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Samstag, 29. Juli 2017

Das Underground schließt seine Pforten

Wenn das Underground im September schließen muss, geht wahrlich eine Ära zu Ende. Der Club und Veranstaltungsort in Köln-Ehrenfeld wurde 1988 eröffnet. Er besteht aus einer Kneipe mit zwei angrenzenden Sälen und einem Biergarten für die Sommermonate. Anscheinend wurden die Betreiber von der raschen Entwicklung überrollt. Ihre Pläne, zum dreißigjährigen Jubiläum im Januar eine große Abschiedsparty auf die Beine zu stellen, können sie nicht mehr verwirklichen. Die Stadt Köln will auf dem ehemaligen Industriegelände eine inklusive Universitätsschule errichten. Der Betrieb des Undergrounds endet auf städtische Anordnung Mitte September.
 
Mit seinen Wochenendparties und seinen Konzerten genießt das Underground einen guten Ruf weit über Kölns Stadtgrenzen hinaus. Die dort gespielte Musik war meist nach meinem Geschmack: Rock, Rock'n'Roll, Heavy Metal und Punk. Viele heute international bekannte Bands und Künstler standen im Underground auf der Bühne, bevor ihre Karriere so richtig in Schwung kam, so beispielsweise Green Day, die heutzutage Stadien füllen.
 
Anfang der Neunziger Jahre habe ich ein paar Mal im Underground gesessen und zwei oder drei Konzerte gesehen. Ich glaube mich zu erinnern, dass Brings dazu gehörte. Brings, 1990 gegründet und damals nach eine richtige Rockband, bevor sie zehn Jahre später mit fliegenden Fahnen zur Stimmungs- und Karnevalsmusik überliefen, spielten dort, noch bevor sie ihr erstes Album veröffentlichten. Wen ich sonst noch dort sah, weiß ich gar nicht mehr. Auf jeden Fall ist die Zeit des Underground abgelaufen. Das finde ich schade.

Montag, 3. April 2017

Kölner Szenewirt Clemens Böll gestorben

Wenn in Zusammenhang mit Köln der Name Böll fällt, denkt man unwillkürlich an Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll. Doch auch dessen Neffe ist eine stadtbekannte Kölner Persönlichkeit. Clemens Böll hat sich über rund vier Dekaden einen Namen in der Kölner Kneipenszene gemacht.

Bekannte Namen haben die Läden, an deren Eröffnung er beteiligt war oder die er bewirtete, beispielsweise das Alcazar, das Tingel Tangel und am Barbarossaplatz der Rockschuppen Luxor. Und natürlich das Chlodwig-Eck, für mich ganz besonders das Chlodwig-Eck, nur einen Steinwurf entfernt vom Chlodwigplatz am Eingang zur Annostraße gelegen, gleich neben dem dortigen Obdachlosenasyl und mit Blick aufs Severinstor.

Ich lernte das Chlodwig-Eck in den frühen Achtziger Jahren kennen. Wenige Fußminuten weiter, im Humboldt-Gymnasium, kämpfte ich mich durch meine Oberstufenzeit. Statt dem Unterrichtsstoff zu folgen, begab ich mich oft genug schon vormittags ins Chlodwig-Eck, mit T. und O., und wir hingen dort ab, weil auch die BAP-Musiker zu Beginn ihrer Karriere dort ihr Wohnzimmer aufgeschlagen hatten.

Sicher hat uns Clemens damals so manches Kölsch serviert, wenn ich auch gestehen muss, mich heute nicht mehr an ihn hinter der Theke erinnern zu können. Nun ist Clemens Böll im Alter von 71 Jahren gestorben. Mit ihm geht ein Stück Kölner Kneipenkultur, obwohl das Chlodwig-Eck schon lange ohne ihn weiterbesteht. In Köln wurde schon zu Clemens Bölls Lebzeiten ein Bier nach ihm benannt, das Böll-Bier.

Mittwoch, 10. August 2016

Ne kölsche Jung hürt op

Er heißt Hans-Dieter, alle nennen ihn H.D., und er selbst stellt sich in seinem Brauhaus immer als der kölsche Jung vor. Oder besser: er stellte sich so vor – denn damit ist es nach mehr als einer Dekade nun vorbei.

Vor über elf Jahren hängte H.D., damals sechzigjährig, seinen bürgerlichen Beruf an den Nagel. Finanziell konnte er sich nicht beklagen, deshalb brauchte er nicht weiterzumachen. Stattdessen tat er das, wovon er sein Leben lang geträumt hatte. Einmal ein eigenes Brauhaus führen, und zwar so, wie es ihm vorschwebte, urkölsch, gemütlich, mit traditioneller Atmosphäre, leckerer Küche, kölscher Musik und natürlich kaltem Kölsch. Ein Jahr wollte er es auf jeden Fall machen, maximal fünf - es wurden mehr.

Das Haus Schulz am Barbarossaplatz erwies sich dabei als Glücksgriff. Es ist alteingesessen, liegt mitten im Veedel und mitten im Leben. Zudem war es brauereifrei, H.D. konnte also ausschenken, was er wollte. Das machte er sich zunutze, indem er – was es in Köln nur extrem selten gibt – gleich zwei Kölschsorten anbot, nämlich das lieblichere Reissdorf und das herbere Gaffel. Diese Politik wurde gut angenommen. Betrat man die Schänke, sah man auf Theke und Tischen immer Kölschstangen sowohl mit rotem (Reissdorf) als auch mit blauem (Gaffel) Emblem stehen.

Ich ging gern hin und wieder dorthin, denn die Atmosphäre war schön, die Leute angenehm, und H.D. grundsätzlich gut aufgelegt und einem Schwätzchen an der Theke nie abgeneigt. Oft genug kam es vor, dass man, bevor man das erste Kölsch bestellte, schon ein Mini vor sich stehen hatte. „Ein Stößchen aufs Haus zur Geschmackskontrolle“, pflegte H.D. dann zu sagen.
Fast immer lief kölsche Musik, und wenn die Stimmung ausgelassen war, setzte H.D. sich sein Hütchen auf, nahm seine Quetsch von der Ablage und ging musizierend und singend im Laden auf und ab. Die Gäste waren begeistert. Und schnell wurde mitgesungen. Zu seinen Stammgästen gehörten musikalische Legenden wie Ludwig Sebus und Hans Süper.
Nun, im Alter von 71 und nach über elf Jahren in seinem Laden, in dem er sich seinen Lebenstraum verwirklicht hat, hat sich der H.D. endlich aufs Altersruheteil zurückgezogen. Es war eine schöne Zeit mit ihm im Veedel, und seine Gäste werden ihn vermissen. Mach et jot, leeven Hans-Dieter, und genieße dein Leben. Du hast dir deinen Ruhestand wohlverdient.

Donnerstag, 7. April 2016

Über den Eigelstein ins Agnesviertel

Ein erster Sonnentag in Köln, da konnte ich gar nicht anders, als ein wenig durch die Stadt zu spazieren. Ich hatte richtig Lust, mir das am Himmel stehende gelbe Ding auf den Pelz brennen zu lassen. Von »brennen« konnte allerdings nur bedingt die Rede sein. Solange die Sonne sichtbar im Himmel stand, war es angenehm warm, und ich konnte die Jacke schultern. Sobald sich jedoch Wolken vor unser Zentralgestirn schoben, wurde es gleich empfindlich kälter. Daher also: Jacke aus, Jacke an, Jacke wieder aus und so weiter.
 
Ich war lange nicht mehr im Agnesviertel, fiel mir ein, also schlenderte ich, vom Dom kommend, über den neugestalteten Breslauer Platz und anschließend den Eigelstein entlang. Noch ist dort die Gaffel-Brauerei ansässig, doch die zieht bald an einen anderen Standort, und das Gelände wird frei. Es hat sich, so las ich dieser Tage, bereits irgendeine Gruppe unter den Nagel gerissen. Ich gehe davon aus, dass auf dem Areal ein weiteres Hotel entsteht. Noch mehr Hotels braucht Köln ja wesentlich dringender als bezahlbare Wohnungen.
 
Am vorderen Teil der urkölschen Meile Eigelstein standen ein paar leichte Mädels in der Tür – schwere Junge habe ich hier schon lange keine mehr gesehen. Der Kiosk, den mal ein Bekannter von mir, ein ehemaliger Bauhaus-Kollege, betrieb, ist längst von einem Türken übernommen worden. Vor dem Weinhaus Vogel standen die Män mit ihrem Kölsch in der Hand, einheimische Schnäuzer und bunte Touristen. Am Kölsche Boor ging ich vorbei, ohne dass mir überhaupt irgendwer auffiel – was mir wiederum erst später auffiel. Unter dem Eigelsteintor schritt ich beinahe ergriffen hindurch, so wie immer, wenn ich durch eins der vier erhaltenen Stadttore gehe. Irgendwie liegt da immer besonders viel Stadtgeschichte in der Luft. Zumindest bilde ich mir das ein.
 
Dort, wo der Eigelstein zu Ende ist und man in früheren Zeit die Stadt verließ, empfing mich der Ebertplatz mit seiner Hektik, seinem Verkehrslärm, seiner unansehnlichen Optik und seiner seit Jahren defekten Rolltreppe. Schade, dass dort nichts zum Verweilen einlädt, gleichwohl im Rat seit Jahren Umgestaltungspläne mit mehr Grün und ebenerdiger Fußgängerführung gewälzt werden. Ich lief die Treppe hinunter, quer über den kahlen Platz mit seinen vermutlich seit Jahrzehnten leerstehenden Pavillons und den Zufluchtsnischen für Obdachlose, mit den trostlosen, verwinkelten Gängen und dem Brunnen, den ich schon als Kind hässlich fand, und auf der anderen Seite die Stufen wieder hinauf.
 
Vor mir lag die Neusser Straße, das Agnesviertel. Auch dort geht es laut und hektisch zu, doch es ist der Puls des Lebens, der Menschen, die im Veedel wohnen und einkaufen, nicht der Lärm des Verkehrs. Ich schlenderte die Neusser hinunter Richtung Agneskirche, die dem Viertel einst seinen Namen verlieh, und dachte wie gewöhnlich an diesem Ort an meine vor zwölf Jahren verstorbene Oma Agnes. Die Sonne schien wieder, ungetrübt von Wolken, und meine Jacke hing über der Schulter. Nach hundertfünfzig Metern schallte mir eine Stimme entgegen, mein Name wurde gerufen. Ich entdeckte einen grinsenden Uwe, der sich an einem Tisch vor dem Balthasar flegelte und mir hektisch zuwinkte.
 
Schönes Zusammentreffen, ja, wirklich! Uwe hatte ich lange nicht gesehen. Ich ließ mich an seinem Tisch nieder und bestellte ein Kölsch. Uwe ist Gastronom, Musiker und Karnevalsjeck in Personalunion. Wir badeten in der Sonne und plauderten übers Griechenmarktviertel, aus dem wir uns kennen, übers Reissdorf Brauhaus, in dem er mal gearbeitet hat, und über diesen und jenen gemeinsamen Bekannten. Wir man das nun mal so macht. Da das Auge bekanntlich mitisst, genoss ich bei unserem Verzällchen einen kulinarischen Leckerbissen: zu meiner Rechten erhob sich das Eigelsteintor in seiner historischen Bedeutsamkeit, ohne dass ich den kahlen Platz davor zu Gesicht bekam, und zu meiner Linken wuchs die altehrwürdige Agneskirche dem Himmel entgegen.
 
Erst nach einer Viertelstunde bekam ich mit, dass aus dem Balthasar Musik auf die Straße drang. Als ich bewusst hinhörte, erkannte ich die Stimme auf Anhieb. Sie gehörte Holger Landrock, in Köln auch bekannt als »The Voice of Joe Cocker«. Denn Holgers Röhre klingt verdammt nach Joe Cocker. Mit seiner One Man Show, bei der kaum eine Minute ohne Zigarette in der Hand dasitzt, gibt er Rock, Blues, Country und Oldies zum besten, und bei allem klingt er wie Cocker. Zeit, um Helene Fischer hochzunehmen, bleibt dabei auch noch, wenn er vergnügt Hackevoll durch die Nacht anstimmt. In unserem Veedel von den Bläck Fööss sollte er sich aber lieber verkneifen, Creedence kriegt er ungleich besser hin.
 
In einer Pause zwischen zwei Liedern ging ich hinein und begrüßte Holger, den ich ebenfalls aus dem Griechenviertel kenne, ursprünglich speziell aus der Griechenschänke. Dort hing vor Jahren ein Plakat im Eingang mit einer Konzertankündigung: LANDROCK LIVE. Ich kenne viele Spielarten der Rockmusik, doch was Landrock sein sollte, wollte sich mir nicht erschließen. Bis ich dann erfuhr, dass der Mann so heißt.
 
Ich verabschiedete mich und begab mich ins schräg gegenüberliegende Stüsser, ein alteingesessenes Brauhaus mit klangvollem Namen in der ganzen Stadt. Dort sitzen immer noch die Lück aus dem Agnesveedel, vermischt mit ein paar grauhaarigen Intellektuellen und dem einen oder anderen gealterten Künstler. Ich kondolierte bei Ingrid Stüsser, deren Mann Peter vor kurzem verstorben ist, und ertappte mich dabei, in die Ecke zu schielen, in der P3, wie Peter Stüsser meist genannt wurde, zu sitzen pflegte. So etwas gehört zu einem unbeschwerten Spaziergehtag wohl auch dazu.
 
Als ich etwas später ins Balthasar zurückkehrte, spielte Holger Landrock immer noch. Selbst wenn Holger nur ein Dutzend Zuhörer hat, kann er nicht aufhören. Uwe holte indessen nach, was er zuvor versäumt hatte. Er drückte mir einen Flyer in die Hand für eine Blues und Blues Rock Band namens »Daniel Klaus and the Dukes«, die in Kürze zwei Auftritte in Köln hat, im Söckchen und im Stüsser. Dass Uwe selbst einer der drei Musiker auf dem Bild ist, fiel mir beim besten Willen nicht auf. Mit weißem Hemd und schwarzem Jacket, Krawatte, Hut und Sonnenbrille sieht er aus wie Jake Blues. Da werde ich mal vorbeischauen.
 
Als ich aufbrach, dunkelte es bereits. Ich ging den selben Weg zurück, den ich gekommen war, legte dann am Hauptbahnhof, der ja seit Silvester bundesweit bekannt ist, einen Schlenker ein und machte einen kurzen Abstecher ins Gasthaus Dominikaner, das seit einiger Zeit von einem alten Kumpel und ehemaligen Arbeitskollegen von mir geführt wird. Leider war Norbert nicht da.
 
Dafür kam ich mit drei jüngeren und bestens aufgelegten Typen ins Gespräch. Sie gehören zu einer britischen Folk-Punk Band namens »The Roughneck Riot«, die wohl aus Manchester stammt, seit rund zehn Jahren besteht und derzeit auf Tour ist. Am Vorabend hatten sie ein Konzert in Essen gespielt, wie mir ihr Leadsänger Matty Humphries erzählte, und für den nächsten Tag stand ein Gig in Braunschweig auf dem Programm. Den freien Abend ohne Auftritt verbrachten sie gutgelaunt in Köln. Bis dato hatte ich noch nie von »The Roughneck Riot« gehört, inzwischen habe ich mir bei youtube ein paar ihrer Stücke zu Gemüte geführt und muss sagen: Ziemlich gute Mucke. So brachte mein Heimweg noch eine nette Überraschung zum Tagesausklang mit sich.

Montag, 1. Juni 2015

Biergarten-Saison eröffnet

Allmählich wurde es Zeit für einen Sonnentag, und heute war er da. Da am durchgearbeiteten Wochenende gleich zwei Romanmanuskripte den Weg an die Verlage fanden, beschloss ich, einen arbeitslosen Montag einzulegen. Lange schlafen war angesagt. Das hatte ich schon lange nicht mehr getan. Doch wie das nun mal so ist, wenn man es sich vornimmt - ich war früher wach als beabsichtigt. Daher sichtete ich einen Stapel Comics, las mich durch das neue HRW-Fanclub-Magazin (eine Besprechung dazu folgt) und beantwortete einige Mails.

Danach ging es endlich hinaus ins Freie, mit kurzen Spaziergängen entlang der Sieg und des Rheins. Am Thieboldseck sagte ich ein paar Leuten "Guten Tag", gönnte mir im Reissdorf-Brauhaus ein wirklich leckeres Steak und machte mich anschließend auf den Weg zum Südfriedhof, um ein wenig Grabpflege am Grab meiner Großmutter zu betreiben und eine Kerze aufzustellen.

Am Nachmittag pilgerte ich in eins meiner Wohnzimmer, das Kölner Südstadion. Ich schaute beim Training einer Jugendmannschaft zu und ließ mir die Sonne auf den Pelz brennen. Das machte Durst. Dummerweise hatte ich nicht daran gedacht, dass das Fortuna-Vereinsheim montags geschlossen bleibt. Also wanderte ich durch den gleich nebenan liegenden Volksgarten, ein weiteres meiner Wohnzimmer. Dort bot sich der für solche Tage übliche Anblick: Spaziergänger, knutschende Pärchen im Gras und vereinzelte Jongleure. Ein buntes Bild, das komplettiert wurde durch quengelnde Kleinkinder, hyperventilierende Jungeltern und desillusionierte Altstudenten. Ein paar Passanten fütterten Wasservögel, eine unverzeihliche Todsünde, wenn man den Verbotsschildern Glauben schenken will.

Endlich erreichte ich den Biergarten und ließ mich an einem Tisch gleich am Wasser nieder. Statt Kölsch bestellte ich ein Weizen. Nur wenige Besucher hatten sich in die Anlage verirrt, der Biergarten war weitgehend leer. Ein intellektuell bebrillter Mitdreißiger versuchte wiederholt, Blickkontakt zu mir herzustellen. Ein flüchtiger Bekannter aus der Vergangenheit, an den ich mich nicht erinnerte, oder eine vereinsamte Schwuchtel mit Frühlingsgefühlen? Und hallo, Schwuchtel ist in Köln, der Hauptstadt der Schwulen und Lesben, ein gängiger Begriff und nicht negativ belegt. Wie auch immer, ich flirtete lieber mit meinem Weizen, da mich die dunkelhäutige Schönheit zwei Tische weiter ebenso ignorierte wie ich den Brillenträger. Ich beließ es schließlich bei dem einen Weizen, denn zum einen rollte nun doch eine düstere Wolkenfront heran, und zum anderen vernahm ich den Lockruf der Relegation.

Ich marschierte zurück zum Reissdorf und fand auf Anhieb einen freien Thekenplatz, voller Vorfreude auf das Spiel zwischen dem Karlsruher SC und dem Hamburger SV. Meine Sympathien waren dabei klar verteilt, nämlich völlig einseitig. Ich drückte dem KSC die Daumen für eine Rückkehr in die Bundesliga. Ich habe beileibe nichts gegen die Norddeutschen, liebe HSV-Fans, drum seid mir nicht gram, aber zwei Sachen nerven nur noch. Das ist zum einen das ewige Gerede vom letzten verbliebenen Bundesliga-Dino und zum anderen die unmöglich schnöselige Uhr im Hamburger Stadion, die endlich abmontiert gehört. Das Ergebnis ist bekannt, der HSV rettete sich im zweiten Jahr hintereinander glücklich durch die Qualifikation. Peinlich, peinlich.

Das Fazit lautet jedenfalls: ein ganz normaler Tag im Leben des Achim M. aus K. Morgen folgt ein weiterer ganz normaler Tag. Da begebe ich mich wieder unter die Ritter, denn die Fortschreibung an einem weiteren Manuskript wartet. Welches kann das wohl sein?

Dienstag, 5. Mai 2015

Ein Roman von 2006?

Ich hatte mal wieder ein Erlebnis aus der Kategorie "Seltsam, aber so steht es geschrieben". Ein milder Frühlingsabend, trotz strömenden Dauerregens. Drinnen lief Fußball, doch wir setzten uns vor die Alte Griechenschänke. Im Regenschutz der Markise wurde gewürfelt und irgendwie reihum verloren. Das ist fair, so zahlt jeder mal eine Runde.

Irgendwann kam ein Passant des Weges, hielt inne und nahm am Tisch hinter uns Platz. Nach ein paar Minuten sprach der Mann, etwa in meinem Alter, mich an und fragte, ob denn mein Roman fertig geworden sei. Ich überlegte kurz, konnte ihn aber nicht einordnen. Von welchem Roman er sprach, wusste ich ebenfalls nicht. Also fragte ich ihn.

"Der Roman von 2006", antwortete er und deutete auf die andere Straßenseite. Dort liegt das Brauhaus Reissdorf. "Da drüben haben wir uns damals unterhalten." Er fügte paar zusammenhanglose Sätze an, die mir ein wenig suspekt waren. An ihn und an besagten Roman, über den wir angeblich gesprochen haben sollen, erinnerte ich mich immer noch nicht. Wie denn auch, nach neun Jahren? Ich erklärte, dass ich beim besten Willen nicht wisse, welches Werk er meine, weil ich in den folgenden Jahren diverse Dutzend weitere Romane geschrieben habe.

Das nun schien ihm ziemlich suspekt. Ich konnte erkennen, wie es in seinem Kopf arbeitete. Offenbar ging er davon aus, dass ich die meiste Zeit seit 2006 an diesem einen Roman gearbeitet hatte. Doch gleich Dutzende weitere Romane? Ja, ist klar! Er sah mich an, als habe ich den Verstand verloren oder leide an Größenwahn. Kurz setzte er zu einer Entgegnung an, doch dann erhob er sich und ging wortlos durch den strömenden Regen davon. Meine Würfelbrüder grinsten sich eins, während ich ein wenig ratlos zurückblieb. Welchen Roman der mir Unbekannte gemeint hatte, hätte mich nun doch interessiert.

Freitag, 23. Januar 2015

Who Knows im Versus

Seit sieben Jahren betreibt Ralf die Kneipe Versus im Kwartier Latäng, dem Studentenviertel nahe der Uni. Jeden Montag treten bei ihm Blues- oder Bluesrock-Bands auf, für lau, man zahlt also keinen Eintritt. Ich habe schon das eine oder andere Mal darüber berichtet.

Nun sah ich dort Who Knows, eine fünfköpfige Kapelle. Sänger, zwei Gitarren, Baß und Schlagzeug. Von Anfang an knallte ein richtig fetter Sound durch den Laden. Blues war das für mich nicht. Ich versuchte, die Musik einzuordnen - was man ja nicht unbedingt machen muß. Ich tat es trotzdem und kam zu keinem Ergebnis. Ich unterhielt mich mit anderen Zuhörern, und wir einigten uns auf die Begriffe Indie-Blues und Indie-Rock.

Die Richtung, der Stil sagte mir jedenfalls zu. Der Kopf wippte, der Fuß folgte dem Takt, und ich trommelte mit den Fingerspitzen auf der Theke. Vorher noch nie gehört von der Band, ein Versäumnis. Schönes Konzert mit ein paar Kölsch, das hat mir richtig gut gefallen.

Dafür verblüffte mich eine Neuigkeit. Nach sieben Jahren hört Ralf mit dem Versus auf. Am Aschermittwoch soll es einen großen Abschied geben, danach gehen die Lichter aus. Fürs erste, aber für den Laden hat sich in den letzten dreißig Jahren immer ein Nachfolger gefunden. Ralf selbst hat sich bereits eine neue Aufgabe gestellt. Mitten in der Stadt, auf der Hohe Straße, eröffnet er das Live Rock Cafe. Der Name hört schon mal gut an. Noch besser klingt, daß es dort jeden Abend Live-Auftritte geben soll. Ich bin gespannt.

Dienstag, 18. November 2014

Shaban aus Sansibar

Ungemütliches Wetter konnte mich noch nie von einem Spaziergang abhalten. Im Herbst so wenig wie zu jeder anderen Jahreszeit. Gestern spazierte ich ein wenig durch die Südstadt und kam schließlich an der Severinstorburg vorbei. Siebzehn Uhr, und es war dunkel. Ich hasse das. Die Sonne hat zwischen 21 und 22 Uhr unterzugehen, nicht früher.

Ich entschied mich für einen kurzen Abstecher in die gleich neben dem Severinstor gelegene Kneipe Torburg. Dort spielen gelegentlich Bands, für ein paar Euro Eintritt oder ganz umsonst. Gestern nicht. Dafür lief Blues und Bluesrock. Eine sehr ursprüngliche Musik, auf der sehr viele Musikstile beruhen. Ich mag sie, bin aber nicht in der Lage, einzelne Stücke den Interpreten zuzuordnen. Höchstens John Lee Hooker, Muddy Waters oder B. B. King. Ein halbes Dutzend vielleicht. Vor der Theke sitzend, konnte ich von dem Gehörten mit Müh und Not namentlich Joe Bonamassa einordnen.

Neben mir saß ein Schwarzer. Ich tue mich immer sehr schwer damit, das Alter von Menschen zu schätzen. So auch bei ihm. Rentenalter, dachte ich. Näher rangetraut hätte ich mich nicht. Er saß beinahe unbeweglich da. Nur hin und wieder schloß er für einen Moment die Augen, die meiste Zeit lächelte er zu der Musik, nippte versonnen an seinem Kölsch.

Klar, daß wir ins Gespräch kamen. In Kölner Kneipen ist das eine leichte Übung. Sein Name sei Shaban, erzählte er in ganz leicht gebrochenem Deutsch mit ein paar kölschen Brocken drin, und daß er aus Sansibar stamme. Unwillkürlich mußte ich an Freddie Mercury denken. Das fand er amüsant.

Shaban lebt seit 1965 in Köln. Er hat für die Deutsche Welle gearbeitet und ist seit 2005 im Ruhestand. Inzwischen ist er 75. Sein zuvor verzücktes Lächeln und die Versonnenheit bestätigten sich. Er liebt Blues, besonders den traditionellen aus Zeiten, in denen ich noch keine Musik gehört habe, geschweige denn lesen oder schreiben konnte. Begeistert nannte Shaban mir einige Namen, mit denen ich nichts anfangen kann. Er wußte über diese Musiker in höchsten Tönen zu berichten. Das gefiel mir, wie mir derlei Hingabe für Musik überhaupt gefällt.

Ein oder zwei Stunden und eine Menge guter Musik später verabschiedeten wir uns voneinander, und ich machte mich auf den Heimweg. Vorbei an erhalten gebliebenen Stücken der römischen Stadtmauer, der Ulrepforte und dem Sachsenturm am Kartäuser Wall.

Ach, man muß ja vorbeugen. Es gibt Zeitgenossen, die bekommen alles in den falschen Hals, weil sie es genau dort hinein bekommen wollen. "Neben mir saß ein Schwarzer" schrieb ich oben. Falls sich irgendwer an der Ausdrucksweise stört, Shaban tut es nicht. Er findet sie richtig und benutzt sie selbst. Ein aus Afrika stammender Bekannter nennt mich Weißer oder "Na, du Weißbrot". Als ob daran etwas Verwerfliches, Diskriminierendes oder Rassistisches wäre. Unsinn.

Donnerstag, 11. September 2014

10. Todestag von Thomas Ziegler

Rainer und ich auf dem Coloniacon 2004
Natürlich hieß er mit bürgerlichem Namen Rainer Zubeil. Seine größte Bekanntheit erlangte der in Wuppertal aufgewachsene und in Köln lebende Schriftsteller aber als Thomas Ziegler. Denn unter diesem Pseudonym schrieb er von 1983 bis 1985 für Perry Rhodan, wo er eine Zeitlang auch als Exposéautor tätig war. Man kann guten Gewissens sagen, daß er mit seinen skurrilen Ideen neuen Wind in die Serie brachte.

Bestes Beispiel ist für mich bis heute sein Planetenroman Der Narrenturm. Die abgedrehten Figuren Lukas Lorrimer, Famos O'Hack, Karnegoris Pan und ein entlaufener Würgebaum namens Jack the Ripper zeigten einen Thomas Ziegler in Bestform. Bizarre Aliens, überkandidelte Einfälle und ein an Satire grenzender Humor waren sein Markenzeichen, das er nicht nur in die Science Fiction einfließen ließ, sondern auch in seine Kriminalromane wie beispielsweise Koks und Karneval.

Rainer verwendete in seiner Schriftstellerkarriere weitere Pseudonyme. Henry Quinn und Robert Quint. Helmut Horowitz, John Spider und Tommy Z. Neben Perry Rhodan schrieb er für Die Terranauten, schuf mit Flaming Bess seine eigene Serie und verfaßte diverse eigenständige Romane, sowohl im Bereich der Science Fiction und der Fantasy als auch im Krimigenre. In der SF wurde er mehrfach mit dem renommierten Kurt-Laßwitz-Preis ausgezeichnet.

Ich lernte Rainer im Vorfeld eines Coloniacons persönlich kennen. Ich weiß nicht mehr, in welchem Jahr das war. Manfred M. und ich veranstalteten den damaligen Con, und wir wollten Thomas Ziegler unbedingt als Gast gewinnen. Wir fanden heraus, daß er in der Südstadt lebte, und schafften es tatsächlich, uns mit ihm zu verabreden.

Wir trafen uns im Filos, einer Mischung aus Kneipe, Bistro und Restaurant. Er erwartete wohl zwei pickelgesichtige Nerds, deren Sozialkompetenz beim Lesen von Perry Rhodan endete, und wir wußten nicht recht, wie wir uns ihm nähern sollten. Ziegler? Quint? Zubeil? Oder sonstwie? Was wir ihm auch sagten. Er meinte in seiner unkompliziert-augenzwinkernden Art, es sei schon okay, wenn wir ihn schlicht und einfach mit Präsident anreden. Damit war das Eis gebrochen.

Ende der Neunziger Jahre beschloß Jörg Kaegelmann, in seinem Blitz-Verlag Kurt Brands alte Raumschiff Promet-Geschichten mit neuen Abenteuern fortzusetzen. Dazu verpflichtete er Thomas Ziegler als Exposéautor. Ich war nicht nur stolz wie Bolle, als ich gefragt wurde, ob ich Lust habe, an der neuen Serie mitzuschreiben, sondern es ergab sich, daß Rainer und ich öfter miteinander zu tun hatten. Beim Schreiben der Romane nach seinen Expos hatte ich zu so mancher Szene Fragen. Er meinte stets: "Mach es einfach so, wie du es für am besten hältst." Das funktionierte ausgezeichnet, und wir kamen gut zurecht. Die Zusammenarbeit mit ihm war ein weiter Beweis für seine völlig unkomplizierte Art.

In der Folgezeit trafen wir uns des öfteren privat. So manches Mal saßen wir in der Südstadt im Litho, einem griechischen Restaurant. Nicht zum essen, sondern zum trinken. Ich bestellte Kölsch, Rainer blieb bei seinem geliebten Vecchia Romagna. Meistens hatten wir viel Spaß, denn so humorig wie in seinen Romanen war er auch bei zwischenmenschlichen Kontakten. Ich mochte ihn gleichermaßen als Mensch und als Autor. Die meisten seiner serienunabhängigen Werle stehen in meinem Bücherregal.

2004 war er abermals Besucher des Coloniacons und gerade erst zu Perry Rhodan zurückgekehrt, was seine Fans freute. Einige Monate zuvor war er mit seiner Lebensgefährtin umgezogen, innerhalb der Südstadt. Er bewohnte nun eine Wohnung mit Dachterrasse, von der aus der Blick Richtung Rhein ging. Ich erinnere mich noch daran, wie wir das letzte Mal zusammen dort oben in der Sonne saßen. Wir tranken eiskaltes Kölsch aus Flaschen, und Rainer freute sich darauf, wieder stärker bei Perry Rhodan einzusteigen. Er war begeistert, zukunftsgewandt und bestens aufgelegt. Seine Pläne konnte er jedoch leider nicht mehr verwirklichen. Wenige Tage später ist er gestorben, gerade einmal 47 Jahre alt.

In Bezug auf unsere Lebensweise, die Lockerheit und all die uns offen stehenden Möglichkeiten sagte er einmal zu mir: "Der Westen ist für mich das Licht der Welt." Ein bißchen von diesem Licht war er mit seinen Werken selbst. Wenn ich heute, an seinem zehnten Todestag, mit reichlich Schwermut an Rainer denke, fällt mir eine Textpassage ein, die Wolfgang Niedecken in dem BAP-Lied Dreimohl zehn Johre singt. "E Glas ob die von uns, die't hinger sich han. Mir sinn uns widder, irjendwo, irjendwann." Das will ich aber auch schwer hoffen.


Donnerstag, 17. April 2014

Der Steuverhoff und das Anno Pief

Bei meinen Spaziergängen durch Köln stoße ich immer wieder auf historische Schmuckstücke. Ein solches Schmuckstück, das ich allerdings schon lange kenne, ist der Stavenhof, im Kölschen auch Steuverhoff genannt. Die enge Gasse, die den Eigelstein mit dem Gereonswall verbindet und früher ein Rotlichtviertel war, wurde schon in Mundartliedern besungen, zum Beispiel von den Krageknöpp oder Jürgen Zeltinger. Auch war sie Drehort für Szenen der Krimis, in denen Willy Millowitsch den Kommissar Klefisch verkörperte.

Gestern war ich im Eigelsteinviertel unterwegs und bin wieder einmal mit großen Augen durch den Steuverhoff gelaufen. Ich wünschte, es wären viel mehr solch historischer Fassaden in Köln erhalten geblieben. Im Stavenhof zu finden ist das Anno Pief, das von außen schön einladend wirkt, aber immer geschlossen hatte, wenn ich vorbeikam. Gestern war ich mal nicht tagsüber am Eigelstein unterwegs, sondern am Abend. So nutzte ich die Gunst für eine Einkehr, weil ich endlich wissen wollte, wie es im Inneren des Anno Pief aussieht.

Was soll ich sagen? Gewissermaßen Verliebtheit auf den ersten Blick. Der Eingang liegt im Hausflur. Die Kneipe ist klein, urig und urgemütlich, mit rustikalen Tischen und Bänken, die mit der historischen Atmosphäre der umliegenden Backsteinbauten bestens harmonieren. Alte Holzvertäfelung ohne modischen Schnickschnack. So stelle ich mir eine Bierkneipe vor, etwa wie ein Brauhaus in Klein, in dem bestimmt keine Cocktails ausgeschenkt werden. Und das ist auch gut so.

Es gibt einen kleinen Hinterhof für die Raucher. Da fühlt man sich ins vorletzte Jahrhundert zurückversetzt. Das gilt auch für die ausgetretenen Stufen der schiefen Holztreppe, die zu den in der ersten Etage liegenden Toiletten führt. Das alles hat Charme und Charakter und ist weit entfernt von der Beliebigkeit vieler heutiger Gastronomiebetriebe. Patrick, der nette Weet mit langem Pferdeschwanz, paßt ins Ambiente und ist jetzt, wie er erzählt, seit 13 Jahren im Anno Pief

Und es gibt es Fußball, ohne den heutzutage wohl keine Kneipe mehr auskommen dürfte. Daumen hoch für die Großbildfernseher. Es lief sowohl das Halbfinale im DFB-Pokal zwischen Bayern und Kaiserslautern als auch das spanische Pokalfinale zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona. Der Siegtreffer von Reals Gareth Bale war der Knaller, und in der Ecke unterhielten sich ein paar Jungs über Panini-Fußballbilder und Nationalspieler Mathias Herget bei Bayer Uerdingen in der Grotenburg. Richtig schöner Fußballcharakter jenseits der bei Weltmeisterschaften Deutschland-schreienden Eventies.

Hinter der Theke hängt ein Wimpel von Viktoria Köln. Na sowas. Da muß ich wohl mal einen von der Fortuna stiften. Wie auch immer, würde ich im Eijelsteinveedel leben, könnte das Anno Pief glatt meine Stammkneipe werden. Vorbeischauen werde ich auf jeden Fall wieder mal.

Freitag, 24. Januar 2014

Ich un minge Weet

Mir wurde just ein Foto zugespielt, das aus der Nacht von Heiligabend auf den ersten Weihnachtsfeiertag 2013 stammt. Es wurde in der Alten Griechenschänke aufgenommen und zeigt den Wirt Dieter und mich beim finalen Kölsch. Wie bin ich bloß an die Mütze gekommen? Und wer stand da in der Tür und hat das Foto geschossen? Merkwürdig, um die Uhrzeit waren alle anderen Gäste schon nach Hause gegangen. Da ich das Bild mag und es nicht virtuell verstauben soll, lasse ich es hiermit das Licht der Welt erblicken.

Zuvor taten wir, was man an Heiligabend halt so tut: Es wurde gewürfelt, über Gott und die Welt sinniert und kölsche Musik gehört. Weniger weihnachtliche, mehr Karneval. Was hier ja auch irgendwie zusammengehört und darum genau so angenommen wurde. Besinnlichkeit? Aber ja. Reduziertes Licht mit Wunderkerzen? Das kam wunderbar an. Und dann gemeinschaftlich zu den Bläck Fööss und dem Veedel gesungen. Kölsche Weihnacht, wie sie sich gehört. Für Außenstehende zuweilen schwer zu verstehen, für kölsche Jecken ein Fest.


Dienstag, 24. Dezember 2013

Akustische Klassiker im Nox

Der Gastro-Szene ist Martin Quast hinter der Theke verloren gegangen, seine Musik macht er weiter. Zum Glück. Es wäre wirklich schade, wenn er seine Fähigkeiten als Sänger und Gitarrist dem Publikum nicht mehr nahe brächte. Am gestrigen Abend trat er im Nox auf, nur mit akustischer Gitarre, so wie man es von ihm kennt.

Martin kann singen und hat eine gute Gesangsstimme - die ich mit seiner Sprechstimme allerdings nie in Einklang bringe. Beide sind für mich, als stammten sie von zwei verschiedenen Menschen. Ich staune immer wieder darüber. Was sich nicht ändert, sind seine akustischen Interpretationen bekannter Stücke der Rockmusik. Aus den vorhandenen Juwelen macht er eigene kleine Perlen.

Sein Repertoire ist dabei breit gefächert, wie er im Nox einmal mehr unter Beweis stellte. Martin sprang zwischen Crosby Stills & Nash, Police und den Beatles hin und her, er wechselte von Neil Young zu U2 und von Bob Dylan zu Marillion. Daß er meinen Musikgeschmack trifft, wußte ich natürlich schon vor dem Konzert.

Als er ankündigte, der nächste Song werde einem im Publikum sicher gefallen, weil derjenige den Komponisten mag, und er mir dabei einen kurzen Blick zuwarf, ahnte ich, daß Bruce Springsteen folgen würde. So war es. Ich entspannte mich zu Youngstown vom 95er Boss-Album "The Ghost of Tom Joad". Als die ersten Akkorde von Wish You Were Here erklangen, schloß ich unbewußt die Augen und fühlte mich in die Achtziger Jahre zurückversetzt, zu den beiden Pink Floyd-Konzerten, die ich damals im Müngersdorfer Stadion gesehen habe.

Santanas Black Magic Woman folgte, Bob Marleys wunderbarer Redemption Song und  Hey Joe von Jimi Hendrix. Martin war in bester Spiellaune. Der sympathische Kerl mit seiner Gitarre wollte gar nicht aufhören. Für mich war es ein ausgesprochen entspannter und gemütlicher Abend, an dem ich einfach die Seele baumeln ließ. Die beste Einstimmung auf die besinnlichen Weihnachtstage.

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Das Miljöh heißt jetzt Nox

Vor einem halben Jahr erzählte ich, daß die legendäre Kneipe Miljöh im Studentenviertel Kwartier Latäng ihre Pforten schloß. In den Achtziger Jahren habe ich dort viel Zeit verbracht, auch in den Neunzigern. Ich habe Platten aufgelegt, Bier gezapft, unzählige Kölsch getrunken und an den Wochenenden manch rauschende Party überlebt. Bis zuletzt trugen mich meine Füße immer mal wieder dorthin, zuletzt im Frühjahr, als ich dem Wirt Erich half, den Laden auszuräumen.

Nun ist das Lokal wieder geöffnet, unter neuer Leitung und unter neuem Namen. Es trägt den Namen Nox und präsentiert sich von innen wie von außen völlig verändert. Yooz, zuvor Teilhaber im Barock am Ring, hat vor der Eröffnung eine Menge Arbeit in sein neues Kind investiert, und das sieht man auf den ersten Blick. Das Nox ist heller, als es das Miljöh war, moderner und geräumiger. Da, wo einst die Küche war, gibt es eine zusätzliche gemütliche Sitzecke. Die neue Theke allerdings ist mir eine Spur zu hoch - oder bin ich nur zu klein?

Gekickert werden kann auch zukünftig. Der Apparat blieb glücklicherweise erhalten und findet, wie man hört, regen Zuspruch. Auch die Darter kommen weiterhin auf ihre Kosten. Als alter Flipper-King freue ich mich besonders darüber, daß ein Daddelautomat ins Nox Einzug gefunden hat, so wie in den Frühzeiten des Miljöh. Lethal Weapon, Teil 3. Gleich getestet und für gut befunden. Mehrere Freispiele aufgrund des Punktekontos zeigten mir, daß ich es noch nicht ganz verlernt habe. Oder führte mir der liebe Gott die Hand, um mir einen angenehmen Abend zu bescheren?

Doch ein ganz wichtiger Punkt bei Kneipen ist für mich stets die Musik, die gespielt wird. Über zwei Großbildschirme - natürlich auch für Fußballübertragungen gedacht - flimmern Musikvideos, was mir ja schon im Barock so zusagte. Die Auswahl ist dabei ganz nach meinem Geschmack. Sie reicht von Johnny Cash und Neil Young über die Stranglers und Clash bis zum Retro Rock der Hellacopters und dem Irish Folk Punk der Dropkick Murphys. Dazwischen verirrt sich aber durchaus auch mal der Minimalistensound der Violent Femmes oder ein Bossa Nova. Bei anderen Sachen wie Seeed oder Marvin Gaye höre ich einfach weg. Man muß nicht alles mögen.

Jedenfalls ist das Nox ein schöner Laden geworden, und ich habe die schwere Auswahl zwischen leckerem Mühlen Kölsch und nicht minder gutem Schneider Weißbier. Ich bin mit Sicherheit nicht zum letzten Mal dort gewesen, versprochen.

Freitag, 18. Januar 2013

Das Miljöh schließt seine Pforten

In den späten Achtziger Jahren war ich im Miljöh für die Musik zuständig. Am Wochenende legte ich in der Kölschkneipe im Studentenviertel Kwartier Latäng Platten auf. An den Einsatz von Computern zur musikalischen Beschallung war zu jener Zeit noch nicht zu denken. Zwar kamen bereits CDs zum Einsatz, aber überwiegend drehten sich noch Vinylscheiben auf den Plattentellern. Bis Mitte der Neunziger war ich im Miljöh tätig, nach der anfänglichen DJ-Zeit auch als Bierzapfer hinterm Tresen. Damals war der Laden an den Wochenendabenden immer rappelvoll. Die nächtlichen Sausen bei guter Rockmusik oder kölschen Klängen ließen sich nicht zählen, einen Anlaß gab es immer.

Nun gingen in der Kneipe, die drei Dekaden auf dem Buckel hat, die Lichter aus. Ein letztes Mal betrat ich das Miljöh. Mit Wirt Erich, der das Miljöh ein Vierteljahrhundert lang betrieb, und ein paar anderen, die ebenfalls dort tätig waren, begab ich mich an den letzten Akt. Der Laden und die angeschlossene Küche mußten ausgeräumt werden. Ein bißchen war es noch mal wie ein Eintauchen in die alte Zeit, und etwas Sentimentalität kam auch auf. Die wurde nach getaner Arbeit aber weggespült. Denn im Kühlkeller lagen noch zwei Pittermännchen, und die mußten, wie Erich feststellte, auf jeden Fall geleert werden. Was wir dann zu guter Letzt auch noch erfolgreich hinter uns brachten.

Mittwoch, 14. März 2012

Short Cuts mit bläcke Fööss

Trister Himmel, graue Wolken, alles ungemütlich irgendwie. Driss Wedder, wie man in Köln sagt. Nicht wirklich kalt. Trotzdem dicke Jacke umgehängt. Glücklicherweise, wie sich im Laufe des Abends herausstellte. Denn der Frühling läßt noch auf sich warten.

Mit einem Freund durch die Südstadt spaziert. Hätte eigentlich Ren Dhark schreiben müssen. Der Termin ist eng, das Manuskript hinkt einher mit meiner zuweilen unverantwortlichen Lässigkeit. Aber so eine Pause zwischendurch macht den Kopf klar. Bricht ihn auf und offenbart andere Perspektiven. Der gute Dhark hat Priorität, muß sich aber trotzdem entwickeln und kann auch morgen früh noch weitergehen.

Stattdessen Parforceritt durch die Südstadt, zu Fuß natürlich. Blechlawinen und Seitenstraßen. Hinterhöfe, Klösterchen und türkische Kaschemmen. Die Torburg geschlossen. Unterm Severinstor dafür zwei Berber. Prosten sich zu und sehen ziemlich glücklich aus. Einer kommt aus den neuen Ländern, ich kenne ihn. Flüchtig. Habe irgendwann schon mal mit ihm gesprochen. Wieso eigentlich neue Länder? So neu sind die schon lange nicht mehr. Nicht mal der Geruch vom Rhein, nur ein paar hundert Meter entfernt, dringt herauf. Die Vringspooz steht da, monumental wie immer. Unangreifbar und wie für die Ewigkeit geschaffen. Von dort aus geht es die Wälle hoch. Noch mehr Türken aus mir unbegreiflichen Läden, alle im Rentenalter. Dahinter der regungslose Stadtsoldat an der Ulrepforte, noch viel älter. Jahrhunderte sogar.

Ein paar Kölsch im Mainzer Eck. Radiosender. Keine Ahnung, welcher. Aber nette Musik. Neben Born to be Wild läuft Synthiepop aus den Achtzigern. Alphaville, Duran Duran und Human League mochte ich alter Hardrocker schon immer. Forever Young halt. Wir reden über Fußball, natürlich. Über den FC und die Fortuna. Auch über die Viktoria. Andere Rheinseite, aber trotzdem kölscher Verein.

In der Griechenschänke ist es so wie immer. Nett und gemütlich. Ich fühle mich wie zu Hause. Dieter ist gewohnt toll, Andrea der optische Stern am Himmel des Griechenviertels. Uwe und Theo kommen rein. Mit dem Döres falle ich mir eh immer in die Arme. Den kenne ich noch aus alten Reissdorf-Zeiten. Uwe singt live vor der Theke zu seiner eigenen CD. Mal wieder die Lebenskünstler anhören, zusammen mit dem Tünn, es lohnt sich.

Zum Finale ab in den Wilddieb. Hinter der Theke steht der legendäre Hans, nicht nur bekannt im Veedel, sondern in ganz Kölle. Wir schwelgen ein wenig, und zwar im Gedenken an vergangene Sonntag Nacht, an die wir uns beide nicht mehr bis zum Ende erinnern können. Ich widme mich dem Computer und mache Musik. Vor allem die Bläck Fööss. Überwiegend Stücke aus den Siebziger und Achtziger Jahren. Die haben nichts mit Karneval zu tun, aber auch gar nichts. Das sind reine Mundardstücke, die sich um unsere Stadt drehen. Und um die Minsche un ihr Problemcher. Springsteen oder Leonard Cohen aus kölscher Seele halt. Szenen, Milieustudien, Stadtgespräche. Kann keiner nachvollziehen, dä kein kölsch Hätz hät.

Schöner Abend war das. Mehr noch, grandios und befreiend. Der Kopf ist klar. Die Gedanken können wieder ins Universum von Ren Dhark eintauchen. He, Point of, ich komme.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Im Miljöh wurde gekickert

Nachdem ich am gestrigen Abend ein Romanmanuskript beendet hatte, mußte ich weg vom Schreibtisch, raus aus der Wohnung und ein paar Bier trinken. In Mannis Rästorang plauderte ich mit Pete über Fußball im allgemeinen und die Kölner Vereine FC und Fortuna im besonderen. Ein seltsames Gefühl stellte sich beim Tresenhocken ein. Irgendwie erwartet man immer noch, daß Manni im nächsten Moment aus der Küche um die Ecke kommt und sich dazugesellt. Wird leider nicht mehr passieren.
Anschließend stattete ich dem Versus einen Besuch ab. An der Theke wurde ich von drei Leuten angesprochen: "He, du warst doch damals der Kicker-King vom Miljöh".
Stimmt, im Miljöh wurde damals viel und heftig Tischfußball gespielt, erinnerte ich mich. Allabendlich war der Kicker umlagert, und am Wochenende wurden heiße Turniere ausgefochten. Das muß schlappe 10 Jahre her sein. Ich war tatsächlich ziemlich gut damals, der Kicker-King aber keinesfalls. Da gab es ein paar Jungs, von denen habe ich keinen Ball gesehen, so schnell waren sie.
Seit dieser Zeit stand ich auch nur noch ganz selten am Tisch. Und gegen Spieler, die ein wenig was drauf haben, würde ich heute mit Sicherheit wie ein blutiger Anfänger aussehen.

Donnerstag, 7. April 2011

Gedenktafel für Karl Küpper


Karl Küpper war Karnevalist und besaß eine Kneipe in Köln-Kalk. Das ist nun beileibe nichts Ungewöhnliches, sein Verhalten während der NS-Zeit war es hingegen umso mehr. Während der organisierte Karneval und seine Institutionen sich weitgehend mit dem Dritten Reich arrangierten, die meisten Karnevalisten und Büttenredner vor den Nazis kuschten und ihre literarischen Texte entsprechend gestalteten, dachte Küpper gar nicht daran, sich zu verbiegen.
Er trat auf als "Dr Verdötschte", was soviel heißt wie "Der Verrückte". In seinen Büttenreden im Sitzungskarneval bezog er offen Stellung gegen die Nationalsozialisten und hielt sich nie mit seiner Kritik gegen die Obrigkeit zurück. Mögliche Repressalien ignorierte er und wurde schließlich mit einem lebenslangen Redeverbot belegt. Auch mußte er sich regelmäßig bei der Gestapo melden.
Nach dem Krieg trat Küpper wieder als Büttenredner auf. Ziel seiner Spitzen waren wieder die Nazis, aber auch stets die aktuelle politische Situation.
Jetzt wurde Karl Küpper zu Ehren an dem Haus, in dem er einst seine Kneipe hatte, eine Gedenktafel enthüllt. Es hat zwar lange gedauert, aber, wie es so schön heißt, besser spät als nie. Die Edelweißpiraten wurden erst 2005 endlich als Widerstandskämpfer gegen das Dritte Reich anerkannt, und jetzt erhielten drei Kölner Edelweißpiraten sogar das Bundesverdienstkreuz. Das alles hätte auch etwas früher geschehen dürfen.

Montag, 7. März 2011

Drink doch eine met

Mittags hatte ich genug gearbeitet. Drei Ren Dhark-Manuskiptseiten reichen für einen Karnevalssonntag. Als ich aus dem Haus trat, kam mir Batman entgegen, gefolgt von Slash und einem Jedi-Ritter. Ein guter Anfang.
Mein erster Weg führte mich in die Alte Griechenschänke. Bekannte getroffen, ein paar Kölsch getrunken und Karnevalsmusik im Ohr. Wo denn meine Verkleidung sei? Ich gehe so wie jedes Jahr, als Kölner. Das ist wahr, das ist authentisch, deshalb brauche ich keine andere Verkleidung. Das leuchtete ein.
Anschließend ging's ins Reissdorf-Brauhaus. Reissdorf ist mein Lieblingskölsch, Reissdorf bleibt mein Lieblingskölsch. Leider gab es zuviel Hol das Lasso raus und YMCA-Geträller. Das hat für mich nichts mit Karneval zu tun, das mag ich nicht. Kölscher Karneval ist Brauchtumspflege, sollte es auch bleiben. An Schlagerpartys habe ich generell kein Interesse, Ballermann-Feten sind mir widerwärtiger Graus.
Am frühen Abend fuhr ich ins Haus Stüsser im Agnesviertel. Drei Euro Eintritt wollte der Türsteher haben, weil extra ein DJ engagiert worden war. Sowas sehe ich bei einem Brauhaus nun gar nicht ein, auch auf Karneval nicht. Zum Glück kam genau in dem Moment, als ich vor der Tür stand, DJ Giovanni. Ich kenne ihn von früher, aus dem Reissdorf. Kein Eintritt, komm rein. Wunderbar.
Das Haus war voll, die Stimmung prächtig. Und vor allem - kölsche Musik. Viel Bläck Fööss, eine Menge Räuber und Paveier, dazu Kölsch vom Faß und kräftig mitsingen. So liebe ich es.

Freitag, 22. Oktober 2010

De Hüs'cher bunt om Aldermaat

Nette Sachen können passieren, wenn man abends noch schnell was einkaufen geht. So ging es mir gestern. Nach dem Einkauf wollte ich auf dem Heimweg im Brauhaus Zum kölsche Jung schnell zwei Kölsch trinken und dann nach Hause. Ich traf Bekannte, unterhielt mich eine Weile, und plötzlich lief kölsche Musik.
Dann kamen die Kölner Legenden Hans Süper, inzwischen 75 Jahre alt, und Ludwig Sebus, sogar schon 85, durch die Tür. Sebus gilt als einer der letzten kölschen Krätzchen-Sänger mit seinem erfolgreichsten Lied "Luur ens vun Düx noh Kölle". Hans Süper erlangte bereits vor 30 Jahren zusammen mit Hans Zimmermann als Colonia-Duett Kultstatus und ist bis heute eine Stimmungskanone, die Jung und Alt gleichermaßen begeistert.
Allein die Anwesenheit der beiden alten Helden sorgt schon für gute Stimmung, und dem trug der Wirt mit seinem folgenden musikalischen Programm Rechnung. In den folgenden Stunden war Kölner Mundart angesagt. Bei Bläck Fööss-Liedern aus den Siebziger Jahren bis zu "De Hüs'cher bunt om Aldermaat" wurde kräftig mitgesungen. Nach ein paar weiteren Kölsch traute ich mich dann auch.
So wurde es unerwartet ein völlig gelungener Abend, wie man ihn nicht planen kann. So kann es öfter sein, mit Kölner Idolen und altem Kölner Mundartgesang, von dem sehr viel ganz unabhängig von Karneval funktioniert. Schön.

Montag, 27. September 2010

Freibier mal anders

Vor ein paar Tagen war ich am Bahnhof, um Fahrkarten nach Frankfurt zur Buchmesse zu holen. Mir war beinahe entfallen, daß sie ja schon fast vor der Tür steht. Im vergangenen Jahr habe ich es zeitlich nicht zur Messe geschafft, doch diesmal will ich sie nicht verpassen. Der eine oder andere Gesprächstermin mit Verlagsangehörigen steht bereits fest.
Da ich um die Mittagszeit unterwegs und nach versäumtem Frühstück hungrig war, nutzte ich die Gelegenheit, in der Nähe etwas essen zu gehen. Verläßt man den Bahnhof rückseitig über den Breslauer Platz, braucht man nur über Eigelstein und Ebertplatz zu spazieren und ist schon in der Neusser Straße mitten im Herzen des Agnesviertels. Ich kehrte im Brauhaus Stüsser ein, wo ich den Geschäftsleiter Horst recht gut kenne, der früher im Brauhaus Reissdorf gleich bei mir um die Ecke tätig war.
An der Theke saßen diverse Gäste beisammen, von denen jeder einen dicken Stapel der Kölner Tageszeitung EXPRESS vor sich liegen hatte. Was ich zunächst für ein neues abstruses Gesellschaftsspiel hielt, entpuppte sich schnell als gewiefte Taktik. Dem EXPRESS lag an diesem Tag nämlich ein Gutschein für ein kostenloses Kölsch im Stüsser bei. Deshalb hatten die Schlauköpfe im ganzen Viertel in Geschäften, Kiosken und Zeitungsautomaten die Auflage aufgekauft und bestellten im Tausch gegen die beiliegenden Gutscheine ein Sion-Kölsch nach dem anderen.
Da das Glas Kölsch im Stüsser 1,25 kostet, ein EXPRESS hingegen nur 60 Cent, hat sich das für die durstigen Kehlen natürlich gelohnt. Auf diese Weise gab's stets zwei Bier zum Preis von einem. Zum Glück hatte ich mir vorgenommen, an diesem Tag kein Kölsch anzurühren, und daran habe ich mich auch gehalten. Gaffel-Faßbrause ist nicht nur eine süffige alkoholfreie Alternative, das Zeug schmeckt auch noch gut.
Das Nierengulasch war zudem ganz hervorragend.