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Montag, 11. Juli 2016

Die Sprechblase 235

Das Comicmagazin „Die Sprechblase“ war Hansrudi Wäscher stets eng verbunden. Kein Wunder also, dass die aktuelle Ausgabe den Verstorbenen ausführlich würdigt. Mehr noch, das 100 Seiten dicke Heft entpuppt sich als Special rund um den Künstler, der verschiedene deutsche Comicklassiker wie Nick und Sigurd, Tibor und Falk, Roy Stark, Nizar, Bob & Ben schuf, für Bastei den Buffalo Bill ebenso zeichnete wie die Gespenstergeschichten.

Herausgeber Gerhard Förster geht dabei einen anderen Weg als gewohnt. Normalerweise versucht er soviel Text und Inhalt wie möglich auf kleinem Raum unterzubringen. Ohnehin liegt ihm meistens so viel Material vor, dass er nicht alles veröffentlichen kann, was er gern möchte, und oft genug Beiträge in die folgende Ausgabe verschieben muss. Diesmal jedoch gibt er Text und Bildern Raum zu atmen. Das stellt sich sowohl optisch gefällig als auch inhaltlich spannend, interessant und abwechslungsreich dar. Die meisten kleinen Geschichten und Anekdoten von und rund um HRW, die hier versammelt sind, sind mir neu und geben mir eine Menge mir bislang unbekannter Einblicke in das Leben des Künstlers, der nach dem Krieg maßgeblich dazu beitrug, den Comic in Deutschland populär zu machen, wenn auch gegen zahlreiche Widerstände.

„Wäschers Leben in kommentierten Bildern“, so die Überschrift des Ganzen, trifft es ausgezeichnet. Eine Fülle von Fotografien, Titelbildern und Comicauszügen vollzieht die Lebensgeschichte Wäschers vom kleinen Jungen bis zum mit diversen Preisen ausgezeichneten Idol einer ganzen Lesegeneration nach, von ersten öffentlichen Auftritten bis hin zum letzten Besuch der Intercomic. Dabei kommen interessante Details zutage. Wer weiß schon, dass HRW den Bill Cody, den er als Buffalo Bill zeichnete, unter anderem wegen dessen unmäßigen Büffeljagden als äußerst unsympathischen Menschen empfand? Genau wie ich, und das gefällt mir. Der Bogen spannt sich von Betrachtungen über Lehning und Hethke bis zum Ärger mit der Bundesprüfstelle und Wäschers Alterswerk.

Auch neben dem Hauptartikel ist HRW das zentrale Thema der vorliegenden Ausgabe: Gerhard Förster interviewt Wäscher-Verleger Manfred Wildfeuer, Klaus Papendorf befasst sich in „Mit flacher Klinge“ mit des Meisters Werk, und Herbert Heinzelmann erinnert sich in „Die Kunst im Keller“ an die Entdeckungen, die er bei einem Wäscher-Besuch machte. Der ehemalige Ren Dhark-Autor Ewald Fehlau, jahrzehntelang für Bastei tätig und dort mit Wäscher zusammenarbeitend, wagt den „Versuch einer Annäherung an ein unvergessenes Phänomen“. Gerhard Förster erinnert sich daran, wie der Kaplan seinen geliebten Sigurd in die Badewanne warf, und „Das Beste aus 13 Interviews mit Hansrudi Wäscher“ lässt einen schmunzeln, nachdenken und fast ein wenig melancholisch werden.

Und abseits von Herrn Wäscher? Gibt es wie üblich Harrys bunten Medienmix und eine Besprechung des neuen Comic-Preiskatalogs, dazu einen Blick auf den Künstler Philippe Druillet und seinen Weltraumhelden Lone Sloane, auf den amerikanischen Superheldencomic Secret Wars und auf ASH, die Austrian Superheroes. Ich gebe zu, neben der geballten Wäscher-Ladung interessierte mich der ohnehin nur marginale Rest diesmal eher wenig, doch allein der reich bebilderte Hauptartikel macht Spaß. Fazit: Eine sehr gelungene und im Hinblick auf Hansrudi Wäschers Tod mehr als würdige Ausgabe der Sprechblase.

Freitag, 11. April 2014

You are Number Six

Hansrudi Wäschers SIGURD wie Sechzig. Kein Wunder, daß sich die aktuelle Ausgabe des Comic-Magazins Sprechblase mit diesem Jubiläum beschäftigt. Andreas C. Knigge, der Autor der Wäscher-Biographie "Allmächtiger", steht Gerhard Förster Rede und Antwort. Dazu gibt es einen mehrseitigen Sigurd-Comic. Nicht aus der Feder des Altmeisters, sondern von Förster und Martin Frei. Der blonde Held kann seine Ähnlichkeit zum Original nicht leugnen, kommt mir, wie andere Figuren auch, aber ein wenig kantiger vor als bei Wäschers Pinselstrich.

Zahlreiche Comic-Neuerscheinungen werden besprochen und obligatorisch die Generation Lehning abgehandelt. Ich bin stets aufs Neue verblüfft, wie viel Wäscher wiederveröffentlicht wird, sei es im Wildfeuer Verlag, bei Ingraban Ewald, dem Nostalgiker Verlag oder beim rührigen Heinz Mohlberg. Die Stan Lee-Story wird mit Teil 3 fortgesetzt, und Macher aus der Comic-Szene äußern sich zum neuen Asterix. Dem stehe ich immer noch gespalten gegenüber. Im Vergleich zum zuvor erschienen Murks bedeutet er zwar fast einen Quantensprung, hechelt aber dennoch angezählt den besten Werken von Goscinny und Uderzo hinterher.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die aus den Sechziger Jahren stammende britische Fernsehserie "The Prisoner", die in Deutschland unter dem nicht weniger passenden Titel "Nummer 6" ausgestrahlt wurde. Ich habe den Artikel mit großem Interesse gelesen, denn die Serie klingt ziemlich interessant. Sie scheint mit Patrick McGoohan nicht nur einen außerordentlich charismatischen Hauptdarsteller gehabt zu haben, sondern auch inhaltlich über einiges zu verfügen, was ich mag. Umso verwunderlicher, daß ich nie damit in Berührung gekommen bin.

Doch hoppla, so ganz stimmt das wiederum nicht. Schließlich höre ich seit über dreißig Jahren Iron Maiden. Das Musikstück The Prisoner auf dem Maiden-Album "Number of the Beast" beginnt mit einem mysteriös klingenden Dialog zwischen zwei Personen mit Namen Number Two und Number Six. Daß es sich dabei um ein Sample jenes Dialogs handelt, der in der Fernsehserie am Ende des Vorspanns gesprochen wird, war mir nicht bewußt.

Obwohl "The Prisoner" es lediglich auf 17 Folgen brachte, gilt die Serie heute als ein Meilenstein der Fernsehunterhaltung und wird mit ihren Mystery-Elementen gar als einer der frühen Vorläufer von Akte X genannt. Da weiß ich doch, was als nächstes auf meiner DVD-Liste steht.

Sonntag, 11. August 2013

Die Sprechblase 227

Seit 1978 gibt es das Comicmagazin Die Sprechblase mittlerweile, seit stolzen 35 Jahren also, wie Herausgeber Gerhard Förster im Vorwort der aktuellen Ausgabe ausführt. Nach dem Tod Norbert Hethkes im April 2007 hat er das Magazin übernommen und Hethkes Arbeit mit fundierten Kenntnissen, großem Aufwand und viel Liebe fortgeführt. In jeder Ausgabe präsentiert Förster eine fast unüberschaubare Fülle an Informationen, Graphiken, Comics und mit Hintergrundwissen gespickten Artikeln.

So auch in der vorliegenden Nummer 227, die noch ein wenig umfangreicher ist als sonst und es auf satte 96 Seiten bringt. Ich gebe zu, ich habe nur einen Teil des Inhalts gelesen, den kleineren. Es ist einfach zu viel Material enthalten, als daß ich es mir zwischen den anderen Sachen, die ich lese, komplett zu Gemüte führen könnte. Zudem sind es für mich, der ich beileibe nicht der ausgemachte Comicfan bin - meine diesbezüglichen Vorlieben beziehen sich auf verschiedene Serien, die ich überwiegend noch aus den alten Zack-Zeiten kenne -, immer wieder nur Schlaglichter, die mich interessieren. Doch auch das spricht für und nicht gegen Die Sprechblase. Durch den breit gestreuten Inhalt dürfte jeder, der auch nur eine ansatzweise Affinität zu Comics hat, für sich etwas darin finden.

Mich sprach in der aktuellen Ausgabe vor allem der 1. Teil der Stan Lee-Story an. Der Mann, aus dessen Ideenschmiede Comic-Heroen wie Spider-Man und die X-Men stammen, die Fantastischen Vier, die Avengers, Daredevil, Thor, Hulk und Iron Man, ist mittlerweile 90 und immer noch vielseitig aktiv. Auf 12 Seiten, wie immer reichlich mit Illustrationen garniert, ist es einmal mehr Stefan Meduna, der einen gleichermaßen kompetenten wie lesenswerten Artikel liefert. Hier geht es explizit um Stanley Martin Liebers - so heißt Stan Lee nämlich mit Geburtsnamen - frühen Jahre, die für den späteren Comic-Superstar alles andere als ein Zuckerschlecken waren. Ich freue mich auf die Fortsetzungen in den kommenden Ausgaben.

Wie gesagt, es ist unmöglich, auf den gesamten Inhalt einzugehen. Da geht es um Walter Neugebauers bebilderten Winnetou, um das Lehning-Phantom Harry Ehrt, um Prinz Eisenherz, Tarzan und Capitan Terror. Es gibt ein Interview mit Émile Bravo, Material zu Don Camillo und Peppone sowie den 6. Teil der Lurchi-Chronik. Den habe ich mir wie den Stan Lee-Artikel vom Anfang bis zum Ende reingezogen. Schließlich gab es, als ich ein kleiner Junge war, für meine Eltern beim Schuhkauf eine unabdingbare Pflicht. Kein anderes als ein Salamander-Schuhgeschäft kam in Frage. Denn dort gab es nicht nur Schuhe, sondern immer auch den neuesten Comic mit Salamander Lurchi und seinen Freunden.

Samstag, 26. Januar 2013

Die Sprechblase 226

Mit 80 prall gefüllten Seiten legt der Wiener Gerhard Förster wieder eine rappelvolle Ausgabe der Sprechblase vor. Es war, wie er anmerkt, so viel Material vorhanden, daß ein Teil auf die nächste Ausgabe verschoben werden mußte. Inhaltlich wird eine Menge geboten, die Qualität der zahlreichen Beiträge ist gewohnt hoch.

Zwei Herzstücke finden sich diesmal. Das ist zum einen eine Hommage an den mir völlig unbekannten Künstler Josep Marti Capell, dessen Geschichten sich quer durch sämtliche Genres erstrecken. In Deutschland veröffentlichte er unter anderem in Fix und Foxy sowie Yps und lieferte sämtliche Zeichnungen für die Comic-Geschichten der TKKG-Romane. Anfang der Achtziger Jahre produzierte er zwei Episoden für den SF-Funnie Mischa. Als echte Raritäten finden sie sich in der zu dieser Sprechblase beigelegten 3. Ausgabe der Kleinen Sprechblase.

Das andere Highlight ist ein umfangreicher Artikel mit dem Titel "Der unbekannte Asterix". Er beschäftigt sich mit so genannten Raubcomics, speziell am Beispiel von Asterix. Das hatte schon anarchistischen Charakter, was ein Künstler vor über dreißig Jahren tat. Er nahm Uderzos Asterix-Abenteuer, montierte die Bilder zu neuen Geschichten um und versah sie mit eigenen Texten, was Herrn Uderzo verständlicherweise gar nicht recht war. Das erfolgreichste dieser Werke war "Asterix und das Atomkraftwerk", das es Schätzungen zufolge auf dem Schwarzmarkt zu einer sechsstelligen Auflagenhöhe brachte. Ein höchst lesenswerter Beitrag, der mir an der einen oder anderen Stelle ein Grinsen ins Gesicht lockte, obwohl ich wahrlich kein Freund von Raubkopien, Plagiaten und unlizensierten Nachahmungen bin. Die Identität besagten Künstlers bleibt dem Publikum übrigens bis heute verborgen.

Ein weiterer mehrseitiger Schwerpunkt liegt auf der Piratengeschichte Der rote Korsar, die ich noch aus der Zack-Ära der Achtziger Jahre kenne. Abgerundet wird die vorliegende Ausgabe der SB durch den abschließenden 23. Teil eines Fenrir-Abenteuers von Hansrudi Wäscher.

Sonntag, 7. Oktober 2012

Die Sprechblase 225

Auf 80 Seiten bietet die neue Ausgabe des Magazin für bunte Bilder wieder Artikel und zahlreiche Informationen zu aktuellen und klassischen Comics. Ein Drittel des Umfangs macht diesmal ein Special über Albert Weinberg aus. Die Sprechblase widmet sich dem im vergangenen Jahr verstorbenen Belgier und seiner bekanntesten Comicfigur, dem kanadischen Piloten Dan Cooper, in ausführlicher Manier. Sehr schön.

Einen netten, wenn leider auch nur einseitigen Artikel gibt es zu Rick Master, den ich wie Dan Cooper in den Siebziger und Achtziger Jahren in Zack gelesen habe. Comicadaptionen zu James Bond werden ebenso beleuchtet wie solche zu Karl May. Der Leser findet Besprechungen zu neu erschienenen Comics, einen Artikel über Pecos Bill und einen Bericht zum 15. Internationalen Comicsalon in Erlangen. Comics selbst gibt es ebenfalls, nämlich einen Michel Vaillant aus dem Jahre 1957, einen Pecos Bill und einen Fenrir von Hansrudi Wäscher.

Ich werde auch genannt. In der regelmäßigen Rubrik Generation Lehning geht Gerhard Förster auf meinen Band 1 der angekündigten Romanadaptionen von Wäschers Nick ein. »Mehnert ist übrigens auch ein etablierter Autor von Perry Rhodan und anderen Romanserien«, schreibt Förster. Das allerdings sehe ich anders. Ich mag durchaus ein etablierter Autor von Ren Dhark sein, nicht jedoch von Perry Rhodan. Etablierte Autoren von Rhodan sind für mich solche, die sich über Jahre in der Erstauflage verdient gemacht haben, jedoch keine die wie ich nur für Ableger wie Perry Rhodan Action und Nebenserien wie Atlan tätig sind oder die wie andere Perry Rhodan als Perry Rhodan Neo einen Neuaufguß geben.

Ich lese nicht die gesamte Sprechblase durch. Manche Artikel überfliege ich, andere überblättere ich gar. Der Großteil des Inhalts interessiert mich aber, und mir gefällt, daß das Magazin durchgehend reich bebildert ist. Als Beilage gibt es zum zweiten mal Die kleine Sprechblase, diesmal mit zwei Westernraritäten.