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Samstag, 12. Mai 2018

Andreas Findig 1961 - 2018

Der österreichische Schriftsteller Andreas Findig war nur wenige Monate älter als ich. Er wurde am 4. August 1961 in Linz geboren und starb, wie ich eben erfuhr, am 10. Mai 2018 in seiner Wahlheimat Wien. Ich wusste nicht, dass er krank war, umso überraschender traf mich die Nachricht.

Andreas begann seine Autorenkarriere mit Kurzgeschichten, Erzählungen und Kinderbüchern. Er verfasste einen Gedichtband und mehrere Erzählbände, außerdem Hörspiele für den WDR und Rias Berlin. Als Journalist schrieb er für die Neue Zürcher Zeitung und die Wiener Zeitung.

Im Jahre 1999 veröffentlichte er ein Perry Rhodan-Kinderbuch mit Titel Lausbiber-Alarm, das sich um den Mausbiber Gucky drehte. In den folgenden beiden Jahr verfasste er vier Romane für die Perry Rhodan-Serie, nachdem ihm bereits 1991 der Deutsche Science Fiction Preis für seine Erzählung Gödel geht verliehen worden war.

Ich lernte Andreas auf dem ZielsternCon im Januar 2005 in Wien kennen. Wenn ich mich richtig erinnere, war es das einzige Mal, dass wir uns persönlich trafen. Von jenem Con habe ich ihn als freundlich, offenherzig und sehr sympathisch in Erinnerung. Ich erinnere mich daran, dass er mich und das Kölner Urgestein Helmut Freisinger nachts durch eine Reihe von Wiener Lokalen führte, in denen wir zusammen eine Menge Spaß hatten. Dass Andreas nun, mit gerade einmal 56 Jahren, gestorben ist, ist irgendwie unwirklich.

Freitag, 4. Mai 2018

Wolfgang Völz 1930 - 2018

Wolfgang Völz ist gestorben, wie ich vorhin las. Mein erster Gedanke war: Wieder ist einer aus der legendären Orion-Crew gegangen! Denn bei all seinen Film- und Fernsehrollen, bei seinen Theaterauftritten und seiner Tätigkeit als Synchron- und Hörspielsprecher, sehe ich Völz immer als Leutnant Mario de Monti vor mir, den Armierungsoffizier des schnellen Raumkreuzers Orion in der deutschen Science Fiction-Serie Raumpatrouille aus den Sechziger Jahren. Wie habe ich die verwegene Truppe als kleiner Junge geliebt. Ich weiß nicht, wie oft ich den Siebenteiler bis heute gesehen habe. Die Orion und ihre Mannschaft waren mitverantwortlich für meine SF-Leidenschaft.
 
Einmal begegnete ich Wolfgang Völz, rein zufällig irgendwo auf der Straße. Ich bin mir gar nicht mehr sicher, wo das war. Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, geschah es 2010 während des Austriacons in Wien. Es könnte aber auch ein paar Jahre davor bei einem Besuch in Prag gewesen sein. Völz kam mir entgegen, und ich erkannte ihn sofort. Ich brachte es sogar fertig, ihn anzusprechen. Es war ihm weder peinlich, noch fühlte er sich genervt. Zumindest ließ er sich davon nichts anmerken. Es folgte zwar nur ein kurzes Gespräch, aber ich konnte nicht anders, als nach einer möglichen Orion-Fortsetzung zu fragen. Typisch Nerd halt! Da allerdings schlug er, wenn auch nicht buchstäblich, die Hände über dem Kopf zusammen und verzog das Gesicht. Völz erwiderte irgendwas in der Art von: Die Zeiten sind endgültig vorbei.
 

Sonntag, 25. März 2018

Uwe Helmut Grave 1955- 2018

Als ich anno 2001 fest zum Ren Dhark-Team stieß – mein erster Roman erschien im August 2001, eine Kurzgeschichte war bereits 2000 veröffentlicht worden –, bestand eben jenes Team aus Hajo F. Breuer, Manfred Weinland, Werner Kurt Giesa, Konrad Schaef und Uwe Helmut Grave. Altmeister Schaef war mir natürlich ebenso bekannt wie Zamorra-Mastermind Giesa und der umtriebige Weinland. Von allen drei Autoren hatte ich abseits von Ren Dhark schon den einen oder anderen Roman gelesen. Breuer und Grave hingegen waren mir völlig unbekannt.

Ich erfuhr, dass beide zuvor schon bei Bastei zusammengearbeitet hatten, als Geschichtenentwickler und Skriptautoren für die legendären Gespenstergeschichten. Als feststand, dass es nach der erfolgreichen Neuauflage Ren Dharks im HJB-Verlag mit neuen Abenteuern weitergeht und Hajo F. Breuer diese betreuen wird, nahm er Uwe Helmut Grave gleich mit ins Boot – eine gute Entscheidung, wie sich schnell zeigte, denn UHG, wie er von seinen Lesern meist genannt wurde, war aus der Serie schon bald nicht mehr wegzudenken.
 
Als Neuling im SF-Bereich schrieb Uwe gleich am ersten Buch mit, und von da an blieb er kontinuierlich dabei. Er leistete in den folgenden Jahren zu jedem Buch der Hauptserie seinen Beitrag. Eins seiner hervorstechenden Merkmale war sein teilweise skurriler Humor, der ihm so manchen Fan bescherte. Nicht selten diskutierten die Leser im Ren Dhark-Forum seine neuesten überbordenden humoristischen Kapriolen, zuweilen musste er diesbezüglich sogar vom Herausgeber gebremst werden.
 
Zum ersten Mal persönlich begegnete mir Uwe Helmut Grave 2001 in Mönchengladbach im Hotel Mercure beim großen Ren Dhark-Meeting, bei dem sich Macher und Leser trafen. Er saß damals mit den anderen Koryphäen auf der Bühne, ich noch im Publikum. Bei unseren folgenden Begegnungen saßen wir dann immer gemeinsam – entweder im Konferenzraum oder auf einem Podium. Dabei konnte er gleichermaßen ernst und nachdenklich sein wie auch augenzwinkernd humorig wie in seinen Geschichten.
 
In den ersten fünfzehn Jahren der Ren Dhark-Fortschreibung steuerte Uwe sagenhafte 90 Beiträge zur Hauptserie bei. Dazu kamen weitere 15 Romane für die Spin off-Serien in Paperback-Form, außerdem zwei abgeschlossene Ren Dhark-Sonderbände und 6 Kurzgeschichten. Dann, nur wenige Monate nach dem Tod von Exposé-Autor Hajo F. Breuer, traf ihn eine schwere Krankheit, die er nur knapp überlebte und die eine weitere regelmäßige schriftstellerische Tätigkeit unmöglich machte. Uwe schied daraufhin aus dem Autoren-Team aus. Zwar ging es ihm später besser, fest stand jedoch auch, dass er die Krankheit niemals ganz würde überwinden können.
 
Uwe Helmut Graves letzter Beitrag für Ren Dhark erschien im April 2015. Da ich diese Zeilen schreibe, kann ich kaum glauben, dass seitdem schon drei Jahre vergangen sind. Seinen Romananteil für Weg ins Weltall 54 Im Namen der Murip konnte er nicht mehr zu Ende führen – was ich dann schweren Herzens an seiner Stelle tat. Nach seinem Ausstieg aus dem Team verloren wir uns nie aus den Augen. Zwar trafen wir uns nicht mehr persönlich, blieben aber per Mail in Kontakt und führten (leider seltene) Telefonate.
 
Uwe Helmut Grave verstarb in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar, kurz nach seinem 63. Geburtstag. Von dem tollen Team, in das ich vor 18 Jahren aufgenommen wurde, hat uns nach Werner Kurt Giesa und Hajo F. Breuer mit Uwe bereits der dritte Autor verlassen. Für seine Leser bleibt UHG mit über einhundert Romanbeiträgen allein für Ren Dhark lebendig.

Freitag, 6. Oktober 2017

Vanessa Busse 1980 - 2017

Als ich gestern von Vanessa Busses Tod erfuhr, kam diese Nachricht nicht überraschend für mich, denn leider war damit zu rechnen gewesen. Das ändert jedoch nichts an der Betroffenheit, die sie bei mir auslöste. Es ist traurig, wenn ein Kollege oder eine Kollegin stirbt, mit der man, wenn auch nur kurzzeitig, eng zusammengearbeitet hat. Und es gibt einem richtig zu denken, wenn es sich wie im Fall von Vanessa um einen noch so jungen Menschen handelt.

Wenn ich eingangs schrieb, dass mich ihr Tod nicht überraschte, so soll das keinesfalls kaltherzig klingen. Es ist nur so, dass Vanessa bereits seit längerer Zeit gegen eine schwere Krankheit ankämpfte, mit der sie nach außen hin offen und ehrlich umging. Sie verkroch sich nicht in ein stilles Kämmerlein, sondern ließ die Öffentlichkeit mutig am Verlauf der Krankheit und den zahlreichen Behandlungen teilhaben, auch in jüngster Zeit, als ihr Gesundheitszustand sich dramatisch verschlechterte.

Ich lernte Vanessa, wenn auch anfangs nicht persönlich, kennen, als ich einwilligte, an der Neuschreibung der in Jörg Kaegelmanns Blitz-Verlag erscheinenden Serie Raumschiff Promet - Von Stern zu Stern mitzuarbeiten. Bei meinem Einstieg hatte Vanessa bereits einen Roman, die Nummer 3 mit Titel Dunkle Energie, verfasst, und auch das folgende vierte Taschenbuch stammte aus ihrer Feder. In der Folgezeit steuerte sie erst einmal keine weiteren Romane zur Serie bei, da sie für die anderen Autoren die Exposés erstellte. Exposés, die mir, wie ich dem Herausgeber damals schon sagte, gut gefielen. Taschenbuch Nummer 10, der kleine Jubiläumsband, stammte dann wieder aus ihrer Feder.

Persönlich begegnete ich Vanessa eine Weile nach ihren ersten beiden Promet-Romanen. Unser einziges Zusammentreffen fand im November 2013 statt, auf der 74. Intercomic-Messe in Köln, wo ihr im Verlag Peter Hopf geplanter Science Fiction-Roman Das Vermächtnis des Arun angekündigt wurde. Ich erinnere mich an sie als eine freundliche und begeisterte junge Frau, sympathisch und ständig lächelnd. Sie genoss das noch relativ neue Autorendasein.

Noch im gleichen Monat gab sie dem Online-Magazin Zauberspiegel ein Interview, das hier nachzulesen ist:
http://www.zauberspiegel-online.de/index.php/frage-antwort/im-gesprch-mit-mainmenu-179/22107-vanessa-busse-ueber-raumschiff-promet-science-fiction-und-kleinverlage

Vanessa freute sich darauf, künftig mehr schreiben zu können, sowohl allein als auch zusammen mit ihrem Lebensgefährten Alfred Wallon. Leider kam es anders. Die Krankheit machte Vanessa einen Strich durch die Rechnung. Oben genannter Band 10 mit Titel Entscheidung: Risiko blieb ihr letzter Roman für Promet. Die Krankheit machte sich bemerkbar, und das vehement. Obwohl Vanessa mit Begeisterung für die Serie arbeitete, musste sie massiv zurückstecken. Es war ihr weder möglich, weiterhin die Expos zu verfassen noch eigene Romane zu schreiben. Wie ihr Leben blieb auch ihre Laufbahn als Autorin viel zu kurz.

Vanessa Busse, am 1.10.1980 geboren, starb am 5.10.2017. Sie wurde nur 37 Jahre alt.




 

Donnerstag, 21. September 2017

Kölner Urgestein Helmut Freisinger verstorben

Vorhin teilte mir ein gemeinsamer Bekannter mit, dass der Kölner Tausendsassa Helmut Freisinger gestorben ist. Ich musste erst einmal schlucken und dann nachfragen, denn diese schlechte Nachricht überraschte mich doch sehr. Ich kannte Helmut schon so lange, dass ich mich nicht daran erinnern kann, wann und wo wir uns kennengelernt haben. Natürlich stand es in Zusammenhang mit der Kölner SF-Szene. Gut möglich, dass unsere ersten Begegnungen beim Kölner SF-Stammtisch stattfanden. Es ist sogar sehr wahrscheinlich. Er war Perry Rhodan-Leser, SF-Fan und Sammler.

Und natürlich begeisterter Congänger. Für mich ist Helmut nicht nur ein Coloniacon-Urgestein, er besuchte in den letzten Dekaden auch alle möglichen Cons in ganz Deutschland. Ich weiß nicht, wie oft wir auf solchen Veranstaltungen oder auch auf der Intercomic das eine oder andere Bier zusammen tranken. Es waren nicht wenige. An eine Begebenheit, die zehn oder mehr Jahre zurückliegt, muss ich immer wieder zurückdenken. Sie dürfte sich beim Garching-Con zugetragen haben oder beim Austria-Con in Wien.

Zu unserem Hotel gehörte ein Kelleretablissement, eine Mischung aus Kneipe und Disco, wo wir nachts mit weiteren Con-Besuchern einkehrten. Der Laden war leidlich gut besucht, und wie üblich sprachen wir dem Bier ebenfalls leidlich gut zu. Es lief schreckliche Musik der Art aus den aktuellen Charts. Das überwiegend jüngere Publikum stand um die Tanzfläche herum, getanzt hat niemand. Nach einer Weile konnte Helmut als alter Rockmusikfan das Gedudel nicht mehr ertragen. In seiner unbekümmerten, offenherzigen Art fragte er den DJ, ob dieser nicht etwas anderes spielen könne. Nach einem kurzen Gespräch liefen plötzlich die Rolling Stones und danach nur noch Rockmusik. Plötzlich stand Helmut ganz allein mitten auf der Tanzfläche, umgeben von jungen Leuten, die den alten Mann verwundert beäugten. Helmut wäre nicht Helmut, hätte er sich davon abschrecken lassen. Im Gegenteil, in charmanter Weise animierte er das junge Publikum, das sich wenig später geschlossen auf der Tanzfläche austobte.


Helmut und ich auf dem Perry Rhodan Weltcon 2011
Beinahe wäre Helmut selbst zum Berufsmusiker geworden. Die legendäre und bis heute aktive Kölner Mundartband Bläck Fööss ging 1970 aus mehreren schon in den Sechziger Jahren aktiven Bands hervor. Eine davon waren die Beat Stones, in der nicht nur der heute immer noch bei den Fööss aktive Erry Stoklosa spielte, sondern eben auch Helmut Freisinger. Unter dem Künstlernamen Misery spielte er die Sologitarre. Helmut erzählte mir einmal scherzhaft, die anderen hätten sich dazu entschieden, Musiker zu werden, er selbst sei hingegen Perry Rhodan-Leser geworden. Tatsächlich stieg er jedoch bei den Beat Stones aus, um sich auf den vor ihm liegenden bürgerlichen Beruf zu konzentrieren.

Helmut gehörte zur Nachkriegsgeneration, er wurde in den späten Vierziger Jahren geboren. Wann genau, ist mir nicht bekannt. Seiner Leidenschaft, Cons, den Stammtisch und die Intercomic zu besuchen, frönte er schließlich auch als Rentner noch. Seit einer Weile machte er sich allerdings rar. Ein paar Molesten machten ihm zu schaffen, vor allem aber konnte er seine schwerkranke Frau, die ständiger Pflege bedurfte, nicht mehr allein lassen.

Nach Winfried Brand ist mit Helmut Freisinger der zweite ehemaliger Stammtischler von uns gegangen. Ich hoffe, die beiden können irgendwo zusammen ein Bier trinken. Mir sin uns widder, leeve Jung.


Helmut "Misery" Freisinger (4. von links.), Graham Bonney und die Bläck Fööss.

 

Mittwoch, 10. Mai 2017

Hundertster Geburtstag Kurt Brand

Der deutsche Schriftsteller Kurt Brand wurde am 10. Mai 1917 geborgen. Heute wäre der in Wuppertal geborene Mann, der zwei eigene Science Fiction-Serien erdachte und aus der Taufe hob, 100 Jahre alt geworden. Er starb jedoch 1991 im Alter von 74 Jahren in seiner Wahlheimat Kaltern in Südtirol.

Bevor Kurt Brands Laufbahn als Schriftsteller Fahrt aufnahm, baute er nach dem 2. Weltkrieg in Köln zunächst die größte private Leihbücherei Deutschlands auf. Nachdem er diese aus finanziellen Gründen aufgeben musste, veröffentlichte er bereits in den Fünfziger Jahren seine ersten Science Fiction-Romane, wodurch er heute zu den Pionieren der deutschen SF-Szene zählt. Daneben schrieb er aber auch zahlreiche Western, Krimis und Abenteuerromane unter einer ganzen Reihe von Pseudonymen.


In der Frühzeit der Perry Rhodan-Serie gehörte er zu deren Autorenteam und verfasste knapp vierzig Romane für den Erben des Universums. Zudem stammt ein Rhodan-Planetenroman aus seiner Feder, und er schnupperte in die neue Atlan-Heftserie hinein. Doch bereits 1965 schied er bei Perry Rhodan wieder aus - im Streit, wie es heißt.

Mit der SF-Erfahrung und seiner Reputation als Heftromanautor kam Kurt Brand danach auf die Idee, seine eigenen Serien zu gestalten. So schuf er Anfang der Siebziger Jahre Raumschiff Promet, zunächst unter dem Serientitel Arn Borul - Von Stern zu Stern. Die Promet fliegt noch heute, und zwar sowohl als Neuschreibung der klassischen Abenteuer als auch mit neuen Geschichten.

Kurt Brands größter Erfolg war jedoch die Ren Dhark-Serie, die von 1966 bis 1969 lief. Mit Band 98 stellte der Kelter-Verlag die Serie ein, obwohl noch eine Menge Potential vorhanden war, wie der heutige Erfolg der seit Jahren laufenden Ren Dhark-Fortsetzungen in Buchform zeigt. Doch damals sah es offenbar anders aus.

Später verfasste er noch zahlreiche Einzelromane und Mini-Zyklen im Bereich der Science Fiction. Er hinterließ Fußspuren bei Terra, der Zeitkugel, Professor Zamorra, Kommissar X, Fledermaus, Checkpart 2000, Geister-Krimi, Gespenster-Krimi, Mondstation 1999 und Jerry Cotton. Schätzungen zufolge schrieb und veröffentlichte Kurt Brand zwischen 900 und 1000 Romanen.

Wenn ich mich recht erinnere, sah ich Kurt Brand ein einziges Mal. Auf dem Perry Rhodan Weltcon in Karlsruhe muss das gewesen sein. Meine Verbindung zu ihm besteht natürlich in der Mitarbeit an den heutigen Fortsetzungen seiner beiden Serien. Für Raumschiff Promet habe ich rund zwei Dutzend Romane geschrieben, und bei Ren Dhark gehöre ich seit fünfzehn Jahren zum Autorenteam. Heute erhebe ich das Glas auf Kurt Brand, seine Produktivität und seine umfangreiche literarische Hinterlassenschaft.

Freitag, 5. Mai 2017

A.R. Penck 1939 - 2017

Der bekannte und bedeutende deutsche Künstler A. R. Penck wurde 1939 in Dresden geboren. Sein bürgerlicher Name lautete Ralf Winkler. Er war Maler, Grafiker, Bildhauer und Jazzmusiker und benutzte auch die Pseudonyme Mike Hammer, Mickey Spilane und Theodor Marx. Seine Werke stehen heute in verschiedenen Museen und Kunstinstituten in Hamburg, Frankfurt, Zürich, Amsterdam Straßburg und New York. A. R. Penck starb am 02.05.2017 in Zürich. Er wurde 77 Jahre alt.

Mir ist sein Name aus dem Umfeld der Perry Rhodan-Serie bekannt. Für die 1993 im Zsolnay-Verlag erschienene Perry Rhodan-Kunstedition entwarf Penck die Umschläge und weitere Illustrationen für die ersten fünf Bücher. Die dritte Macht, Das Mutanten-Korps, Der Unsterbliche, Der kosmische Lockvogel und Vorstoß nach Arkon erschienen in einer roten Holzkassette, die heute noch in meinem Bücherregal steht.

Donnerstag, 13. April 2017

Waldemar Kumming 1924 - 2017

In der deutschen Science Fiction-Szene gehörte Waldemar Kumming, geboren am 31. Juli 1924, zu den Urgesteinen. Untrennbar verbunden ist sein Name mit dem Fanzine Munich Round Up, das er 1958 mit einigen anderen Fans aus der Taufe hob. MRU, wie es abgekürzt wurde, widmete er sich über fünfzig Jahre lang. Ich erinnere mich daran, in den Achtziger Jahren die eine oder andere Ausgabe in der Hand gehabt zu haben.

Überhaupt war Waldemar Kumming über Dekaden im nationalen wie im internationalen Fandom aktiv. So war er auf zahlreichen SF-Cons anzutreffen, beispielsweise auf den Jahrescons des Science Fiction Club Deutschland oder auf verschiedenen Worldcons. Ich habe ihn – auch das muss in den Achtziger Jahren gewesen sein – ein paar Mal gesehen, doch stets nur aus der Ferne. Zu einem persönlichen Kontakt kam es nie.

Waldemar Kumming wurde auf dem Worldcon 2005 mit dem Big Heart Award für seine internationalen Aktivitäten ausgezeichnet. Er starb, wie erst jetzt bekannt wurde, bereits am 5. April 2017. Waldemar wurde 92 Jahre alt.

Montag, 3. April 2017

Kölner Szenewirt Clemens Böll gestorben

Wenn in Zusammenhang mit Köln der Name Böll fällt, denkt man unwillkürlich an Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll. Doch auch dessen Neffe ist eine stadtbekannte Kölner Persönlichkeit. Clemens Böll hat sich über rund vier Dekaden einen Namen in der Kölner Kneipenszene gemacht.

Bekannte Namen haben die Läden, an deren Eröffnung er beteiligt war oder die er bewirtete, beispielsweise das Alcazar, das Tingel Tangel und am Barbarossaplatz der Rockschuppen Luxor. Und natürlich das Chlodwig-Eck, für mich ganz besonders das Chlodwig-Eck, nur einen Steinwurf entfernt vom Chlodwigplatz am Eingang zur Annostraße gelegen, gleich neben dem dortigen Obdachlosenasyl und mit Blick aufs Severinstor.

Ich lernte das Chlodwig-Eck in den frühen Achtziger Jahren kennen. Wenige Fußminuten weiter, im Humboldt-Gymnasium, kämpfte ich mich durch meine Oberstufenzeit. Statt dem Unterrichtsstoff zu folgen, begab ich mich oft genug schon vormittags ins Chlodwig-Eck, mit T. und O., und wir hingen dort ab, weil auch die BAP-Musiker zu Beginn ihrer Karriere dort ihr Wohnzimmer aufgeschlagen hatten.

Sicher hat uns Clemens damals so manches Kölsch serviert, wenn ich auch gestehen muss, mich heute nicht mehr an ihn hinter der Theke erinnern zu können. Nun ist Clemens Böll im Alter von 71 Jahren gestorben. Mit ihm geht ein Stück Kölner Kneipenkultur, obwohl das Chlodwig-Eck schon lange ohne ihn weiterbesteht. In Köln wurde schon zu Clemens Bölls Lebzeiten ein Bier nach ihm benannt, das Böll-Bier.

Mittwoch, 8. März 2017

Michael H. Buchholz 1957 - 2017

Ich konnte es kaum glauben, als ich vor einer Stunde erfuhr, dass Michael H. Buchholz gestorben ist. Ich wusste nicht, dass er anscheinend schon länger schwer krank war. Kein Wunder, ich kannte ihn kaum.

Wir sind uns bei irgendwelchen Veranstaltungen zwei oder drei Mal persönlich über den Weg gelaufen, beispielsweise beim Perry Rhodan Weltcon 2011 in Mannheim, haben bei diesen flüchtigen Begegnungen aber nicht mehr als ein paar Sätze gewechselt.

Als Autor war Michael in der Science Fiction-Szene wohl schon länger aktiv, so schrieb er einige Beiträge zu den Atlan-Miniserien. Richtig bewusst wurde mir sein Name aber erst im Zuge der Atlan-Taschenbücher, als er, ich und Rüdiger Schaefer 2007 die Rudyn-Trilogie schrieben. Es war unsere erste und einzige Zusammenarbeit.

Zuletzt verfasste Michael die Exposés für Perry Rhodan Neo, die Neuschreibung der Perry Rhodan-Serie. Dies tat er seit etwa zwei Jahren gemeinsam mit Rüdiger Schaefer. Mit Michael verliert die Szene einen weiteren kreativen Kopf. Michael H. Buchholz starb am 6. März 2017, wenige Tage vor seinem 60. Geburtstag.

Montag, 27. Februar 2017

Harry Messerschmidt 1947 - 2017

Harry Messerschmidts Interesse am Zeichnen wurde durch die Comics der Fünfziger Jahre geweckt, und er entwickelte eine große Liebe für Piccolos. Beides sollte ihn sein Leben lang begleiten. Schon in jungen Jahren zeichnete er in der Schule seine ersten Motive, Science Fiction, Fantasy, Dschungelabenteuer, Western und Historie.
 
All diese Themen brachte er später in seine Zeichnungen und Cartoons ein – und in seine eigenen Piccolos, von denen weit über hundert Ausgaben erschienen. Daneben fertigte er Innenillustrationen für verschiedene Science Fiction-Serien an, unter anderem für Perry Rhodan.
 
Harry, am 14. Januar 1947 geboren, starb vor wenigen Tagen. Persönlich kennengelernt habe ich ihn nie, ich erinnere mich nur an zwei oder drei kurze, aber schon Jahre zurückliegende Mail-Wechsel. Er wurde 70 Jahre alt, hatte aber noch lange nicht ans Aufhören gedacht. Mit Harry Messerschmidt geht der Szene ein begeisterter und kreativer Kopf verloren.

Dienstag, 27. Dezember 2016

Carrie Fisher 1956 - 2016

Das Jahr 2016 hat bis kurz vor seinem Ende wirklich blindwütig in alle Richtungen ausgekeilt, und ich mag keine Nachrufe mehr schreiben. Es erwischte von mir gern gelesene Autoren der deutschen Phantastik wie Manfred Borchard und Malte Schulz-Sembten, gern gesehene Schauspieler wie Götz George, gern gehörte Musiker wie Glenn Frey und Jimmy Bain und großartige Fußballspieler wie Hannes Löhr und Johan Cruyff - und sogar gern gemochte persönliche Bekannte.

Was mit David Bowie begann, endete mit Rick Parfitt und George Michael. Zumindest dachte ich das bis vor wenigen Stunden, doch dann schlug dieses garstig-böse Jahr noch einmal zu. Heute verstarb mit Carrie Fisher auch meine Prinzessin. Ja, wieso eigentlich meine Prinzessin?

Als "Star Wars" 1977 ins Kino kam, war Luke Skywalker dem kleinen Achim altersmäßig am nächsten. Zumindest kam es mir so vor. Tatsächlich war er natürlich wesentlich älter als ich. Viel cooler fand ich ohnehin Han Solo, der mit der Waffe in der Hand ein Draufgänger ganz nach meinem Geschmack war. Han allein gegen den Rest der Welt, und nichts konnte ihn aufhalten - dachte ich zumindest bis zum zweiten Film. Und dann war da noch, ach ja, richtig, diese Prinzessin namens Leia. Die hat auch geballert, aber sie war halt nur ein Mädchen und Staffage neben den Jungs. Und überhaupt habe ich mich zu der Zeit noch viel mehr fürs Fußballspielen interessiert als für Mädchen.

Drei Jahre später folgte "Das Imperium schlägt zurück". Inzwischen sah ich die Welt teilweise mit anderen Augen als noch beim ersten Film der Trilogie. Han war immer noch der Coolste, aber viel hübscher und süßer als Han war Leia. So musste ein Prinzessin sein. Nicht mit einem Krönchen auf dem Kopf, sondern mit einer Strahlenwaffe in der Hand. Sie besaß Charme und Lieblichkeit, zugleich aber auch die knallharten Argumente einer starken Frau gegen die Imperialen Truppen. Sie war hinreißend, bezaubernd. Ich begriff gar nicht, wie ich das im ersten Teil hatte übersehen können. Ich glaube, ich war hin und weg. War ich vielleicht sogar ein bisschen eifersüchtig auf Han, weil er Leia kriegte? Ich glaube nicht, aber man weiß ja nie. Jedenfalls war von da an Leia meine Prinzessin. Sie war viel hübscher und viel cooler als alle Mädels in meiner Jahrgangsstufe.

Anlässlich des letzten Star Wars-Films (nicht dieses aktuelle Rogue-Ding) sah ich Carrie Fisher als Gast bei einer Talkshow, eine sympathische Frau, die gleich wieder mein Herz eroberte. Sie und Leia waren in Würde gealtert, ohne irgendeinem schauderhaften Jugendwahn hinterher zu hecheln. Ich spekulierte sogar darauf, dass sie vielleicht im nächsten Film, gemeinsam mit ihrem Filmbruder Luke, wieder dabei sein wird. Daraus wird nichts mehr - aber meine Prinzessin ist sie immer noch.

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Abschied von Winfried Brand

Das Wetter hatte sich herausgeputzt. Blauer Himmel und strahlender Sonnenschein waren dabei, als die Trauergemeinde dem vor gut einer Woche verstorbenen Winfried Brand gestern das letzte Geleit gab. Es gibt Leute, die der Meinung sind, ein wolkenverhangener Himmel bilde die passende Rahmenbedingung für eine Beerdigung. Ich brauche aber keine Rahmenbedingungen, die aufs Gemüt drücken. Den Abschied von einem Menschen, den man eine lange Zeit kannte, ist trist und grau genug. Da darf gern die Sonne lachen.

Ein katholischer Pfarrer hielt die Ansprache in der Trauerhalle des Longericher Friedhofs. Longerich, das ist der Stadtteil, aus dem Winy stammte. Der Bitte der Familie folgend, trat der Priester sehr leger auf. Er verzichtete, da Winy schon vor langer Zeit aus der Kirche ausgetreten war, weitgehend auf seine Tracht sowie auf Brimborium der katholischen Kirche. So gab es auch keine Messe mit irgendwelchen rituellen Abläufen. Die Trauerrede war einerseits weltlich gehalten, stand aber andererseits im Zeichen des Kreuzes und war Christentum und christlichen Werten verpflichtet. Der Spagat des Pfarrers gelang. Ich empfand seine Trauerrede als sehr angenehm. Ich denke, sie wäre in Winys Sinn gewesen.

Beim Trauerzug zur Grabstätte gingen mir verschiedene Erinnerungen an Begebenheiten mit Winfried durch den Kopf. Wiederholt sah ich das Bild des (fast noch kindlich) jungen Winy, den ich vor rund dreieinhalb Dekaden kennengelernt habe, vor meinem geistigen Auge. Dass ein Mensch auf einmal nicht mehr da ist, war für mich schon immer eine nur schwer begreifliche Situation, irgendwie unwirklich und bizarr. Als ich dann vor dem offenen Grab stand und ein paar Blütenblätter hineinwarf, benutzte ich die mir zum Mantra gewordene Formel, die ich bei Beerdigungen stets verwende. Ich verabschiedete mich mit "Tschüss, Winy."

Montag, 12. Dezember 2016

Winfried Brand 1967 - 2016

Winy auf dem Coloniacon 1982
Es muss 1981 gewesen sein, als ich Winfried Brand kennenlernte, kurz nachdem drei Kölner Jungs einen Science Fiction-Club aus der Taufe gehoben hatten. Winy, wie er von allen genannt wurde, stieß schon wenig später dazu, wie dann auch bald sein jüngerer Bruder Wolfgang. Von da an war Winy für viele Jahre aktiver Bestandteil der Kölner SF-Szene. So auch in all seiner jugendlichen Frische auf dem ersten Coloniacon 1982, wie man auf dem Bild links sehen kann.

Bei den in den Achtziger Jahren noch jährlich stattfindenden Coloniacons tat er sich als Helfer hervor. Vor allem aber publizierte er das Rezensions-Zine Flash, das jahrelang erschien und dem er sich mit Herzblut verschrieb. Es war Winy, der mich eines Tages zum SF-Stammtisch in Zollstock mitschleppte. Ein Vierteljahrhundert dürfte das her sein. Ich habe ihn in der damaligen Zeit stets freundlich und meist gut gelaunt erlebt, gleichwohl er aber auch ein herber und gelegentlich hitziger Diskutant sein konnte. Der eine oder andere Stammtischteilnehmer dürfte ein Lied davon singen können.



Winy auf dem Coloniacon 2014
Irgendwann machte sich Winy dann rar. Zwei Kinder kamen, eine räumliche Veränderung folgte, und andere private Dinge bestimmten sein Leben. Der Kontakt brach ab, und auch von den anderen Stammtischlern konnte niemand sagen, was Winy trieb. Bis er auf dem Coloniacon 2014 plötzlich vor mir stand. Winy war wieder da, ich freute mich ihn zu sehen. Seitdem sind wir uns zu bestimmten Anlässen wieder regelmäßig über den Weg gelaufen. Er fuhr zum BuchmesseCon in Frankfurt, besuchte die Intercomic und war auch wieder auf dem diesjährigen Coloniacon zugegen.

Der Szene blieb er bis zuletzt verbunden. Für verschiedene Verlage führte er Textarbeiten durch und erstellte E-Books. Auf dem diesjährigen BuCon begegneten wir uns zum letzten Mal. Auf der Intercomic im November erschien er nicht, weil es ihm nicht gut ging. Eine Unpässlichkeit, die sicher bald hinter ihm liegen wird, dachten wir. Eine traurige Fehleinschätzung, leider.

Winfried Brand starb am 12. Dezember 2016 nach kurzer, schwerer Krankheit. Er wurde nur 49 Jahre alt. Winy hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Meine Gedanken sind bei seinen Familienangehörigen.

Sonntag, 13. November 2016

25. Todestag Kurt Brand

Werner Kurt Giesa und Kurt Brand
Auf der Intercomic bekam ich eine Anstecknadel mit dem Motiv der Point of geschenkt. Die Point of ist das Raumschiff des irdischen Weltraumfahrers Ren Dhark, und Ren Dhark ist eine Science Fiction-Serie, die Kurt Brand Mitte der Sechziger Jahre ersann – und die, nebenbei bemerkt, im August ihr fünfzigjähriges Jubiläum feierte und sich bis heute mit Fortsetzungen in Buchform großer Beliebtheit erfreut. Das erste Heft erschien 1966, und in Heftform lief die Serie bis 1969.

Bis Kurt Brand, am 10. Mai 1917 in Wuppertal geboren, Ren Dhark aus der Taufe hob, hatte er im Verlagsbereich und als Schriftsteller bereits einiges hinter sich. Nach dem Krieg baute er in Köln eine der größten privaten Leihbüchereien auf, und ab Anfang der Fünfziger Jahre veröffentlichte er eigene Romane. Obwohl er besonders der Science Fiction zugetan war, war er auch in anderen Genres aktiv. So schrieb er im Laufe seiner Schaffenszeit nicht nur für Perry Rhodan und Atlan, für die Zeitkugel und Mondstation 1999, für Checkpart 2000 und Kommissar X, für Gespenster-Krimi und Geister-Krimi, für Professor Zamorra und die Fledermaus, für Captain Morris und Jerry Cotton. Brand verfasste zudem zahlreiche serienunabhängige Einzelromane und Mini-Zyklen. Dabei benutzte er auch eine Reihe von Pseudonymen.

Dass ihm mit Ren Dhark ein eigener großer Wurf gelang, ist wohl dem Umstand geschuldet, dass er – im Streit, wie es heißt – als Autor bei Perry Rhodan ausschied. Das zweite literarische Kind, das er neben Ren Dhark aus der Taufe hob, war Arn Borul – von Stern zu Stern. Der sperrige Name wurde später in Raumschiff Promet geändert, die Serie lief in Heftform bis 1973. Sicher würde es Kurt Brand gefallen, dass beide Serien im Jahr 2016 immer noch mit neuen Abenteuern fortgesetzt werden.
 
Im Übrigen zählt er neben Clark Darlton, Karl-Herbert Scheer und W.D. Rohr heute zu den Pionieren der deutschen Schience Fiction in den Fünfziger Jahren. Kurt Brand starb am 8. November 1991 in seiner späteren Wahlheimat Kaltern in Südtirol, wo auch das obige Foto aufgenommen wurde.

Dienstag, 25. Oktober 2016

Klaus N. Frick schreibt über Thomas Ziegler

Und zwar anlässlich der gerade als Doppelband wiederaufgelegten beiden Planetenromane Die Stadt der Zukunft und Der Narrenturm. Das hätte ich fast übersehen, aber zum Glück wurde ich durch Klaus N. Fricks Hinweis bei Facebook noch darauf aufmerksam. Klaus schrieb auf der Perry Rhodan Homepage in seiner Rubrik „Der Redakteur erinnert sich“ einen dreiteiligen Artikel über die damalige Trauerfeier nach dem Tod von Thomas Ziegler im Jahr 2004.
 
Bei dem bewegenden Abschied auf dem Westfriedhof in Köln waren neben Klaus und mir auch die SF-Autoren Uwe Anton und Horst Pukallus zugegen. Meine Ziegler-Affinität ist bekannt, und ich selbst äußerte mich vor zwei Jahren anlässlich des zehnten Todestags des Kölner Autors, mit dem ich den einen oder anderen Abend in Kneipen der Südstadt verbrachte. Nachzulesen ist das hier:
 

Nun, da ich Klaus N. Fricks Artikel las, sah ich mich tatsächlich in jene Friedhofskapelle zurückversetzt und den vorne aufgebahrten Sarg noch einmal vor meinem geistigen Auge. Klaus beschreibt nicht nur den Ablauf der Gedenkfeier, sondern lässt uns an seinen Thomas Ziegler – oder Rainer Zubeil, wie er mit bürgerlichem Namen hieß – geltenden Gedanken teilhaben. Ein warmer, ein anrührender Artikel, den ich mit einem Kloß im Hals las und den ich gern weiterempfehle. Zu finden sind die drei Teile hier:
 
Teil 1:
 
Teil 2:
 
Teil 3:

Sonntag, 16. Oktober 2016

Manfred Borchard 1950 - 2016

Als ich 1980 ins Science Fiction-Fandom geriet, war Manfred Borchard dort bereits eine große Nummer. In jener Zeit versuchte jedes Fanzine, das etwas auf sich hielt (EXODUS, SAGITTARIUS u.a.), eine Borchard-Story zu ergattern. Mir ging es nicht anders, als ich mit der sechsten Ausgabe DENEBOLA als Herausgeber übernahm. Ich legte von Anfang an Wert auf Erzählungen und Graphiken, Artikel waren mir verpönt – und so wollte ich unbedingt eine Geschichte von Manfred Borchard, von dem ich da bereits ein paar Stories gelesen hatte, im Heft haben. Ich schrieb ihn an, und so kamen wir in Kontakt.
 
Wahrscheinlich klang mein Brief ziemlich ehrfürchtig (Ein Magazin, an dessen Namen ich mich nicht erinnere, warb damals tatsächlich mit dem Slogan: „Früher hatten wir Borgward, heute haben wir Borchard.“). Meine Angst vor einer Absage erwies sich wenig später als unbegründet. Manfred schickte mir eine unveröffentlichte Story mit dem vielsagenden Titel Täglich zweimal pervers. Sie gefiel mir sehr, wie mir bis dahin – und auch später – alles aus der Borchardschen Feder gefallen hatte, und natürlich brachte ich sie in Denebola 6 unter. Ich war stolz wie Bolle.
 
Manfred Borchard wurde 1950 in Freiburg geboren. Er war gelernter Schriftsetzer von Beruf und arbeitete in einer Druckerei. Im Alter von 14 Jahren begann Manfred sich für Science Fiction zu begeistern, zehn Jahre später schrieb er dann erste eigene Erzählungen. Erste Veröffentlichungen erfolgten 1976, und von da an war er einer der begehrtesten Autoren der Szene. Seine Stories erschienen fortan in zahlreichen Fanzines, Magazinen und Anthologien, und gemeinsam mit Helmut Ehls gab er PHALANX heraus. Doch irgendwann gingen seine Veröffentlichungen zurück, bis gar nichts mehr von ihm zu finden war, was ich schade fand. Erst im neuen Jahrtausend publizierte er dann wieder die eine oder andere Geschichte in Exodus. Ob auch anderenorts, ist mir leider nicht bekannt.
 
Persönlich kennengelernt haben wir uns nie, und unser Briefwechsel Anfang der Achtziger Jahre war äußerst sporadisch und hielt auch nicht lange an. Im Nachhinein stelle ich fest, dass ich über den Menschen Manfred Borchard so gut wie nichts weiß – doch ein paar seiner Geschichten sind mir bis heute in Erinnerung geblieben. Manfred Borchard starb, wie ich erst jetzt erfuhr, Ende September nach längerer, schwerer Krankheit in seiner Heimatstadt Freiburg.

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Horst Hoffmann kannte Manfred Borchard seit 40 Jahren und weiß viel mehr über Manfred als ich. Daher bin ich Horst dankbar, dass er sich an dieser Stelle sehr persönlich zu ihrer langjährigen Bekanntschaft äußert:

    HORST HOFFMANN: ich lernte manfred 1976 über den SFKR kennen (science fiction korrespondenz ring), ich glaube, über die kölner gruppe um alfred meyer und aktentaschen-schmitz. nach meinem beitritt zum SFKR, dem helmut ehls, chris worch und einige andere damals bekannte autoren angehörten, entwickelte sich eine sehr rege brieffreundschaft zwischen manni und mir. seine briefe waren einmalig, immer mit handschriftlicher überschrift, und einige seiten lang. es ging darin mehr über gott und die welt als um perry rhodan und so.
     
    manni war ein großer verehrer von nietzsche und kafka - und (in einem atemzug - bitte beachten!) hansrudi wäscher. insofern hättet ihr euch sicher viel zu sagen gehabt. wir grüßten uns immer mit sigurd und bodo, wobei ich nicht mehr weiß, wer gerade sigurd und wer gerade bodo war. als mensch war er eher zurückhaltend, beteiligte sich an gesprächen eher durch seine schmunzelnden, immer beobachtenden blicke. worte schrieb er lieber.
     
    ich habe ihn zweimal getroffen, einmal auf beschriebenem con 76 in köln, dann 2005 oder 06 auf einem der reuma-cons in düren bei rené und marlene moreau. (reuma für: re(ne)u(nd)ma(rlene). nach meiner scheidung und dem ganzen damit verbundenen stechen und hauen und durch meine beiden umzüge erstarb unser kontakt so langsam. auf jeden fall hatte die firma, für die er als schriftsetzer arbeitete, pleite gemacht, und er arbeitete dann als aufseher (oder wie man das nennt) in einem freiburger spielcasino. spaß machte ihm das nicht.
     
    der erste deutsche fantasy club druckte fünf sehr schön aufgemachte bücher mit seinen stories. ja, sein stil war wirklich unverwechselbar und spiegelte seine liebe zu franz kafka wieder. aber der letzte kontakt ist bestimmt drei oder vier jahre her. ich hatte keine ahnung, dass er diese scheiß-krankheit hatte bzw. bekam. helmut ehls war sein bester kumpel und schrieb mir letzte woche davon und wie furchtbar die krankheit gewesen sei. sowas kracht einfach in dein leben und du kannst es nicht begreifen, jeden von uns kann es jeden tag treffen, darf gar nicht daran denken.
     
    Manfred Borchard und Horst Hoffmann, Coloniacon 1976 in Köln
     

    Es bliebe noch hinzuzufügen, dass Manfred Borchard zeitlebens ein großer Bewunderer, ja Fan von Bob Dylan war. Dass Dylan soeben den Literaturnobelpreis verliehen bekam, hätte Manfred sicher gefallen.

    Nachtragen möchte ich noch, dass das Magazin EXODUS, in dem eine Reihe von Borchard-Stories erschienen sind, ein virtuelles Kondolenzbuch eingerichtet hat, in dem man sich eintragen kann. Zu finden ist es hier:
    https://www.exodusmagazin.de/news/395-manfred-borchard-verstorben.html
     

Samstag, 30. Juli 2016

Steve Kups. 1970 - 2015

Der Tod von Steve Kups wäre ohne Horst Illmers Nachruf im SF-Magazin Phantastisch 62, das ich erst in den vergangenen Tagen gelesen habe, glatt an mir vorbeigegangen. Durchaus ein wenig befremdlich, dass man auf diese Weise vom Ableben eines Menschen erfährt, den man zumindest in bescheidenem Umfang kannte.
 
Wenn auch nicht persönlich, denn Steve und ich sind uns bei keiner Gelegenheit über den Weg gelaufen. Wir waren lediglich bei Facebook und dort seit ein paar Jahren miteinander verknüpft, da es zwischen der SF- und der Comicszene eine Menge Berührungspunkte gibt. Dort tauschten wir äußerst sporadisch und ebenso knapp den einen oder anderen Gedanken aus. Wie sporadisch dieser reine Online-Kontakt war, zeigt eben die Tatsache, dass ich mit dem traurigen Ereignis erst jetzt, Monate später, konfrontiert wurde.
 
Steve war Journalist und Comic-Übersetzer. Seit vielen Jahren betreute er vor allem die deutschen Ausgaben von Batman, übersetzte aber auch noch einige andere Serien von DC und Marvel, hauptsächlich für Panini.
 
Er starb bereits am 26. Dezember des vergangenen Jahres an den Folgen eines Herzinfarkts. Steve Kups wurde gerade einmal 45 Jahre alt.
 
Nachfolgend möchte ich Steve noch einmal persönlich zu Wort kommen lassen, und zwar mit einem Kommentar, den er im Oktober 2014 auf meinen Nachruf zu dem damals verstorbenen Hajo F. Breuer anfügte. Dieser Kommentar ist bestens dazu geeignet, einiges über Steve Kups selbst zu erfahren:

 

"Wir begegneten uns nur hie und da in unserem Leben und jeweils auch nur sehr kurz, aber haben uns dabei auf ganz komische Art jedes Mal wie die besten Freunde gefühlt und gegenseitig behandelt, die wir niemals waren.
Führte zu skurrilen Situationen wie der, dass er mir damals ohne dass wir uns überhaupt groß und lange kannten, einfach so einen Schreibjob für Ren Dhark und andere Projekte anbot, den ich zu jeder anderen Zeit auch sofort jubelnd angenommen hätte, da es die Erfüllung eines meiner ältesten Träume dargestellt hätte.
Aber gleichzeitig hatte ich meine früheren Autoren-Träume zu diesem Moment bereits auf andere Arten so erfüllt, dass mich der Weg dahin an einen neuen Punkt gebracht hatte, wo ich dies in dieser Form dann nicht mehr brauchte. Die Chance, die er mir darbot, war also etwas, was ich ganz am Anfang mal suchte, nun aber nicht mehr benötigte, aber noch als Bonus auf eine Art von ihm angeboten bekam, die gleichzeitig damals die Erfüllung meines Traums dargestellt hätte.
Falls das irgendeinen halbwegs verständlichen Sinn zu ergeben mag gerade für Dich.
Und so war ich ihm für die nicht mehr benötigte Chance endlos dankbar, hatte sie gleichzeitig als stetige Option weiter offen aber konnte auch meinen damaligen und auch noch heutigen Weg als Übersetzer weitergehen, ohne was zu verlieren.
Und all das was ich nun hier für mich aufzählte, hatte er bei sich selbst auf irgendeine Art, die nur er für sich zu beschreiben wusste und musste und bei der ich auf irgendeine Weise praktisch die Spiegelung dessen mit erfüllte.
Dieses schwer zu beschreibende Gefühl zog sich dann kreuz und quer durch unsere wenigen Begegnungen, aber war für jeden von uns von Anfang an immer auf diese Art irgendwie da, ohne dass wir peilten, was da überhaupt abgeht. Und durch die verrückte Art, wie es immer da war, auch niemals erforderte, dass wir mehr daraus machten.
Die wohl paradoxeste Art von Nicht-Freundschaft, die ich jemals nicht hatte.
Und das die ganze Zeit noch manifestiert in einem Gefühl von Dankbarkeit und Liebe zu einem Menschen, den ich darüber hinaus nie richtig kennengelernt habe, der dies aber jedes Mal automatisch von sich aus erwiderte, wenn sich unsere Wege mal wieder kreuzten.
Als ich gerade Deinen Nachruf las, habe ich erst an den Stellen bezüglich der Comics wieder erkannt, dass er es ja damals auch noch mit gewesen war, der mich durch sein eigenes Wirken motivierte, selbst mal Redakteur und Übersetzer von den Dingern zu werden. Und das lange, bevor ich ihn kennenlernte. Was eben den oben erwähnten neuen Weg darstellte, der mich vom Autorentraum hierher führte.
Und das dann auch noch auf die ebenso kuriose Weise gespiegelt mit Giesa, mit dem ich ebenfalls auf solch merkwürdige (und in seinem Fall auch noch so sehr viel schmerzhaftere Weise durch den von mir empfundenen Verlust und auch sein eigenes Leiden) verbunden war und der wiederum auf verschiedenste Art der Grund und auch der Weg war, wie ich den Autorentraum überhaupt erst zu erfüllen schaffte.
Zwei der wichtigsten Menschen in meinem Leben, die ich nie wirklich in meinem Leben hatte. Aber die auf irgendeine Art immer da waren. Von Anfang an und bis zu ihrem Ende und darüber hinaus. So fühlt sich das wohl an, wenn sich verschiedenste Multiversen in einer Realität wie dieser hier kreuzen und manifestieren, ohne dass man dabei begreifen kann oder muss, was dabei vor sich geht."
 

Montag, 11. Juli 2016

Die Sprechblase 235

Das Comicmagazin „Die Sprechblase“ war Hansrudi Wäscher stets eng verbunden. Kein Wunder also, dass die aktuelle Ausgabe den Verstorbenen ausführlich würdigt. Mehr noch, das 100 Seiten dicke Heft entpuppt sich als Special rund um den Künstler, der verschiedene deutsche Comicklassiker wie Nick und Sigurd, Tibor und Falk, Roy Stark, Nizar, Bob & Ben schuf, für Bastei den Buffalo Bill ebenso zeichnete wie die Gespenstergeschichten.

Herausgeber Gerhard Förster geht dabei einen anderen Weg als gewohnt. Normalerweise versucht er soviel Text und Inhalt wie möglich auf kleinem Raum unterzubringen. Ohnehin liegt ihm meistens so viel Material vor, dass er nicht alles veröffentlichen kann, was er gern möchte, und oft genug Beiträge in die folgende Ausgabe verschieben muss. Diesmal jedoch gibt er Text und Bildern Raum zu atmen. Das stellt sich sowohl optisch gefällig als auch inhaltlich spannend, interessant und abwechslungsreich dar. Die meisten kleinen Geschichten und Anekdoten von und rund um HRW, die hier versammelt sind, sind mir neu und geben mir eine Menge mir bislang unbekannter Einblicke in das Leben des Künstlers, der nach dem Krieg maßgeblich dazu beitrug, den Comic in Deutschland populär zu machen, wenn auch gegen zahlreiche Widerstände.

„Wäschers Leben in kommentierten Bildern“, so die Überschrift des Ganzen, trifft es ausgezeichnet. Eine Fülle von Fotografien, Titelbildern und Comicauszügen vollzieht die Lebensgeschichte Wäschers vom kleinen Jungen bis zum mit diversen Preisen ausgezeichneten Idol einer ganzen Lesegeneration nach, von ersten öffentlichen Auftritten bis hin zum letzten Besuch der Intercomic. Dabei kommen interessante Details zutage. Wer weiß schon, dass HRW den Bill Cody, den er als Buffalo Bill zeichnete, unter anderem wegen dessen unmäßigen Büffeljagden als äußerst unsympathischen Menschen empfand? Genau wie ich, und das gefällt mir. Der Bogen spannt sich von Betrachtungen über Lehning und Hethke bis zum Ärger mit der Bundesprüfstelle und Wäschers Alterswerk.

Auch neben dem Hauptartikel ist HRW das zentrale Thema der vorliegenden Ausgabe: Gerhard Förster interviewt Wäscher-Verleger Manfred Wildfeuer, Klaus Papendorf befasst sich in „Mit flacher Klinge“ mit des Meisters Werk, und Herbert Heinzelmann erinnert sich in „Die Kunst im Keller“ an die Entdeckungen, die er bei einem Wäscher-Besuch machte. Der ehemalige Ren Dhark-Autor Ewald Fehlau, jahrzehntelang für Bastei tätig und dort mit Wäscher zusammenarbeitend, wagt den „Versuch einer Annäherung an ein unvergessenes Phänomen“. Gerhard Förster erinnert sich daran, wie der Kaplan seinen geliebten Sigurd in die Badewanne warf, und „Das Beste aus 13 Interviews mit Hansrudi Wäscher“ lässt einen schmunzeln, nachdenken und fast ein wenig melancholisch werden.

Und abseits von Herrn Wäscher? Gibt es wie üblich Harrys bunten Medienmix und eine Besprechung des neuen Comic-Preiskatalogs, dazu einen Blick auf den Künstler Philippe Druillet und seinen Weltraumhelden Lone Sloane, auf den amerikanischen Superheldencomic Secret Wars und auf ASH, die Austrian Superheroes. Ich gebe zu, neben der geballten Wäscher-Ladung interessierte mich der ohnehin nur marginale Rest diesmal eher wenig, doch allein der reich bebilderte Hauptartikel macht Spaß. Fazit: Eine sehr gelungene und im Hinblick auf Hansrudi Wäschers Tod mehr als würdige Ausgabe der Sprechblase.

Montag, 27. Juni 2016

Götz George. 1938 - 2016

Da komme ich von einem langen und schönen Fußballabend nach Hause, schalte noch kurz den Rechner ein und werde mit der Eilmeldung empfangen, Götz George sei gestorben. Das betrübt mich wirklich, denn er hat eine meiner liebsten Fernsehfiguren geprägt.

Ich oute mich ja immer wieder gern als Schimanski-Fan, und zwar als einer der ersten Stunde. Götz George war zweifellos ein großer deutscher Schauspieler mit verschiedenen anspruchsvollen Rollen in Film und Fernsehen, doch für mich ist er eng mit der Rolle des Ruhrpottbullen aus Duisburg verbunden. Von Anfang an hat mich die Rolle gleichermaßen wie Georges Darstellung begeistert, seit 1981 im Tatort und später, nach einigen Jahren Pause, in der eigenen Schimanski-Reihe der ARD.

Das letzte Mal spielte er den Rentner 2013 in der Folge "Loverboy". Seitdem hatte ich gehofft, dass es vielleicht einmal noch eine weitere Folge geben wird. Dazu kommt es leider nicht mehr, da Götz George seinem 1994 verstorbenen Kollegen Eberhard "Christian Thanner" Feik nun gefolgt ist. In bester Schimanski-Tradition kann ich dazu nur sagen: SCHEISSE.