Montag, 14. April 2014

Historisches aus der Südstadt

Stollwerck-Mädchen
Brunnen am Severinskirchplatz
Es ging von der Severinskirche über Zint Jan zum Narrenschiffbrunnen auf dem Karl-Berbuer-Platz. Vom Blaue-Funken-Turm und der Ulrepforte vorbei am Karthäuserhof hin zur Severinstorburg. Von dem Eckhaus mit dem heutigen Reisebüro, in welchem einst das kleine Lebensmittelgeschäft Niedecken untergebracht war, wo der Kölner Musiker Wolfgang Niedecken aufwuchs, über das Haus Balchem und das Odeon-Kino, früher das legendäre Trude-Herr-Theater, und schließlich zurück zum Severinskirchplatz mit dem Brunnen des Stollwerck-Mädchens von 1900.

Auf Initiative meiner Schwester habe ich es mir nicht nehmen lassen, an einer Führung durch die Kölner Südstadt teizunehmen, denn es gibt ja immer Dinge zu entdecken, die man noch nicht kennt. So auch gestern. Natürlich war mir vieles von dem, was der Stadtführer zu erzählen hatte, bekannt, doch wußte er mich mehrfach zu überraschen. Er plauderte ungezwungen mit eingestreuten Anekdoten und viel Hintergrundwissen. Wirklich interessant.

Ganz neu war mit beispielsweise der architektonische Hintergrund der sogenannten Dreifensterhäuser. Das sind jene schmalen Wohnhäuser, wie sie ab Mitte des 19. Jahrhunderts häufig in Köln und generell im Rheinischen gebaut wurden, mit drei ebenfalls schmalen Fenstern auf jeder Etage und meist einem kleinen Ladenlokal im Erdgeschoß. Daß die Häuser so schmal waren, lag schlicht und einfach an der damals gültigen preußischen Bauordnung. Der zufolge waren Häuser mit einer Breite von bis zu 20 Fuß, also rund 6,28 Meter, von Steuerabgaben befreit, und das machten sich viele Bauherren zunutze.

Sonntag, 13. April 2014

Fluchtpunkt M53

Bei Amazon (und aufgrund des entsprechenden Erfolgs demnächst auch bei anderen Ebook-Plattformen) schreitet die Veröffentlichung der digitalen Version von REN DHARK munter voran. Die klassischen Geschichten aus der Ära Kurt Brands liegen bereits seit einer Weile komplett vor.

Nun geht es ungebremst mit den neuen Abenteuern weiter. Soeben ist Band 10 des Drakhon-Zyklus erschienen, das erste kleine Jubiläum also. Die Hardcover-Ausgabe des auf 24 Bücher angelegten Zyklus wurde 2001 publiziert Lang ist's her. Nun folgt für alle, die lieber am Bildschirm lesen, das Ebook. Es enthält vier aufeinander aufbauende Romane, geschrieben von (dem 2008 verstorbenen) Werner Kurt Giesa, Uwe Helmut Grave, Altmeister Conrad Shepherd und meiner Wenigkeit. Damals war ich noch ziemlich frisch bei Ren Dhark dabei und der Jungspund unter den erfahrenen Kollegen.

Tauche ich heute, mit dem zeitlichen Abstand von über zehn Jahren, noch einmal in die damalige Handlung ein, so stelle ich fest, daß wir uns zwar längst an ganz anderen kosmischen Stätten herumtreiben. Dennoch gibt es wichtige Elemente, die just am Ende des aktuellen Buchzyklus wieder eine herausragende Rolle spielen.

Samstag, 12. April 2014

Raumschiff Promet geht weiter

Anfang Mai, voraussichtlich zur Intercomic, erscheint mein neuer Promet-Roman als Taschenbuch. Das Titelbild gefällt mir gut. Beim Romantitel darf spekuliert werden. Tod eines Cyborgs setzt die Handlung fort, die in den beiden Hardcoverbänden Das Orakel von Chron und Notruf aus Katai begann.

Wer mit dem Inhalt vertraut ist, kann sich denken, um welchen Cyborg es sich handelt. Die beiden Folgebände, die den Fünfteiler zum Abschluß bringen, liegen dem Verlag als Manuskript vor. Sie stammen ebenfalls aus meiner Feder. Die Arbeitstitel lauten Der ewige Feind und Welt in Flammen.


Freitag, 11. April 2014

You are Number Six

Hansrudi Wäschers SIGURD wie Sechzig. Kein Wunder, daß sich die aktuelle Ausgabe des Comic-Magazins Sprechblase mit diesem Jubiläum beschäftigt. Andreas C. Knigge, der Autor der Wäscher-Biographie "Allmächtiger", steht Gerhard Förster Rede und Antwort. Dazu gibt es einen mehrseitigen Sigurd-Comic. Nicht aus der Feder des Altmeisters, sondern von Förster und Martin Frei. Der blonde Held kann seine Ähnlichkeit zum Original nicht leugnen, kommt mir, wie andere Figuren auch, aber ein wenig kantiger vor als bei Wäschers Pinselstrich.

Zahlreiche Comic-Neuerscheinungen werden besprochen und obligatorisch die Generation Lehning abgehandelt. Ich bin stets aufs Neue verblüfft, wie viel Wäscher wiederveröffentlicht wird, sei es im Wildfeuer Verlag, bei Ingraban Ewald, dem Nostalgiker Verlag oder beim rührigen Heinz Mohlberg. Die Stan Lee-Story wird mit Teil 3 fortgesetzt, und Macher aus der Comic-Szene äußern sich zum neuen Asterix. Dem stehe ich immer noch gespalten gegenüber. Im Vergleich zum zuvor erschienen Murks bedeutet er zwar fast einen Quantensprung, hechelt aber dennoch angezählt den besten Werken von Goscinny und Uderzo hinterher.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die aus den Sechziger Jahren stammende britische Fernsehserie "The Prisoner", die in Deutschland unter dem nicht weniger passenden Titel "Nummer 6" ausgestrahlt wurde. Ich habe den Artikel mit großem Interesse gelesen, denn die Serie klingt ziemlich interessant. Sie scheint mit Patrick McGoohan nicht nur einen außerordentlich charismatischen Hauptdarsteller gehabt zu haben, sondern auch inhaltlich über einiges zu verfügen, was ich mag. Umso verwunderlicher, daß ich nie damit in Berührung gekommen bin.

Doch hoppla, so ganz stimmt das wiederum nicht. Schließlich höre ich seit über dreißig Jahren Iron Maiden. Das Musikstück The Prisoner auf dem Maiden-Album "Number of the Beast" beginnt mit einem mysteriös klingenden Dialog zwischen zwei Personen mit Namen Number Two und Number Six. Daß es sich dabei um ein Sample jenes Dialogs handelt, der in der Fernsehserie am Ende des Vorspanns gesprochen wird, war mir nicht bewußt.

Obwohl "The Prisoner" es lediglich auf 17 Folgen brachte, gilt die Serie heute als ein Meilenstein der Fernsehunterhaltung und wird mit ihren Mystery-Elementen gar als einer der frühen Vorläufer von Akte X genannt. Da weiß ich doch, was als nächstes auf meiner DVD-Liste steht.

Donnerstag, 10. April 2014

Die Phantom-Einbrecher

Der vierte Nick-Roman ist fertig. Ich habe heute die Arbeit am neuen Manuskript abgeschlossen und bin ein klitzekleines bißchen stolz darauf. So schnell wie diesmal war ich noch nie mit einem Romanmanuskript fertig. Ich stelle fest, ich befinde mich in einer Phase der Arbeitswut. Daher werde ich noch heute mit dem nächsten Projekt beginnen. Dort heißt der ebenfalls aus den Sechziger Jahren stammende Protagonist jedoch nicht Nick, sondern Ren Dhark.

Im Gegensatz zu den vorangegangenen Romanen spielt die Handlung meiner aktuellen Romanadaption um Nick und den Biologen Tom Brucks ausschließlich auf der Erde. Dennoch handelt es sich um lupenreine Science Fiction, auch wenn die Geschichte streckenweise eine Kriminalhandlung transportiert. Also ein Krimi im SF-Gewand. Oder SF im Krimigewand. Das muß jeder für sich entscheiden.

Mit den in der Überschrift erwähnten Phantom-Einbrechern hat Nick dabei nur am Rande zu tun. Der Raumfahrer wird an einen Ort verschlagen, den vor ihm noch niemand betreten hat. Er befindet sich auf der Erde, ist aber nicht weniger phantastisch als fremde Welten in der Unendlichkeit des Universums. Unter normalen Umständen ist er jedem Menschen nah und doch unerreichbar fern. Doch was sind schon normale Umstände, wenn ein wissenschaftliches Genie wie Professor Raskin immer wieder für eine neue technische Sensation gut ist?

Als Vorlage für meinen Roman dienten die Piccolos 40 bis 48. Obwohl es sich also um ein kürzeres Abenteuer handelt, werden gleich mehrere klassische Motive der Science Fiction in den Nick-Kosmos eingeführt. Der Überlichtantrieb, das Gedankenlesen und der Mikrokosmos sind aus der SF nicht wegzudenken. Zudem taucht zum ersten Mal in einem Nick-Werk der Klassiker in der deutschen Science Fiction schlechthin auf. Schon in der Frühzeit spielte er bei Ren Dhark und Perry Rhodan eine wichtige Rolle: der Kugelraumer.

Für das erste interstellare Raumschiff bei Nick ging Hansrudi Wäscher weg von der Rakete und hin zur Kugelform. Doch wie erwähnt, führt der erste Flug den neuen Kugelraumer nicht in die Galaxis hinaus. Kenner von Nick wissen bei diesen Zeilen, wohin es unseren wackeren Weltraumhelden verschlägt. Alle anderen erfahren es nicht vor nächstem August. Denn dann erscheint der Roman mit dem Titel Versuch 158.

Mittwoch, 9. April 2014

Köln vor dem Krieg

Ich war zum ersten Mal im Belgischen Haus am Neumarkt, und ich war beeindruckt von den in klassischem Stil gehaltenen Räumlichkeiten. Das 1950 eröffnete Gebäude beherbergt zum einen das belgische Konsulat, dient mit seinem gediegenen, exklusiven Ambiente aber auch als Aufführungsstätte für kulturelle Veranstaltungen. Reinhard Matz und Wolfgang Vollmer hielten dort anläßlich des Erscheinens ihres Bildbandes Köln vor dem Krieg für den Heimatverein Alt-Köln einen Bildvortrag zu ebenjenem Thema.

Matz und Vollmer haben in den vergangenen Jahren zahlreiche alte Photographien zusammengetragen, die dokumentieren, wie das moderne Köln ab 1880 entstanden ist. Bei ihrer Materialsuche wurden sie nicht, wie man erwarten könnte, vorrangig in Köln fündig. Erst recht nicht mehr nach dem Einsturz des Stadtarchivs, nach dem sie sogar fürchteten, ihr Projekt auf Eis legen zu müssen. Umso erfolgreicher war die Recherche dafür in Archiven in London, Paris und Schweden.

Daß sie im Jahr 1880 begannen, hat einen einleuchtenden Grund. Es ist nicht etwa der, daß in diesem Jahr der Dombau abgeschlossen wurde. Vielmehr wurde auch die Entscheidung getroffen, die mittelalterliche Stadtmauer abzureißen, weil die Bevölkerung zu dieser Zeit ständig anwuchs und innerhalb der Mauern keinen Platz mehr fand. Dadurch wurde die Stadterweiterung überhaupt erst möglich und die Weichen vom Mittelalter in die Neuzeit gelegt.

Natürlich gibt es im Netz und in Bildbänden unzählige alte Fotos von Köln zu bestaunen, doch man entdeckt immer wieder etwas neues. Speziell Bilder vom Abriß bestimmter Abschnitte der Mauer hatte ich zuvor noch nie gesehen. Die Erläuterungen, die Matz und Vollmer zu den präsentierten Aufnahmen lieferten, zeigten, wie viel Herzblut sie in ihr Projekt gesteckt haben. Hinzu kam, daß die Künstler, beide selbst Fotografen, anhand des zusammengetragenen Bildmaterial die Entwicklung der Fotographie allgemein verständlich nachvollzogen. Für jemanden wie mich, der leidlich mit seiner kleinen Digitalkamera zurecht kommt, waren das interessante Einblicke.

Donnerstag, 3. April 2014

Roter Rauch überm Urwald

Mit geheimnisvollem roten Rauch beginnt das neue Tibor-Abenteuer, das ich just zu einem Abschluß gebracht habe. Als Tibor ihn über dem Dschungel aufsteigen sieht, denkt er zunächst an Giftgas. Verständlich, daß er sich umgehend auf den Weg macht, um herauszufinden, was es damit auf sich hat. Denn er fürchtet um die Sicherheit seiner Freunde, der Tiere.

Zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nicht, daß eine viel größere Gefahr besteht. Bei einem Überfall auf das Dorf der Kajangas kommt es zu zahlreichen Toten. Der Diamantenraub stellt das sonst so friedliche Miteinander von Schwarz und Weiß auf eine schwere Belastungsprobe. Auf beiden Seiten agieren dunkle Kräfte, denen an einem Krieg gelegen ist.

Bei Opfer für Tumbuku handelt es sich bereits um den sechsten Tibor-Roman, den ich nach Comicvorlagen von Hansrudi Wäscher geschrieben habe. Dabei gerät der Sohn des Dschungels in größere Gefahr als je zuvor. Logisch, daß Kerak sowie Pip und Pop wieder mit von der Partie sind. Der Gorilla wird verletzt, und die zänkischen Äffchen sorgen für das humoristische Element in der Geschichte. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielt die Dschungelpolizei, die Zeuge eines mörderischen Zweikampfs wird.

Das war mal wieder punktgenau geplant. Kaum hatte ich das Manuskript an Verleger Peter Hopf abgeschickt, lag ein großer Umschlag in meinem Briefkasten. Die nächsten Nick-Comics sind da. Ich werde mich also in den kommenden Tagen weiter mit Wäschers Helden beschäftigen. Statt in den afrikanischen Busch führt mich die vor mir liegende Arbeit wieder in den Weltraum hinaus.

Donnerstag, 27. März 2014

Ne Kölsche Sport-Ovend

Wann war ich zuletzt im Franz-Kremer-Stadion? Ich weiß es nicht. Es ist viele Jahre her. Das kleine Fußballstadion liegt im Grüngürtel, nicht weit weg vom Geißbockheim. Die Zweitvertretung des 1. FC Köln trägt dort ihre Heimspiele in der Regionalliga West aus. Gestern Abend unter Flutlicht gegen meinen SC Fortuna Köln, und ich fand mal wieder den Weg in den Grüngürtel.

Um es kurz zu machen, die Fortuna gewann mit 2:0 durch Tore von Pierre Jerome Kialka und Hamdi Dahmani, und zwar hochverdient. Die Fortuna war nicht nur feldüberlegen, sondern spielte sich auch eine Überzahl an Torchancen heraus. Uwe Koschinats Südstädter hatten die Partie jederzeit im Griff und präsentierten sich über die gesamte Spielzeit als souveräner Spitzenreiter. Mal sehen, was die drei Punkte wert sind, wenn es in den kommenden Begegnungen gegen den ehemaligen Bundesligisten Rot Weiß Essen und den Vorjahresmeister der Regionalliga West SC Lotte geht.

Fast parallel spielte der 1. FC Köln um den Aufstieg in die Bundesliga. Gegen den Karlsruher SC, der sich ebenfalls noch Hoffnungen machte, gelang wie bei der Fortuna ein 2:0-Sieg. Damit ist der KSC zumindest vorläufig aus dem Rennen, während der FC seine Aufstiegsambitionen durch Tore von Miso Brecko und den Ex-Nationalspieler Patrick Helmes eindrucksvoll untermauert hat. Ich lege mich mal aus dem Fenster und behaupte, daß der Aufstieg dem FC kaum noch zu nehmen ist.

Den erfolgreichen Kölner Sportabend komplettierte der Kölner EC. Die Haie errangen im Viertelfinale der Eishockey-Meisterschaft den erforderlichen vierten Sieg gegen Mannheim, um ins Halbfinale einzuziehen. Der 2:1-Auswärtssieg bedeutete das fünfte extrem knappe Ergebnis in der Serie Best of Seven. Gegen wen es im Halbfinale geht, steht noch nicht fest. Eine nette Aussage ist es aber immerhin, wenn der Alpenvulkan, noch amtierende Mannheimer und ehemalige Haie-Trainer Hans Zach sagt: "Ich behaupte, daß wir gegen den zukünftigen deutschen Meister ausgeschieden sind."

Um Kaiser Franz Beckenbauer zu zitieren: Schau'n mer mal. Für den Kölner Sport war es allemal ein Abend, wie er besser nicht hätte verlaufen können. Die Hoffnung auf eine deutsche Meisterschaft und zwei Aufstiege bleibt bestehen. Was am Ende der Saison wirklich herauskommt, wird sich zeigen.

Mittwoch, 26. März 2014

Ein altersarmer Romanleser

In letzter Zeit stoße ich allenthalben auf den Begriff "Altersarmut". Ich kenne persönlich Menschen, die sich davor fürchten, ihr Seniorendasein dereinst in Armut verbringen zu müssen. Obwohl traurige Aussicht, ist das aber keine neue Entwicklung in der angeblich so wohlhabenden Bundesrepublik. Ich erinnere mich an eine Begebenheit aus den frühen Achtziger Jahren, als ich den Begriff weder kannte, noch etwas mit ihm hätte anfangen können.

Damals - und heute immer noch, nehme ich an - gab es in den Perry Rhodan-Heften alle paar Wochen einen mehrseitigen Beihefter, den sogenannten Report. Darin waren unter anderem Informationen und kleine Artikel rund um die Szene zu finden. Auch gehörten dazu die Kontaktnachrichten. Leser und Fans wandten sich an Gleichgesinnte, um Nachrichten auszutauschen, Clubs zu gründen und was der Dinge mehr sind.

Eines Tages stach mir eine Notiz ins Auge. Sie stammte von einem ehemaligen Perry Rhodan-Leser, der in Rente war und nun in den Riehler Heimstätten lebte. Die Riehler Heimstätten sind das größte mir bekannte Seniorenzentrum, bestehend aus mehreren einzelnen Wohnhäusern inmitten einer idyllischen Parklandschaft, gelegen im Kölner Stadtteil Riehl, mit Rheinblick und nur wenige Fußminuten vom Colonia-Hochhaus entfernt, in dem ich damals wohnte.

Der alte Herr schrieb, er habe viele Jahre Rhodan gelesen, könne sich von seiner schmalen Rente aber keine Romane mehr leisten. Er bat darum, falls jemand seine Hefte loswerden wolle, sie ihm kostenlos zukommen zu lassen. Dabei legte er keinen Wert auf Aktualität. Es konnten ruhig auch alte Hefte sein. Wie gesagt, unter Altersarmut hätte ich mir seinerzeit nichts vorstellen können, aber allein dieser Hilferuf bewegte mich irgendwie. Und nicht nur mich.

Thomas K. und ich packten also stapelweise Rhodan-Romane zusammen und marschierten kurzentschlossen zu den Heimstätten. Es gelang uns, den alten Herrn ausfindig zu machen, der, soweit ich mich erinnere, in einem kleinen Zimmer lebte und sich, wie offensichtlich zu sehen war, keine großen Sprünge erlauben konnte. Er war überglücklich und dankbar für das Lesematerial, das wir ihm tütenweise anschleppten.

Ich habe ihn danach nie wieder gesehen. Ich weiß nicht einmal mehr, wie er aussah, geschweige denn seinen Namen. Aber ich habe, ohne es damals zu ahnen, einen Vorgeschmack auf diesen Begriff bekommen, der mittlerweile in aller Munde ist.

Dienstag, 25. März 2014

Hallo, Terraner

Wenn man sich nach Jahren noch an Romane erinnert, nach Jahrzehnten gar, dazu an solche aus einer Heftromanserie, und wenn diese Erinnerung uneingeschränkt positiv ausfällt, dann ist das Bewertung dieser Werke genug. Mir geht es beispielsweise so bei Planet der Puppen und bei Welt ohne Menschen, bei Der Zeitlose, bei Laire, bei Die Kaiserin von Therm und dem fulminanten Doppelband Bardioc und Kosmischer Alptraum. All diese Romane haben etwas gemeinsam. Sie alle wurden in der Perry Rhodan-Serie veröffentlicht und - was viel bemerkenswerter ist - sie stammen aus der Feder ein und desselben Mannes. Nämlich aus der von William Voltz.

Als WiVo am 24. März 1984 starb, war er gerade einmal 46 Jahre alt. Ich war damals glühender Voltz-Anhänger, wofür oben aufgeführte Romane maßgeblich mitverantwortlich sind. Willis Tod bedeutete für einen jungen Leser und Fan wie mich einen schmerzhaften Schlag. Ich hatte ihm mal einen Brief an die Redaktion geschrieben, fragte neugierig und spekulierte, wie sich wohl dieser Themenstrang weiterentwickeln und wie jener enden würde. Ich erhielt wirklich ein Antwortschreiben, in dem er auf alle Punkte einging, wenn verständlicherweise auch äußerst vage. Unterschrieben war der Brief von Willi Voltz - ich glaube, er schrieb immer Willi statt William -, und ich war stolz wie Oskar.

Es waren diese, seine großen kosmischen Romane, die mich in den Bann schlugen. Doch generell gelang William Voltz immer wieder dieser Spagat in seinen Geschichten. Er schilderte Ereignisse mit gewaltigen, nahezu unüberschaubaren kosmischen Zusammenhängen und baute diese häufig um den kleinen Mann herum auf, der sich unversehens in Geschicke verstrickt sah, die nicht für ihn gemacht zu sein schienen, in denen er sich in einem übergeordneten Interesse aber behaupten mußte - und häufig genug tatsächlich behauptete. Was aber nicht selten dazu führte, daß diese "Kleinen Helden", wie Wolf Maahn solche Menschen besingt, am Ende daran zugrunde gingen. Diesbezüglich ziehe ich immer gerne die Parallele zu Philip K. Dicks Protagonisten, ordinary people, ganz normalen Menschen, die sich in einem unüberschaubaren Kosmos zurechtfinden müssen.

Ein weiterer in der Reihe dieser kosmischen Romane war der Meilenstein Band 1000, der, wie ich mich heute noch zu erinnern glaube, bei der Leserschaft wie eine Bombe einschlug. Deutlich wie nie trat in Der Terraner Voltz' humanistisches Weltbild in den Vordergrund, welches zweites großes Thema war neben seiner Vision, die er in Perry Rhodan als roten Faden verwendete. Die Vision von einer geeinten Menschheit, die nicht lediglich existiert und irgendwann vergeht, sondern die in einem kosmischen Plan eine Aufgabe hat, eine Bestimmung. Diese Vorstellung gefällt mir bis heute.

Willi Voltz war mein Lieblingsautor bei Perry Rhodan, an dessen beste Romane die seiner Kollegen um Längen nicht herankamen - was sich bis heute und in meiner Nachbetrachtung übrigens nicht geändert hat, auch wenn es danach einen Thomas Ziegler gab und viel später einen Robert Feldhoff, sowie auch die von mir geschätzten Kölner Recken Horst Hoffmann und Peter Terrid, ebenso Hubert Haensel.

Nur einmal hat WiVo mich erschüttert. Ich war geradezu vernarrt in Ganercs Puppenzivilisation auf der Welt Derogwanien. In Heft 944 wurde am Ende das Aussterben der Puppen angedeutet. Ich war dermaßen entrüstet, daß ich für ein Fanzine eine Kurzgeschichte schrieb, in der dieser Umstand abgeändert wurde. Die Puppen sollten weiterexistieren. Sie mußten weiterexistieren. Ich hielt es für meine hehre Aufgabe, dafür Sorge zu tragen.

Jahre später entstand aus dieser Fan Fiction der Roman Rückkehr nach Derogwanien, der als Perry Rhodan-Taschenbuch in der Reihe der Planetenromane erschien und später als Taschenheft mit dem abgeänderten Titel Tod über Derogwanien wiederveröffentlicht wurde. Zweifellos ist WiVo einer jener Autoren meiner Kindheit und Jugend, die mich zum Schreiben gebracht haben, Voltz mit obiger Geschichte sogar in ganz besonderer Weise.

Ich habe gestern ein Foto von Willi veröffentlich und füge heute ein weiteres hinzu. Beide sind irgendwann in den Siebziger Jahren entstanden. Mein Lieblingsautor gab in Köln eine Autogrammstunde, in der im Kellergeschoß untergebrachten, längst nicht mehr existenten Buchhandlung eines längst nicht mehr existenten Kaufhauses am Neumarkt. Wenn ich mich richtig erinnere, war ich noch zu klein, um allein hinzugehen, sodaß meine Mutter mich begleitete. Mit meiner kleinen Ritsch-Ratsch-Kamera machte ich jede Mengen Aufnahmen von meinem Idol, das plötzlich vor mir saß. Zwei dieser Fotos habe ich dann Jahre später mit zu einem Con genommen, um sie mir von Willi signieren zu lassen. Es dürfte mein erster Con überhaupt gewesen sein, der Weltcon 1980 im Rosengarten in Mannheim. Die beiden Fotos mit Autogramm werden verständlicherweise gehütet wie mein Augapfel.

Eine Trivia am Rande sei noch erwähnt. William Voltz schrieb gelegentlich unter zwei Pseudonymen. Eins davon lautete Ralph Steven. Dies sind die Vornamen seiner beiden Söhne. Mit Ralph arbeite ich heute und schon seit Jahren zusammen. Er liefert nämlich sämtliche Titelbilder für Ren Dhark. Steven freue ich mich auf dem kommenden Coloniacon zum wiederholten Mal in Köln begrüßen zu dürfen. Und Willi wird immer mein liebster Rhodan-Autor bleiben.


Montag, 24. März 2014

30. Todestag von William Voltz


Wer ist der Mann auf dem Foto? Klar, es ist William Voltz, der heute vor 30 Jahren starb. WiVo, so die liebevolle Abkürzung seiner Fans, war mein unangefochtener Lieblingsautor bei Perry Rhodan. Ich war erschüttert, als sein Ableben am 24. März 1984 bekannt gegeben wurde, und ich kann heute kaum glauben, daß seit damals drei Dekaden vergangen sind.

Es ist aber so. Heute stellen sich Fragen, vielleicht nicht für meine Blog-Leser, für mich aber auf jeden Fall: Welche Beziehung hatte ich zu William Voltz? Was bedeutete er mir? Was hat er dazu beigetragen, daß ich heute das mache, was ich eben mache? Warum ist William Voltz heute so aktuell wie vor dreißig Jahren? Warum ist er bis heute bei seinen Fans und Lesern unvergessen?

Und selbstverständlich ist eine Frage naheliegend: Was hat es mit dem Foto da oben auf sich, das ich aus meiner Schreibtischschublade gekramt habe und auf das ich bis heute stolz bin? Die Antworten auf diese Frage liefere ich morgen. An WiVos 30. Todestag, heute nämlich, beschäftigen sie mich selbst noch.

Sonntag, 23. März 2014

Huxleys Visionen

Während Fortuna Köln im Südstadion Lippstadt standesgemäß mit 3:0 abfertigte, war ich anderweitig beschäftigt. Ich führte nämlich einen Gefängnisausbruch durch. Nicht in Köln, sondern in Alamo Gordo, der künftigen Hauptstadt der Erde. Wer damit nichts anfangen kann, dem sei verraten, daß ich letzte Hand an mein neues Manuskript für REN DHARK legte. Das jüngste Kind ist in die Welt entlassen. Sprich, der Roman ist fertig und fand den Weg zum Verlag.

Die Handlung spielt an mehreren Schauplätzen, nämlich auf Terra, auf Babylon und im Weltraum. Die dabei auftretenden Figuren sind mannigfaltig und abwechslungsreich. Ich bin sicher, da ist für jeden Dhark-Leser etwas dabei. Kleines Namedropping gefällig? Es gibt ein Wiedersehen mit Ralph Larsen und Frederic Huxley. Letzterer hat eine Vision, die die führenden Köpfe der Menschheit in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Bruder Lambert hat einen Auftritt, der Kurator der Erde. Der Hüne Parock mischt ebenso mit wie der kleine  Roboterhund Jimmy. Auch Henk de Groot, Pjetr Wonzeff und die Cyborgs. Und selbstverständlich Ren Dhark mit seiner Point of.

Donnerstag, 20. März 2014

Flammendes Inferno

Während ich noch am Romanabschluß arbeite, hat Ralph Voltz schon das Titelbild fürs nächste Ren Dhark-Buch abgeliefert, für Weg ins Weltall 47 mit Titel Operation Apokalypse. Diejenigen, die den Vorgängerband Geheimsache Schweres Wasser gelesen haben, dürften ahnen, was für ein Schiff auf dem Bild dargestellt ist. Und auch, welcher Planet zu sehen ist.

Daß ich einmal mehr von Ralphs Beitrag zu Ren Dhark begeistert bin, brauche ich eigentlich nicht zu erwähnen. Ich mache es trotzdem: ein weiteres Klasse-Titelbild von dem besten ehemaligen Perry Rhodan-Graphiker, der nicht mehr für Perry Rhodan arbeitet. Warum eigentlich nicht? Ist mir unbegreiflich.


Mittwoch, 19. März 2014

Boah, ist das langweilig

Mein Kollege Uwe Helmut Grave hat einen kleinen Bericht über die hinter uns liegende Ren Dhark-Autorenkonferenz verfaßt. Und zwar so, wie man ihn kennt. Denn UHG wäre nicht UHG, hätte er das nicht in der ihm eigenen Art getan, schnodderig, respektlos und ein wenig selbstironisch.

Im Anhang an den amüsanten Artikel finden sich einige Fotos, ebenfalls mit ironischen Kommentaren versehen. Und ja, auch unten angehängtes Bild stammt von der Konferenz. Da sie auf Karneval stattfand, hatte ich meine Pennywise-Verkleidung kurzerhand mit ins Hotel genommen.

Das Foto entstand selbstverständlich spät abends, nach einem reichlich anstrengenden Tag mit getaner Arbeit. Die haben wir auch ohne Zuhilfenahme geistiger Getränke geschafft. Die gab es erst zu vorgerückter Stunde. Dafür ist das im Glas auch kein Apfelsaft, sondern ein guter schottischer Single Malt.

Uwes Bericht gibt es hier:
http://www.ren-dhark.de/background/autorenkonferenz2014.html


Dienstag, 18. März 2014

Eine farbenprächtige Bühne

... entfaltet sich im neuen TIBOR, findet Carsten Kuhr, der sich zu so etwas wie einem Spezialisten für meine Romanumsetzungen der Wäscher-Comics entwickelt. Er hat zuvor schon mehrere dieser Adaptionen besprochen.

Kaum ist der fünfte TIBOR-Band erschienen, gibt es im Netz auch schon die erste Besprechung dazu, und zwar im Portal phantastiknews. Die komplette Rezension findet sich hier:

http://www.phantastiknews.de/joomla/index.php?option=com_content&view=article&id=8516:tibor-5-im-tal-der-ungeheuer-achim-mehnert-buch&catid=42:rezensionen&Itemid=62

Montag, 17. März 2014

Stick it out

"Fick mich, du miserabler Hurensohn." Wer derlei Textstrophen sang, als amerikanischer Musiker zudem auf Deutsch, der hatte bei einem pubertierenden und ein klein wenig rebellischen Jugendlichen natürlich gewonnen. Allzu laut spielte man den Song besser nicht. Nicht wenige aus der Verwandtschaft und die ganze Nachbarschaft hätten in Ohnmacht fallen können.

Die März-Ausgabe des Musikmagazins CLASSIC ROCK wuchert mit einem zwölfseitigen Artikel über den fabelhaft freigeistigen Freak-Bruder und Bürgerschreck Frank Zappa, der auch auf dem Cover abgebildet ist. Das Allermeiste konnte ich schon zu seinen Lebzeiten nicht mit Zappa anfangen. Ein musikalisches Genie war er, heißt es. Da dürfte was dran sein. Mir war seine Musik aber meistens zu chaotisch. Zu verkopft und zu experimentell, um einen intensiveren Zugang dazu zu finden. Natürlich gab es Sachen, die ich mochte, beispielsweise Zappas Alben Sheik Yerbouti und Joe's Garage. Auf letzterem ist auch das eingangs erwähnte Stück zu finden, zu dem man vermutlich irgendetwas von Charles Bukowski las.

Ansonsten werden The Pretty Things besprochen und Eloy rehabilitiert. Schön, mal wieder etwas über die Hannoveraner zu lesen, die in den Siebziger Jahren besonders in Deutschlands Musikjournaille die Prügelknaben der Nation waren, heute und gerade nach ihrem jüngst erschienen Livealbum aber auch von der Kritik die Anerkennung bekommen, die sie verdienen. Nebenbei bemerkt, gehören Eloy zu jenen Bands, die ich beim Arbeiten an einem Manuskript am häufigsten höre.

Mit Interesse blickte ich auf "Die 100 wichtigsten Rockfilme". Der erst im vergangenen Sommer im Kino gesehene "Springsteen & I" ist dabei. Das hätte ich aber auch erwartet. Lebensverfilmungen wie "Walk The Line" und "Ray" finden sich ebenso wie das grandiose Road Movie "Easy Rider" und der anarchistische Kultfilm "Eat The Rich". "The Wall" muß man gesehen haben, und "Rust Never Sleeps" gehört ohnehin zu meinen liebsten Konzertfilmen. Daß "Footloose" im Ranking auftaucht, wundert mich im Kontext des ihn umgebenden Programms ein wenig. Warum dann nicht auch "Flashdance"? Den habe ich damals bestimmt ein halbes Dutzend Mal im Kino gesehen. Ach ja, vermutlich nicht der Musik wegen, sondern wegen Jennifer Beals. Das dürfte es gewesen sein, ganz bestimmt sogar.

Donnerstag, 6. März 2014

Geheimsache Schweres Wasser

Das neue REN DHARK-Buch ist erschienen, die Belegexemplare fanden den Weg nach Köln. Band 46 trägt den Titel Geheimsache Schweres Wasser. Verfaßt habe ich ihn gemeinsam mit den Kollegen Ben B. Black und Uwe Helmut Grave. Zwei Konstanten müssen eigentlich nicht mehr erwähnt werden, ich mache es aber trotzdem: Die Exposes kamen obligatorisch von Hajo F. Breuer, das Titelbild stammt wie üblich aus der visuellen Wunderwelt von Ralph Voltz.

Wie immer habe ich gleich ein wenig in dem Buch geblättert und mir die Szenen in Erinnerung gerufen, die ich geschrieben habe. Eine Raumschlacht steht im Vordergrund. Eine mörderische Raumschlacht, die sich zwangsläufig ergeben mußte. Sie dient nicht dem Selbstzweck, sondern ist logische Konsequenz der vorausgegangenen Ereignisse, bei denen sich der Konflikt zwischen den Kraval und der Völkergemeinschaft der Milchstraße immer weiter zuspitzte. Sie ist im Kontext der Handlungsführung ein Spannungselement, sicher, ein dramatisches Versatzstück, das in eine dramatische Serie gehört. Leider ist sie jedoch zugleich viel mehr als das, in meinen Augen nämlich unausrottbarer Bestandteil des menschlichen Wesens. Das macht das Säbelrasseln in der Krise zwischen Rußland und der Ukraine einmal mehr deutlich.

Mittwoch, 5. März 2014

Karneval im Wald

Ich bin ein Karnevalsjeck. Das war schon immer so, von klein auf. Seit meiner Kindheit war ich an den närrischen Tagen unterwegs. Oder in der fünften Jahreszeit, wie die Tage von Weiberfastnacht bis Veilchendienstag auch genannt werden. Anfangs war ich zumeist als Cowboy verkleidet. Klar, Indianer wollte keiner sein, weil die in den Filmen zum einen immer die Bösen waren und zum anderen immer starben. Eine differenzierte Darstellung von Indianern kam in Filmen damals selten vor, und wenn, hätte man sie als Kind nicht richtig verstanden. Die Cowboys waren halt per se die Guten. Außerdem machte es viel mehr Spaß, mit einem Revolver mit Knallplättchen zu schießen, die ordentlich "Bumm" machten, als mit einem lautlosen Bogen.

Meine Motivation, die Umzüge anzuschauen, hat sich im Laufe der Jahre immer weiter verändert. Wäre ja auch komisch, wenn nicht. Im Kindesalter war die Jagd nach Kamellen meine Triebfeder. Damals ließ ich dem Instinkt des Jägers und Sammlers noch freien Lauf. Später dann, als Jugendlicher, ging es vorrangig darum, mit Kumpels und Mädels am Zugweg abzuhängen, Bier zu trinken, Blödsinn zu machen und anschließend möglichst eine der jungen Damen abzuschleppen. Letzteres hat mal mehr und mal weniger gut geklappt, während der Bierkonsum regelmäßig zu seinem Recht kam. Seit Jahren schon stehe ich am Zugweg, um mir Fußgruppen und Mottowagen anzuschauen und den Klängen der Spielmannszüge zu lauschen.

In diesem Jahr habe ich so wenig von Karneval mitbekommen wie selten zuvor. Ich kann mich überhaupt nur an ein Jahr erinnern, das ich karnevalsabstinenter verbrachte als 2014. Doch ich wußte es vorher. Da von Freitag bis Sonntag die Ren Dhark-Konferenz stattfand, vermied ich es weitgehend, mich Weiberfastnacht ins närrische Treiben zu stürzen. Ein paar Bier zuviel vertrage ich längst nicht mehr so gut wie zu früheren Zeiten, und ich wollte Freitag ja ausgeruht und munter sein. So sah ich mir nur den Zug der Karnevalsgesellschaft Jan und Griet an, den ersten Umzug in jedem Jahr, der am Severinstor startet und durchs Vringsveedel zieht.

Sonntag Abend, nach der erfolgreichen Konferenz, ließ ich es dafür richtig krachen. Ich war bis spät in die Nacht in meiner Stammkneipe, der Griechenschänke. Was sich am Rosenmontag bemerkbar machte. Ich fühlte mich nicht besonders gut. Nach einem viertelstündigen Abstecher zum Zoch zog ich es vor, wieder nach Hause zu gehen. Praktischerweise erfordert es keine weiten Wege, wenn man in der Innenstadt wohnt. Dafür besuchte ich am Dienstag den vergleichsweise kurzen Zollstocker Zug und unternahm im Anschluß einen Abstecher ins Vereinsheim von Fortuna Köln, wo karnevalistischer Ausklang herrschte. Abgerundet wurden meine spärlichen diesjährigen Aktivitäten durch die Nubbelverbrennung seitens der Griechenschänke. Dabei habe ich zum ersten Mal den Nubbel getragen und an seiner Hinrichtungsstätte niedergelegt. Mit Hilfe von ein wenig Spiritus hat der staatse Kähl sein Puppenleben dann auch bestimmungsgemäß ausgehaucht.

Ich erwähnte oben, daß ich mich nur an eine Gelegenheit erinnere, wo der Karneval mir versagt blieb. Das war zu meiner Bundeswehrzeit. Ich war auf einer Übung, und zwar auf dem Truppenübungsplatz Bergen, wenn ich mich nicht irre. Der Großteil der Jungs kam aus Köln und Düsseldorf, und Lust auf Karneval hatten sie alle. Alaaf oder Helau war in dem Fall völlig egal. Wir schlichen uns nachts, vermutlich am Rosenmontag, aus den Baracken und schlugen uns tief in den Wald. Irgendwer hatte am Vortag ein paar Kästen Bier organisiert, die der Cheffahrer mit seinem Iltis ins Unterholz kutschierte, wo wir uns dann zu nächtlicher Stunde trafen. Ich glaube, es war ziemlich lustig. Und es belegt, daß Kölner und Düsseldorfer ganz ordentlich gemeinsam Karneval feiern können.

Dienstag, 4. März 2014

Im Tal der Ungeheuer

Heute ist das neue TIBOR-Buch angekommen. Mein fünfter Roman nach der Comicvorlage von Hansrudi Wäscher trägt den Titel Im Tal der Ungeheuer. Denn genau dieses Tal muß Tibor durchqueren, um einem jungen Thronanwärter beizustehen, der um seine Häuptlingswürde betrogen wurde. Dabei wissen die Legenden zu berichten, daß noch niemand lebendig zurückgekehrt ist, der sich auf diesen Weg begab.

Das hält den Sohn des Dschungels jedoch nicht von seiner gefährlichen Reise ab. Es geht zudem um viel mehr als nur ein Leben. Gelingt es Tibor, ein Artefakt aus tiefer Vergangenheit zu finden, kann das die Gerechtigkeit für einen ganzen Stamm bedeuten. Es kommt darauf an, ob die Legenden die Wahrheit verkünden.

Montag, 3. März 2014

Erfolgreiche Ren Dhark Autorenkonferenz

Der laufende Zyklus des Ren Dhark-Epos um die Kraval geht dem Ende entgegen. Im Sommer erscheint der abschließende Band. Somit höchste Eisenbahn also für das Autorenteam, sich Gedanken über den Handlungsfortgang zu machen. So trafen sich die Macher am vergangenen Wochenende in einem Hotel in Bonn. Während draußen der Karneval tobte, ging ich mit Hajo F. Breuer, Uwe Helmut Grave, Jan Gardemann und Ben B. Black in Klausur.

Schon am Freitag zeichnete sich ab, daß wir vor Tatendrang nur so sprühen. Erste mitgebrachte Ideen wurden vorgetragen und diskutiert, bevor wir den Abend mit einem guten Single Malt beschlossen. Samstag war der Hauptkampftag. Dies war meine fünfte Ren Dhark-Autorenkonferenz in den vergangenen zehn Jahren, und ich staune immer wieder über die Produktivität, die sich entfaltet, wenn man auf engem Raum kreativ zusammenhockt und dann ein Kollege die Ideen des anderen aufgreift, weiterentwickelt und variiert. Natürlich wird auch vieles verworfen. Um Wolfgang Niedecken in abgewandelter Form zu zitieren: Keine Idee ist unersetzlich.

Nach dem gemütlichen Abendessen in einem nahe gelegenen Restaurant waren wir sicher, eine Menge geschafft und wesentliche Grundlagen für den kommenden Zyklus gelegt zu haben. Er wird spannend, abenteuerreich und reichlich bunt werden. Neue Völker werden ebenso in Erscheinung treten wie altbekannte Freunde und Feinde. Konflikte sind vorprogrammiert, und eine große Gefahr kommt auf die Menschheit und die Milchstraße zu, verbunden mit einem noch größeren Rätsel. Die Wächter, sehr beliebt bei den Lesern, werden eine wichtige Rolle bei den kommenden Ereignissen spielen. Jemand aus dem erweiterten Kreis der Hauptfiguren muß sogar sein Leben opfern. Es darf also spekuliert werden.

Sonntag erarbeiteten wir weitere Einzelheiten sowohl für die Hauptserie als auch für die Sonderbände. Als wir gegen Mittag die Arbeit einstellten, war ich ziemlich kaputt. Solch ein zweitägiges Brainstorming hinterläßt seine Spuren. Wir gingen in dem Bewußtsein auseinander, einen weiteren tollen Zyklus für die Leser ersonnen haben. Für den wackeren Raumfahrer Ren Dhark kann die Zukunft kommen. Wie man so schön sagt: Wir sind gut aufgestellt.