Gitarren an die Macht – aber da sind
sie ja sowieso, und das ist auch gut so. Die Titelstory der
März-Ausgabe von Classic Rock widmet sich Legende und Gitarrenikone
Jimi Hendrix, wenn für den Aufmacher auch ein wenig zu kurz, wie ich
finde. Mit dem in meinen Augen viel zu selten beachteten Michael
Schenker findet endlich auch mal ein anderer Saitenvirtuose die
Würdigung, die er verdient. Es kommt selten vor, dass ich über den
jüngeren der Schenker-Brüder mehr als bloß ein paar Zeilen lese.
Ein weiterer Gitarrist ist von uns gegangen: Nach dem Tod von Fast
Eddie Clarke ist keiner mehr übrig von der furiosen
Motörhead-Urbesetzung mit Lemmy, Fast Eddie und Philthy Animal
Taylor, auf deren Konto Klassiker wie Overkill, Bomber und Ace of
Spades gingen. Ein Grund, gleich mal wieder No Sleep 'til Hammersmith
röhren zu lassen.
Da wir gerade bei großen
Gitarristen sind – Mick Wall beginnt seinen Artikel über die
Yardbirds wie folgt: „Sie hatten Eric Clapton. Sie hatten Jeff
Beck. Sie hatten Jimmy Page.“ Stimmt, so viel geballte
Saiten-Kompetenz kann wohl keine zweite Band aufweisen. Wie Hendrix
fanden die Yardbirds vor meiner Zeit statt. Schade, auf dem Gipfel
ihres Erfolgs hätte ich sie gern einmal live gesehen. Das gilt
sowohl für den einen als auch für die anderen.
Brian Fallon wandelt weiter auf
Solopfaden. Meinetwegen, aber ich wünsche mir auch mal wieder ein
neues Gaslight Anthem-Album. Die Simple Minds erleben ihren zweiten
Frühling. Auch wenn das bisher an mir vorbeiging, freut es mich,
dass sie offenbar noch einmal die Kurve kriegen. Im Interview zeigt
sich Jim Kerr nachdenklich und tiefgründig. She Rocks – die großen
Frauen der Rockmusik werden … angeschnitten. Mal sehen, was
diesbezüglich in den nächsten Ausgaben kommt.
Mein persönliches Highlight der
März-Ausgabe ist – wie könnte es anders sein? - Alex Gernandts
Artikel anlässlich Firepower, des 18. Studioalbums der Heavy
Metal-Urgesteine Judas Priest, und ihrer bevorstehenden World Tour.
Metal God Rob Halford geht auf seine vor Jahrzehnten überwundene
Drogensucht und seine erst vor wenigen Jahren überwundene Krankheit
ein. Gitarrist Glenn Tipton spricht über das neue Album. Zum
Zeitpunkt des Interviews sah noch alles gut aus, denn die tragische
Entwicklung sah noch niemand voraus. Inzwischen wurde bekannt, dass
Tipton, seit 1974 ein Priest, an Parkinson erkrankt ist und an der
kommenden Tour nicht mehr wird teilnehmen können.
Mein Leben spielt sich ab zwischen Dom und Rhein. Zwischen Schreibtisch, Fußballplatz, Konzerthalle und Kneipe. Auf der Straße. Virtuell und in der Wirklichkeit. Und sogar in den Köpfen mancher Leute. Ein bißchen von alledem findet hier seinen Niederschlag.
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Mittwoch, 21. März 2018
Dienstag, 13. Februar 2018
Classic Rock 67
"We Salute You", titelt die 67. Ausgabe von Classic Rock auf dem Cover, und im Heftinneren heißt es nicht weniger griffig "Forever Young". Dazu sehen wir Malcolm Young auf dem Titelbild noch einmal so, wie wir ihn kannten, liebten und in Erinnerung behalten wollen: die Gitarre im Anschlag, mit geschlossenen Augen und ins Gesicht hängenden Haarsträhnen irgendwo im Spiel seiner Musik vergeistigt. Im Leitartikel erfährt der Verstorbene, ein bescheidener Musikinfizierter ohne Allüren und Gegner jeglichen Starrummels um seine Person, eine wunderbare Würdigung. Damit ist diese Ausgabe meines liebsten Musikmagazins für mich definiert. Mehr hätte es diesmal nicht gebraucht. Danke an Alex Gernandt.
Doch natürlich gibt es noch viel mehr, so wie immer. Bono und The Edge äußern sich im Interview zum neuen Album von U2, und Glenn Hughes lässt uns an seinen Lebensweisheiten teilhaben. Egal was er macht, von Deep Purple bis Black Country Communion, ich mag den Typ einfach. Passend dazu vermeldet Gitarrenikone Joe Satriani, dass Glenn Hughes auf seinem neuen Album den Bass spielt. Die Rock-Mythen erinnern an den Selbstmord von Joy Divisions Ian Curtis 1980, und nach Lemmys Tod 2015 hat nach Mikkey Dee's Einstieg als Trommler bei den Scorpions nun auch Phil Campbell mit den Bastard Sons seine eigene Band. Muss ich reinhören.
Wie üblich bei der ersten Jahresausgabe eines Musikmagazins richtet sich der Blick noch einmal auf das vergangene Jahr, so auch hier. Dass ich solche Rankings mag, erwähnte ich schon des Öfteren. Meine persönlich liebsten Alben 2017 waren BCCIV von Black Country Communion sowie Infinite von Deep Purple, hier auf den Plätzen 3 und 38 genannt. Wobei ich der Aussage "Ein Deep-Purple-Werk ist immer ein Rockalbum von Bedeutung" ebenso zustimme wie der Mehrfachnennung von Black Sabbath's End als das Konzertereignis des Jahres.
Doch natürlich gibt es noch viel mehr, so wie immer. Bono und The Edge äußern sich im Interview zum neuen Album von U2, und Glenn Hughes lässt uns an seinen Lebensweisheiten teilhaben. Egal was er macht, von Deep Purple bis Black Country Communion, ich mag den Typ einfach. Passend dazu vermeldet Gitarrenikone Joe Satriani, dass Glenn Hughes auf seinem neuen Album den Bass spielt. Die Rock-Mythen erinnern an den Selbstmord von Joy Divisions Ian Curtis 1980, und nach Lemmys Tod 2015 hat nach Mikkey Dee's Einstieg als Trommler bei den Scorpions nun auch Phil Campbell mit den Bastard Sons seine eigene Band. Muss ich reinhören.
Wie üblich bei der ersten Jahresausgabe eines Musikmagazins richtet sich der Blick noch einmal auf das vergangene Jahr, so auch hier. Dass ich solche Rankings mag, erwähnte ich schon des Öfteren. Meine persönlich liebsten Alben 2017 waren BCCIV von Black Country Communion sowie Infinite von Deep Purple, hier auf den Plätzen 3 und 38 genannt. Wobei ich der Aussage "Ein Deep-Purple-Werk ist immer ein Rockalbum von Bedeutung" ebenso zustimme wie der Mehrfachnennung von Black Sabbath's End als das Konzertereignis des Jahres.
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Dienstag, 26. Dezember 2017
Classic Rock 66
Mick Fleetwood ziert das Titelbild der
Dezember-Ausgabe von Classic Rock, umgeben von weiteren Köpfen, die
– besonders in der Frühphase – das Personenkarussell von
Fleetwood Mac bestiegen und wieder verließen. Anlässlich des
fünfzigsten Geburtstags der Band, die ich damals durch Rumours
kennenlernte, widmet das Musikmagazin ihr die Titelstory, und das
gleich auf 22 Seiten. Ehre, wem Ehre gebührt, kann man da angesichts
eines halben Jahrhunderts Bandbestehen mit zahlreichen musikalischen
wie personellen Veränderungen nur sagen.
Meine persönlichen Highlights in der
vorliegenden Ausgabe sind indes andere: Jaan Uhelszki widmet Tom
Petty, dem leider von uns gegangenen Mudcrutch, Heartbreaker und
Traveling Wilbury, einen persönlichen Rückblick, der einem noch mal
(Schluck!) einen Kloß in die Kehle treibt. Tony Iommi sinniert im
Interview über die Anfänge, den Werdegang und (Schade!) das Ende
von Black Sabbath, und Bruce Dickinson (Multitalent!) erzählt nicht
nur über Iron Maiden, sondern über seine Autobiografie, Drogen,
Mobbing, Fechten, Krebs und seinen zeitweiligen Ersatz Blaze Bayley –
mit dem ich (Prost!) vor vielen Jahren nach einem Maiden-Konzert mal
durch Kölner Kneipen gezogen bin.
Die Werkschau widmet sich diesmal
(Prima!) John Fogerty, die Meilensteine erinnern an den 8. Dezember
1980, als (Scheiße!) John Lennon erschossen wurde, die Rückblende
beschäftigt sich mit Mr. Bigs (Naja!) Mörderballade „To Be With
You“, und die Rock-Mythen beleuchten Otis Reddings Flugzeugabsturz
unter der (Makaber!) Überschrift: „Der Soulman, der vom Himmel
fiel“. Außerdem gibt es Lou Reed, Kansas und die Lebensweisheiten
des Noel Gallagher. Das letzte Wort hat diesmal Chris Rea.
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Montag, 13. November 2017
Classic Rock 65
Das Vorgängeralbum, bei Kritikern und
Fans ohne die erhoffte Resonanz, hätte sie fast aus der Bahn
geworfen, doch dann kam 1977 und „News of the World“. Wie viele
Bands können schon von sich behaupten, ihre neue Scheibe mit einem
doppelten Kracher wie We Will Rock You und We Are The Champions zu
eröffnen und dann gleich noch ein durchgehend tolles Album folgen zu
lassen? Queen können es. Auf dem Thron, von dem sie zu stürzen
drohten, saßen sie plötzlich fester denn zuvor. In der
Novemberausgabe von Classic Rock beschäftigt sich Mick Wall mit dem
Album, seiner Entstehung und den Eskapaden, die die vier
Queen-Musiker sich nun mehr denn je erlaubten und erlauben konnten.
Der Aufmacher der 65. Ausgabe ist auch mein Highlight dieser Ausgabe.
Woher der Roboter auf dem Plattencover ursprünglich stammte, wusste ich nicht. Danke, Classic Rock, für die Aufklärung. Er schmückte als Titelbild eine 1953 erschienene Ausgabe des amerikanischen Magazins Astounding Science Fiction. Die Musiker machten den Künstler Frank Kelly Freas – ein Meister seiner Zunft: vielfacher Hugo-Gewinner, Illustrator für Isaac Asimov und Robert Heinlein sowie Zeichner von Alfred E. Neumann im MAD-Magazin – ausfindig, und Freas überarbeitete sein ursprüngliches Motiv unter Einbeziehung der vier Queen-Majestäten, denen der Roboter in der neuen Version den Garaus macht.
Woher der Roboter auf dem Plattencover ursprünglich stammte, wusste ich nicht. Danke, Classic Rock, für die Aufklärung. Er schmückte als Titelbild eine 1953 erschienene Ausgabe des amerikanischen Magazins Astounding Science Fiction. Die Musiker machten den Künstler Frank Kelly Freas – ein Meister seiner Zunft: vielfacher Hugo-Gewinner, Illustrator für Isaac Asimov und Robert Heinlein sowie Zeichner von Alfred E. Neumann im MAD-Magazin – ausfindig, und Freas überarbeitete sein ursprüngliches Motiv unter Einbeziehung der vier Queen-Majestäten, denen der Roboter in der neuen Version den Garaus macht.
Und das sind meine sonstigen Themen:
Wolfgang Niedecken plaudert über sein Familienalbum, seine fünfte
Soloscheibe neben BAP, und mit Interesse las ich auch das Interview
mit David Crosby. Ich bewundere seine immer noch enorme
Schaffenskraft, und in Hinsicht auf Trump spricht er Klartext, aber
ich bedauere seine Erleichterung darüber, bei CS&N raus zu sein.
Danny Fields, nie zuvor gehört den Namen, aber er begeistert mich
als Wegbereiter des Punk, Vertragspartner der Stooges und Manager der
Ramones. Schon wieder so ein Artikel, der sich für mich voll und
ganz gelohnt hat. Und das nach dem Aufmacher zweite Highlight ist für
mich, wie könnte es anders sein, die Rückblende zur Entstehung von
Motörhead's Ace of Spades. Lemmy, Fast Eddie und Philthy Animal, mir
wird ganz anders. Nochmal danke, Classic Rock.
Natürlich gibt es wie immer noch viel
mehr: Zu den Tragödien der Rockmusik gehört der niemals völlig
aufgeklärte Tod von Michael Hutchence. In den Rockmythen erinnert
Ernst Hofacker an den unschönen Abgang des INXS-Frontmanns vor
zwanzig Jahren. Sex Pistols-Drummer Paul Cook hat seine alte Truppe
The Professionals wieder zusammengetrommelt. Auch woanders wird auf
die Pauke gehauen. Die trommelnden Brüder Carmine und Vinny Appice,
letzterer mir vor allem bekannt durch Black Sabbath, haben zum ersten
Mal ein gemeinsames Album aufgenommen. Kein Wunder, dass dabei das
Schlagzeug im Vordergrund steht. Dave Everley bricht eine Lanze für
die oft geschmähten Stone Temple Pilots. Robert Plant steht im
Interview Rede und Antwort, und Ten Years After feiern ihr
fünfzigjähriges Jubiläum. Zum Dreißigjährigen des
Whitesnake-Millionensellers 1987 zeigt sich David Coverdale blendend
aufgelegt und will in Würde altern. Es gibt Nachrufe auf Tom Petty
und Holger Czukay, und die Meilensteine beschäftigen sich mit George
Harrison und Keith Richards.
In der Novemberausgabe gibt es einiges
an Material, das ich nur streifte und querlas, aber noch mehr, das
mich wirklich interessiert. Oder begeistert! Es gibt viel zu
berichten, viel zu erfahren im Rockmusikbereich, in Classic Rock
steht es. Weiterhin ist das Magazin aus meinen monatlichen
Lesegewohnheiten nicht wegzudenken.
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Dienstag, 24. Oktober 2017
Classic Rock 64
Als Anfang des Jahrzehnts die ersten
beiden Alben von Black Country Communion erschienen, war die überall
so titulierte neue Supergroup für mich das ganz heiße neue Ding.
Nun bin ich vorsichtig, wenn der in den letzten Jahr inflationär
verwendete Begriff von einer Supergroup auftaucht, aber eine
Kollaboration zwischen Glenn Hughes und Joe Bonamassa ließ mich
aufhorchen, dazu Jason Bonham und Derek Sherinian, dieses Line-Up
wurde der Bezeichnung durchaus gerecht. Die Musik hielt, was die
Namen versprachen. Grandioser Seventies Rock, mühelos in die
Jetztzeit transportiert. Mehr noch als auf den Scheiben wurde mir das
beim BCC-Konzert bewusst, das ich im Sommer 2011 in Bonn besuchte.
Der tolle Auftritt festigte mein Faible für die Band. Doch dann
folgte ein Live-Mitschnitt der Europa-Tour und ein drittes
Studioalbum, und BCC trennten sich – und zwar nicht in bestem
Einvernehmen Hughes' und Bonamassas.
Die Ankündigung einer
Wiedervereinigung vor einige Monaten freute mich sehr, das inzwischen
erschienene neue Album wird den hohen Erwartungen gerecht. In der
Plattenbesprechung in Classic Rock hört sich das folgendermaßen an:
„ … lieben den Blues-getränkten Hardrock, der einst Led Zeppelin
und Deep Purple groß gemacht und seither nie wieder so spektakulär
geklungen hat wie bei Black Country Communion.“ Na also, ganz meine
Meinung.
Und nun schmückt das Quartett nicht
nur das Cover der Oktober-Ausgabe von Classic Rock, sondern dient
auch noch als Aufmacher. In Joe Bossos zehnseitigem Mix aus Artikel
und Interview kommen die Musiker ausführlich zu Wort. Sie erzählen,
wie es zu dem vorübergehenden Aus kam und was sie nach der
mehrjährigen Pause besser und klüger machen wollen. Allein für
diesen Artikel hat sich die Anschaffung gelohnt. Danke, Classic Rock,
und bei Gelegenheit gern mehr über Black Country Communion –
solange es sich nicht um neuerliche Streitigkeiten oder gar
Auflösungserscheinungen dreht.
Doch natürlich gibt es in der 64.
Ausgabe des Musikmagazins noch viel mehr. Mick Wall beschäftigt sich
auf ebenfalls zehn Seiten mit Led Zeppelin und der Zeit, in der ihr
drittes Album entstand. Das Interview mit Dave Grohl bestätigt den
Kopf der Foo Fighters als den nettesten Mann in der Rockmusikszene,
Kadavar führen durch Berlin, Marilyn Manson, der mir immer ein wenig
suspekt war, antwortet im Interview auf mir sehr sympathische Weise,
die Rock-Mythen erinnern an den Oktober 1977 und den Flugzeugabsturz
von Lynyrd Skynyrd, und und und. Sogar des verstorbenen Geoffrey
Bayldon wird gedacht. Als Druide Catweazle war er einer der Helden
meiner Kindheit.
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Mittwoch, 19. April 2017
Classic Rock 59
Vom Titelbild der April-Ausgabe schaut
einem ein grimmig dreinblickender Jim Morrison entgegen. Der
Aufmacher ist das vor 50 Jahren erschienene Debütalbum. Vierzehn
Seiten sind dem Quartett, das die Welt musikalisch auf den Kopf
stellte und bis heute tiefe Spuren hinterlassen hat, und seinem
ersten Album gewidmet. Ein paar Songs von ihnen gibt es, bei denen
brauche ich bloß die Augen zuzumachen, um das Gefühl zu haben, mich
schlagartig in einem anderen Universum aufzuhalten, und wenn The End
Apokalypse Now einen noch düstereren Anstrich verleiht, als ihn der
Film ohnehin hat, geht es kongenialer kaum. Doch mindestens ebenso
viel von den Doors hat sich mir nie erschlossen. Zum
Komplettverständnis hätten sie mir vielleicht den Weg in die
nächste Whiskybar zeigen müssen.
Ganz anders Deep Purple, die ich seit
Dekaden aufsauge und die bekanntlich zu meinen All Time Favourites
gehören. Sie sind inzwischen seit 50 Jahren dabei. Im Vorfeld des
neuen, des 20. Studioalbums sprossen die Spekulationen wie Krokusse
im Frühjahr, trägt das Album doch den reichlich
Interpretationsspielraum gewährenden Titel Infinite. Das letzte
Album? Okay. Das hörte man andeutungsweise. Aber darüber hinaus?
Womöglich das Ende der Band? Für mich unvorstellbar – obwohl mein
Glaube an das Unendliche in der Rockmusik nach Lemmys Tod und der
Final Tour von Black Sabbath doch arg ins Wanken geraten ist. Aber
ich will ja nicht das Schlimmste annehmen, sondern das Beste. Also
weitermachen, bitte. Zu diesem und anderen Themen interviewt Paul
Schmitz das einzig durchgängige Stammmitglied von Deep Purple Ian
Paice. Nach dem Lesen bin ich, wie ich gestehen muss, nicht viel
schlauer als vorher. Ein abruptes Ende der Band wird es zumindest
nicht geben, und das ist schon mal viel wert.
Die Meilensteine beleuchten Eddie
Cochrans tragisch-frühen Tod, des just verstorbenen Jaki Liebezeit
wird gedacht, und Steel Panther kommen mit einigen ihrer Aussagen
mehr als merkwürdig daher. Bonfire setzen noch immer volle Fahrt
voraus, in den Rock-Mythen gibt es mit dem Tod des Soul-Prinzen
Marvin Gaye eine weitere Tragik zu bedauern, und Blackberry Smoke,
von denen ich nichts bewusst kenne, muss ich mir wirklich mal zu
Gemüte führen. Nett der Blick auf alte Eintrittskarten, sammle ich
die meinen doch auch schon seit dreieinhalb Dekaden. Steve Hackett
gibt sich im Interview charmant und bleibt politisch-kritisch auf
Kurs, Wilko Johnson ist dem Tod von der Schippe gesprungen, und John
Watt und Fischer Z sind immer noch da. Hach ja, Red Skies Over
Paradise. Ein Highlight ist die Werkschau-Auslese von Judas Priest. Die Truppe um Rob Halford gehört für mich zu den Speerspitzen nicht nur der NWOBHM, sondern des Metal generell, des melodischen noch dazu.
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Sonntag, 19. März 2017
Classic Rock 58
In der März-Ausgabe meines bevorzugten
Musik-Magazins beschäftigen sich Redakteure und Mitarbeiter mit den
„100 besten Alben der 80er“. Eine solche Aufstellung ist
natürlich subjektiv bis zum geht-nicht-mehr, und das ist das Gute
daran. Man mag zustimmen, man kann zweifeln, man darf sich daran reiben. Es gibt Konsens, es gibt Dissens. Wie schlimm wäre es doch, hätten alle den gleichen Geschmack. Ich mag
solche Contests, ähnlich wie die Jahresrückblicke im Best-of-Modus.
In den vorliegenden Top 100 findet sich alles: von Industrial
(Bauhaus) bis Punk (Dead Kennedys), von AOR (Foreigner) bis Heavy
Metal (Metallica), von Folk-Punk (The Pogues) bis zu
Singer/Songwriter-Folk (Bob Dylan), dazu ganz viel Pop und einige
Sachen, die ich nicht zuordnen kann – was man ja auch beileibe
nicht bei allem muss.
Auf dem Siegertreppchen tummelt sich
der Heavy Metal. Auf Platz 3 liegt High'n'Dry von Def Leppard, davor
rangiert Van Halen mit Women And Children First, und ganz oben steht
Black Sabbath mit dem durchaus epochalen Heaven And Hell. Sechzehn
der aufgeführten Alben sind in meinem Besitz, manche kenne ich
nicht, nicht einmal die Bands. Bei anderen wundere ich mich. Iron
Maidens Piece Of Mind statt Number Of The Beast? Springsteens Tunnel
Of Love statt des Jahrhundertwerks Born In The USA? Von den Großtaten
der Dire Straits gar nichts? Auch keine Guns'N'Roses? Die Regeln
könnten eine Erklärung dafür liefern, zum Beispiel: „Die
bekanntesten Alben sind tabu.“ Aha. Neil Youngs Freedom ist dabei
und wäre es bei mir auch. Aber Manowar mit Battle Hymns? Nun ja.
Aber wie gesagt, darüber kann man trefflich streiten, und das ist
schön.
Selbstverständlich hat die 58. Ausgabe
von CLASSIC ROCK auch darüber hinaus eine Menge zu bieten. Die
Rückblende dreht sich diesmal um Randy Rhoads. Ozzys Knappe starb
vor 35 Jahren bei einem Flugzeugabsturz. Kein Jahr zuvor war der
junge Ausnahmegitarrist vom Fachblatt Guitar Player als bestes neues
Talent ausgezeichnet worden. Eine Tragödie, fürwahr. Chris
Franzkowiak würdigt in seinem Artikel „Judas Priest – Zeitgeist
auf der Überholspur“ das vor 30 Jahren erschienene bahnbrechende
Album Turbo, und die Werkschau-Auslese widmet sich den
AOR-Urgesteinen Survivor. Dass die Wirklichkeit die Berichterstattung
zuweilen weit hinter sich lässt oder gar ad absurdum führt, beweist
der Tod von Rick Parfitt. Wurde in der vorigen Ausgabe noch
verkündet, der Status Quo-Gitarrist befinde sich nach schweren
gesundheitlichen Problemen auf dem Weg der Besserung, gibt es diesmal
einen Nachruf auf den jüngst Verstorbenen. Auch das tragisch.
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Samstag, 23. Juli 2016
Classic Rock 52
Der Boss auf dem Cover der aktuellen
Ausgabe von CLASSIC ROCK und mit der Titelstory, das hätte schon
gereicht, um mir das Magazin zuzulegen, wenn ich es nicht ohnehin
regelmäßig lesen würde. In Paul Rees' Artikel „Glory Days“
geht es zurück in die Achtziger und zu Licht und Schatten der
erfolgreichsten Jahre von Bruce Springsteen.
Schon in den Siebzigern war Springsteen als die Zukunft des Rock'n'Roll gepriesen worden, doch erst in der folgenden Dekade katapultierte ihn das „Born in the USA“-Album in die Stratosphäre und machte ihn zum Superstar, dem die Massen folgten. Was Springsteen gar nicht so recht war, wie man meinen sollte und wie der Artikel aufzeigt. Da wollte er wieder raus, deshalb das reduzierte, fast minimalistische und vor allem düstere Album „Nebraska“ ohne die E-Street Band. Interessant, wusste ich nicht. Die Achterbahnfahrt aus epischen Höhenflügen und niederschmetternden Tiefpunkten war hausgemacht, weil der Boss mit sich selbst, seinem Leben und seinen Erfolgen zurechtkommen musste. Allein dieser Artikel, der mir einiges Neue vermittelte, war die komplette Ausgabe wert. Meinetwegen hätte er länger und ausführlicher sein können. Ergänzend bespricht David Numberger die – seiner Meinung nach – besten Springsteen-Songs des damaligen Jahrzehnts. Einige davon sind auch für mich unverzichtbar, andere nicht. Das ist wie immer Geschmackssache.
Von Mudcrutch hatte ich bis zu dieser Ausgabe von Classic Rock noch nie gehört. Es handelt sich um die Band, in der Tom Petty – am Bass! – spielte, bis sie sich Mitte der Siebziger Jahre auflöste und er die Heartbreakers gründete. Nun sind Mudcrutch wieder zusammen, mit Tom Petty, und haben kürzlich ein Album veröffentlicht. Das interessiert mich natürlich, kein Wunder bei Pettys kompromisslosem Gitarrenrock, egal ob mit den Heartbreakers oder den Traveling Wilburys. Danke an den Artikelschreiber Jörg Staude, der mich mit der Nase auf Mudcrutch gestoßen hat.
Schon in den Siebzigern war Springsteen als die Zukunft des Rock'n'Roll gepriesen worden, doch erst in der folgenden Dekade katapultierte ihn das „Born in the USA“-Album in die Stratosphäre und machte ihn zum Superstar, dem die Massen folgten. Was Springsteen gar nicht so recht war, wie man meinen sollte und wie der Artikel aufzeigt. Da wollte er wieder raus, deshalb das reduzierte, fast minimalistische und vor allem düstere Album „Nebraska“ ohne die E-Street Band. Interessant, wusste ich nicht. Die Achterbahnfahrt aus epischen Höhenflügen und niederschmetternden Tiefpunkten war hausgemacht, weil der Boss mit sich selbst, seinem Leben und seinen Erfolgen zurechtkommen musste. Allein dieser Artikel, der mir einiges Neue vermittelte, war die komplette Ausgabe wert. Meinetwegen hätte er länger und ausführlicher sein können. Ergänzend bespricht David Numberger die – seiner Meinung nach – besten Springsteen-Songs des damaligen Jahrzehnts. Einige davon sind auch für mich unverzichtbar, andere nicht. Das ist wie immer Geschmackssache.
Die beiden anderen längeren Artikel
des Hefts beschäftigen sich mit Janis Joplin und den Ramones. Bill
DeMain beleuchtet Janis' Schicksal, als sie nach anfänglichen
Erfolgen in ihren Heimatort Port Arthur zurückkehrte, um ein
normales Leben zu führen, dann aber doch wieder in San Francisco
landete und zum Superstar wurde. Kris Needs beleuchtet die dunkle
Seite der Ramones, ihre Traumata, ihre Krankheiten und das
gegenseitige Mobbing. Traurig, im Nachhinein erst recht, und da sie
nun alle tot sind sowieso. Mitte der Siebziger waren die Ramones
etwas Besonderes, etwas Neues, und wie Motörhead traten sie dem
Rock'n'Roll richtig in den Arsch. Heute, vierzig Jahre nach
Erscheinen ihres selbstbetitelten Debütalbums, sind sie immer noch
etwas Besonderes, auch wenn keiner von ihnen mehr da ist.
Von Mudcrutch hatte ich bis zu dieser Ausgabe von Classic Rock noch nie gehört. Es handelt sich um die Band, in der Tom Petty – am Bass! – spielte, bis sie sich Mitte der Siebziger Jahre auflöste und er die Heartbreakers gründete. Nun sind Mudcrutch wieder zusammen, mit Tom Petty, und haben kürzlich ein Album veröffentlicht. Das interessiert mich natürlich, kein Wunder bei Pettys kompromisslosem Gitarrenrock, egal ob mit den Heartbreakers oder den Traveling Wilburys. Danke an den Artikelschreiber Jörg Staude, der mich mit der Nase auf Mudcrutch gestoßen hat.
Und was gibt es darüber hinaus sonst
noch? Beach Boy Brian Wilson, geistiger Vater von „Pet Sounds“
und „Smile“, zeigt sich im Interview knapp und kurz angebunden,
aber begeistert. Die Rock-Mythen beleuchten das zweite Leben der Anna
Mae, und das ist keine geringere als Tina Turner. In der Rückblende
beleuchtet Joe Perry Dude und das dazugehörige Album
„Permanent Vacation“, das Aerosmith 1987 zurück in die
Rock-Oberliga schoss. Gitarrenikone Michael Schenker, einer der
wenigen deutschen Gitarristen von Weltrang, ist mit seiner aktuellen
Truppe „Temple of Rock“ aktiver denn je. Allerhand und allerlei
also, und wie immer eine lesenswerte Ausgabe für den geneigten
Rockmusikkonsumenten.
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Donnerstag, 2. Juni 2016
Classic Rock 50
Ich war positiv überrascht, als ich vor ein paar
Jahren die erste Ausgabe der Musikzeitschrift CLASSIC ROCK in Händen
hielt. Inzwischen liegt die Jubiläumsnummer 50 vor, und das Magazin
ist bei mir nicht wegzudenken. Bei meinen Lesegewohnheiten in Bezug
auf Rockmusik hat es den ROLLING STONE schon lange abgelöst. Ich
lese es regelmäßig, und ebenso regelmäßig trifft es meine
Vorlieben, unterhält es mich und befriedigt meine musikalische
Seele. Dass mich dabei nicht immer alles interessiert, dürfte klar
sein. Das wäre auch reichlich merkwürdig.
Der gute alte Carlos Santana schmückt das
Titelbild, und ihm ist auch die Titelstory gewidmet. Kein Wunder, hat
der Haudegen doch tatsächlich seine legendäre Truppe aus den
frühen Siebziger Jahren wieder zusammengetrommelt. Auf das Album bin
ich gespannt.
Schön ausführlich wird auf 10 Seiten zudem Bob Dylans heilige Dreifaltigkeit beleuchtet. Wer damit nichts anfangen kann, dem sei nur gesagt: Nachschauen unter „Bringing It All Back Home“, „Highway 61 Revisited“ und „Blonde On Blonde“. Drei der ganz großen Alben nicht nur Dylans, sondern überhaupt, die His Bobness in einem Zeitraum von gerade einmal 14 Monaten aus dem Ärmel geschüttelt hat.
Schön ausführlich wird auf 10 Seiten zudem Bob Dylans heilige Dreifaltigkeit beleuchtet. Wer damit nichts anfangen kann, dem sei nur gesagt: Nachschauen unter „Bringing It All Back Home“, „Highway 61 Revisited“ und „Blonde On Blonde“. Drei der ganz großen Alben nicht nur Dylans, sondern überhaupt, die His Bobness in einem Zeitraum von gerade einmal 14 Monaten aus dem Ärmel geschüttelt hat.
Eine betrübliche Nachricht für mich ist Graham
Nashs offizielle Verlautbarung, dass es nie wieder ein gemeinsam
Konzert oder Studioaktivitäten von Crosby Stills & Nash geben
wird, geschweige denn zusammen mit Neil Young. Es dürfte bekannt
sein, wie sehr ich die Singer-Songwriter-Legenden schätze, einen
jeden für sich, und gemeinsam in Potenz.
In „Auf Sand gebaut“ entführen die
Rock-Mythen den geneigten Leser diesmal ins Jahr 1967 zu Brian Wilson
und dem legendenumrankten Nicht-Album „Smile“, und die Rückblende
bringt einem noch einmal Supertramps Genius-Streich The Logical
Song nahe. Dazu John Illsley, bei dessen Namensnennung bei mir
immer die Dire Straits-Ohren klingen, „Just The Bitch I Am“ Lita
Ford, das kreative Multitalent David Duchovny, die Glücksritter von
Cheap Trick und noch viel mehr.
Inhaltlich also alles wie immer – und das ist auch gut so. Herzlichen Glückwunsch daher zur 50. Ausgabe, und weiter so, liebe CLASSIC ROCK-Macher!
Inhaltlich also alles wie immer – und das ist auch gut so. Herzlichen Glückwunsch daher zur 50. Ausgabe, und weiter so, liebe CLASSIC ROCK-Macher!
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Mittwoch, 17. Februar 2016
Classic Rock 47
»Machen wir uns nichts
vor: Wir gehen auf das Ende unserer gemeinsamen Karriere zu.« Alex Lifeson
sagt es, wie es (wohl) ist. Seit nunmehr 41 Jahren feiern Rush mit ihrer
eigenen Mixtur aus ProgRock und Heavy Metal weltweit musikalische Erfolge. Die
aktuelle Ausgabe von Classic Rock widmet den drei Herren daher die Titelstory,
und das auf satten 16 Seiten. Alex Lifeson und Geddy Lee antworten im
Interview, und sie haben eine Menge zu sagen. Dass sie dabei auch über ihre
persönlichen Tour-Wehwehchen wie Arthritis und Sehnenentzündungen erzählen,
gehört wohl dazu und ist dem Alter der drei Unermüdlichen geschuldet. Doch "unermüdlich" könnte sich auf die Vergangenheit beziehen, wie auch der
einleitende Satz verdeutlicht. Eine weitere große Tour liegt hinter Rush, das
letzte Konzert ist gespielt. Wie es weitergeht, wissen sie anscheinend selbst
nicht. Hören sie auf, machen sie weiter? Ich bin gespannt und hoffe auf
letzteres.
»Sollte seit unserer
Drucklegung nichts Dramatisches passiert sein, zieht der Tourtross zum 40.
Jubiläum gerade durch Europa.« Das ist eine Zwischenbemerkung während eines
Interviews, das Dave Ling für Classic Rock mit Lemmy Kilminster führte und
welches in der aktuellen Ausgabe abgedruckt ist. »Was ist mit Lemmy los und
wird er wieder gesund?«, lautet der dazugehörige Artikel. Nein, wird er leider
nicht. Die Realität hat die Berichterstattung überholt. Lemmy ist tot, und der
Motörhead-Tross ist nicht mehr unterwegs, wird es ohne ihn wohl auch nie wieder
sein. Erst im November hatte sich zuvor Phil Taylor von der Bühne des Lebens
verabschiedet. Der Nachruf auf »Philty Animal«, der viele Jahre lang bei
Motörhead am Schlagzeug saß, findet sich ebenfalls in dieser Ausgabe.
Auch Jimmy Page wird interviewt, und er lässt durchblicken,
dass er noch mal ein Album zu machen gedenkt. In den Rock-Mythen geht es
diesmal um die »Geisterstunde in der Abbey Road«, als Syd Barrett bei Pink
Floyds abschließenden Arbeiten an Wish
You Were Here im Studio auftauchte. Da war er nur noch ein Schatten seiner
selbst, den die anderen erst gar nicht erkannten und danach auch nie
wiedersahen. Wirklich unheimlich – und traurig. Einen schönen, wenn auch leider
viel zu kurzen Artikel gibt es über den Beat-Club, der vor meiner Zeit war,
aber richtig cool gewesen sein muss. Die Werkschau beschäftigt sich im
vorliegenden Heft mit Boston.
Rankings finde ich immer gut, weil ich sie gern mit meinen
persönlichen Vorlieben vergleiche. Sie sind immer so schön subjektiv – sollen
sie ja auch sein. Wo stimme ich zu? Wo
gibt es ansatzweise Konsens? Wo stehe ich konträr? Die Classic Rock-Redaktion
hat die 50 besten Alben des vergangenen Jahres gekürt. Walter Trout ist dabei
und Bob Dylan, Toto, Def Leppard (habe ich noch nicht gehört) und Killing Joke,
Neil Young, Motörhead (auch noch nicht gehört) und The Pretty Things. Vor Jeff
Lynne’s ELO und dem alten Knittergesicht Keith Richards liegt auf Platz 1 doch
tatsächlich – und das haut mich nun wirklich um – The Book Of Souls, das aktuelle Doppelalbum von Iron Maiden. Bei
diesem maidenschen Geniestreich, der an alte Großtaten der eisernen Jungfrauen
erinnert, stimme ich nur allzu gerne zu.
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Sonntag, 20. Dezember 2015
Classic Rock 46
Das ELO-Ufo hat mir schon in meinen jungen Jahren gefallen,
nun schmückt es das Titelbild der Dezember-Ausgabe von Classic Rock. Anlass ist
das neue Album des Electric Light Orchestra und die damit verbundene Titelstory
im aktuellen Heft. Ein Artikel über die Band, die Millionen und Abermillionen
Alben verkaufte, wird garniert mit einem Interview mit ELO-Mastermind Jeff
Lynne. Der Mann ist ein Könner an der Gitarre und als Songwriter, doch gab es
über Dekaden hinweg nicht wirklich viel von ELO, was mich vom Hocker riss. Zwei
oder drei Alben, einige tolle Stücke, doch oft genug war mir die ELO-Musik gar
zu sehr pop-lastig, oder sie behinderte sich selbst durch Lynnes
klangakustische Extravaganzen. Mehr sagte mir seine Partizipation bei den
Traveling Wilburys zu, wo er in einem
Geflecht von Musikern wie Bob Dylan, George Harrison, Tom Petty und Roy
Orbinson eingebunden war, das ohne jegliche Starallüren auskam.
Dazu gibt es Interviews mit Bartmann Billy Gibbons, der
abseits seines Hauptjobs ZZ Top neuerdings mit Zweitband seiner Liebe zu
kubanischer Latino-Musik frönt, mit Cockney-Rebel-Frontmann Steve Harley und
mit Bryan Adams. ZZ Top, die ja nun wirklich einige Kracherstücke aufweisen
können, habe ich vor rund 20 Jahren bei einem Open Air mal als Opener für Neil
Young gesehen, und sie haben mich einfach nur gelangweilt, weil einfach gar
nichts rüberkam. Steve Harley, ich gebe es zu, ist für mich gleichbedeutend mit
einem Song, und Bryan Adams hätte ich zu gern mal in den Achtzigern live
gesehen, zur Zeit von »Reckless« und Summer
of 69.
Interessant finde ich, das Def Leppard wieder da sind, und
anscheinend mit einem verdammt guten Album. Das ist nun wahrlich kein zweiter
Frühling mehr, sondern ein Dritter. Der Artikel liest sich gut, die neue
Scheibe klingt vielversprechend, ja, da muss ich reinhören. Jedwedes Fitzelchen
über den rastlosen Rebellen Neil Young verschlinge ich ohnehin, und die
Rückblende auf die Entstehung von David Bowies Heroes bringt mich gefühlsmäßig in der Zeit weit zurück. War ein großer
Song in Zusammenarbeit mit Brian Eno und Robert Fripp, vor allem im Kontext mit
Berlin, aber auch in dem mit den Kindern vom Bahnhof Zoo. Das Stück mag ich
heute noch.
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Donnerstag, 3. Dezember 2015
Rock Classics Sonderheft 13 - Iron Maiden
Sie gehören zu den größten, bekanntesten und erfolgreichsten
Bands – nicht nur im Bereich des Heavy Metal, sondern der Rockmusik generell.
Vierzig Jahre nach ihrer Gründung 1975 haben sie mit »The Book Of Souls« zum
ersten Mal ein Doppelalbum veröffentlicht, und dieses Album beinhaltet all die
typischen Musikelemente, mit denen sie bekannt geworden sind und die sie zu
Weltruhm geführt haben: virtuose Gitarren, melodischer Metal Rock, treibende
Beats, große Harmoniebögen, Science Fiction-Elemente und immer wiederkehrende
Verweise auf literarische Klassiker.
Natürlich ist die Rede von der britischen Band Iron Maiden.
Kaum jemand, der sich in den vergangenen Dekaden für Rockmusik interessierte,
ist nicht schon einmal über den ikonischen Schriftzug des Bandnamens gestolpert
oder über Eddy, das Maskottchen, das es in zahlreichen Varianten und
Variationen gibt. Anlässlich des vierzigsten Geburtstags der Gruppe, des neuen
Albums und natürlich der erfolgreich überwundenen Krebserkrankung von Luftsirene
Bruce Dickinson hat Rock Classic – nicht zu verwechseln mit Classic Rock – ein
Sonderheft über die eisernen Jungfrauen herausgegeben.
Das hundertseitige Magazin hat es in sich. Es ist
umfangreich und bietet eine Fülle an Material. Dabei gelingt es den Verfassern,
alte Maiden-Anhänger gleichermaßen anzusprechen wie Leute, die die Band
vielleicht erst vor wenigen Jahren oder vor kurzem entdeckt haben. Bei mir
liegt das zwar keine vierzig Jahre zurück, aber immerhin dreieinhalb Dekaden.
Zuerst live gesehen habe ich Iron Maiden 1983, und in dem Jahr gleich zweimal:
zunächst im November in der Messehalle in Hamburg und dann einen Monat später
beim legendären »Rockpop in Concert«-Festival in der Dortmunder Westfalenhalle.
Danach immer wieder und schließlich in der Oberhausen Arena bei The Final
Frontier, ihrer bisher letzten Tour.
Das Rock Classics Sonderheft spannt den Boden von der Frühzeit der Band bis ins Heute. Die einzelnen Musiker kommen in Interviews ausführlich zu Wort, Vinylraritäten werden ebenso besprochen wie Sekundärliteratur über die Band, Filme, Fankultur und Coverbands. Am interessantesten fand ich die Besprechung sämtlicher erschienener Alben in chronologischer Reihenfolge im Kontext ihres Entstehungsprozesses. Das Magazin bescherte mir ein paar äußerst kurzweilige Lesestunden, und dass für das nächste Sonderheft Motörhead angekündigt ist, finde ich auch nicht schlecht.
Das Rock Classics Sonderheft spannt den Boden von der Frühzeit der Band bis ins Heute. Die einzelnen Musiker kommen in Interviews ausführlich zu Wort, Vinylraritäten werden ebenso besprochen wie Sekundärliteratur über die Band, Filme, Fankultur und Coverbands. Am interessantesten fand ich die Besprechung sämtlicher erschienener Alben in chronologischer Reihenfolge im Kontext ihres Entstehungsprozesses. Das Magazin bescherte mir ein paar äußerst kurzweilige Lesestunden, und dass für das nächste Sonderheft Motörhead angekündigt ist, finde ich auch nicht schlecht.
Donnerstag, 3. September 2015
Classic Rock 43
Vom Cover schaut einem diesmal David Bowie entgegen, für den mein alter Freund Carsten ein solches Faible hatte. Zuweilen faszinierte mich Bowie in seinen diversen Inkarnationen, mit denen er sich immer wieder neu erfand, aber genauso oft war er mir suspekt. Heroes ist für mich allerdings bis heute ein großer Song, ein ganz großer sogar. Die September-Ausgabe widmet Ziggy Stardust nicht nur das Titelbild, sondern zudem die Titelstory. Speziell werden die fünf wilden Jahre von 1969 bis 1973 beleuchtet.
Mit viel mehr Spaß las ich das Interview mit Lemmy. Lemmy ist wieder gesund, und Lemmy nimmt kein Blatt vor den Mund. "The Last Man Standing" überschreibt Classic Rock das Interview, das Chris Franzkowiak am Vorabend des 3.765sten Motörhead-Konzerts mit dem knorrigen Stehaufmännchen Lemmy führt, der zwischen seinen Antworten seinen Alkohol kippt und eine Zigarette nach der anderen raucht. Im Dezember wird er 70, und Motörhead bestehen seit 40 Jahren. Also alles richtig gemacht, würde ich sagen. Und bitte weitermachen, Lemmy! Aber er will ja eh nicht im Bett sterben, sondern eines Tages mit dem Bass in der Hand beim Auftritt auf der Bühne umfallen.
Jimmy Page zeigt sich im Interview zum Abschluss der Veröffentlichung der Led-Zeppelin-Reissues entspannt und auskunftsfreudig. Warum sollte er auch nicht, nachdem dieses harte Stück Arbeit gelungen ist? Darüber hinaus scheint Page ein sympathischer Zeitgenosse zu sein
Die Meilensteine erinnern an die jeweils im September verstorbenen Keith Moon 1978 und Marc Bolan 1977, der eine 32 Jahre alt, der andere gar erst 29. Gleich daneben der Nachruf auf Chris Squire, den jüngst von uns gegangenen Bassisten und Kopf von Yes. Ebenfalls im September, und zwar 1970, verstorben ist Jimi Hendrix, bekanntlich einer jener Musiker, die man heute als den "Club der 27er" bezeichnet. In den Rock-Mythen wird noch einmal auf die bis heute bestehenden Rätsel bei seinem Tod hingewiesen.
Mötley Crüe gehen auf Abschiedstour. Na sowas, es geschehen Dinge, mit denen man kaum jemals rechnet. Dann schon eher mit einer Werkshow von Paul MacCartneys Schaffen. Die findet sich im vorliegenden Heft, wobei Sir Pauls Arbeit mit den Beatles explizit ausgeklammert bleibt. Hier geht es um Macca allein, mit Linda und natürlich mit den Wings. Band on the Run ist für mich nicht weniger groß als das weiter oben erwähnte Heroes.
Gleich sechs Seiten Konzertberichte sind außergewöhnlich viel, was mir gefällt, weil ich solche Berichte immer gern lese. Und dann froh bin, dieses Konzert ausgelassen, oder enttäuscht bin, jenes verpasst zu haben. Das letzte Wort gehört diesmal John Lydon. Ich staune, dass Herr Rotten noch immer aktiv ist. Das war mir gar nicht bewusst. Im September erscheint tatsächlich ein neues PIL-Album. Da sollte ich mal reinhören.
Mit viel mehr Spaß las ich das Interview mit Lemmy. Lemmy ist wieder gesund, und Lemmy nimmt kein Blatt vor den Mund. "The Last Man Standing" überschreibt Classic Rock das Interview, das Chris Franzkowiak am Vorabend des 3.765sten Motörhead-Konzerts mit dem knorrigen Stehaufmännchen Lemmy führt, der zwischen seinen Antworten seinen Alkohol kippt und eine Zigarette nach der anderen raucht. Im Dezember wird er 70, und Motörhead bestehen seit 40 Jahren. Also alles richtig gemacht, würde ich sagen. Und bitte weitermachen, Lemmy! Aber er will ja eh nicht im Bett sterben, sondern eines Tages mit dem Bass in der Hand beim Auftritt auf der Bühne umfallen.
Jimmy Page zeigt sich im Interview zum Abschluss der Veröffentlichung der Led-Zeppelin-Reissues entspannt und auskunftsfreudig. Warum sollte er auch nicht, nachdem dieses harte Stück Arbeit gelungen ist? Darüber hinaus scheint Page ein sympathischer Zeitgenosse zu sein
Die Meilensteine erinnern an die jeweils im September verstorbenen Keith Moon 1978 und Marc Bolan 1977, der eine 32 Jahre alt, der andere gar erst 29. Gleich daneben der Nachruf auf Chris Squire, den jüngst von uns gegangenen Bassisten und Kopf von Yes. Ebenfalls im September, und zwar 1970, verstorben ist Jimi Hendrix, bekanntlich einer jener Musiker, die man heute als den "Club der 27er" bezeichnet. In den Rock-Mythen wird noch einmal auf die bis heute bestehenden Rätsel bei seinem Tod hingewiesen.
Mötley Crüe gehen auf Abschiedstour. Na sowas, es geschehen Dinge, mit denen man kaum jemals rechnet. Dann schon eher mit einer Werkshow von Paul MacCartneys Schaffen. Die findet sich im vorliegenden Heft, wobei Sir Pauls Arbeit mit den Beatles explizit ausgeklammert bleibt. Hier geht es um Macca allein, mit Linda und natürlich mit den Wings. Band on the Run ist für mich nicht weniger groß als das weiter oben erwähnte Heroes.
Gleich sechs Seiten Konzertberichte sind außergewöhnlich viel, was mir gefällt, weil ich solche Berichte immer gern lese. Und dann froh bin, dieses Konzert ausgelassen, oder enttäuscht bin, jenes verpasst zu haben. Das letzte Wort gehört diesmal John Lydon. Ich staune, dass Herr Rotten noch immer aktiv ist. Das war mir gar nicht bewusst. Im September erscheint tatsächlich ein neues PIL-Album. Da sollte ich mal reinhören.
Sonntag, 30. August 2015
250 Ausgaben deutscher Rolling Stone
Wahrscheinlich ist inzwischen bereits das September-Heft erschienen, aber das möchte ich trotzdem noch nachreichen: Die August-Ausgabe des Rolling Stone war eine ganze
besondere, nämlich die Jubiläumsausgabe 250. Ich weiß noch, wie vor über zwanzig Jahren endlich eine deutschsprachige Ausgabe des Musikmagazins an den Kiosken lag.
Darauf hatte ich schon eine ganze Weile gewartet. So war ich von der ersten
Nummer an ein regelmäßiger Leser, und das viele Jahre lang. Der Rolling Stone
berichtete in schöner Regelmäßigkeit über Musiker und Bands, die ich mochte und
mag.Irgendwann traten nach und nach Veränderungen ein. Das ist
bei einer Zeitung oder Zeitschrift ein ganz normaler Vorgang. Mit dem sich
ändernden Layout konnte ich nicht viel anfangen. Nicht so schlimm, denn es geht
ja um den Inhalt. Doch auch der veränderte sich. Nicht zum Schlechteren hin,
sondern einfach teilweise in eine Richtung, die mich nicht interessierte.
Manche Artikel waren immer noch voll und ganz nach meinem Geschmack, andere las
ich höchstens noch quer.Dann kam Classic Rock auf den deutschen Markt, und eine
Weile las ich beide Magazine parallel. Es zeichnete sich ab, dass ich das auf
Dauer nicht beibehalten kann. So viel Zeit habe ich einfach nicht. Man will ja
schließlich auch noch andere Sachen lesen. Als ich mich selbst vor die
Entscheidung stellte, eine von beiden Lektüren aufzugeben, fiel mir die Wahl
nicht mehr schwer. Der Rolling Stone musste dran glauben. Gleichwohl er
zweifellos weiterhin ein gutes und fachkundiges Magazin blieb, hatte ihm
Classic Rock bei mir thematisch den Rang abgelaufen.Als jetzt die 250. Ausgabe erschien, musste ich trotzdem mal
wieder zugreifen. Die Macher feiern sich darin selbst, und das haben sie sich
zweifellos verdient. Es gibt einen Parforceritt durch 250 Monate, bei dem
sämtliche Cover noch einmal zu sehen sind, dazu kurze Rückblicke und
Anekdötchen. Das Titelbild der vorliegenden Ausgabe zieren Musiker, die den
Rolling Stone und seine Mitarbeiter über all die Jahre begleitet, begeistert
und inspiriert haben. Als Beilage findet sich sogar ein Taschenbuch, das sich
mit den 250 Alben des jeweiligen Monats beschäftigt.Doch um zurück zur Gegenwart zu kommen: Es finden sich
gerade einmal zwei längere Artikel in der Jubelausgabe, die mich vereinnahmen
konnten. Der eine beschäftigt sich mit den Prog-Rock-Größen Rush, die
anscheinend selbst unschlüssig sind, ob die bevorstehende Tournee ihre letzte
sein wird.Der andere beleuchtet ein weiteres Jubiläum, ein
vierzigjähriges gar, nämlich das Erscheinen von Bruce Springsteens 1975er Album
Born to Run als Manifest der
Mythen des Rock’n’Roll. Unfassbar, dass der Boss, der eine Zeitlang dachte, er
würde das Album niemals fertig bekommen, es schließlich, als die Platte dann
doch noch fertig wurde, aus Unzufriedenheit wegwerfen wollte. „Ich wurde
geboren, alterte und starb, während ich das Album machte.“ Diese später
getätigte Aussage Springsteens verdeutlicht seine Zerrissenheit während der
langen Produktionsphase.Was für ein Glück, dass er es nicht getan hat. Ein kaum
vorstellbarer Verlust, denn ich liebe das Album, egal wie oft ich es angehört habe.
Ob es für mich das beste Rockalbum aller Zeiten ist? Schwer zu sagen, aber
durchaus möglich. Auf jeden Fall rangiert es mit ganz weit oben. Meinen Dank an
Arne Willander für den prima Artikel, und dem Rolling Stone einen herzlichen
Glückwunsch zum Jubiläum. Wie sagt man bei solchen Anlässen? Auf die nächsten
250!
Dienstag, 11. August 2015
Classic Rock 42
Einmal mehr eine randvolle, lesenswerte Ausgabe des Musikmagazins, das ich mag. Vom Titelbild sieht einem Eric Clapton entgegen, und das nicht ohne Grund. Clapton is God, diesen Spruch kennt jeder Clapton-Fan. Nun ist der Jahrhundertmusiker 70 Jahre alt geworden. In ihrem Leitartikel beschäftigt sich die aktuelle Ausgabe von Classic Rock mit dem herausragenden Gitarrenhelden, seiner Musik und seinen Bands. In einem Alter, in dem Normalsterbliche längst in Rente sind, denkt Mister Slowhand anscheinend nicht ans Aufhören, und das ist auch gut so.
Noch mehr interessierte mich der Artikel über die Dire Straits, speziell über Mark Knopfler und seine ans Diktatorische grenzenden Anwandlungen, mit denen er sogar seinen Bruder aus der Band vertrieb. Es wird schön nachvollzogen, wie der immer größer werdende Erfolg und der alle Grenzen sprengende Ruhm, den Mark Knopfler nie wollte, sich verselbständigte bis schließlich zu dem Monster-Album "Brothers in Arms". Mitte der Achtziger waren die Dire Straits dank der großen Hits und noch größeren Melodien, die Knopfler reihenweise aus dem Ärmel schüttelte, eine der größten Bands des Planeten. Sah ich sie zum ersten Mal live in der alten Kölner Sporthalle, so geschah es zuletzt im rappelvollen Müngersdorfer Stadion. Nicht viel später war es vorbei mit den Straits, doch eine meiner Lieblingsbands sind sie allein schon wegen Sultans of Swing und Telegraph Road bis heute.
In den Zeitzeichen bekennt sich Dylan-Jünger Wolfgang Niedecken zu den Ramones. Hey, ho, let's go, Wolfgang, das war nun doch eine Überraschung für mich. Die Rock-Meilensteine werfen Schlaglichter auf Ray Davies' Rücktritt bei den Kinks 1973 und die zweimonatige Residenz von AC/DC 1976 im Marquee Club. Außerdem gibt es einen Nachruf auf den größten Blues Boy, der diese Welt verlassen hat. B.B. King starb im Alter von 89 Jahren, der letzte Vertreter der alten Blues-Garde, den zu sehen ich leider nie das Vergnügen hatte. Billy Wyman gräbt nach seinen Wurzeln, die Rock-Mythen thematisieren Bob Dylans Verrat in Newport, als er 1965 beim dortigen Folk-Festival zum Entsetzen der Folk-Gemeinde mit elektrischer Gitarre statt mit akustischer Klampfe auf die Bühne stieg, und die Rückblende beleuchtet Carl Perkins' Blue Suede Shoes.
Noch mehr interessierte mich der Artikel über die Dire Straits, speziell über Mark Knopfler und seine ans Diktatorische grenzenden Anwandlungen, mit denen er sogar seinen Bruder aus der Band vertrieb. Es wird schön nachvollzogen, wie der immer größer werdende Erfolg und der alle Grenzen sprengende Ruhm, den Mark Knopfler nie wollte, sich verselbständigte bis schließlich zu dem Monster-Album "Brothers in Arms". Mitte der Achtziger waren die Dire Straits dank der großen Hits und noch größeren Melodien, die Knopfler reihenweise aus dem Ärmel schüttelte, eine der größten Bands des Planeten. Sah ich sie zum ersten Mal live in der alten Kölner Sporthalle, so geschah es zuletzt im rappelvollen Müngersdorfer Stadion. Nicht viel später war es vorbei mit den Straits, doch eine meiner Lieblingsbands sind sie allein schon wegen Sultans of Swing und Telegraph Road bis heute.
In den Zeitzeichen bekennt sich Dylan-Jünger Wolfgang Niedecken zu den Ramones. Hey, ho, let's go, Wolfgang, das war nun doch eine Überraschung für mich. Die Rock-Meilensteine werfen Schlaglichter auf Ray Davies' Rücktritt bei den Kinks 1973 und die zweimonatige Residenz von AC/DC 1976 im Marquee Club. Außerdem gibt es einen Nachruf auf den größten Blues Boy, der diese Welt verlassen hat. B.B. King starb im Alter von 89 Jahren, der letzte Vertreter der alten Blues-Garde, den zu sehen ich leider nie das Vergnügen hatte. Billy Wyman gräbt nach seinen Wurzeln, die Rock-Mythen thematisieren Bob Dylans Verrat in Newport, als er 1965 beim dortigen Folk-Festival zum Entsetzen der Folk-Gemeinde mit elektrischer Gitarre statt mit akustischer Klampfe auf die Bühne stieg, und die Rückblende beleuchtet Carl Perkins' Blue Suede Shoes.
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Samstag, 26. Juli 2014
Classic Rock 32
Als Roger Waters über den "verrückten Diamanten" schrieb, war der, nämlich Crazy Diamond Syd Barrett, längst kein Bandmitglied mehr bei Pink Floyd, sondern ein abgestürztes Drogenwrack. Waters hatte sämtliche Macht bei Floyd und machte was draus. DARK SIDE OF THE MOON und der Nachfolger WISH YOU WERE HERE gehören für mich zu den herausragenden Meilensteinen der Rockmusik. Doch danach begann der Zerfall, mit der stetig größer werdenden Einflußnahme David Gilmours und dem späteren Ausstieg von Waters.
Eine Lobpreisung für das Große, für das Elegische, das diese Band in den Siebziger Jahren geleistet hat, aber auch eine offenlegende Abrechnung mit der Entfremdung der Bandmitglieder untereinander, mit dem Zerwürfnis und aufkommender Hybris, die möglicherweise - trotz THE WALL - weitere unsterbliche Alben verhindert hat. Laabs Kowalskis Auseinandersetzung mit Pink Floyd war für mich das Highlight der aktuellen Ausgabe von Classic Rock.
Als ich Pink Floyd in den Achtziger Jahren auf ihren Tourneen zwei Mal bei gigantischen Auftritten im Müngersdorfer Stadion sah, lag die schöpferische Hochzeit mit kreativen Himmelsstürmen rund eine Dekade hinter der Band. Ich war von den Auftritten, gleichermaßen von Musik wie von optischer Darbietung, fast erschlagen, doch ich wußte, es waren nicht mehr die ursprünglichen Floyd. Ohne den kreativen Genius Waters. Ohne Syd Barrett sowieso. Missen möchte ich diese Highlights meiner Konzerterlebnisse dennoch auf keinen Fall.
Zwei weitere Artikel im vorliegenden Heft genossen meine weitere ungeteilte und ungeteilt positive Aufmerksamkeit. Zum einen Tom Petty, der mit Gitarre und Sonnenbrille das Cover ziert. Zusammen mit den Heartbreakers - und im Kreise der Traveling Wilburys erst recht - ist er einer der wirklich großen Rock'n'Roller, die diese Bezeichnung verdienen. Zum anderen Judas Priest, die mich auch im hohen Metal-Alter noch ungleich mehr mitreißen als sämtliche Jungspunde musikalisch artverwandter Couleur. Rob Halford ist als Frontmann nicht weniger Kultfigur als Lemmy, Ozzy oder Biff.
Darüber hinaus gab es ein bißchen was von diesem und ein bißchen was von jenem. Yes und Saga, Manic Street Preachers und Chicago. Das meiste habe ich diesmal nur quergelesen, oder auf dem Klo. Außer der Rückblende, die die Entstehung von Deep Purples The Mule beleuchtet. Auch so was Unvergängliches. Trotz grundsätzlichen Interesses an all den neuen Bands bleibe ich den alten Haudegen treu.
Eine Lobpreisung für das Große, für das Elegische, das diese Band in den Siebziger Jahren geleistet hat, aber auch eine offenlegende Abrechnung mit der Entfremdung der Bandmitglieder untereinander, mit dem Zerwürfnis und aufkommender Hybris, die möglicherweise - trotz THE WALL - weitere unsterbliche Alben verhindert hat. Laabs Kowalskis Auseinandersetzung mit Pink Floyd war für mich das Highlight der aktuellen Ausgabe von Classic Rock.
Als ich Pink Floyd in den Achtziger Jahren auf ihren Tourneen zwei Mal bei gigantischen Auftritten im Müngersdorfer Stadion sah, lag die schöpferische Hochzeit mit kreativen Himmelsstürmen rund eine Dekade hinter der Band. Ich war von den Auftritten, gleichermaßen von Musik wie von optischer Darbietung, fast erschlagen, doch ich wußte, es waren nicht mehr die ursprünglichen Floyd. Ohne den kreativen Genius Waters. Ohne Syd Barrett sowieso. Missen möchte ich diese Highlights meiner Konzerterlebnisse dennoch auf keinen Fall.
Zwei weitere Artikel im vorliegenden Heft genossen meine weitere ungeteilte und ungeteilt positive Aufmerksamkeit. Zum einen Tom Petty, der mit Gitarre und Sonnenbrille das Cover ziert. Zusammen mit den Heartbreakers - und im Kreise der Traveling Wilburys erst recht - ist er einer der wirklich großen Rock'n'Roller, die diese Bezeichnung verdienen. Zum anderen Judas Priest, die mich auch im hohen Metal-Alter noch ungleich mehr mitreißen als sämtliche Jungspunde musikalisch artverwandter Couleur. Rob Halford ist als Frontmann nicht weniger Kultfigur als Lemmy, Ozzy oder Biff.
Darüber hinaus gab es ein bißchen was von diesem und ein bißchen was von jenem. Yes und Saga, Manic Street Preachers und Chicago. Das meiste habe ich diesmal nur quergelesen, oder auf dem Klo. Außer der Rückblende, die die Entstehung von Deep Purples The Mule beleuchtet. Auch so was Unvergängliches. Trotz grundsätzlichen Interesses an all den neuen Bands bleibe ich den alten Haudegen treu.
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Sonntag, 27. April 2014
Die Geburt des Heavy Rock
In der April-Ausgabe macht Classic Rock diese Geburtsstunde am Jahr 1969 fest. Die ersten beiden Alben von Led Zeppelin, das Debüt von Black Sabbath, die Gründung von UFO, Uriah Heep und Judas Priest. Dazu der Einstieg von Ian Gillan und Roger Glover bei Deep Purple, der einen drastischen musikalischen Kurswechsel für Purple bedeutete. Man kann sich dem Inhalt der Überschrift auf diesem Weg annähern, die Geburtsstunde aber auch ganz anders definieren, wenn man andere Bands - nehmen wir nur mal das Power Trio Cream. Oder auch Steppenwolf, in deren Born to be Wild der Ausdruck Heavy Metal zum ersten Mal auftaucht - als Blaupause heranzieht.
Welchen Stellenwert Purple, Sabbath und das bleierne Luftschiff in diesem Zusammenhang haben, ist dennoch unbestritten. Der Artikel als Herzstück der aktuellen Ausgabe ist herzlich gut gelungen. Passend dazu finden sich die Herren Jimmy Page und Robert Plant auf dem Cover, 30 der ganz frühen Alben dieses Genres werden vorgestellt, und es gibt eine Led Zeppelin-Werkschau. Das ist dann alles in allem mal wirklich stimmig.
Aber auch darüber hinaus gibt es reichlich Lesestoff, den ich goutiert und nicht nur überflogen habe. Ein Interview mit Johnny Cashs Sohn anläßlich der Veröffentlichung eines neuen Albums des Man in Black. Der hinterlassene Fundus muß riesig sein. Gotthard haben sich nach dem tragischen Unfalltod ihres Frontmanns Steve Lee gefangen und starten neu durch. In der Rückblende blickt Bruce Springsteen zurück auf das Entstehen seines reduzierten Albums "The Ghost of Tom Joad", das von John Steinbecks Roman "Früchte des Zorns" inspiriert ist und - ich mag es nicht recht glauben - auch schon fast zwanzig Jahre auf dem Buckel hat. Der alte Haudegen David Crosby hat mit "Croz" noch mal ein Album veröffentlicht, schön. Wenn etwas aus der Richtung meiner alten Hippie-Helden CS&N kommt, freut mich das immer.
Eine musikalische Lanze wird gebrochen für die Donnergötter, die großen Schlagzeuger der Rockmusik. Zwanzig besonders leuchtende Beispiele der Trommler werden vorgestellt. Ginger Baker, John Bonham, Keith Moon, Ian Paice und Cozy Powell. Ringo und Charlie. Das war überfällig, und nicht nur, weil die Männer mit den Trommelstöcken auf der Bühne stets im Hintergrund stehen. Beziehungsweise sitzen.
Die Supergroup Black Country Communion gibt es nicht mehr, weil Joe Bonamassa andere musikalische Pläne und Präferenzen hat. BCC war eine meiner liebsten Bands der letzten paar Jahre mit zwei grandiosen Alben und ist schon Geschichte. Sehr schade. Aber Glenn Hughes und Jason Bonham verlieren keine Zeit und machen gleich weiter mit einer neuen Band namens California Breed. Gut zu wissen, was ich mir als nächstes anhören muß. Gitarrenvirtuose Bonamassa gibt hingegen weiterhin den exquisiten Blueser und amüsiert mich mit seiner Einschätzung: "Ich bin nicht Dylan. Dieser Typ schreibt in einem Stück mehr coole Worte als ich in einem Jahrzehnt."
Fazit: Eine rundum gelungene Ausgabe von Classic Rock mit reichlich Themen, die meinen Nerv getroffen haben. Die vielleicht beste bisher.
Welchen Stellenwert Purple, Sabbath und das bleierne Luftschiff in diesem Zusammenhang haben, ist dennoch unbestritten. Der Artikel als Herzstück der aktuellen Ausgabe ist herzlich gut gelungen. Passend dazu finden sich die Herren Jimmy Page und Robert Plant auf dem Cover, 30 der ganz frühen Alben dieses Genres werden vorgestellt, und es gibt eine Led Zeppelin-Werkschau. Das ist dann alles in allem mal wirklich stimmig.
Aber auch darüber hinaus gibt es reichlich Lesestoff, den ich goutiert und nicht nur überflogen habe. Ein Interview mit Johnny Cashs Sohn anläßlich der Veröffentlichung eines neuen Albums des Man in Black. Der hinterlassene Fundus muß riesig sein. Gotthard haben sich nach dem tragischen Unfalltod ihres Frontmanns Steve Lee gefangen und starten neu durch. In der Rückblende blickt Bruce Springsteen zurück auf das Entstehen seines reduzierten Albums "The Ghost of Tom Joad", das von John Steinbecks Roman "Früchte des Zorns" inspiriert ist und - ich mag es nicht recht glauben - auch schon fast zwanzig Jahre auf dem Buckel hat. Der alte Haudegen David Crosby hat mit "Croz" noch mal ein Album veröffentlicht, schön. Wenn etwas aus der Richtung meiner alten Hippie-Helden CS&N kommt, freut mich das immer.
Eine musikalische Lanze wird gebrochen für die Donnergötter, die großen Schlagzeuger der Rockmusik. Zwanzig besonders leuchtende Beispiele der Trommler werden vorgestellt. Ginger Baker, John Bonham, Keith Moon, Ian Paice und Cozy Powell. Ringo und Charlie. Das war überfällig, und nicht nur, weil die Männer mit den Trommelstöcken auf der Bühne stets im Hintergrund stehen. Beziehungsweise sitzen.
Die Supergroup Black Country Communion gibt es nicht mehr, weil Joe Bonamassa andere musikalische Pläne und Präferenzen hat. BCC war eine meiner liebsten Bands der letzten paar Jahre mit zwei grandiosen Alben und ist schon Geschichte. Sehr schade. Aber Glenn Hughes und Jason Bonham verlieren keine Zeit und machen gleich weiter mit einer neuen Band namens California Breed. Gut zu wissen, was ich mir als nächstes anhören muß. Gitarrenvirtuose Bonamassa gibt hingegen weiterhin den exquisiten Blueser und amüsiert mich mit seiner Einschätzung: "Ich bin nicht Dylan. Dieser Typ schreibt in einem Stück mehr coole Worte als ich in einem Jahrzehnt."
Fazit: Eine rundum gelungene Ausgabe von Classic Rock mit reichlich Themen, die meinen Nerv getroffen haben. Die vielleicht beste bisher.
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Montag, 17. März 2014
Stick it out
"Fick mich, du miserabler Hurensohn." Wer derlei Textstrophen sang, als amerikanischer Musiker zudem auf Deutsch, der hatte bei einem pubertierenden und ein klein wenig rebellischen Jugendlichen natürlich gewonnen. Allzu laut spielte man den Song besser nicht. Nicht wenige aus der Verwandtschaft und die ganze Nachbarschaft hätten in Ohnmacht fallen können.
Die März-Ausgabe des Musikmagazins CLASSIC ROCK wuchert mit einem zwölfseitigen Artikel über den fabelhaft freigeistigen Freak-Bruder und Bürgerschreck Frank Zappa, der auch auf dem Cover abgebildet ist. Das Allermeiste konnte ich schon zu seinen Lebzeiten nicht mit Zappa anfangen. Ein musikalisches Genie war er, heißt es. Da dürfte was dran sein. Mir war seine Musik aber meistens zu chaotisch. Zu verkopft und zu experimentell, um einen intensiveren Zugang dazu zu finden. Natürlich gab es Sachen, die ich mochte, beispielsweise Zappas Alben Sheik Yerbouti und Joe's Garage. Auf letzterem ist auch das eingangs erwähnte Stück zu finden, zu dem man vermutlich irgendetwas von Charles Bukowski las.
Ansonsten werden The Pretty Things besprochen und Eloy rehabilitiert. Schön, mal wieder etwas über die Hannoveraner zu lesen, die in den Siebziger Jahren besonders in Deutschlands Musikjournaille die Prügelknaben der Nation waren, heute und gerade nach ihrem jüngst erschienen Livealbum aber auch von der Kritik die Anerkennung bekommen, die sie verdienen. Nebenbei bemerkt, gehören Eloy zu jenen Bands, die ich beim Arbeiten an einem Manuskript am häufigsten höre.
Mit Interesse blickte ich auf "Die 100 wichtigsten Rockfilme". Der erst im vergangenen Sommer im Kino gesehene "Springsteen & I" ist dabei. Das hätte ich aber auch erwartet. Lebensverfilmungen wie "Walk The Line" und "Ray" finden sich ebenso wie das grandiose Road Movie "Easy Rider" und der anarchistische Kultfilm "Eat The Rich". "The Wall" muß man gesehen haben, und "Rust Never Sleeps" gehört ohnehin zu meinen liebsten Konzertfilmen. Daß "Footloose" im Ranking auftaucht, wundert mich im Kontext des ihn umgebenden Programms ein wenig. Warum dann nicht auch "Flashdance"? Den habe ich damals bestimmt ein halbes Dutzend Mal im Kino gesehen. Ach ja, vermutlich nicht der Musik wegen, sondern wegen Jennifer Beals. Das dürfte es gewesen sein, ganz bestimmt sogar.
Die März-Ausgabe des Musikmagazins CLASSIC ROCK wuchert mit einem zwölfseitigen Artikel über den fabelhaft freigeistigen Freak-Bruder und Bürgerschreck Frank Zappa, der auch auf dem Cover abgebildet ist. Das Allermeiste konnte ich schon zu seinen Lebzeiten nicht mit Zappa anfangen. Ein musikalisches Genie war er, heißt es. Da dürfte was dran sein. Mir war seine Musik aber meistens zu chaotisch. Zu verkopft und zu experimentell, um einen intensiveren Zugang dazu zu finden. Natürlich gab es Sachen, die ich mochte, beispielsweise Zappas Alben Sheik Yerbouti und Joe's Garage. Auf letzterem ist auch das eingangs erwähnte Stück zu finden, zu dem man vermutlich irgendetwas von Charles Bukowski las.
Ansonsten werden The Pretty Things besprochen und Eloy rehabilitiert. Schön, mal wieder etwas über die Hannoveraner zu lesen, die in den Siebziger Jahren besonders in Deutschlands Musikjournaille die Prügelknaben der Nation waren, heute und gerade nach ihrem jüngst erschienen Livealbum aber auch von der Kritik die Anerkennung bekommen, die sie verdienen. Nebenbei bemerkt, gehören Eloy zu jenen Bands, die ich beim Arbeiten an einem Manuskript am häufigsten höre.
Mit Interesse blickte ich auf "Die 100 wichtigsten Rockfilme". Der erst im vergangenen Sommer im Kino gesehene "Springsteen & I" ist dabei. Das hätte ich aber auch erwartet. Lebensverfilmungen wie "Walk The Line" und "Ray" finden sich ebenso wie das grandiose Road Movie "Easy Rider" und der anarchistische Kultfilm "Eat The Rich". "The Wall" muß man gesehen haben, und "Rust Never Sleeps" gehört ohnehin zu meinen liebsten Konzertfilmen. Daß "Footloose" im Ranking auftaucht, wundert mich im Kontext des ihn umgebenden Programms ein wenig. Warum dann nicht auch "Flashdance"? Den habe ich damals bestimmt ein halbes Dutzend Mal im Kino gesehen. Ach ja, vermutlich nicht der Musik wegen, sondern wegen Jennifer Beals. Das dürfte es gewesen sein, ganz bestimmt sogar.
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Mittwoch, 19. Februar 2014
Härter als der Rest
"Natürlich darf man heute zugeben, dass man Heavy Metal liebt." Ein wohltuender Einstiegssatz für einen Musikartikel. Zwanzig Jahre gibt es die deutsche Ausgabe des Rolling Stone Magazins in diesem Jahr, mit Hard Rock oder gar Heavy Metal hat die Redaktion aber nie viel am Hut gehabt. Diese schmähliche Ignoranz wirft Birgit Fuss in der aktuellen Ausgabe mit Genuß um. Ihr Artikel "Härter als der Rest" liest sich wie eine Liebeserklärung ans Schwermetall - und ist es offenbar sogar.
Da bin ich platt. Neues erfährt man, wenn man sich halbwegs mit der Materie auskennt, zwar nicht, aber allein der gute Wille zählt - und der Überblick über "die 100 besten Hardrock/Metal-Alben". So sehr, wie man weiß, daß derlei Beurteilungen (zumindest in Teilen) zwangsläufig subjektiv sein müssen, so sehr weiß man auch, daß ich solche Rankings mag. Und tatsächlich bin ich gar nicht so weit von dem entfernt, was die Redakteure auffahren. 35 der genannten Alben stehen in meinem Plattenschrank oder im CD-Regal, gut ein Drittel also. Von den vorderen zehn sind es gar acht.
Auf Platz 1 steht nach Meinung des Rolling Stone "Appetite for Destruction" von Guns'N'Roses. Hätte ich vielleicht nicht ganz oben aufgeführt, in der Richtung aber schon. Energiegeladener, rauer und dreckiger als 1987 waren sie danach nie. Auch nur der Hauch von Konventionen? Drauf geschissen. Sogar eine unterschwellige Punk-Attitüde steckte in dem Album, und doch warf es reihenweise Hits wie Welcome to the Junge und Paradise City ab.
Inhaltliches Herzstück der vorliegenden Ausgabe ist ein vierzehnseitiger Artikel über die Beatles. Speziell geht es um ihren ersten Auftritt in den USA. Während in England längst die Beatlemania ausgebrochen war, hinkte man der musikalischen Revolution jenseits des großen Teichs noch hinterher. Der Auftritt der Fab Four in der Ed Sullivan Show änderte alles. John, Paul, George und Ringo nahmen die Staaten gewissermaßen im Handstreich. Während Newsweek noch schrieb: "Ihr Aussehen ist ein Albtraum, und ihre Musik grenzt an ein Desaster", flippten die Fans aus. Bob Dylan ließ sich gar zu der Aussage hinreißen: "Mir war klar, dass sie die Richtung vorgaben, in die es nun ging." Und His Bobness muß es ja nun wirklich wissen.
Da bin ich platt. Neues erfährt man, wenn man sich halbwegs mit der Materie auskennt, zwar nicht, aber allein der gute Wille zählt - und der Überblick über "die 100 besten Hardrock/Metal-Alben". So sehr, wie man weiß, daß derlei Beurteilungen (zumindest in Teilen) zwangsläufig subjektiv sein müssen, so sehr weiß man auch, daß ich solche Rankings mag. Und tatsächlich bin ich gar nicht so weit von dem entfernt, was die Redakteure auffahren. 35 der genannten Alben stehen in meinem Plattenschrank oder im CD-Regal, gut ein Drittel also. Von den vorderen zehn sind es gar acht.
Auf Platz 1 steht nach Meinung des Rolling Stone "Appetite for Destruction" von Guns'N'Roses. Hätte ich vielleicht nicht ganz oben aufgeführt, in der Richtung aber schon. Energiegeladener, rauer und dreckiger als 1987 waren sie danach nie. Auch nur der Hauch von Konventionen? Drauf geschissen. Sogar eine unterschwellige Punk-Attitüde steckte in dem Album, und doch warf es reihenweise Hits wie Welcome to the Junge und Paradise City ab.
Inhaltliches Herzstück der vorliegenden Ausgabe ist ein vierzehnseitiger Artikel über die Beatles. Speziell geht es um ihren ersten Auftritt in den USA. Während in England längst die Beatlemania ausgebrochen war, hinkte man der musikalischen Revolution jenseits des großen Teichs noch hinterher. Der Auftritt der Fab Four in der Ed Sullivan Show änderte alles. John, Paul, George und Ringo nahmen die Staaten gewissermaßen im Handstreich. Während Newsweek noch schrieb: "Ihr Aussehen ist ein Albtraum, und ihre Musik grenzt an ein Desaster", flippten die Fans aus. Bob Dylan ließ sich gar zu der Aussage hinreißen: "Mir war klar, dass sie die Richtung vorgaben, in die es nun ging." Und His Bobness muß es ja nun wirklich wissen.
Freitag, 3. Januar 2014
AC/DC in Classic Rock
Am 31. Dezember 1973 wurde sie gegründet - oder trat doch zumindest erstmals ins Bewußtsein der Öffentlichkeit, nämlich bei ihrem ersten Auftritt in einem Club in Sydney. Die Rede ist von AC/DC, der australischen Band, die für mich wie kaum eine andere den Begriff Rock'n'Roll prägt. Zum ersten Mal habe ich sie 1986 in der alten Kölner Sporthalle gesehen, mit ihrem Fly on the Wall-Programm. Das war ein paar Jahre nach dem Tod von Bon Scott, an dessen Stelle sich seit 1980 Brian Johnson die Seele aus dem Leib singt. Danach erlebte ich AC/DC erst 2000 in der Kölnarena wieder live, bei ihrer legendären Stiff Upper Lip-Tour, und schließlich mit Black Ice 2009 im Müngersdorfer Stadion erneut.
Dem Jubiläum angemessen zeigt sich die Januarausgabe von CLASSIC ROCK. Auf 34 Seiten wird das vierzigjährige Bestehen gewürdigt, mit einem spannenden Streifzug durch die vier Schaffensdekaden der, wie sie in den einschlägigen Magazinen zuweilen genannt wird, größten Rockband der Welt. Mit solchen Bezeichnungen sind Musikjournalisten gelegentlich schnell bei der Hand, wie auch die Rolling Stones wissen. Daß ich vor wenigen Jahren die Tour verpaßt habe, bei der beide Bands auftraten, ist schade. Ich mag die Stones, hätte AC/DC unterbewußt aber als den Headliner wahrgenommen.
Ansonsten kommt die vorliegende Ausgabe meines liebsten Musikmagazins recht mau daher. Hat das opulente Special möglichen weiteren Artikeln die Luft zum Atmen genommen? Denn danach sucht man vergeblich. Die Macher erschöpfen sich in Kurzberichten wie etwa über Black Sabbath und Roger Taylor oder in Einseitern zu Rush oder Boston. Allenfalls der Bericht über Münchens Circus Krone, wo auch die Stones schon aufgetreten sind, sticht noch ein wenig heraus.
Keinesfalls erschließen will sich mir, wieso sich eine Hardrockband "Nashville Pussy" nennt. Vielleicht erklärt es eine Aussage des Sängers Blaine Cartwright: "Die einst so fruchtbare US-Rockszene ist wie eine überfickte Fotze ausgetrocknet. ... Es wäre großartig, wenn wir UP THE DOSAGE in den Arsch meines Heimatlandes stecken könnten ... zuerst würde ich es aber noch mit Chillisauce einpinseln! Hoffentlich hilft uns SPV, den verrottenden Kadaver des amerikanischen Rock'n'Roll zu retten!" Ah ja, verstehe. Dafür haben zwei der Pussys zusammen mit anderen Musikern zuletzt aber eine Gospel-CD namens HAIL JESUS aufgenommen. Sieht da etwa irgendwer einen Widerspruch?
Dem Jubiläum angemessen zeigt sich die Januarausgabe von CLASSIC ROCK. Auf 34 Seiten wird das vierzigjährige Bestehen gewürdigt, mit einem spannenden Streifzug durch die vier Schaffensdekaden der, wie sie in den einschlägigen Magazinen zuweilen genannt wird, größten Rockband der Welt. Mit solchen Bezeichnungen sind Musikjournalisten gelegentlich schnell bei der Hand, wie auch die Rolling Stones wissen. Daß ich vor wenigen Jahren die Tour verpaßt habe, bei der beide Bands auftraten, ist schade. Ich mag die Stones, hätte AC/DC unterbewußt aber als den Headliner wahrgenommen.
Ansonsten kommt die vorliegende Ausgabe meines liebsten Musikmagazins recht mau daher. Hat das opulente Special möglichen weiteren Artikeln die Luft zum Atmen genommen? Denn danach sucht man vergeblich. Die Macher erschöpfen sich in Kurzberichten wie etwa über Black Sabbath und Roger Taylor oder in Einseitern zu Rush oder Boston. Allenfalls der Bericht über Münchens Circus Krone, wo auch die Stones schon aufgetreten sind, sticht noch ein wenig heraus.
Keinesfalls erschließen will sich mir, wieso sich eine Hardrockband "Nashville Pussy" nennt. Vielleicht erklärt es eine Aussage des Sängers Blaine Cartwright: "Die einst so fruchtbare US-Rockszene ist wie eine überfickte Fotze ausgetrocknet. ... Es wäre großartig, wenn wir UP THE DOSAGE in den Arsch meines Heimatlandes stecken könnten ... zuerst würde ich es aber noch mit Chillisauce einpinseln! Hoffentlich hilft uns SPV, den verrottenden Kadaver des amerikanischen Rock'n'Roll zu retten!" Ah ja, verstehe. Dafür haben zwei der Pussys zusammen mit anderen Musikern zuletzt aber eine Gospel-CD namens HAIL JESUS aufgenommen. Sieht da etwa irgendwer einen Widerspruch?
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