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Dienstag, 5. Dezember 2017

Sammlerherz 18

Ich hinke ein wenig hinterher mit meiner Besprechung, muss ich gestehen, denn kürzlich ist bereits die 19. Ausgabe von Sammlerherz erschienen, dem Magazin für den Comic- und Nostalgiefreund. Doch widmen wir uns zunächst der Nummer 18, deren Titelbild eine Zeichnung von Johann Kiefersauer präsentiert und die einmal mehr als abwechslungsreicher und bunter Lesespaß daherkommt.

Gleich der erste Artikel – oder Bildreportage, wie es im Heft steht – von Hans-Joachim Neupert nahm mich gefangen, fühlte ich mich doch in meine eigene Kindheit zurückversetzt. Um Quartette geht es, jene Kartenspiele, die uns als Kinder begeisterten und an die ich schon lange, lange nicht mehr gedacht habe. Unzählige Motive gab es, wie hier nachzulesen ist: Winnetou und Tarzan, Grzimeks Tierbilder und Märchenfiguren, Städte und bekannte Persönlichkeiten. Ich erinnere mich daran, dass ich und meine Brüder Autos, Rennwagen, Schiffe und Flugzeuge bevorzugten, den technischen Kram also. Das Raumpatrouille- und das Perry Rhodan-Quartett sind zu meinem Leidwesen allerdings völlig an mir vorbeigegangen. Dafür erinnere ich mich an das Bonanza-Quartett, ja, das habe ich besessen. Heute leider nicht mehr, schade. Das wäre wie die beiden davor genannten ein schönes Sammlerstück. Dafür war es ein schöner Artikel, mein Favorit in dieser Ausgabe.
 
Echte Raritäten gibt es zu bestaunen in Eckhardt Walters reich bebildertem Beitrag „Schätze aus dem 19. Jahrhundert“, die er selbst bei einem Spezialisten bewundern durfte. Die Titelbilder und Illustrationen von Märchenbüchern, Westernromanen wie Lederstrumpf, Piratengeschichten und Ritterstories aus jener Zeit sind eine Augenweide. Glücklich, wer solche Schätze in seiner privaten Bibliothek stehen hat. Eine echte Leiche hingegen möchte wohl niemand im Haus haben – Hans Erich Dingel blickt weit über den Tellerrand hinaus und ruft den Mordfall Rosemarie Nitribitt in Erinnerung.
 
Marco Löffelhölz berichtet über Hörspiele, und Peter Kronhagel rezensiert den mir unbekannten Comic „Tex & Mex“ von Peter Wiechmann. Dessen humorige Extrablätter klagen zudem die Comic Prohibition an und klären Grandma Daltons Verschwinden. Comicsammler Eckhardt Walter liefert einen Erfahrungsbericht über seinen Umzug. Den kann ich als Büchersammler bestens nachvollziehen. Es gibt den zweiten Teil von Daniel Kaufungs Artikel über Johann Kiefersauers Mecki, einen Blick auf Waldbilder des spätromantischen (und in der vorigen Ausgabe ausführlich gewürdigten) Naturmalers Hermann Vogel. Zur Erheiterung reizt ein Fundstück von Hans-Joachim Neupert, das er auf der Rückseite der Neujahrsausgabe der Hörzu aus dem Jahr 1957 entdeckte, nämlich wie man sich damals die Welt anno 2000 vorstellte.
 
Hans Simon beschäftigt sich mit dem Historiencomic Quetzalcoatl. Klingt heftig, spannend und gut und wirft bezeichnende Schlaglichter auf den Konquistador Cortéz, den Neil Young einst im gleichnamigen Lied folgerichtig als „Cortéz the Killer“ bezeichnete. Bildberichte von Clubtreffen runden Sammlerherz 18 ab. Dazu gibt es selbstverständlich die Fortsetzungen des Comics um „Hauptmann Greko“ sowie von Hans Simons Roman „Arthur“.

Sonntag, 15. Januar 2017

Sammlerherz 17

Das „Magazin für den Comic- und Nostalgiefreund“, so der Untertitel, erscheint einmal im Jahr. Die Ausgabe 17 habe ich von der letzten Intercomic mitgenommen. Seit ich das Sammlerherz dort vor zwei Jahren entdeckte, gehört es neben der Sprechblase und dem Hansrudi Wäscher-Magazin zu den Comic-Magazinen, die ich regelmäßig lese.
 
Das dynamische Titelbild nimmt einen auf den ersten Blick gefangen: ein sich aufbäumendes Pferd neben einer bellenden Hundemeute, dazu im Hintergrund eine Figur, die an einen Zauberer aus der einschlägigen Literatur erinnert und dem Bild einen Hauch von Fantasy verleiht. Ich wurde auf Anhieb neugierig, weil ich meinte, von dem Künstler noch nie etwas in einem Magazin oder Fanzine gesehen zu haben. Kein Wunder, denn der Künstler Hermann Vogel lebte von 1854 bis 1921. Im Heftinneren findet sich ein Artikel samt Lebensgeschichte des Plaueners, der als einer der besten und bekanntesten Illustratoren seiner Zeit galt. Unter anderem illustrierte er Märchen von Christian Andersen. Noch heute stellt das Vogtlandmuseum Plauen Werke von Vogel aus. Schöne Entdeckung eines mir bis dahin völlig unbekannten Künstlers.
 
Ein anderer interessanter Mensch scheint Luke Haas gewesen zu sein, „Den Toxkapp aus der Hiel“. Was Toxkapp bedeutet, erschließt sich mir zwar nicht, aber Hiel ist ein Stadtteil der Luxemburger Stadt Esch an der Alzette, die ich von häufigen Durchfahrten mit dem Auto kenne. Luke, gebürtig Lucien, Haas, dem Hans Simon einen längeren Nachruf widmet, war offenbar eine bekannte Luxemburger Größe. Er gehörte als Sänger, Gitarrist und Bassist verschiedenen Luxemburger Bands an, spielte dabei Rock'n'Roll, Prog-Rock und Balladen nicht nur in Luxemburgisch, sondern auch in Englisch, Französisch und Deutsch. Als Schriftsteller verfasste er das „Luxemburger Rock-Lexikon“ und den Bestseller „Luxemburger Rockstory“. Er war Comicsammler, Comiczeichner und publizierte das schwergewichtige Comicbuch „Comics in, aus und über Luxemburg“. Bemerkenswert ist, dass Luke Haas von der Kultusministerin für seine Pionierarbeit gewürdigt wurde, das kulturelle Leben in Luxemburg als Rockmusiker jahrzehntelang mitbestimmt zu haben. Ein umtriebiger, kreativer Mann, der mir bestimmt gefallen hätte, hätte ich ihn persönlich gekannt.
 
Zwei weitere Nachrufe finden sich in der vorliegenden Ausgabe. Auch Sammlerherz gedenkt des verstorbenen Hansrudi Wäscher, sowie zudem Dieter Lob, Sammler und profunder Kenner der Szene. Um einen – allerdings schon lange – Verblichenen geht es im Artikel „Georg Armstrong Custer – Die Schlacht am Little Big Horn“ von Hans Erich Dingel, in dem der Verfasser sich mit eben jenem Thema und Custers militärischer Laufbahn beschäftigt. Was mich im ersten Moment verwunderte, ist so erstaunlich gar nicht, dienten doch Custer, Crazy Horse und die Schlacht am Little Big Horn nicht nur als Vorlage für diverse Filme, sondern auch für eine Reihe von Comics. Erfreulich, dass Custers Wirken – exemplarisch der Angriff und das Massaker an den Cheyenne unter Black Kettle – durchaus kritisch betrachtet wird. Ein lesenswerter Blick über den Tellerrand.
 
Ein wichtiger Bestandteil im Sammlerherz ist die Fanszene. So findet sich ein Interview mit Detlef Lorenz, dem Vater des „Logbuch des Robinson Crusoe“, sowie ein weiteres mit dem Tarzan-Sammler Anton. Letzteren besuchte Fragesteller Eckhardt Walter zudem zu Hause und berichtet samt zahlreichen Bildern von einer Wohnung voller Tarzan-Schätze und anderer Dinge.
 
Der erste Teil eines zweiteiligen Artikels über – allerdings den neuen von Johann Kiefersauer – Mecki führt mich zurück in meine Kindheit. Als kleiner Junge habe ich auch Mecki gelesen, daran erinnere ich mich aber nur noch sehr verschwommen. Thematisch verwandt ist die Erinnerung an Werbehefte für Kinder in Comicform, wie sie vor einem halben Jahrhundert in Geschäften verteilt wurden, sei es Rotkäppchen oder Rumpelstilzchen, Der kleine Muck oder Max und Moritz. Wenn meine Eltern mit mir Schuhe kaufen gingen, durfte das niemals in einem anderen als in einem Salamander-Schuhgeschäft geschehen. Schließlich gab es dort bei jedem Einkauf immer die kostenlosen Lurchi-Heftchen dazu, sowie gelegentlich Gummifiguren von Lurchi oder seinen Freunden. Leider hat bei mir nichts davon überlebt. Das Zeug dürfte heute beim Verkauf einen ordentlichen Preis erzielen.
 
Neuland war für mich der Bericht über „Saint-Tin und sein Freund Lou“, eine Persiflage auf Tim und Struppi, die wegen Plagiatsverdachts sogar die französischen Gerichte beschäftigte. Als selbst kreativ Schaffender stehe ich dieser Tim und Struppi-Parodie äußerst skeptisch gegenüber. Weitaus mehr erwärmen könnte ich mich vermutlich für das französisch-belgische Comicepos „Hopfen und Malz“, das die Geschichte einer Bierbrauer-Dynastie über einen Zeitraum von 150 Jahren erzählt.
 
Ein Comic darf nicht fehlen. Hier ist es „Hauptmann Greko“ von Johannes Günther. Der Zeichenstil gefällt mir sehr. Allerdings werfen die fünf Seiten der Fortsetzungsgeschichte nicht mehr als ein kurzes Schlaglicht. Dies dürfte jedoch, nehme ich zumindest an, dem für das Magazin reichlich vorliegenden Material geschuldet sein. Gleiches gilt wohl auch für die siebenseitige Romanfortsetzung „Arthur – Die Odyssee“ von Hans Simon, illustriert ebenfalls von Johannes Günther. Der Text kommt nämlich ziemlich gedrängt daher, der Satz könnte durchaus ein wenig mehr Auflockerung und Struktur vertragen. Aber bei der Fülle des Materials, das die Herausgeber in ihrem Magazin unterbringen, ist das ein Jammern auf hohem Niveau.
 
Abgerundet wird die vorliegende Ausgabe durch die Sammlerherz Extrablätter, einen launig-bebilderten Bericht über die Bettelarmbänder Charms und eine Rezension zur Trigan-Neuauflage bei Panini. Während ich Storm schon als Jugendlicher klasse fand, habe ich zu Trigan nie einen Bezug gefunden. Römer im Comic-Weltraum? Das passte für mich einfach nicht zusammen.
 
Sammlerherz 17, herausgegeben von Hans Simon und Eckhardt Walter, kommt ausgesprochen abwechslungsreich daher und berührt auch Themen, die ich nicht unbedingt erwarte, die aber dennoch oder gerade deshalb zum Schmökern einladen. Die vollgepackten 68 Seiten im Magazinformat sind professionell aufgemacht, wunderbar bebildert und durchgängig lesenswert.
 
Weitere Informationen findet der Interessierte hier: www.sammlerherz.com.
Dort kann man das Magazin auch bestellen.

Freitag, 4. Dezember 2015

Sammlerherz 16

»Sammlerherz« war mir bis vor kurzem gänzlich unbekannt. Das »Magazin für den Comic- und Nostalgiefreund« wurde mir auf der letzten Intercomic nahegelegt, weil ich angeblich gleich zweimal darin vertreten sei. Stimmt sogar, wie ich später beim Durchschmökern feststellte. A4-formatig, mit nettem Covermotiv und 68 Seiten Umfang weiß das Magazin von Hans Simon und Eckhard Walter optisch auf Anhieb zu gefallen.

Inhaltlich bietet es genau das, was der Untertitel verspricht, nämlich eine Menge Informationen über die eher nostalgische Abteilung der deutschen Comic-Szene. Dabei geht es gleich ein wenig sentimental los. Einem kleinen Rückblick auf den vor acht Jahren verstorbenen Comic-Verleger Norbert Hethke und einem Interview mit dessen Frau Ursula lässt Hans Simon einen gefühlvollen Nachruf auf Werner Fleischer folgen. Ach, Werner – da muss ich gleich wieder an seine nächtlichen Anrufe denken, wenn ihm eine Idee zu einem Projekt gekommen war, zu dem er gleich etwas wissen wollte. Das war manchmal ein wenig nervig – aber weitaus mehr doch engagiert, enthusiastisch und charmant.

Danach geht es um Johannes Günther und sein Schaffen zu diversen Abenteuerserien, um Kit Carson und neue frankobelgische Abenteuercomics, um den 1845 geborenen Zeichner Adolf Oberländer, um Tim & Struppi und einiges andere mehr. Leserbriefe gibt es auch, ebenso einen »Hauptmann Greko«-Comic und den 11. Teil eines Romans um »Arthur – Der Herr von Drachenfels«. Es wird zurückgeblickt auf ein Treffen der Comic-Nostalgiefreunde auf der Ronneburg in Hessen so wie auf Toni Rohmens »Hubertushöhe-2«-Treffen, bei dem ich im Spätsommer zugegen war.

Im kleinen Städtchen Sulzbach-Rosenberg wurde in diesem Jahr tatsächlich zum ersten Mal eine Comicbörse durchgeführt. Irgendwie witzig, die Vorstellung. Bei dem Ortsnamen dachte ich gleich an die von dort stammenden zeichnenden Brüder Anton und Stefan Atzenhofer, die vor vielen Jahren so manche Illustration zu meinem damaligen Fanzine »Denebola« beigesteuert haben.