Dienstag, 25. Februar 2014

Tibor muß warten

Heute verkündete der Verlag Peter Hopf, Tibor 5 sei aus der Druckerei eingetroffen und gehe in den nächsten Tagen in den Versand an Abonnenten und Vorbesteller. Da freue ich mich doch schon auf Post in meinem Briefkasten. Und es trifft sich gut, daß ein Stapel Comics bei mir eingetroffen ist, nämlich die Tibor-Großbände, in denen die Piccolos zusammengefaßt sind, die das sechste Abenteuer bilden.

Oben auf dem Heftstapel ist Tibor zu sehen. Der Sohn des Dschungels läuft über einen seitlich geneigten Baumstamm, dynamisch und unaufhaltsam, wie seine Leser ihn kennen und schätzen. Der Gorilla Kerak und die kleinen Äffchen Pip und Pop hetzen hinter ihrem Freund her. Im Hintergrund steigt roter Rauch aus dem Urwald auf, der Wäscher-Fans verrät, um was es im kommenden Abenteuer geht.

Ich würde mich gern sofort in die Comics vertiefen, doch das muß warten. Denn gleich steht eine andere Lustreise als die in Dschungelgefilde auf dem Programm. Es geht nach Uerdingen, Spitzenreiter Fortuna Köln im Kampf um drei Punkte unterstützen. Da geduldet sich selbst Tibor gerne.

Montag, 24. Februar 2014

Mit der Promet in die Vergangenheit

Meine Zeitplanung sieht vor, im April die Handlung für weitere neue Abenteuer von Raumschiff Promet auszuarbeiten. Der fünfteilige Chronoskop-Zyklus hat lose Fäden offen gelassen, die nach einer Fortführung und Auflösung verlangen. Das gilt besonders für die Handlung um den Moraner Arn Borul, der mit seinen Gefährten auf den Planeten Draster verschlagen wurde. Denn dort haben die Gestrandeten eine erstaunliche archäologische Entdeckung gemacht, mit der ich mich im enggesteckten Rahmen des Chronoskop-Zyklus nicht beschäftigen konnte. Das gedenke ich nachzuholen.

Was Promet angeht, habe ich aber zunächst ein anderes Manuskript eingeschoben. Parallel zu den neuen Geschichten erscheinen im Blitz-Verlag auch die Klassiker wieder. Sie werden aber nicht in ihrer ursprünglichen Version wiederaufgelegt, sondern nach von Vanessa Busse erstellten Exposes ganz neu geschrieben. Stimmt, Neo wird so etwas anderenorts genannt. Da es mein Terminplan zuließ, habe ich den sechsten Band für die Serie beigesteuert. Ein Gastroman gewissermaßen.

Mittwoch, 19. Februar 2014

Härter als der Rest

"Natürlich darf man heute zugeben, dass man Heavy Metal liebt." Ein wohltuender Einstiegssatz für einen Musikartikel. Zwanzig Jahre gibt es die deutsche Ausgabe des Rolling Stone Magazins in diesem Jahr, mit Hard Rock oder gar Heavy Metal hat die Redaktion aber nie viel am Hut gehabt. Diese schmähliche Ignoranz wirft Birgit Fuss in der aktuellen Ausgabe mit Genuß um. Ihr Artikel "Härter als der Rest" liest sich wie eine Liebeserklärung ans Schwermetall - und ist es offenbar sogar.

Da bin ich platt. Neues erfährt man, wenn man sich halbwegs mit der Materie auskennt, zwar nicht, aber allein der gute Wille zählt - und der Überblick über "die 100 besten Hardrock/Metal-Alben". So sehr, wie man weiß, daß derlei Beurteilungen (zumindest in Teilen) zwangsläufig subjektiv sein müssen, so sehr weiß man auch, daß ich solche Rankings mag. Und tatsächlich bin ich gar nicht so weit von dem entfernt, was die Redakteure auffahren. 35 der genannten Alben stehen in meinem Plattenschrank oder im CD-Regal, gut ein Drittel also. Von den vorderen zehn sind es gar acht.

Auf Platz 1 steht nach Meinung des Rolling Stone "Appetite for Destruction" von Guns'N'Roses. Hätte ich vielleicht nicht ganz oben aufgeführt, in der Richtung aber schon. Energiegeladener, rauer und dreckiger als 1987 waren sie danach nie. Auch nur der Hauch von Konventionen? Drauf geschissen. Sogar eine unterschwellige Punk-Attitüde steckte in dem Album, und doch warf es reihenweise Hits wie Welcome to the Junge und Paradise City ab.

Inhaltliches Herzstück der vorliegenden Ausgabe ist ein vierzehnseitiger Artikel über die Beatles. Speziell geht es um ihren ersten Auftritt in den USA. Während in England längst die Beatlemania ausgebrochen war, hinkte man der musikalischen Revolution jenseits des großen Teichs noch hinterher. Der Auftritt der Fab Four in der Ed Sullivan Show änderte alles. John, Paul, George und Ringo nahmen die Staaten gewissermaßen im Handstreich. Während Newsweek noch schrieb: "Ihr Aussehen ist ein Albtraum, und ihre Musik grenzt an ein Desaster", flippten die Fans aus. Bob Dylan ließ sich gar zu der Aussage hinreißen: "Mir war klar, dass sie die Richtung vorgaben, in die es nun ging." Und His Bobness muß es ja nun wirklich wissen.

Dienstag, 11. Februar 2014

Die nächste Autorenkonferenz steht vor der Tür

Während ich noch mit der Arbeit an zwei Romanmanuskripten beschäftigt bin, bereite ich mich gedanklich bereits auf ein arbeitsintensives Wochenende der anderen Art vor. Alle zwei Jahre treffen sich die Macher von Ren Dhark in einem Hotel, um den kommenden Zyklus zu erarbeiten. Ende des Monats ist es wieder soweit, und in der Tat, es wird Zeit. Denn zum Zeitpunkt der Konferenz wird just Band 46 von "Weg ins Weltall" erschienen sein. Zwei Bücher weiter, also in Band 48, wird das derzeit laufende Geschehen um die Kraval abgeschlossen werden.

Danach geht es mit einem neuen Handlungsabschnitt weiter. Wie der aussieht, wird auf der Autorenkonferenz festgelegt. Und da wird richtig gearbeitet. In den vergangenen zwölf Jahren habe ich einige Dhark-Konferenzen mitgemacht. Ich bin jedesmal angetan von der Zusammenarbeit der Kollegen, dem Einbringen und Entwickeln von Ideen, der Spontaneität und Kreativität und den Ergebnissen, die schließlich dabei herauskommen. Wie die aussehen, können die Leser ab August beurteilen. Dann erscheint nämlich der erste Band des kommenden Zyklus, der wieder auf zwölf Bücher ausgelegt ist. Da mit Band 49 ein neuer Handlungsabschnitt beginnt, eignet er sich übrigens vorzüglich für Neueinsteiger.

Montag, 10. Februar 2014

Zarah Zylinder (fast) nackt auf der Bühne

Die Kölner Band Zarah Zylinder war bei mir völlig vom Schirm verschwunden. Ich stieß vor ein paar Tagen wieder auf den Namen, als ich im Internet über Gerd Köster und besonders sein Tom Waits-Projekt The Piano Has Been Drinking recherchierte. Im Zuge dessen stieß ich auf die legendäre Truppe Schroeder Roadshow und eben auf Zarah Zylinder. Auch bei letzterer hatte Köster, den spärlichen Internet-Informationen zufolge damals gerade 22 Jahre alt, gesungen.

Und plötzlich erinnerte ich mich wieder an Zarah Zylinder, diese herrlich verrückte Anarcho-Rockkapelle. Ein einziges Album haben sie veröffentlicht, das war 1980. Ich habe sofort nachgeschaut, und siehe da, es steht tatsächlich noch in meinem Plattenregal mit den alten Vinyl-Scheiben. Ein echtes Schätzchen, das anscheinend als CD gar nicht zu bekommen ist.

Es muß in jenem Jahr gewesen sein oder vielleicht auch schon 1979, daß ich ein Konzert der Zarahs live gesehen habe. Am Rudolfplatz war das, in einem verräucherten unterirdischen Rockschuppen, den es schon lange nicht mehr gibt und an dessen Namen ich mich nicht erinnere. Das Konzert war lärmend und brachial, sehr zu meinem damaligen Wohlgefallen, politisch radikal mit gepflegtem Anarcho-Anstrich. Die Songtitel Lass die Sau mal wieder raus etwa, Mach'n Adler, Gesicht zur Wand oder Schock Doof im Dritten sprechen für sich. Im Stück Nostalgie beispielsweise hörte sich das so an:
"Machen wir in Nostalgie wie vor vierzig Jahren die Senioren,
stecken wir einfach den Kopf in den Sand
und stopfen wir uns Watte in die Ohren.
Machen wir in Nostalgie, bis die ersten Bücher wieder brennen
und die Blockwarte wieder zur Gestapo rennen."
Am Ende des Auftritts stand ein Teil der Musiker, wenn ich mich richtig erinnere, nackt auf der Bühne, bloß noch bekleidet mit ihren Instrumenten und mit Kondomen über ihren Dödeln. Für einen braven Schüler wie mich war das ein ganz schöner Kulturschock. Große Pose! Dagegen waren selbst die Sex Pistols bessere Schülerlotsen.

Leider sind über Zarah Zylinder im Netz so gut wie keine Informationen zu finden. Sollte jemand eine Internetquelle kennen, würde ich mich über eine Nachricht freuen.

Sonntag, 9. Februar 2014

Terra lockt

Ich habe mir eben ein paar sphärische Musikstücke zu Gemüte gefügt. Die kannte ich zwar schon, habe sie sogar schon live gehört und bei einem Konzert mit dazugehöriger Visualisierung gewissermaßen auch schon gesehen, aber es bedurfte einer Auffrischung. Dazu habe ich ein paar Lyrics der englischen Ausgabe gelesen.

Zwei CDs sind bisher erschienen, eine weitere der beiden Musiker ist geplant. Als wir gestern in gemütlicher Runde beisammen saßen, fragten die beiden mich, ob ich Lust habe, dafür einen Text zu schreiben. Interessante Sache und für mich ausgesprochenes Neuland, um einen dieser Tage häufig zitierten Ausdruck zu gebrauchen.

Genremäßig ist es Science Fiction, Fantasy, etwas Phantastisches. Inhaltlich geht es um eine neue Welt Terra, die sich nach einem epochalen Krieg um so blühender und großartiger erhebt. Mal sehen, was daraus wird. Muß ich erstmal gedanklich ausloten. Sofern das Projekt konkrete Formen annimmt, wird an dieser Stelle mehr über die Musiker und das Album zu finden sein.

Dienstag, 4. Februar 2014

Der Drakhon-Zyklus startet als Ebook

Die 98 klassischen Ren Dhark-Romane erschienen von 1966 bis 1969 im Kelter-Verlag. Von 1994 bis 2000 wurden sie in Buchform präsentiert, mit verschiedenen Änderungen, Weglassungen und Ergänzungen in 16 Hardcover Ausgaben. In den letzten Monaten brachte der HJB-Verlag sie schließlich als Ebooks heraus. Es wurde oft danach gefragt, und der Verlag hat reagiert.

Die Klassiker sind damit sowohl als Printausgaben als auch in digitaler Form komplett verfügbar. Anlaß genug, noch einmal die Autoren zu nennen, die die Abenteuer um den Weltraumfahrer Ren Dhark und seine POINT OF damals auf den Weg brachten. Neben Serienschöpfer Kurt Brand, der den Großteil der Romane verfaßte, waren das in der Reihenfolge ihrer ersten Beiträge: H.G. Francis, Manfred Wegener, Ralf Lorenz, H.J. Freiberg, Staff Caine, Cal Canter, Lars Torsten, Dr. Ernst Winter, Terry LeLon und Tensor McDyke.

Mit den Fortsetzungen, also den neuen Abenteuern von Ren Dhark, ging es bekanntlich im Jahr 2000 weiter. Mit Hajo F. Breuer als neuem Exposé-Autor und einem ebenfalls neuen Autorenteam, mit einem ganzen Berg Ideen und frischem Schwung, der, das kann ich als Beteiligter guten Gewissens behaupten, bis heute ungebrochen ist. Der erste neue Zyklus umfaßte 24 Bücher und trug den Namen Drakhon, benannt nach einer Galaxis, die mit der Milchstraße zu kollidieren droht.

Nun startet der Drakhon-Zyklus in Ebook-Form. Der erste Band ist just erschienen. Er trägt den Titel Das Geheimnis der Mysterious und ist bei Amazon erhältlich. Damit sind auch Ren Dharks neue Abenteuer in der digitalen Zeit angekommen.

Montag, 3. Februar 2014

Die POINT OF über der Flammenhölle

Ralph Voltz' Graphik für das nächste REN DHARK-Titelbild ist von gewohnter Qualität. Sie wird Weg ins Weltall 46 mit dem Titel Geheimsache Schweres Wasser auch den optischen Glanz verleihen, den das Buch verdient. Ich bin jedesmal aufs neue darauf gespannt, was der Künstler aus einer bestimmten Romanszene macht, und Ralf hat mich noch nie enttäuscht.

Das Bild zeigt die POINT OF, Ren Dharks Ringraumer, bei einer Rettungsmission. Ich kenne die Szene natürlich schon, auch wenn sie nicht dem Romanteil entstammt, den ich geschrieben habe. Sie spielt auf einer Welt, die in den letzten Büchern wiederholt eine Rolle spielte. Welche kann das wohl sein?



Sonntag, 2. Februar 2014

Stein vom Herzen

Heinz Rudolf Kunze ist wieder unterwegs, mit neuem Album und neuem Programm. Ein Abend mit Brille also, wie er selbst das vor vielen Jahren so schön selbstironisch ausdrückte. Diesmal trägt die Tour den Titel "Stein vom Herzen". Aber was heißt schon mit neuem Programm? Man weiß ja, was kommt, auch wenn die Lieder von einer Tour zur nächsten wechseln. So auch jetzt im Gloria-Theater, Kunzes lieb gewonnener Anlaufstelle, wenn er in Köln gastiert.

Auf seine reiferen Tage - er ist mittlerweile 57 und ein wenig behäbig geworden - behält er das bei, was ihn bekannt gemacht hat und was er seit Dekaden mit sich herumträgt. Eine Mischung aus treibender Rockmusik, Balladen und Textvorträgen. Musikalisch ist und bleibt Kunze dabei eine Mensch gewordene Gratwanderung. In einem Moment kann er abrocken, im nächsten in Gefühlsduselei abdriften, die zuweilen arg an der Grenze zum Kitsch entlang schrammt und schrammelt. So ist es mir bei diesem Konzert zweimal vorgekommen, und ich war in diesen kurzen Phasen froh, ein Bier in der Hand zu haben. Doch Kunze wäre nicht Kunze, würde er nicht prompt wieder die Kurve kriegen und aufs Tempo drücken. Beispielsweise mit Finden Sie Mabel oder Alles was sie will. Er kann, und das ist auch gut so, vom Rock'n'Roll halt nicht lassen.

Textlich ist er ohnehin eine Klasse für sich. In früheren Zeiten zuweilen als Oberlehrer betitelt, ist der Ausruck Literat sicher treffender. Liedermacher würde ich ihn nennen, Poet. Einfach den klugen Kopf in der deutschen Rockmusikszene, der eine unglückliche Liebe und verletzte Gefühle ebenso gut in Worte kleiden kann wie scharfzüngige Kritik oder ätzenden Zynismus. Kitsch aber zuweilen auch, wie bereits erwähnt. Da sehe ich in Kunzes Fall aber gerne drüber hinweg. Denn es gibt nur wenige Lieder aus seiner Feder, aus denen ich nicht den einen oder anderen Vers zitierenswert finde. Der Mann ist Schriftsteller und Hochschuldozent, das merkt man, auch, weil er es gelegentlich raushängen läßt. Keiner hat so sehr Auge und Ohr für den Muff spießbürgerlicher deutscher Befindlichkeiten wie dieser mustergültig spießbürgerlich aussehende Typ, der in einem Flüchtlingslager geboren wurde und dessen Vater bei der Waffen-SS war. Und ganz ehrlich, selbst in seinen schwächsten Stücken steckt mehr Intellekt und Aussagekraft als im Gesamtwerk sämtlicher Helene Fischers und ähnlicher Konsorten dieser Republik.

Etwas linkisch wirkt er immer noch, besonders in seinem fortgeschrittenen Alter, wenn er die Rockerattitüde auspackt und die Arme in die Luft wirft. Ein bißchen augenzwinkernd ist das schon, denke ich, und das Lachen eines Schelmen hat er behalten. Daß HRK Spaß an seiner Musik und seinem Publikum hat, merkt man - und an sich selbst auch, das ist nicht zu übersehen. Selbstverständlich gibt es Dein ist mein ganzes Herz, und bei einem anderen Stück hört er dann sogar aufs Auditorium. Dreimal geht er mit seiner Band von der Bühne und kommt zu Zugaben wieder rein. Dabei ist es seit Jahren lieb gewordener Brauch des Publikums, Wenn du nicht wiederkommst anzustimmen, einen seiner Klassiker.

Aber er kommt halt wieder raus, nur hat er das Stück zuletzt nicht mehr gespielt. Diesmal bringt er es dann doch noch, und alle im Gloria-Theater sind zufrieden. Am Ende hat er insgesamt 25 Lieder gespielt und sich den frenetischen Beifall und das rhythmische Klatschen seiner Zuhörerschaft redlich verdient. Und wenn er das nächste Mal auf Tour geht, werde ich wieder mit größtem Vergnügen hingehen und gern über den einen oder anderen klitzekleinen Schlagerausrutscher hinwegsehen. Denn der Rest macht es mehr als wett.

Mittwoch, 29. Januar 2014

Der Tod des Bruders

Endlich kennen die Menschen Namen und Herkunft der vierbeinigen Hünen, endlich kennen sie auch deren Geschichte. Mit Parock, einem Angehörigen dieses Volkes, hat Ren Dhark sogar Freundschaft geschlossen. Dennoch bleibt die Unversöhnlichkeit der Kraval bestehen. Wer gedacht hat, es könne zu einem friedlichen Einvernehmen mit ihnen kommen, sieht sich gründlich getäuscht.

Das zeigt sich besonders in dem Manuskript, das ich heute in den frühen Morgenstunden abgeschlossen habe. Es ist REN DHARK 314, vorgesehen für das 46. Buch von WEG INS WELTALL. Der Titel steht auch schon fest. Er lautet "Geheimsache Schweres Wasser". Klingt ein wenig nach Karl Herbert Scheers ZBV-Serie.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei Raumflotten, und die stehen sich nicht friedlich gegenüber. Laut Exposévorgabe durfte ich es in meinem Roman richtig knallen lassen, und das habe ich weidlich ausgenutzt. Das Manuskript ist einerseits ziemlich actionlastig geraten. Dennoch habe ich mir andererseits die Muße genommen, auf ein paar altgediente Figuren einzugehen. Und einige andere habe ich neu eingeführt. Ein paar Veteranen. Deren Schicksal allerdings ist schon geschrieben. Mehr möchte ich darüber noch nicht verraten.

Wohl aber kann ich sagen, daß der acht Kilometer große Goldene Mensch auf Babylon, der neuen Zentralwelt der Menschheit, eine wichtige Rolle spielt. Noch mehr gilt das für den Checkmaster, der eine ganz neue, bisher noch nicht dagewesene Fähigkeit offenbart und diese auch gleich munter einsetzt.

Nach durchgearbeiteter Nacht bin ich ein wenig erschlagen. Heute werde ich den gelungenen Abschluß meines Romans feiern, ein bißchen nur, und der morgige Tag soll dem Ausruhen und geistigen Regenerieren dienen. Das muß hin und wieder auch mal sein. So ist es zumindest geplant. Mal schauen, ob ich das hinkriege, ohne mich mit irgendeinem Expo oder einer Romanidee zu beschäftigen. Am Freitag lege ich dann mit dem nächsten Manuskript los. Wieder ein Sciene Fiction-Roman, aber für eine andere Serie.

Freitag, 24. Januar 2014

Ich un minge Weet

Mir wurde just ein Foto zugespielt, das aus der Nacht von Heiligabend auf den ersten Weihnachtsfeiertag 2013 stammt. Es wurde in der Alten Griechenschänke aufgenommen und zeigt den Wirt Dieter und mich beim finalen Kölsch. Wie bin ich bloß an die Mütze gekommen? Und wer stand da in der Tür und hat das Foto geschossen? Merkwürdig, um die Uhrzeit waren alle anderen Gäste schon nach Hause gegangen. Da ich das Bild mag und es nicht virtuell verstauben soll, lasse ich es hiermit das Licht der Welt erblicken.

Zuvor taten wir, was man an Heiligabend halt so tut: Es wurde gewürfelt, über Gott und die Welt sinniert und kölsche Musik gehört. Weniger weihnachtliche, mehr Karneval. Was hier ja auch irgendwie zusammengehört und darum genau so angenommen wurde. Besinnlichkeit? Aber ja. Reduziertes Licht mit Wunderkerzen? Das kam wunderbar an. Und dann gemeinschaftlich zu den Bläck Fööss und dem Veedel gesungen. Kölsche Weihnacht, wie sie sich gehört. Für Außenstehende zuweilen schwer zu verstehen, für kölsche Jecken ein Fest.


Dienstag, 21. Januar 2014

Ein farbenprächtiger Weltraumkalender für 2014

Ein großformatiger Umschlag im Briefkasten, der Absender laut PLZ 85... nahe Nürnberg. Aus dieser Region bekomme ich sonst nie Post. Beim Namen des Absenders fiel mir als erstes der GarchingCon ein. Zu dessen Veranstalterteam zählt der nette junge Mann nämlich, dem ich in der vergangenen Dekade des öfteren auf Cons über den Weg gelaufen bin. Und was schickt er mir?

Nach dem Aufreißen des Umschlags staunte ich nicht schlecht. Ein Kalender für 2014 im Format A4 lag darin, herausgegeben vom Archiv der Astronomie- und Raumfahrt-Philatelie e.V. Garching und dem Münchener Perry Rhodan Stammtisch Ernst Ellert. Als kleine Aufmerksamkeit, wurde mir im Begleitschreiben mitgeteilt, und im Kalender steht: "Vielen Dank für deinen Beitrag zum GarchingCon 9." Der fand im vergangenen Jahr statt, aber ich konnte leider aus persönlichen Gründen nicht daran teilnehmen. Einen Beitrag geleistet habe ich also nicht, mich über die Aufmerksamkeit aber dennoch gefreut.

Die Kalenderblätter mußte ich mir gleich anschauen. Es sind zwölf farbenprächtige, beeindruckend schöne Drucke von Weltraumaufnahmen. Sie zeigen die Erde aus dem All aufgenommen, einen ausgestiegenen Raumfahrer in oder außerhalb der Atmosphäre, den Mond Io auf Passage vor dem Riesenplaneten Jupiter. Dazu Nebel und Galaxien. Allesamt faszinierende Eindrücke von Raumfahrt und Weltraum.

Der erste Monat des neuen Jahres ist zwar bereits tüchtig vorangeschritten, aber für das Januarblatt bleibt ja noch die dritte Dekade. Wo der Kalender hinkommt, weiß ich schon. Nämlich an die Stelle in der Küche, wo 2013 der Jahreskalender des ACD seinen Platz fand. Meinen Dank und meine Grüße an Jürgen Müller und die gesamte GarchingCon-Truppe.

Montag, 20. Januar 2014

Von Schätzen und Geheimgängen

Immer noch ist der junge Ritter Falk dem Geheimnis seiner Herkunft auf der Spur. Um Licht in die düstere Vergangenheit zu bringen, muß er sich einem Gegner stellen, mit dem er sich früher schon auseinandergesetzt hat. Doch ihm bleibt kaum Zeit, sich um seine persönlichen Angelegenheiten zu kümmern, denn die Schwarzen Teufel überziehen das Land mit Raub und Mord.

Zufällig wird Falk Zeuge eines Überfalls der Brandstifter, und schon steckt er mittendrin in seinem neuesten Abenteuer. Der jugendliche Held bekommt es mit einem finsteren Schurken zu tun, der aus dem Verborgenen heraus intrigiert und weitreichende Pläne verfolgt. Schon bald offenbaren sich Zusammenhänge. Kommt Falk dem Anführer der Schwarzen Teufel auf die Spur, kann er auch den Mörder seines Vaters und seines Ziehvaters überführen.

Beim ersten Manuskript, das ich im neuen Jahr abgeschlossen habe, handelt es sich um eine weitere Romanadaption eines Comic-Klassikers von Hansrudi Wäscher. Genauer gesagt um das zweite Abenteuer von Falk, dem Ritter ohne Furcht und Tadel. Der Roman wird wieder als gebundene Buchausgabe im Verlag Peter Hopf erscheinen, voraussichtlich im kommenden Sommer.

Insgesamt ist es bereits die 10. Geschichte, die ich nach einer Wäscher-Vorlage verfaßt habe. Die Tatsache war mir beim Schreiben gar nicht bewußt. Es ist mir eben aufgefallen, als ich in den Dateien geblättert habe. Man kann also durchaus von einem kleinen Jubiläum sprechen, auch wenn die zehn Romane zu drei verschiedenen Serien gehören, neben FALK nämlich zu TIBOR und NICK. Auf die nächste Geschichte um den Weltraumfahrer, die für Februar in meinem Terminkalender steht, freue ich mich schon ungemein.

Sonntag, 5. Januar 2014

Von Rosbach nach Schladern

So geht es einem, wenn man sich aus Köln ins Bergische Land verirrt. Denn für einen Großstädter wie mich ist Windeck ein wenig verwirrend. Von mir früher für einen Ort gehalten, handelt es sich um eine Gemeinde im Rhein-Sieg-Kreis, die aus mehreren Ortsteilen besteht. Diese sind jedoch nicht zusammenhängend, sondern räumlich verstreut. Als zersiedelt bezeichne ich so etwas.

Ich war gestern in Rosbach, einem dieser Ortsteile, um Jörg Kaegelmann einen Besuch abzustatten. Jörg kenne ich schon seit vielen Jahren. In seinem Blitz-Verlag erscheint unter anderem die neben REN DHARK zweite Science Fiction-Serie von Kurt Brand, nämlich RAUMSCHIFF PROMET aus den Siebziger Jahren. Zunächst legte Jörg die klassischen Abenteuer aus den Heftromanen des vorigen Jahrtausends als Paperbacks neu auf, dann folgten von Thomas Ziegler ersonnene Fortsetzungen, an denen ich gleich vom ersten Band an mitschrieb, und jüngst erscheinen die Klassiker als Neuschreibungen.

Auch nach Zieglers Tod steuerte ich weitere neue Geschichten bei, zuletzt einen fünfbändigen Zyklus, von dem zwei Bücher bereits erschienen sind. Die ausstehenden drei Romane werden im Laufe des Jahres publiziert. Einen Handlungsstrang, und zwar den um den Moraner Arn Borul, habe ich am Ende völlig offen gelassen. Daher besprachen der Herausgeber und ich, wie es neben den parallel laufenden Neo-Geschichten mit neuen Abenteuern weitergehen soll. Schlußendlich lief es darauf hinaus, daß Jörg mir bei der inhaltlichen Entwicklung völlig freie Hand läßt, so wie er es Anfang des Jahrtausends auch bei Thomas Ziegler tat.

Das freut mich. Ich kann die weitere Geschichte somit voll und ganz nach meinen Ideen und Vorstellungen gestalten. Ich werde in den nächsten Wochen das Szenario entwerfen und dabei festklopfen, wie viele Publikationen das Material füllen wird. Wann ich dann mit dem Schreiben der Romane beginne, weiß ich in der jetztigen Planungsphase noch nicht. Aber wie erwähnt, da ohnehin noch 3 Bücher ausstehen, muß ich nichts überstürzen.

Später wanderten wir durch Schlamm und Pfützen an der Sieg entlang in das wenige Kilometer entfernt liegende Schladern, einen weiteren Ortsteil von Windeck. Unterwegs gab es Pferde und Schafe zu sehen, Menschen nicht. Es ging vorbei an schmalen, hohen Eisenbahnbrücken. Die Anhöhen auf der anderen Seite der Sieg sehen zu dieser Jahreszeit mit ihren kahlen Baumgerippen ein wenig trostlos aus. Dann setzte auch noch leichter Nieselregen ein. Landidylle pur, so wie ich sie mir vorstelle.

Jörg und ich suchten das Alt-Schladern auf, die einzige Kneipe weit und breit, in der wir vor Jahren schon ein paarmal Einkehr hielten, die unter neuem Besitzer aber eine auffällige Neugestaltung erfahren hat. Alles ist viel heller angelegt, früher fand ich es gemütlicher. Leider eignete sich das Wetter nicht, um auf der erhöhten Terrasse zu sitzen, von der man auf den kleinen Bahnhof blickt und auf die beschauliche Landstraße 333. Verkehr? So gut wie Fehlanzeige.

Man ist in dieser Gegend ziemlich Köln-affin, wovon nicht nur das Zunft-Kölsch zeugte. Wir kamen mit Jupp ins Gespräch, einem zweiundsiebzigjährigen Musiker des Siegtaler Bläsercorps'. Jupp erzählte, zwischendurch immer wieder mit kölschsprachigen Brocken, daß er und seine Musikantenkollegen nicht nur seit vielen Jahren für die Blauen Funken spielen, sondern auch beim Kölner Rosenmontagszug mitgehen. So wurde aus der geplanten kurzen Einkehr eine mehrstündige, und ich machte mich erst einige Stunden später auf den Heimweg nach Köln.

Freitag, 3. Januar 2014

AC/DC in Classic Rock

Am 31. Dezember 1973 wurde sie gegründet - oder trat doch zumindest erstmals ins Bewußtsein der Öffentlichkeit, nämlich bei ihrem ersten Auftritt in einem Club in Sydney. Die Rede ist von AC/DC, der australischen Band, die für mich wie kaum eine andere den Begriff Rock'n'Roll prägt. Zum ersten Mal habe ich sie 1986 in der alten Kölner Sporthalle gesehen, mit ihrem Fly on the Wall-Programm. Das war ein paar Jahre nach dem Tod von Bon Scott, an dessen Stelle sich seit 1980 Brian Johnson die Seele aus dem Leib singt. Danach erlebte ich AC/DC erst 2000 in der Kölnarena wieder live, bei ihrer legendären Stiff Upper Lip-Tour, und schließlich mit Black Ice 2009 im Müngersdorfer Stadion erneut.

Dem Jubiläum angemessen zeigt sich die Januarausgabe von CLASSIC ROCK. Auf 34 Seiten wird das vierzigjährige Bestehen gewürdigt, mit einem spannenden Streifzug durch die vier Schaffensdekaden der, wie sie in den einschlägigen Magazinen zuweilen genannt wird, größten Rockband der Welt. Mit solchen Bezeichnungen sind Musikjournalisten gelegentlich schnell bei der Hand, wie auch die Rolling Stones wissen. Daß ich vor wenigen Jahren die Tour verpaßt habe, bei der beide Bands auftraten, ist schade. Ich mag die Stones, hätte AC/DC unterbewußt aber als den Headliner wahrgenommen.

Ansonsten kommt die vorliegende Ausgabe meines liebsten Musikmagazins recht mau daher. Hat das opulente Special möglichen weiteren Artikeln die Luft zum Atmen genommen? Denn danach sucht man vergeblich. Die Macher erschöpfen sich in Kurzberichten wie etwa über Black Sabbath und Roger Taylor oder in Einseitern zu Rush oder Boston. Allenfalls der Bericht über Münchens Circus Krone, wo auch die Stones schon aufgetreten sind, sticht noch ein wenig heraus.

Keinesfalls erschließen will sich mir, wieso sich eine Hardrockband "Nashville Pussy" nennt. Vielleicht erklärt es eine Aussage des Sängers Blaine Cartwright: "Die einst so fruchtbare US-Rockszene ist wie eine überfickte Fotze ausgetrocknet. ... Es wäre großartig, wenn wir UP THE DOSAGE in den Arsch meines Heimatlandes stecken könnten ... zuerst würde ich es aber noch mit Chillisauce einpinseln! Hoffentlich hilft uns SPV, den verrottenden Kadaver des amerikanischen Rock'n'Roll zu retten!" Ah ja, verstehe. Dafür haben zwei der Pussys zusammen mit anderen Musikern zuletzt aber eine Gospel-CD namens HAIL JESUS aufgenommen. Sieht da etwa irgendwer einen Widerspruch?

Montag, 30. Dezember 2013

Begegnung auf dem Friedhof

Zuweilen ereignen sich die wunderlichsten Zufälle, wie ich gestern wieder einmal feststellen durfte. Sonntags gehe ich häufig spazieren, meistens irgendwo in der Südstadt, im Vringsveedel, in Zollstock oder Raderthal. Dabei mache ich nicht selten einen Abstecher auf den Südfriedhof, wo meine Großmutter liegt, zu der ich ein sehr inniges Verhältnis hatte. Ich nehme dann eine Blume mit oder zünde eine Kerze an. Die Krux an der Sache ist nur, daß ich an die Kerze zwar immer denke, die Streichhölzer oder ein Feuerzeug jedoch mit schöner Regelmäßigkeit vergesse. So auch gestern.

Zufällig kam ein Mann in meinem Alter vorbei, den ich um Feuer bat. Er schaute mich kurz an, dann fragte er: "Sind Sie nicht der bekannte Science Fiction-Autor Achim Mehnert?" Ich stutzte und antwortete ein wenig verlegen: "Bekannt zwar nicht wirklich, aber Achim Mehnert stimmt."

Daraufhin gab er sich als mein Mitabiturient Max zu erkennen. Ich war schlicht baff und mußte zugeben, ihn meinerseits nicht erkannt zu haben. Dennoch freuten wir uns beide, denn wir haben zu Oberstufenzeiten des öfteren zusammengehockt. Max war damals zwar nicht aktiv in der SF-Szene involviert, ließ sich aber wohl davon ein wenig mitnehmen. So war er eins der ersten Mitglieder des Kölner SF-Clubs "Die Terraner", und er besuchte anfangs auch den einen oder anderen Coloniacon.

Nach dem Humboldt-Gymnasium haben wir uns dann völlig aus den Augen verloren. Und nun plötzlich wärmten wir neben dem Grab meiner Großmutter ein paar Erinnerungen auf und verabredeten, demnächst mal zusammen ein Bier trinken zu gehen. Unverhofft kommt oft. Gegen derlei zufällige Zusammenstöße habe ich nicht das geringste einzuwenden.

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Vorweihnachtliche Verlagstradition

So sicher wie das Amen in der Kirche sind zwei Postsendungen, die mich jedes Jahr wenige Tage vor Weihnachten erreichen. Die eine kommt vom Ren Dhark-Chefautor. Hajo F. Breuer läßt es sich nämlich nicht nehmen, jedem aus dem Autorenteam eine Flasche Single Malt zu schicken. Der Autorengaumen will ja verwöhnt sein. Die Flasche mit dem verlockend golden schimmernden Naß steht ungeöffnet und von Kerzen angestrahlt hinterm Adventskranz. Ich glaube, morgen werde ich eine Geschmacksprobe durchführen.

Die andere Sendung stammt aus der Perry Rhodan-Redaktion. Es ist eine hübsch bunte Karte mit jährlich wechselndem Motiv, die von allen Redaktionsangehörigen unterschrieben ist. Diesmal stammt die Graphik von dem Künstler Michael Vogt. Sie zeigt drei Personen, die aus einer Raumschiffluke springen und an einem riesigen Kristall runterrutschen, nämlich eine Frau, einen Mann und einen Außerirdischen. Der Mausbiber Gucky ist unverkennbar, und bei dem Mann handelt es sich vermutlich um den Sofortumschalter Rhodan höchstselbst. Ich habe jedoch keine Ahnung, wen die dunkelhaarige Frau darstellen soll.

Dienstag, 24. Dezember 2013

Allen ein frohes Fest

Wieder ist ein Jahr vergangen, wieder ist die Zeit der Ruhe gekommen, um in sich zu kehren und verschiedene Dinge Revue passieren zu lassen. Das gehört für mich zum Weihnachtsfest dazu, ebenso wie die Besinnlichkeit, die sich bei mir von allein einstellt, ohne daß ich bewußt danach greifen muß. In der Tat, an den Weihnachtstagen gelingt es mir, völlig abzuschalten. Alles andere tritt in den Hintergrund.

Möge es auch euch so gehen - so ihr dies wollt. Jedenfalls wünsche ich allen ein frohes und besinnliches, ein ruhiges und friedliches Fest. Und an dieser Stelle auch gleich einen guten Rutsch und ein glückliches neues Jahr. Wenn ihr mögt, bleibt meinem Blog auch 2014 treu. Ich freue mich über jeden Besucher und Leser.

Akustische Klassiker im Nox

Der Gastro-Szene ist Martin Quast hinter der Theke verloren gegangen, seine Musik macht er weiter. Zum Glück. Es wäre wirklich schade, wenn er seine Fähigkeiten als Sänger und Gitarrist dem Publikum nicht mehr nahe brächte. Am gestrigen Abend trat er im Nox auf, nur mit akustischer Gitarre, so wie man es von ihm kennt.

Martin kann singen und hat eine gute Gesangsstimme - die ich mit seiner Sprechstimme allerdings nie in Einklang bringe. Beide sind für mich, als stammten sie von zwei verschiedenen Menschen. Ich staune immer wieder darüber. Was sich nicht ändert, sind seine akustischen Interpretationen bekannter Stücke der Rockmusik. Aus den vorhandenen Juwelen macht er eigene kleine Perlen.

Sein Repertoire ist dabei breit gefächert, wie er im Nox einmal mehr unter Beweis stellte. Martin sprang zwischen Crosby Stills & Nash, Police und den Beatles hin und her, er wechselte von Neil Young zu U2 und von Bob Dylan zu Marillion. Daß er meinen Musikgeschmack trifft, wußte ich natürlich schon vor dem Konzert.

Als er ankündigte, der nächste Song werde einem im Publikum sicher gefallen, weil derjenige den Komponisten mag, und er mir dabei einen kurzen Blick zuwarf, ahnte ich, daß Bruce Springsteen folgen würde. So war es. Ich entspannte mich zu Youngstown vom 95er Boss-Album "The Ghost of Tom Joad". Als die ersten Akkorde von Wish You Were Here erklangen, schloß ich unbewußt die Augen und fühlte mich in die Achtziger Jahre zurückversetzt, zu den beiden Pink Floyd-Konzerten, die ich damals im Müngersdorfer Stadion gesehen habe.

Santanas Black Magic Woman folgte, Bob Marleys wunderbarer Redemption Song und  Hey Joe von Jimi Hendrix. Martin war in bester Spiellaune. Der sympathische Kerl mit seiner Gitarre wollte gar nicht aufhören. Für mich war es ein ausgesprochen entspannter und gemütlicher Abend, an dem ich einfach die Seele baumeln ließ. Die beste Einstimmung auf die besinnlichen Weihnachtstage.

Sonntag, 22. Dezember 2013

Kasalla im Gloria

Sie sind die Senkrechtstarter der Kölner Musikszene, die fünf Jungs von Kasalla. Was soviel bedeutet wie Krawall oder Ärger. Sänger, Gitarrist, Bassist, Schlagzeuger und Keyborder machen deutlich, wohin die Reise geht, dazu ausnahmslos mit kölschen Texten. Es ist beeindruckend, wie die junge Mundartband in den gerade einmal zwei Jahren ihres Bestehens und mit inzwischen zwei Alben durchgestartet ist. Nicht ganz schuldlos daran ist sicher der Einsteiger Pirate, ihre erste Single-Auskopplung, die 2012 mit gehißter Flagge, Totenkopf und roter Nase wie ein Donnerschlag in den Karneval Einzug hielt.

Ein wenig werden sie seitdem dem Karneval zugeordnet, und dort haben sie großen Erfolg. Ansonsten werden sie sowohl im Rock als auch im Pop verortet, beides sicher nicht zu Unrecht. Für mich fallen sie schlicht und einfach unter das weite Feld des Kölschrock. Belege dafür sind die aktuellen Stücke Kumm mer lääve und Der Fluss, die meilenweit vom Karneval entfernt sind, das erste geistreich-lebensbejahend und mit einem witzigen Video produziert, das zweite nachdenklich, besinnlich und melancholisch, fast schon sentimental, ohne in Kitsch abzugleiten.

Eine besondere Leistung von Kasalla ist es, bei Kritikern gleichermaßen gut anzukommen wie beim Publikum. Ebenso bei Jung und Alt. Entsprechend gemischt war das Publikum im Gloria-Theater, wo ich sie jetzt zum ersten Mal live gesehen habe. Nach ihrer ersten Tour im vergangenen Sommer, die in drei ausverkauften Konzerten in der Live Music Hall gipfelte, wollten sie sich im Gloria-Theater mit einem Jahresabschlußkonzert verabschieden. Daraus wurden gleich vier aufeinanderfolgende Abende, allesamt ausverkauft.

Es ging los mit einem halben Dutzend rockiger Stücke, um die Zuschauer anzuheizen - was aber nicht nötig war. Denn von Beginn an hatten Kasalla ihr textsicheres Publikum bestens im Griff. Offenbar haben sie sich bereits eine respektable Fanschar erspielt. Ich kannte im Grunde kaum mehr als die Stücke, die bei youtube zu finden sind, und unter denen gibt es keinen Ausfall. Ich hätte jedoch nicht erwartet, daß die Band in der Lage ist, ein zweieinhalbstündiges Programm mit Leben, Intensität und guter Musik zu füllen. Das tat sie aber, was mich nun richtig neugierig auf die beiden Alben macht.

Kasalla verfügen über ein Repertoire, das man nach nur zwei Scheiben nicht erwartet und das sich über verschiedene Musikstile erstreckt. Rock, Balladen, ein bißchen Tanzmusik ist auch dabei. Alles, wie schon erwähnt, auf Köln. Hochdeutsch scheint bei den Jungs zumindest in musikalischer Hinsicht verpönt zu sein. Das ist gut so, und ich hoffe, das bleibt auch so. Davon können die Höhner sich eine Scheibe abschneiden.

Überraschungen gab es einige. Nach den anfänglichen elektrifizierten Fegern wurde mit klassischen Instrumenten in den Akustikmodus geschaltet. Kontrabaß, Cello, Xylophon statt Schlagzeug und die Quetsch. Sogar die durch Hans Süper populär gewordene Flitsch kam zum Einsatz, speziell beim Krätzchen Wenn ich Millionär wöhr, der ältesten sparsam instrumentierten musikalischen Vortragsform in Köln, wie man sie beispielsweise von Karl Berbuer oder Horst Muys kennt.

Gassenhauer wie Immer noch do haben Kasalla ebenso drauf wie irische Klänge oder ihren eigenen Beitrag zu Arsch huh. Auch auf musikalisch dicke Hose können sie machen. So geschehen bei den Einsätzen einer vierköpfigen Bläsersektion, bestehend aus zwei Trompeten, Posaune und Saxophon, oder bei der vokalen Unterstützung von drei Backgroundsängerinnen. Als zur Zugabe Pirate erklang, dachte ich, gleich hebt das Gloria ab. Das Programm war gleichermaßen gut wie abwechslungsreich. Ich erwähne es noch einmal: das alles nach erst zwei Jahren Bandbestehen und zwei Alben.

Dabei merkte man den fünf Musikern den Spaß an, den sie auf der Bühne und bei der Darbietung ihrer Lieder haben. Entwickelt Kasalla sich so weiter, bin ich gespannt, welche Hallen die Jungs in ein paar Jahren füllen werden. Gäbe es mehr neue, junge Bands wie sie - oder auch Cat Ballou - wäre mir um die Zukunft kölscher Mundartmusik nicht bange.