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Mittwoch, 10. August 2016

Ne kölsche Jung hürt op

Er heißt Hans-Dieter, alle nennen ihn H.D., und er selbst stellt sich in seinem Brauhaus immer als der kölsche Jung vor. Oder besser: er stellte sich so vor – denn damit ist es nach mehr als einer Dekade nun vorbei.

Vor über elf Jahren hängte H.D., damals sechzigjährig, seinen bürgerlichen Beruf an den Nagel. Finanziell konnte er sich nicht beklagen, deshalb brauchte er nicht weiterzumachen. Stattdessen tat er das, wovon er sein Leben lang geträumt hatte. Einmal ein eigenes Brauhaus führen, und zwar so, wie es ihm vorschwebte, urkölsch, gemütlich, mit traditioneller Atmosphäre, leckerer Küche, kölscher Musik und natürlich kaltem Kölsch. Ein Jahr wollte er es auf jeden Fall machen, maximal fünf - es wurden mehr.

Das Haus Schulz am Barbarossaplatz erwies sich dabei als Glücksgriff. Es ist alteingesessen, liegt mitten im Veedel und mitten im Leben. Zudem war es brauereifrei, H.D. konnte also ausschenken, was er wollte. Das machte er sich zunutze, indem er – was es in Köln nur extrem selten gibt – gleich zwei Kölschsorten anbot, nämlich das lieblichere Reissdorf und das herbere Gaffel. Diese Politik wurde gut angenommen. Betrat man die Schänke, sah man auf Theke und Tischen immer Kölschstangen sowohl mit rotem (Reissdorf) als auch mit blauem (Gaffel) Emblem stehen.

Ich ging gern hin und wieder dorthin, denn die Atmosphäre war schön, die Leute angenehm, und H.D. grundsätzlich gut aufgelegt und einem Schwätzchen an der Theke nie abgeneigt. Oft genug kam es vor, dass man, bevor man das erste Kölsch bestellte, schon ein Mini vor sich stehen hatte. „Ein Stößchen aufs Haus zur Geschmackskontrolle“, pflegte H.D. dann zu sagen.
Fast immer lief kölsche Musik, und wenn die Stimmung ausgelassen war, setzte H.D. sich sein Hütchen auf, nahm seine Quetsch von der Ablage und ging musizierend und singend im Laden auf und ab. Die Gäste waren begeistert. Und schnell wurde mitgesungen. Zu seinen Stammgästen gehörten musikalische Legenden wie Ludwig Sebus und Hans Süper.
Nun, im Alter von 71 und nach über elf Jahren in seinem Laden, in dem er sich seinen Lebenstraum verwirklicht hat, hat sich der H.D. endlich aufs Altersruheteil zurückgezogen. Es war eine schöne Zeit mit ihm im Veedel, und seine Gäste werden ihn vermissen. Mach et jot, leeven Hans-Dieter, und genieße dein Leben. Du hast dir deinen Ruhestand wohlverdient.

Samstag, 21. März 2015

Klaus Ulonska 1942 - 2015

„Fortuna Kölns Herz schlägt nicht mehr“, titelte der Kölner Express über den unerwarteten Tod von Klaus Ulonska. Der Präsident von Fortuna Köln starb am 14. März 2015 völlig überraschend an einem Herzinfarkt.


Das Entsetzen war groß in Köln in den vergangenen Tagen, und es zog sich durch alle Schichten und Altersklassen. Ich bekam die Welle von Anteilnahme in den Medien mit und im Vereinsheim, wo ein Kondolenzbuch auslag. Ich spürte die Wertschätzung und Liebe, die Ulonska genossen hat, bei der Gedenkfeier in St. Aposteln. Die Bläck Fööss sangen, und die Fortuna-Spieler trugen den Sarg. Es war ergreifend, ebenso wie die anschließende Beisetzung auf Melaten, wo viele Freunde und Weggefährten von Klaus Ulonska zusammenkamen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen, darunter auch viele Anhänger von Fortuna Köln. Ich hatte mit den Tränen zu kämpfen, als ich mich auf dem Friedhof von Klaus’ Frau Helge verabschiedete und ihr für alles dankte, was sie und ihr Klaus zehn Jahre lang für die Fortuna getan haben.

Schon in jungen Jahren begeisterte sich Ulonska für den Sport, dem er in verschiedenen Bereichen sein Leben lang treu blieb. Für den ASV Köln war er als Sprinter über 100 und 200 Meter sowie als Staffelläufer über die 4 x 100 Meter aktiv. Mit der Staffel wurde er 1962 Europameister. Nach seiner aktiven Karriere blieb er dem Sport weiterhin verbunden. Er war über viele Jahre  Präsident des Kölner Eis-Klubs, wirkte als Organisator der großen Leichtathletik-Sportfeste des ASV und setzte sich für die Gründung des Kölner Seniorensportvereins sowie des Kölner Behindertensportvereins ein.

Auch außerhalb des Sports war sein Schaffen breit gestreut. Als Mitglied des Traditionskorps der Altstädter Köln lebte er seine Begeisterung für  den Karneval und das Kölner Brauchtum aus. 1973 gehörte er als Jungfrau Claudia dem Kölner Dreigestirn an. Seitdem leitete er unzählige Sitzungen, zumeist als Clown verkleidet. Kaum ein anderes Kostüm hätte seine Lebensfreude besser ausdrücken können.

Denn Klaus Ulonska war ein durch und durch positiver Mensch, ein gläubiger Mensch, dem alle gleich viel wert waren und der für jeden ein offenes Ohr hatte. Als Ratsherr der Stadt Köln arbeitete er unermüdlich zum Wohl der Stadt, später setzte er sein soziales Engagement auf anderer Ebene fort, beispielsweise als Unterstützer des Kölner Obdachlosenfrühstücks. Für seinen Einsatz für die Menschen von Köln und seine vielfältigen Verdienste um den Sport wurde ihm 2014 das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Mir wurde Klaus Ulonska bekannt, als er 2004 die Geschicke von Fortuna Köln übernahm. Es war eine Zeit, in der die Fortuna sowohl finanziell als auch sportlich in ziemliche Schieflage geraten war. Nach dem Tod von Jean „Schäng“ Löring rutschte der Verein bis in die 5. Liga ab, der Konkurs schien kaum noch abzuwenden. Der Südstadtclub stand vor dem Aus.

Damals, so weiß es die Legende zu berichten, schellten ein paar enthusiastische Fortuna-Fans bei Klaus Ulonska, um ihn als neuen starken Mann für die Fortuna zu gewinnen. Er wollte nicht, zunächst, doch seine Frau Helge bat die Fans in die Wohnung. Ein stundenlanges Gespräch folgte, an dessen Ende sich Ulonska bereiterklärte, es zu machen – für sechs Wochen. Aus diesen sechs Wochen wurden mehr als zehn Jahre.

Denn Klaus Ulonska entdeckte seine Liebe zur Fortuna, für die er schon bald von morgens bis abends aktiv war, häufig bis spät in die Nacht hinein. Wie zu Beginn unterstützte seine Frau ihn dabei und ließ ihm alle Freiheiten, die er benötigte, um die Fortuna in ruhigeres Fahrwasser zu manövrieren. Dem leidenschaftlichen Ulonska gelang aber noch viel mehr als das: unter seiner Ägide konnte der Verein sich wirtschaftlich konsolidieren und steht heute schuldenfrei dar. Dafür sorgten unter anderem all die Förderer und Sponsoren, die er durch seine vielfältigen Kontakte gewinnen konnte. Zudem erfüllte er den Traum aller Fortuna-Fans: nach dem zwischenzeitigen Aufstieg aus der Verbandsliga führte er den Verein 2014 in die 3. Liga und damit zurück in den Profifußball.


Eine schöne Sache – und eine, die im Fußball ganz und gar ungewöhnlich ist – drückt die Beliebtheit von Klaus Ulonska aus. Nicht nur Kölner bringen ihm große Sympathie entgegen, sondern auch die Fans der Gastmannschaften waren von ihm begeistert. Bei Heimspielen begrüßte Ulonska sämtliche Gästefans persönlich. Das wurde ihm niemals zuviel. »Wer war dieser freundliche Mann eben?«, wurde dann häufig gefragt. Und groß war die Überraschung, wenn es hieß: »Klaus Ulonska, der Präsident von Fortuna Köln.«

In den sozialen Netzwerken fiel es mir in den vergangenen Tagen besonders auf. Die Anteilnahme über Ulonskas Tod kommt von Fußballanhängern aus ganz Deutschland, die mit ihren Vereinen auf die Fortuna getroffen sind: ob von Preußen Münster oder den Bayern, den Stuttgarter Kickers oder Borussia Dortmund. Voller Wärme und Mitgefühl war der mehrseitige Nachruf eines BVB-Fanclubs über den „sympathischsten Fußballpräsident der Welt“.

Längst zur Legende geworden ist Klaus Ulonskas Spendenball. Mit dem durchschritt er bei jedem Heimspiel die Reihen der Besucher, um Geld zu sammeln für die Jugendmannschaften der Fortuna. Denn die vielen hundert Kinder und Jugendlichen aus 23 Nationen, die bei der Fortuna kicken, waren ihm – ebenso wie seinem Vorgänger Jean Löring – eine Herzensangelegenheit.

So oft ich Klaus Ulonska begegnete, er war nie abweisend, hatte niemals schlechte Laune.  »Viel Glück und Segen auf allen Fortuna-Wegen«, so pflegte er stets zu sagen. Mit seinem sonnigen Gemüt und seiner Herzlichkeit lachte er gern und viel. Nur einmal habe ich ihn anders gesehen, nämlich nach dem entscheidenden Relegationsspiel in München gegen die zweite Mannschaft der Bayern. Nach dem Fortuna-Erfolg und dem Aufstieg in die 3. Liga heulte Klaus Rotz und Wasser. Es waren Tränen der Freude und der Erleichterung. Er hatte sein Ziel erreicht – eigentlich nur ein weiteres Zwischenziel, denn mit einem Auge schielte er für die kommenden Jahre bereits auf die 2. Liga. Diesen Traum wird er sich und den Fortuna-Anhängern nun leider nicht mehr erfüllen.

Klaus Ulonska hat ein großes, ein respektables Lebenswerk hinterlassen. Dieser freundliche, herzensgute und sympathische Mann wird der Fortuna ebenso sehr fehlen wie vielen anderen Menschen in Köln. Sein Verlust ist kaum zu kompensieren. Noch vor kurzem haben wir ein paar Worte gewechselt, und wie immer sprühte er vor Energie. Nichts ließ ahnen, dass er schon bald nicht mehr bei uns sein würde. Ich danke Klaus und seiner Frau Helge für alles, was sie für die Fortuna getan haben. Wo wären wir heute ohne euch?

Mittwoch, 18. Februar 2015

Beim Zoch mitgegangen

Der Karneval ist mal wieder geschafft - und ja, er hat mich geschafft. Ständig war ich irgendwo unterwegs, in meinem eigenen Viertel und in der Südstadt. Den Rosenmontagszug habe ich verpaßt. Ich war Sonntag und Montag zu erschlagen, um mich nach draußen zu begeben. Überhaupt fühle ich mich schlapp nach den tollen Tagen, wurde jedoch im Gegensatz zu halb Kölle von einer heftigen Erkältung verschont. Ein bißchen hatte ich schon vorher und zwischendurch. Generell sind den Jecken die Nachwirkungen ja egal, wenn sie in der Stadt unterwegs sind. Wer denkt da schon an den nächsten Tag? Schön war es wieder.

Mein persönlicher Höhepunkt war diesmal der Dienstager Zollstockszoch. Seit Jahren besuche ich ihn, in diesem Jahr bin ich zum ersten Mal mitgegangen. Ich war Teilnehmer der Gruppe "Fidele Fortuna" von Fortuna Köln. So bekam ich das Treiben mal aus einem ganz anderen Blickwinkel mit. Mehr noch als am Straßenrand sieht man die Freude und den Spaß der Menschen.

Ein besonderer Moment war der, als der Zug am Zollstocker Seniorenheim vorbeiging. Dutzende Senioren in weit fortgeschrittenem Alter saßen in ihren Rollstühlen draußen und verfolgten das närrische Treiben mit leuchtenden Augen. Manche bekamen, glaube ich, allerdings auch gar nicht mehr richtig mit, was da geschah. Doch für die meisten war es zweifellos eine schöne Abwechslung vom täglichen Trott im Heim. Klar, daß wir dort ausschwärmten und ihnen Schokolade und Pralinen in die Hand drückten. Ich hatte fast Tränen in den Augen.



Mittwoch, 5. März 2014

Karneval im Wald

Ich bin ein Karnevalsjeck. Das war schon immer so, von klein auf. Seit meiner Kindheit war ich an den närrischen Tagen unterwegs. Oder in der fünften Jahreszeit, wie die Tage von Weiberfastnacht bis Veilchendienstag auch genannt werden. Anfangs war ich zumeist als Cowboy verkleidet. Klar, Indianer wollte keiner sein, weil die in den Filmen zum einen immer die Bösen waren und zum anderen immer starben. Eine differenzierte Darstellung von Indianern kam in Filmen damals selten vor, und wenn, hätte man sie als Kind nicht richtig verstanden. Die Cowboys waren halt per se die Guten. Außerdem machte es viel mehr Spaß, mit einem Revolver mit Knallplättchen zu schießen, die ordentlich "Bumm" machten, als mit einem lautlosen Bogen.

Meine Motivation, die Umzüge anzuschauen, hat sich im Laufe der Jahre immer weiter verändert. Wäre ja auch komisch, wenn nicht. Im Kindesalter war die Jagd nach Kamellen meine Triebfeder. Damals ließ ich dem Instinkt des Jägers und Sammlers noch freien Lauf. Später dann, als Jugendlicher, ging es vorrangig darum, mit Kumpels und Mädels am Zugweg abzuhängen, Bier zu trinken, Blödsinn zu machen und anschließend möglichst eine der jungen Damen abzuschleppen. Letzteres hat mal mehr und mal weniger gut geklappt, während der Bierkonsum regelmäßig zu seinem Recht kam. Seit Jahren schon stehe ich am Zugweg, um mir Fußgruppen und Mottowagen anzuschauen und den Klängen der Spielmannszüge zu lauschen.

In diesem Jahr habe ich so wenig von Karneval mitbekommen wie selten zuvor. Ich kann mich überhaupt nur an ein Jahr erinnern, das ich karnevalsabstinenter verbrachte als 2014. Doch ich wußte es vorher. Da von Freitag bis Sonntag die Ren Dhark-Konferenz stattfand, vermied ich es weitgehend, mich Weiberfastnacht ins närrische Treiben zu stürzen. Ein paar Bier zuviel vertrage ich längst nicht mehr so gut wie zu früheren Zeiten, und ich wollte Freitag ja ausgeruht und munter sein. So sah ich mir nur den Zug der Karnevalsgesellschaft Jan und Griet an, den ersten Umzug in jedem Jahr, der am Severinstor startet und durchs Vringsveedel zieht.

Sonntag Abend, nach der erfolgreichen Konferenz, ließ ich es dafür richtig krachen. Ich war bis spät in die Nacht in meiner Stammkneipe, der Griechenschänke. Was sich am Rosenmontag bemerkbar machte. Ich fühlte mich nicht besonders gut. Nach einem viertelstündigen Abstecher zum Zoch zog ich es vor, wieder nach Hause zu gehen. Praktischerweise erfordert es keine weiten Wege, wenn man in der Innenstadt wohnt. Dafür besuchte ich am Dienstag den vergleichsweise kurzen Zollstocker Zug und unternahm im Anschluß einen Abstecher ins Vereinsheim von Fortuna Köln, wo karnevalistischer Ausklang herrschte. Abgerundet wurden meine spärlichen diesjährigen Aktivitäten durch die Nubbelverbrennung seitens der Griechenschänke. Dabei habe ich zum ersten Mal den Nubbel getragen und an seiner Hinrichtungsstätte niedergelegt. Mit Hilfe von ein wenig Spiritus hat der staatse Kähl sein Puppenleben dann auch bestimmungsgemäß ausgehaucht.

Ich erwähnte oben, daß ich mich nur an eine Gelegenheit erinnere, wo der Karneval mir versagt blieb. Das war zu meiner Bundeswehrzeit. Ich war auf einer Übung, und zwar auf dem Truppenübungsplatz Bergen, wenn ich mich nicht irre. Der Großteil der Jungs kam aus Köln und Düsseldorf, und Lust auf Karneval hatten sie alle. Alaaf oder Helau war in dem Fall völlig egal. Wir schlichen uns nachts, vermutlich am Rosenmontag, aus den Baracken und schlugen uns tief in den Wald. Irgendwer hatte am Vortag ein paar Kästen Bier organisiert, die der Cheffahrer mit seinem Iltis ins Unterholz kutschierte, wo wir uns dann zu nächtlicher Stunde trafen. Ich glaube, es war ziemlich lustig. Und es belegt, daß Kölner und Düsseldorfer ganz ordentlich gemeinsam Karneval feiern können.

Samstag, 23. November 2013

Straßentaufe zu Ehren von Jean Jülich

Jean Jülich war ein Hansdampf-in allen-Gassen, ein Mahner, der sich bis zuletzt im sozialen Bereich und für ein lebenswertes Miteinander engagierte. Er war denen ein Helfer, die Hilfe brauchten, und damit ein kleines Stück Gewissen von Köln. Der "Schang", wie er genannt wurde, war Komponist und Musiker, Gastronom, Karnevalist und Zeitzeuge des Dritten Reichs. Über viele Jahre hinweg sammelte er Geld für die Waad-Pänz im Sülzer Kinderheim, für Kinder also, die auf Adoption warten. Dafür stampfte er sogar eine eigene Karnevalssitzung aus dem Boden. Bis zu seinem Tod vor gut zwei Jahren, damals 82jährig, blieb er in all diesen Bereichen aktiv.

Mir war er immer vor allem als Edelweißpirat im Kopf, als einer jener nur lose organisierten Jugendlichen also, die sich unter ständiger Lebensgefahr dem Nationalsozialismus verweigerten und von denen einige wie Bartholomäus Schink hingerichtet wurden. Jean Jülich blieb dieses Schicksal erspart. Erst 2005 wurden er und die anderen Edelweißpiraten rehabilitiert, endlich als Widerstandskämpfer anerkannt und nicht länger als Kriminelle diskriminiert. Das geschah insbesondere durch den engagierten Einsatz des damaligen Regierungspräsidenten und heutigen Oberbürgermeisters Jürgen Roters. Im Zuge dessen findet im Kölner Friedenspark seit 2005 jährlich das Edelweißpiratenfestival statt.

Im April 2011, ein halbes Jahr vor Jeans Jülichs Tod, erhielten er und vier weitere noch lebende Edelweißpiraten das Bundesverdienstkreuz, wiederum aus den Händen von Jürgen Roters. Bis dahin war es ein langer Weg gewesen. In der Öffentlichkeit wurden die Gruppenangehörigen noch bis in die Achtziger Jahre als Kraaten angesehen, als Dreck und Pöbel, worüber der Schang sogar ein Lied schrieb. Dann endlich setzte ein Umdenken ein, und Jean Jülich und einige weitere Mitglieder der Kölner Edelweiß-Gruppe wurden 1984 in der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrt.

Eine weitere Ehrung wurde dem Schang gestern in der Kölner Südstadt zuteil. Da, wo er seit Jahrzehnten gelebt hatte, nämlich in dem Wohnviertel, das auf dem Gelände der ehemaligen Stollwerck-Schokoladenfabrik steht, wurde auf Initiative des SPD-Ortsvereins ein ruhiger baumgesäumter Weg nach ihm benannt. Durch den war er viele Jahre lang täglich spaziert, mitten durch den Stollwerckshof, um seine Runde zu machen. Von zu Hause zur Severinstorburg, die er in seiner Eigenschaft als Gastronom gepachtet hatte, zu ein paar Kölsch und wieder zurück nach Hause.

Die Straßentaufe erfolgte im Beisein seiner Familie, von Freunden, Weggefährten, Politikern und Musikern, die einige von Schangs Liedern spielten. Rolli Brings verlor ein paar Worte über seinen Freund, sang und zupfte die Gitarre. Die singenden Hollunder und De Familich erinnerten ebenfalls auf musikalische Weise an Jean Jülich. Bei dem besonders zu Herzen gehenden Du Paradies am Rhing Colonia mußte ich ein Kölsch kippen, um den Kloß in der Kehle loszuwerden.

Zuvor hatte Innenstadt-Bezirksbürgermeister Andreas Hupke eine gleichermaßen besinnliche wie augenzwinkernde Rede gehalten, die mir gefiel und bestimmt auch dem Geehrten gefallen hätte. Auch der Laudator hatte einen dicken Kloß im Hals und war sichtlich nervös, was er nicht verleugnete. Auf diese Weise lernte ich also auch mal den für meine Gegend zuständigen Bezirksbürgermeister persönlich kennen, mit dem ich mich später noch eine Weile unterhielt und der mir spontan das "Du" anbot.

Als die Kölner Fahne von dem Mast gezogen und das neue Straßenschild "Jean-Jülich-Weg", auch stellvertretend für seine Mit-Edelweißpiraten, sichtbar wurde, brandete der Applaus der zahlreichen Augenzeugen auf. Irgendwer meinte: "Jetzt sitzt der Schang da oben, beobachtet uns und lacht sich über die Jecken kaputt." Eine nette Vorstellung.

Donnerstag, 14. Februar 2013

Karnevalssplitter im Kopf

Wie schrieb ich im letzten Eintrag? Ich habe den diesjährigen Karneval hinter mir gelassen? Weitgehend stimmt das, zur Gänze aber offenbar doch nicht, wie ich vorhin feststellte. Denn da ertappte ich mich selbst ...

Wenn ich den ganzen Tag am Schreibtisch sitze, mache ich eine Stunde vor Sonnenuntergang einen Spaziergang, meistens zum nur wenige hundert Meter entfernt gelegenen Volksgarten. So auch heute. Bei schönem Wetter ist der Park voll von Spaziergängern mit Hunden, flanierenden Pärchen und spielenden Kindern, im Sommer tummeln sich dort zudem Musikanten, Artisten und Griller. Auch der Biergarten ist dann geöffnet. Bei Schneegestöber wie heute ist niemand unterwegs.

Ich hatte den ganzen Park für mich allein. Würden nicht hin und wieder Verkehrsgeräusche von den umliegenden Straßen herüberdringen, könnte man denken, in irgendeine abgeschiedene Einöde versetzt worden zu sein. Bis auf eine kleine Ecke ist der Volksgartenweiher zugefroren. Dort versammeln sich die Enten, Gänse, Teichhühner, der letzte verbliebene Schwan und ein paar andere Vögel, die ich nicht klassifizieren kann. Ich nahm mir Zeit, die Tiere zu füttern, bis es dunkel wurde.

Und dann ertappte ich mich beim Nachhausegehen wie schon auf dem Hinweg dabei, Karnevalsmusik vor mich hin zu summen. Jetzt war es ein Stück von den Höhnern, die ich keine zwei Tage zuvor noch vehement für ihren Kommerz kritisiert hatte. Da bahnte sich der kleine Teufel in mir seinen Weg in die Freiheit und führte meine Kritik ad absurdum. Peinlich, peinlich.

Jedenfalls kriege ich den Karneval offenbar nicht ganz aus dem Kopf. Aber muß ja auch nicht sein. Was mich an die Frage eines Bekannten erinnert, ob wir in Köln nur an Karneval so bekloppt sind oder das ganze Jahr über. Für mich würde ich ja fast das zweite behaupten. Das mit dem "Alaaf!" verkneife ich mir jetzt trotzdem.

Mittwoch, 13. Februar 2013

Un am Eng et Äschekrüz

Seit anderthalb Wochen liegt mein Blog still. Ich habe es ein wenig vernachlässigt, stimmt. Aber in Köln herrschte die 5. Jahreszeit, der Karneval. Meine Kritik daran wächst in mancherlei Hinsicht, dennoch habe ich ihn genossen. Man muß nicht dorthin gehen, wo sich die feierwütigen Horden alles anbaggernder Besoffener tummeln, für die es keinen Unterschied macht, ob sie ihr Proletengebaren am Ballermann oder im Kölschen Fastelovend austoben. Eben so wenig muß man in Lokalitäten verkehren, in denen genau diese Entwicklung durch das Abspielen tumber Ballermann-Musik, die weder mit kölscher Mundart noch mit Brauchtumspflege etwas zu tun hat, gefördert wird.

Jedenfalls war ich viel unterwegs, und da blieb für das Blog keine Zeit - was sich in den nächsten Tagen ändern wird. Weiberfachtnacht war ich im Vringsveedel, klar, mir die jährliche Aufführung von Jan und Griet am Severinstor anschauen, danach den Zug von Jan von Werth. Die Stadt war wie immer im Ausnahmezustand und fest in der Hand der Jecken. Wie jedes Jahr liefen die Tage rasend schnell an mir vorbei. Plötzlich war Rosenmontag. An Kölns guter Stube, dem Gürzenich, sah ich mir den Rosenmontagszug an, anschließend wurde kräftig gefeiert. Im Zoch, der in diesem Jahr weit über viereinhalb Stunden dauerte, gingen Spielmannszüge sogar aus Holland, der Schweiz und Schottland mit. Ich mag die Scotish Pipers mit ihren Dudelsackklängen.

Den Abend des Veilchendienstags und damit den Karnevalsausklang verbrachte ich in meiner Stammkneipe, der Griechenschänke im Griechenmarktviertel. Gemütlich, nur bekannte Leute aus dem Veedel und kölsche Musik. Nach der Pastorenrede und unter dem Wehklagen der Gemeinde wurde der Nubbel verbrannt, der traditionell an allem schuld ist. Danach gab es Schnittchen und ein paar Runden Freibier vom Griechenschänken-Wirt Dieter auf die abgelaufene Session. Du bess die Stadt wurde unter stimmungsvoller Zuhilfenahme zahlreicher Wunderkerzen intoniert, dann sangen alle gemeinsam den Klassiker In unserem Veedel, beides natürlich von den von mir so hoch geschätzten Bläck Fööss.

Die schönsten Lieder dieser Session stammen übrigens von zwei jungen Nachwuchsbands, nämlich Et jitt kei Wood von Cat Ballou und Immer noch do von Kasalla. Zu guter Letzt, bevor ich endlich nach Hause ging und den diesjährigen Karneval hinter mir ließ, bekam ich noch das Aschenkreuz auf die Stirn. Alaaf!

Sonntag, 3. Februar 2013

Fastelovend em Hännesche

Auch in diesem Jahr besuchte ich wieder die Kinderpuppensitzung des Hänneschen-Theaters. Wenige Tage vor Karneval ist sie immer eine schöne Einstimmung auf die närrische Zeit, die 2013 recht früh im Kalender liegt. Vom 11.11. bis zum Aschermittwoch ist es daher nur eine recht kurze Session. Die Karnevalisten hetzen von einem Auftritt zum nächsten. Für sie ist das purer Streß statt Entspannung und Geschäft statt Vergnügen. Sei's drum, mit dem organisierten Sitzungskarneval habe ich ohnehin nichts am Hut. Ich beschränke mich auf den Höhepunkt des traditionellen Straßenkarnevals zwischen Weiberfastnacht und der Nubbelverbrennung vor Aschermittwoch.

Das Bühnenbild auf der Puppenspielbühne ist schmuck wie immer. Daran hatte ich noch nie etwas auszusetzen. Es stellt diesmal das Martinsviertel in der Altstadt dar. Gleich unterhalb von St. Martin liegt das Schiff Diva Colonia auf dem Rhein, auf dem Schäl das Brückenkommando übernommen hat. Natürlich veranstalten die Pänz wieder ihre eigene Karnevalssitzung für Jung und Alt. Hänneschen und Bärbelchen werden dabei von Schäls Tochter Rösjen und Tünnes' Sohn Köbes unterstützt. Weil die ganze Bande mit dem Schiff nach Brasilien aufbrechen will, hat Schäl für die Pänz eine Privatlehrerin eingestellt, die sie unterwegs unterrichten soll. Die sehr an Mary Poppins angelehnte Dame bringt einen gewaltigen Koffer mit an Bord. Aus dem lassen sich, wie die Kinder feststellen, ihre Wunschpersonen - ebenfalls ausnahmslos Puppen, klar - hervorzaubern, die dann einen musikalischen Auftritt hinlegen.

Was im Grunde ein recht witziges Szenario ist, kommt leider wenig karnevalistisch daher. Karl Berbuers Gassenhauer Heidewitzka, Herr Kapitän aus den dreißiger Jahren zu bemühen, ist sicherlich eine schöne Idee. Ihn in verschiedenen Versionen aufzuführen, die mit Karneval nicht das geringste zu tun haben, halte ich jedoch für wenig einfallsreich, um nicht zu sagen grottenschlecht. Da ersteht Michael Jackson auf und bietet das Stück mit seinem Moonwalk dar, ebenso wird es im Gangnam-Style präsentiert und als türkischer Rap. Was ich von dieser Musikart halte, dürfte hinlänglich bekannt sein, zumal wenn sie auch noch in türkisch-deutschem Gestammel daherkommt.

Ich gebe zu, ich war zum ersten Mal von einer Hänneschen-Sitzung enttäuscht. Es macht sicherlich immer noch Spaß, dem Treiben der Puppen zuzuschauen, aber leider geht immer mehr vom traditionellen Brauchtum der Veranstaltung und damit auch von ihrem Charme verloren. Stampfende Deppenklänge haben im Karneval nichts verloren, und ich brauche sie auch sonst nicht. Zum Abschluß kam wie immer die Marie Luise Nikuta-Puppe auf die Bühne und sang ihr Mottolied. Da begab ich mich nach draußen, denn ein Auftritt der Mottoqueen Nikuta - ob als Puppe oder in Natura - ist immer ein guter Grund, den Saal zu verlassen.

Freitag, 10. Februar 2012

Herr Präsident - die Woosch!

Das Zusammenspiel funktioniert prächtig, wenn auf der Bühne das Stichwort "Herr Präsident" gegeben wird, und das Publikum - zur Hälfte aus Erwachsenen, zur Hälfte aus Kindern bestehend - lauthals mit "Die Woosch!" antwortet. Aber die auftretenden Interpreten dürfen die Wurst nur ansehen, sie nicht an sich nehmen. Denn der Ring Blutwurst stellt den Karnevalsorden dar, und von dem gibt es nur ein einziges Exemplar, so daß er nicht verliehen werden kann, weil alle nachfolgend auftretenden Künstler sonst leer ausgingen.

Kompliziert? Bizarr? Unverständlich? Nicht, wenn man das Hänneschen kennt und mit den ehernen, alten Riten des kölschen Puppenspieltheaters vertraut ist. Die Puppensitzung im Hänneschen-Theater war eine schöne Einstimmung auf den Karneval.

Hänneschen und die anderen Pänz haben keinen Schulunterricht, sondern eine historische Führung durch die alte Kölner Stadtbefestigung - aber das erst später. Vorher bleibt ihnen Zeit, ihre eigene Sitzung aufzuziehen. Und wie Kinder nun mal so sind, machen sie das nicht in einem prunken Saal, sondern mitten auf der Straße, gleich vorm Severinstor. Die Vringspooz ist dann auch das einzige Bühnenbild, das bei dieser Aufführung Verwendung findet, und ein überaus gelungenes. Gut gefallen haben mir auch die alten Gassenhauer von Willy Ostermann und anderen, die immer wieder eingespielt wurden. Den Puppen zuzusehen ist ohnehin jedesmal aufs Neue eine Freude.

Weniger angetan war ich vom sonstigen musikalischen Programm. Wenn alte kölsche Klassiker in ein Country- oder Rock'n'Roll-Korsett gezwängt werden, brauche ich das nicht. Die Funky Marys sind für mich unsäglich, und Vader Abraham wirkte völlig deplatziert. Da hätte ich unter einen Schulaufsatz vermutlich geschrieben: Thema verfehlt, mangelhaft. Andererseits sind diese Auftritte natürlich den Kindern geschuldet und damit akzeptabel.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Edelweißpirat Jean Jülich gestorben

Jean Jülich gehörte im Dritten Reich in den Vierziger Jahren zu den sogenannten Kölner Edelweißpiraten. Das waren unangepaßte Gruppen von Jugendlichen (auch in anderen Städten), die die Herrschaft der Nationalsozialisten offen ablehnten. Sie verweigerten sich in ihrem Verhalten und lieferten sich Prügeleien mit der Hitler-Jugend oder beteiligten sich auf andere Weise am Widerstand gegen die Nazis. Sie wurden von der Gestapo verfolgt und einige von ihnen hingerichtet.

Dennoch wurden sie nach Kriegsende weitgehend vergessen. Später gab es ewig lang währende Diskussionen darüber, ob die Edelweißpiraten überhaupt als Widerstandskämpfer zu bezeichnen seien. Das ist typisch deutsche Korinthenkackerei. Dabei wurden einige von ihnen, darunter Jean Jülich, bereits 1984 in der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrt. Zu der Zeit war Deutschland noch längst nicht soweit.

1991 bekam Jean Jülich dann aber das Bundesverdienstkreuz verliehen. Erst 2005 wurden die Kölner Edelweißpiraten bei einem Festakt als Widerstandskämpfer anerkannt. Das geschah vor allem auf Betreiben des damaligen Regierungspräsidenten Jürgen Roters. Zuletzt machte sich Roters, inzwischen Kölner Oberbürgermeister, dafür stark, Jean Jülich die Ehrenbürgerschaft zu verleihen. Obwohl es eine breite Mehrheit dafür gab, auch bei Kölner Bürgern und Künstlern, kam es nicht dazu, denn dieses Vorhaben wurde von Teilen der CDU blockiert.

Erhellend in diesem Zusammenhang ist auch Folgendes: 1944 wurden in Ehrenfeld einige Mitglieder der Edelweißpiraten von den Nazis hingerichtet. In der Nähe der Tat hängt seit 2003 eine Gedenktafel für die Ermordeten. Sie war bereits Jahre zuvor fertig gewesen, aber auf Betreiben der CDU wieder abgenommen worden. Bereits seit Kriegsende hatte diese Partei die Anerkennung der Edelweißpiraten als Widerstandskämpfer zu hintertreiben versucht. Ich erspare mir an dieser Stelle jeglichen Kommentar dazu, da dieses Verhalten in meinen Augen für sich selbst spricht.

Jean Jülich war Gastronom und bis zuletzt als Karnevalist aktiv. Jahrzentelang ist er bei Veranstaltungen und in Schulen als Zeitzeuge aufgetreten. Die Bläck Fööss haben sogar ein Lied über die Kölner Edelweißpiraten gemacht. Nun ist Jean Jülich im Alter von 82 Jahren gestorben. Die Ehrenbürgerwürde blieb ihm dank gewisser Betonköpfe verwehrt.

Donnerstag, 7. April 2011

Gedenktafel für Karl Küpper


Karl Küpper war Karnevalist und besaß eine Kneipe in Köln-Kalk. Das ist nun beileibe nichts Ungewöhnliches, sein Verhalten während der NS-Zeit war es hingegen umso mehr. Während der organisierte Karneval und seine Institutionen sich weitgehend mit dem Dritten Reich arrangierten, die meisten Karnevalisten und Büttenredner vor den Nazis kuschten und ihre literarischen Texte entsprechend gestalteten, dachte Küpper gar nicht daran, sich zu verbiegen.
Er trat auf als "Dr Verdötschte", was soviel heißt wie "Der Verrückte". In seinen Büttenreden im Sitzungskarneval bezog er offen Stellung gegen die Nationalsozialisten und hielt sich nie mit seiner Kritik gegen die Obrigkeit zurück. Mögliche Repressalien ignorierte er und wurde schließlich mit einem lebenslangen Redeverbot belegt. Auch mußte er sich regelmäßig bei der Gestapo melden.
Nach dem Krieg trat Küpper wieder als Büttenredner auf. Ziel seiner Spitzen waren wieder die Nazis, aber auch stets die aktuelle politische Situation.
Jetzt wurde Karl Küpper zu Ehren an dem Haus, in dem er einst seine Kneipe hatte, eine Gedenktafel enthüllt. Es hat zwar lange gedauert, aber, wie es so schön heißt, besser spät als nie. Die Edelweißpiraten wurden erst 2005 endlich als Widerstandskämpfer gegen das Dritte Reich anerkannt, und jetzt erhielten drei Kölner Edelweißpiraten sogar das Bundesverdienstkreuz. Das alles hätte auch etwas früher geschehen dürfen.

Montag, 7. März 2011

Drink doch eine met

Mittags hatte ich genug gearbeitet. Drei Ren Dhark-Manuskiptseiten reichen für einen Karnevalssonntag. Als ich aus dem Haus trat, kam mir Batman entgegen, gefolgt von Slash und einem Jedi-Ritter. Ein guter Anfang.
Mein erster Weg führte mich in die Alte Griechenschänke. Bekannte getroffen, ein paar Kölsch getrunken und Karnevalsmusik im Ohr. Wo denn meine Verkleidung sei? Ich gehe so wie jedes Jahr, als Kölner. Das ist wahr, das ist authentisch, deshalb brauche ich keine andere Verkleidung. Das leuchtete ein.
Anschließend ging's ins Reissdorf-Brauhaus. Reissdorf ist mein Lieblingskölsch, Reissdorf bleibt mein Lieblingskölsch. Leider gab es zuviel Hol das Lasso raus und YMCA-Geträller. Das hat für mich nichts mit Karneval zu tun, das mag ich nicht. Kölscher Karneval ist Brauchtumspflege, sollte es auch bleiben. An Schlagerpartys habe ich generell kein Interesse, Ballermann-Feten sind mir widerwärtiger Graus.
Am frühen Abend fuhr ich ins Haus Stüsser im Agnesviertel. Drei Euro Eintritt wollte der Türsteher haben, weil extra ein DJ engagiert worden war. Sowas sehe ich bei einem Brauhaus nun gar nicht ein, auch auf Karneval nicht. Zum Glück kam genau in dem Moment, als ich vor der Tür stand, DJ Giovanni. Ich kenne ihn von früher, aus dem Reissdorf. Kein Eintritt, komm rein. Wunderbar.
Das Haus war voll, die Stimmung prächtig. Und vor allem - kölsche Musik. Viel Bläck Fööss, eine Menge Räuber und Paveier, dazu Kölsch vom Faß und kräftig mitsingen. So liebe ich es.