 56 ist eingetroffen. Das Buch mit Titel Feind der Wächter habe ich gemeinsam mit Jan Gardemann und Nina Morawietz geschrieben. Das Titelbild stammt von Ralph Voltz, das Exposé - es juckt mich unwillkürlich immer noch in den Fingern, Hajo F. Breuer zu schreiben - von Ben B. Black. Blacky wird es mir verzeihen. Der Klappentext verrät:
"Liv Sanders und Ömer Giray entdecken eine erste heiße Spur, die sie vielleicht zu dem verbrecherischen Utaren Lek führen könnte. Doch am Ende dieser Fährte erwartet sie zunächst eine Welt des Grauens. Etwa zur gleichen Zeit setzen Ren Dhark und seine Freunde alles daran, den verschwundenen Wächter Simon aufzuspüren. Die Suche entwickelt sich rasch zu einer regelrechten Jagd, denn Simon hat es mit einem geradezu unheimlichen Gegner zu tun, dem Feind der Wächter."
Mein Roman beschäftigt sich mit Simon, einer Figur, die bei Ren Dhark schon immer zu meinen Lieblingen gehörte. Es beginnt damit, dass Simon aus einem traumlosen Schlaf erwacht, was eigentlich unmöglich ist, da Wächter nicht schlagen, jedenfalls nicht nach menschlichen Maßstäben. Doch im Verlauf der Ereignisse muss Simon zu seinem Leidwesen erkennen, dass so einiges mit ihm und um ihn herum geschieht, das eigentlich unmöglich zu sein scheint. Dennoch entspricht es der Realität. Oder etwa nicht? Die Antwort, oder zumindest einen Teil der Antworten, liefert die vorliegende Fortsetzung des Weltraumepos um den Sternenforscher Ren Dhark.

Donnerstag, 13. August 2015

Aller Unlogik zum Trotz

Mein alter und überaus geschätzter Ren Dhark-Kollege Uwe Helmut Grave hat Der Sohn des Dschungels gelesen, Band 1 meiner TIBOR-Adaptionen. Doch Uwe hat den Roman nicht nur gelesen, sondern sich auch in seiner typischen UHG-Art dazu geäußert. Was mich natürlich freut. Hier der Wortlaut seiner Besprechung:
Es hat durchaus seine Vorteile, keiner geregelten Arbeit mehr nachzugehen, dann kann man nämlich sehr viel lesen. Das letzte Werk, das ich mir in bequemer Bett-Pose in einem einzigen Rutsch (mit kulinarischen Unterbrechungen) zu Gemüte geführt habe, heißt „Tibor – Der Sohn des Dschungels“. 
Tibor? Da war doch was? Habe ich den nicht schon als Kind oder Jugendlicher gelesen, im vorigen Jahrtausend? Stimmt – aber nicht in Buchform, sondern als Comic, ersonnen von Hansrudi Wäscher. Die Idee, die einstigen Sprechblasen-Bildgeschichten in reine Prosa umzuwandeln, hatte der Verleger Peter Hopf, und er engagierte dafür keinen Geringeren als den bekannten Kölner Autor („Ren Dhark“ u.a.) Achim Mehnert.
Zugegeben, ich schlug das Buch mit einer gewissen Skepsis auf. Achim ist mir persönlich bekannt, ich kenne seine Schreibleistungen – und trotzdem: Ich befürchtete, dass der durchgängige Text meine spärlichen Erinnerungen an die Comicheftchen-Reihe endgültig zum Versiegen bringen würde.
Das Gegenteil war der Fall. Kaum hatte ich mit dem Lesen begonnen, war ich auch schon mittendrin im faszinierenden Reich nostalgischer Schwärmereien. Während der Millionär Gary Swanson nach einem Flugzeugabsturz sein Gedächtnis verlor, brachte das Buch mein eigenes Gedächtnis erst so richtig in Schwung. Ganz tief tauchte ich – heute „ein Greis“ von 60 Jahren – in meine Jugenderinnerungen ein. Es war jene Zeit, in der ich noch unbelastet Astrid Lindgrens „Rasmus und der Landstreicher“ las und anschließend von einem freien Vagabunden-Dasein im Sonnenschein träumte, ohne dass mir das Wissen über reale Obdachlosen-Schicksale den Genuss daran verdarb. Und mit der gleichen Naivität erträumte ich mir auch ein Leben im Dschungel oder zumindest irgendwo in einer Hütte, wie „Grizzly Adams – der Mann in den Bergen“, umgeben von Tieren, die alle lieb und gut zu mir sind, weil auch ich lieb und gut zu ihnen bin. (Heute noch krümme ich keinem Tier ein Fellhärchen. Nur Mücken kille ich gnadenlos!)

Darüber, dass eine sprachliche Verständigung von grundverschiedenen, angeblich mit einem Intellekt ausgestatteten Tieren untereinander völlig unmöglich ist, schon gar nicht in einer Einheitssprache, die auch ein Mensch problemlos erlernen kann (selbst „Doktor Dolittle“ musste 499 unterschiedliche Tiersprachen studieren), zerbrach ich mir damals nicht den Kopf. Ich wollte einfach meinen Comiclesespaß haben, fernab jedweder Logik. Heute sieht das leider etwas anders aus, Nostalgie hin, Nostalgie her. Beim Lesen meldet sich immer wieder der Logiker in mir und beginnt, mit dem Nostalgiker zu diskutieren.

„Wenn sich Tibor mit allen Tieren verständigen kann, warum redet er dann nicht auch mit dem elefantenverspeisenden Saurier?“ – „Weil Saurier doof sind und nicht sprechen können.“ – „Du hast wohl noch nie In einem Land vor unserer Zeit gesehen, wie?“ – „Das ist doch Kinderkram!“ – „Ach? Und Tibor ist was für Erwachsene?“ – „Nicht nur das. Tibor ist sogar brandaktuell. Thema Ausgrenzung: Bulgo und seine fiese Affenbande dulden keine Fremden in ihrer Mitte. Thema Homosexualität: Statt seine Verlobte zurückzuerobern, bleibt der Held lieber bei seinem Gorilla – die Illustration auf Seite 132 lässt keinen Zweifel daran, dass es wahre Liebe nur unter echten Dschungelkerlen gibt.“ – „Sag mal, ist das dein Ernst?“ – „Nein, und jetzt verzieh dich und nimm deine dröge Logik gleich mit!“

Am Schreibstil ist vor allem der typische Mehnert-Kniff hervorzuheben: Kaum wird es spannend, bricht er ab und beginnt, die Handlung ein paar Augenblicke zuvor erneut aufzurollen, diesmal aus einer anderen Sicht. So macht das Lesen (und sicherlich auch das Schreiben) erst richtig Spaß.

Und dem Verleger kann man gar nicht genug dafür danken, dass der Band einen Abschluss hat, obwohl es sich ja eigentlich um eine Serie handelt. „Fortsetzung folgt“ steht zwar auch hier am Schluss, doch man ist als Leser froh, auf der letzten Seite des Buches zu wissen, wie das auf der ersten Seite begonnene Abenteuer endet. So läuft man wenigstens nicht Gefahr, den Handlungsstrang bis zum Erscheinen des nächsten Bandes bereits vergessen zu haben; stattdessen kann man sich frischen Mutes ins nächste Dschungelerlebnis stürzen – aller Unlogik zum Trotz. 
Uwe Helmut Grave
U.H.G.

Mittwoch, 12. August 2015

Wähle deine Masken

Andreas Zwengel ist der neue Autor im Ren Dhark-Team. Nun hat er seinen ersten Sonderband verfasst. Hier schon mal die Titelbildgraphik zu Unitall 29, wie immer von Ralph Voltz. Der Roman trägt den Titel Das Capgras-Syndrom.


Dienstag, 11. August 2015

Classic Rock 42

Einmal mehr eine randvolle, lesenswerte Ausgabe des Musikmagazins, das ich mag. Vom Titelbild sieht einem Eric Clapton entgegen, und das nicht ohne Grund. Clapton is God, diesen Spruch kennt jeder Clapton-Fan. Nun ist der Jahrhundertmusiker 70 Jahre alt geworden. In ihrem Leitartikel beschäftigt sich die aktuelle Ausgabe von Classic Rock mit dem herausragenden Gitarrenhelden, seiner Musik und seinen Bands. In einem Alter, in dem Normalsterbliche längst in Rente sind, denkt Mister Slowhand anscheinend nicht ans Aufhören, und das ist auch gut so.

Noch mehr interessierte mich der Artikel über die Dire Straits, speziell über Mark Knopfler und seine ans Diktatorische grenzenden Anwandlungen, mit denen er sogar seinen Bruder aus der Band vertrieb. Es wird schön nachvollzogen, wie der immer größer werdende Erfolg und der alle Grenzen sprengende Ruhm, den Mark Knopfler nie wollte, sich verselbständigte bis schließlich zu dem Monster-Album "Brothers in Arms". Mitte der Achtziger waren die Dire Straits dank der großen Hits und noch größeren Melodien, die Knopfler reihenweise aus dem Ärmel schüttelte, eine der größten Bands des Planeten. Sah ich sie zum ersten Mal live in der alten Kölner Sporthalle, so geschah es zuletzt im rappelvollen Müngersdorfer Stadion. Nicht viel später war es vorbei mit den Straits, doch eine meiner Lieblingsbands sind sie allein schon wegen Sultans of Swing und Telegraph Road bis heute.

In den Zeitzeichen bekennt sich Dylan-Jünger Wolfgang Niedecken zu den Ramones. Hey, ho, let's go, Wolfgang, das war nun doch eine Überraschung für mich. Die Rock-Meilensteine werfen Schlaglichter auf Ray Davies' Rücktritt bei den Kinks 1973 und die zweimonatige Residenz von AC/DC 1976 im Marquee Club. Außerdem gibt es einen Nachruf auf den größten Blues Boy, der diese Welt verlassen hat. B.B. King starb im Alter von 89 Jahren, der letzte Vertreter der alten Blues-Garde, den zu sehen ich leider nie das Vergnügen hatte. Billy Wyman gräbt nach seinen Wurzeln, die Rock-Mythen thematisieren Bob Dylans Verrat in Newport, als er 1965 beim dortigen Folk-Festival zum Entsetzen der Folk-Gemeinde mit elektrischer Gitarre statt mit akustischer Klampfe auf die Bühne stieg, und die Rückblende beleuchtet Carl Perkins' Blue Suede Shoes.

Freitag, 31. Juli 2015

Tentakelwesen

Das Titelbild für Ren Dhark - Weg ins Weltall 57 ist fertig. Das Buch mit Titel Forscher ohne Gewissen erscheint im Oktober. Die drei enthaltenen Romane stammen von Jan Gardemann, Nina Morawietz und mir, das gelungene Titelbild wie immer von Ralph Voltz.


Donnerstag, 30. Juli 2015

Groundhopping (2) - Pokalspiel in einem Kreisliga-Stadion

Sieht man von den wenigen extrem heißen Tagen mit Temperaturen bis knapp an die 40 Grad ab, ist dieser Sommer ziemlich verregnet. Der gestrige Abend war trocken und mild, und ich hatte Lust auf ein Fußballspiel. So sah ich mir eine Begegnung der 2. Runde im Bitburger Kreispokal an. Es traf die in der Kreisliga A antretende SpVgg Hurst-Rosbach auf den TuS 05 Oberpleis aus der Landesliga.

Von Anfang an entwickelte sich ein munteres Spiel, bei dem beide Mannschaften die Offensive suchten. Zwar zeigte Oberpleis den gekonnteren Spielaufbau und kam vorwiegend über die rechte Angriffsseite immer wieder zu guten Möglichkeiten, doch hielten die zwei Ligen tiefer spielenden Hausherren mit Leidenschaft und Einsatzwillen dagegen und erarbeiteten sich kurz vor der Pause eine Großchance, die eigentlich hätte verwertet werden müssen. Das Unentschieden zur Halbzeit war jedenfalls verdient.

Gleich nach dem Seitenwechsel kam aber auch schon der Anfang vom Ende für den Kreisligisten. Mit der Führung für Oberpleis war das Spiel im Grunde entschieden, denn trotz allen Einsatzwillens ließen die Kräfte von Hurst-Rosbach nun doch nach. So fielen die weiteren Treffer zwangsläufig, und es stand schnell 0:4. Der Ehrentreffer für die Hausherren wurde von den einheimischen Anhängern mit aufrichtigem Applaus bedacht, und auch ein weiteres Gegentor zum 1:5-Endstand tat der Zufriedenheit mit der eigenen Mannschaft keinen Abbruch.

Ein Spieler stach mir während der ganzen Partie besonders ins Auge, nämlich der rechte Verteidiger der Heimmannschaft, Jan Zerbin. Der Junge kämpfte und ackerte unermüdlich gegen den besonders in der zweiten Halbzeit überlegenen Gegner aus Oberpleis, zeigte zudem einige technische Fertigkeiten und sorgte auf seiner rechten Seite immer wieder für Impulse nach vorn.

Die "Metternich-Arena" genannte Sportanlage ist übrigens sehr gepflegt, der Kunstrasen so akkurat, dass man vermutlich Golf darauf spielen könnte. Ein Erlebnis am Rande habe ich in dieser Form noch nie erlebt. Am Bierstand musste man nicht jedes Bier direkt bezahlen, sondern es wurden Deckel bis nach dem Spiel gemacht. Die Besucher kennen und vertrauen sich. Sehr sympathisch fand ich auch, dass kurz nach Spielende ein Spieler von Hurst-Rosbach einen Kranz Bier in die Gästekabine brachte, was bei den Akteuren von Oberpleis sehr gut ankam, wie ich dem Gejohle entnehmen konnte.

Mittwoch, 29. Juli 2015

Groundhopping (1)

Ich stand vorhin auf einem Dorffußballplatz - und hatte Spaß dabei. Dabei musste ich daran denken, welche Arenen und was für Äcker ich im Laufe meines Fußballfanlebens schon gesehen habe. Eine tolle Sache, die wahrscheinlich nur Fußballfans nachvollziehen können. Jedenfalls habe ich beschlossen, in lockerer Folge über diese manchmal unheimlichen Begegnungen der Dritten Art zu plaudern.

Wenn also in der Überschrift "Groundhopping" auftaucht, mögen bitte alle, die nichts mit Fußball am Hut haben, einfach nur darüber hinwegsehen. Das gilt ganz besonders auch für all diejenigen, die Fußball normalerweise als Proletensport sehen, bei Weltmeisterschaften aber plötzlich ihre Liebe zu dem runden Leder und der Mannschaft in Schwarz-Rot-Gold entdecken, weil sie dann auf einmal ganz chauvinistisch ihre Deutschland-Fähnchen schwenken, sich Wimpel ans Auto hängen und ihrem Gröhl- und Feierwahn frönen können.

Vielleicht findet ihr euch selbst oder eure Heimatorte darin wieder, des öfteren wohl Mannschaften, die ihr kennt, und vielleicht hin und wieder Vereine oder Orte, von denen ihr noch nie gehört habt. Denn es geht von unterklassigen Ligen über Bundesligapartien bis hin zu internationalen Begegnungen, vom Ulrike-Meyfarth-Stadion bis zum Olympiastadion und von Meppen bis Berlin.

Morgen geht es los mit dem schnuckeligen kleinen Sportplatz, auf dem ich heute ein Pokalspiel angesehen habe, nämlich mit der Metternich-Arena in Windeck. Noch einmal meine Bitte: Fußballhasser, bitte wegschauen.

Mittwoch, 15. Juli 2015

Weitere Neuigkeiten zu Thomas Ziegler

Vor ein paar Tagen habe ich über die anstehenden Wiederveröffentlichungen einiger Romane von Thomas Ziegler berichtet und dabei meiner Hoffnung Ausdruck verliehen, auch Zieglers Perry Rhodan-Taschenbücher mögen neu aufgelegt werden. Und tatsächlich, auch was das angeht, gibt es gute Nachrichten, die mich persönlich freuen.

Vorhin erreichte mich eine Mail von Perry Rhodan-Redakteur Klaus N. Frick. Es ist auf jeden Fall geplant, die Ziegler-Taschenbücher bei den mittlerweile im Zaubermond-Verlag erscheinenden Planetenromanen neu zu publizieren. Doch nicht nur das, sondern Klaus beabsichtigt zudem, die Kurzgeschichten, die Thomas Ziegler im Perryversum veröffentlicht hat, in irgendeiner Form noch einmal zu bringen.

Ich erinnere mich an zwei Erzählungen aus den Achtziger Jahren, die ich damals gelesen habe und die mir gefielen, so wie eigentlich fast alles von Thomas Ziegler. Es waren Star Amore und Terra Terror Tours, zwei SF-Satiren, die mit den Figuren aus Der Narrenturm spielten. Es würde mich freuen, sie wieder in die Finger zu bekommen.

Montag, 13. Juli 2015

Rauchende Vulkankegel

Mitten hinein in die Arbeit an meinem aktuellen Manuskript flatterte ein Stapel Comics. Nicht weniger als 20 Großbände liegen auf meinem Schreibtisch, also sage und schreibe 40 Piccolos aus der Zeichenfeder von Hansrudi Wäscher. So umfangreich war noch keine meiner bisherigen Wäscher-Adaptionen.

Es handelt sich um die achte TIBOR-Geschichte. Sie setzt zeitlich drei Tage nach dem Ende des siebten Romans ein. Tibor hat inzwischen mit dem Paläontologen Professor Dobbs und dessen Assistentin Miss Hudson den Rand der toten Sümpfe erreicht. Auf dem Weg dorthin ist nichts geschehen, was einer dramaturgischen Schilderung bedürfte. :-) Doch nun kann das nächste Abenteuer beginnen.

Aufgrund der hohen Seitenzahl der Comicvorlagen gehe ich davon aus, dass ein schön dickes Buch daraus entstehen wird. Allerdings muss der Arbeitsbeginn noch ein paar Tage warten. Für Juli ist nicht nur die Fertigstellung jenes Manuskripts geplant, an dem ich derzeit schreibe, sondern zudem die Ausarbeitung von mindestens zwei Exposés für zwei verschiedene Serien in zwei verschiedenen Universen.

Sonntag, 12. Juli 2015

Heinz Flohe - Der mit dem Ball tanzte

Der Dokumentationsfilm "HEINZ FLOHE - Der mit dem Ball tanzte" war seit längerem angekündigt, nun ist er endlich erschienen. Ich habe ihn mir mit großen Erwartungen zu Gemüte geführt und war - soviel vorweg - beeindruckt. Beeindruckt zum einem von dem Dokumentarfilm an sich, beeindruckt ebenso von Szenen aus dem Fußballerleben des Heinz Flohe, die mir nach so vielen Jahren nicht mehr in Erinnerung waren. Dabei war Flocke, wie er in Köln liebevoll genannt wurde, eines meiner großen Idole auf dem Fußballplatz.

Der rund eindreiviertel Stunden lange Film beginnt mit einem fast erratischen Bildersturm sekundenlanger Szenen, einem Zusammenschnitt dynamischer Eindrücke, in deren Mittelpunkt der geniale Ballartist steht. Man sieht Heinz Flohe bei einem Sololauf im Trikot der Nationalmannschaft, mit der Meisterschale auf dem Balkon des Kölner Rathauses, beim Erzielen eines Wahnsinnstores, das alte Müngersdorfer Stadion aus der Vogelperspektive, Flocke bei Hacke-Spitze-Tralala auf dem Trainingsgelände des 1. FC Köln, dann weitere Tore, im Trikot des FC und in dem der deutschen Auswahl.

Eine Stimme aus dem Off erklingt: "Heinz Flohe hat den deutschen Fußball mit seiner Kreativität revolutioniert. Vor ihm bestand das Dribbeln vorwiegend aus links Antäuschen und rechts Vorbeigehen. Er ging als erster wesentlich weiter. Flohe war ein Pionier in Sachen Spielkunst. Jenseits des Rheinlands ist das vergessen. Wenn die Großen des deutschen Fußballs aufgezählt werden, kommt er selten vor. Zu unrecht. Dieser Film dokumentiert das Leben des Heinz Flohe."

Und wie er das tut! Die Dokumentation zeichnet das Leben des gebürtigen Euskircheners von seiner Kindheit bis zu seinem tragischen Tod 2013 nach. Zwei Dinge begleiteten Flocke dabei, die großen Triumphe ebenso wie bittere Momente und tragische Schicksalsschläge. Passend ist daher der Untertitels des Films gewählt: "Ein Leben zwischen Triumph und Tragik."

Heinz Flohe war mit technischen Fähigkeiten gesegnet wie nur wenige Fußballspieler seiner Zeit. Als er bereits 1966 von seinem Heimatverein TSV Euskirchen zum 1. FC Köln wechselte, konnte noch niemand in ganzer Tragweite ahnen, welch ein Glücksgriff das für den FC war. Genial am Ball und von seiner Spielanlage her, bildete er in den kommenden Jahren zusammen mit Wolfgang Overath eines der besten Mittelfeldduos in Deutschland, später zusammen mit Herbert Neumann.

Bei den Einschätzungen darüber, was wäre, wenn Heinz Flohe heute spielen würde, wird gemutmaßt, er stände bei Real Madrid oder dem FC Barcelona unter Vertrag. Sein ehemaliger Mannschaftskamerad Jupp Kapellmann sagt, heute würde Flocke die Hundert-Millionen-Euro- oder grundsätzlich jede Transfergrenze bei den Ablösesummen sprengen. Gewagte Aussagen vielleicht, aber sie zeigen die Wertschätzung, die er genoss und auch zwei Jahre nach seinem Tod noch genießt. Zahlreiche fußballerische Weggefährten kommen in der Doku zu Wort. Unumstrittene Fußballgrößen wie Franz Beckenbauer, Jupp Heynckes und Günter Netzer äußern sich in höchsten Tönen über den vollendeten Künstler am Ball. Netzer, für mich einer der größten deutschen Spieler überhaupt, schwärmt über Flohe: "Er ist so unglaublich gut gewesen, hat Dinge gemacht, die sonst keiner von uns konnte, auch die ganz großen Spieler Deutschlands nicht." Beckenbauer bezeichnet ihn gar als einen der besten Techniker der Welt.

Diese Fähigkeiten sind in dem Film in zahlreichen Ausschnitten zu bewundern. Übersteiger, Finten, geniale Dribblings und Tricks mit unglaublicher Kreativität kennzeichneten nicht nur einen überragenden Einzelspieler, sondern zudem den spielfreudigen Spielführer, der die ganze Mannschaft mit riss und den 1. FC Köln zu seinem größten Triumph führte. Er war dreifacher Gewinner des DFB-Pokals, Weltmeister 1974, Vize-Europameister 1976 und stand im Aufgebot des WM-Kaders 1978.

Auf dem Höhepunkt seiner Kunst war Heinz Flohe 1978. Unter Hennes Weisweiler war er zum absoluten Führungsspieler gereift. In einer Saison, in der er als Mannschaftskapitän, Spielführer, Einzelakteur, Torvorbereiter und Torschütze gleichsam einer außergewöhnlichen Kölner Elf voranging, führte er den 1. FC Köln zum Gewinn des Doubles. Es wurde nicht nur der schon 1977 errungene Pokal verteidigt, sondern auch zum dritten Mal die deutsche Meisterschaft nach Köln geholt. Beim Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem punktgleichen Verfolger aus Mönchengladbach traf Flohe auch in den letzten beiden entscheidenden Saisonspielen gegen den VfB Stuttgart und in Hamburg beim FC St. Pauli. In jener Saison stand ich bei sämtlichen Heimspielen in der Südkurve und durfte einen herausragenden Fußballspieler bewundern.

Doch nicht erst seit diesem Jaht und nicht nur wegen des außergewöhnlichen Triumphes wurde Flocke in Köln verehrt und, mehr noch, von den Fans geradezu geliebt. Er war das, was man in der Domstadt einen "Jung us em Lääve" nennt. Er war einer wie du und ich und seiner Zeit nicht nur fußballerisch voraus, sondern auch in seinem Umgang mit den Fans. Für Heinz Flohe, von seinen Freunden "Hein" gerufen, waren alle gleich, und die von ihm gelebte Fannähe war damals mehr Ausnahme als Selbstverständlichkeit. Starallüren waren ihm fremd.

Das wurde auch in seiner Außendarstellung deutlich. Interviews gab er nicht gern. Nicht etwa aus Überheblichkeit, sondern weil er in sich gekehrt wirkte. In dem Film sieht man ihn als Gast im "Aktuellen Sportstudio", nach dem Erringen des Doubles, wo er beinahe schüchtern rüberkommt. Denn er stand nicht gern im Mittelpunkt, es sei denn auf dem Fußballplatz, wo er aus sich herausging und ein anderer Mensch zu sein schien. In der heutigen Medienlandschaft, in der Fußballstars auf Schritt und Tritt unter Beobachtung stehen, kaum vorstellbar.

Das Jahr seines größten Triumphs, 1978, wurde auch zum Jahr des ersten Schicksalsschlags. Hatte er bis dahin aus mir unverständlichen Gründen keinen Stammplatz in der Nationalmannschaft innegehabt, stand er im Aufgebot für die Weltmeisterschaft in Argentinien und erwies sich auch dort als absoluter Führungsspieler. Legte er noch gegen Mexico eine glänzende Partie hin, zog er sich im Spiel gegen Italien eine Verletzung zu, die für ihn das WM-Aus bedeutete. Was danach, ohne Heinz Flohe, geschah ist bekannt. Es folgte die so genannte Schmach von Cordoba mit der Niederlage gegen Österreich, die zugleich Deutschlands Ausscheiden aus dem Turnier bedeutete.

Die Verletzung hinterließ ihre Spuren. Flockes Karriere in der Nationalelf war beendet, und im Folgejahr trumpfte er auch in der Bundesliga nicht mehr so auf wie früher. Getrieben von allzu großem Ehrgeiz, kurierte er seine Verletzung nie richtig aus. Er hatte weiterhin geniale Momente, doch er wurde nicht mehr zu dem überragenden Spieler wie im Jahr des Double-Gewinns. Nach einem negativen Zwischenfall beim Auswärtsspiel in Hamburg wurden er und Herbert Neumann von Hennes Weisweiler aus dem Team geworfen, woraufhin Heinz Flohe zu den damals in der Bundesliga spielenden Blau-Weißen von 1860 München wechselte, wohl die größte Fehlentscheidung, die der FC jemals getroffen hat.

Für Flocke dauerte das Intermezzo bei den Löwen nicht lange. Beim Spiel gegen den MSV Duisburg wurde er von Paul Steiner dermaßen brutal gefoult, dass er sich nicht nur einen komplizierten Schien- und Wadenbeinbruch zuzog, sondern auch Nervenschäden im Bein, an denen er noch lange laborieren sollte. Die Karriere des großartigen Ballkünstlers war beendet. So wie viele andere Kölner Fußballfans habe ich nie verstanden, dass der FC mit Paul Steiner später den Mann für die Abwehr verpflichtete, der für die Tragödie von Flockes Aus als Tänzer mit dem Ball verantwortlich war.

Heinz Flohe selbst nahm es dem FC nicht übel, zumindest mit einigem Abstand nicht. Er besuchte die Heimspiele des FC und kehrte später sogar als Co-Trainer zu den Geißböcken zurück. Die Tragik seines Lebensweges setzte sich fort, als er sich nach 1992 Anfang des Jahres 2004 einer zweiten Herzoperation unterziehen musste, bei der ihm eine neue Herzklappe eingesetzt wurde. 2010 brach er nach einem Schwächeanfall zusammen und wurde in ein künstliches Koma versetzt, aus dem er nicht mehr aufwachte. Bis zu seinem Tod 2013 lag er im Wachkoma.

Bei den Kölner Fußballanhängern ist Heinz Flohe als einer der ganz Großen unvergessen.  Der zu Herzen gehende Dokumentarfilm ist eine wunderbare Würdigung eines herausragenden Ballkünstlers und außergewöhnlichen Menschen. Wie zu Beginn erwähnt, hat der Film mich sehr beeindruckt - und gleichermaßen bewegt. Angesichts von Flockes traurigem Schicksal hatte ich beim Ansehen mit der einen oder anderen Träne zu kämpfen, und ich bildete mir ein, wieder 1978 in der Südkurve zu stehen und Heinz Flohe und den FC auf der Zielgeraden zum Gewinn des Doubles zu begleiten.

Auch der 1. FC Köln würdigte Flockes große Verdienste um den Verein. Der FC gründete 2013 die "Fußballschule Heinz Flohe" und errichtete im Oktober 2014 vor der Südtribüne des Müngersdorfer Stadions eine Bronzestatue des Mannes, der dem Verein zwölf Jahre lang treu gewesen war und ihn zu seinem größten Triumph geführt hatte. Beim jährlich stattfinden internationalen Fußballfilm-Festival 11mm erreichte "HEINZ FLOHE - Der mit dem Ball tanzte" 2015 den zweiten Platz beim Publikumspreis und wurde damit als bester deutscher Film in dieser Kategorie ausgezeichnet.