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Samstag, 5. Mai 2018

Demon's Eye als achtbare Deep Purple Verwalter

Demon's Eye gelten als eine der besten Deep Purple Tribute Bands, und Ian Paice, Jon Lord sowie der ehemalige Rainbow-Sänger Doogie White spielten wiederholt mit ihnen. Ihren Status belegte die ursprünglich aus Siegen stammende fünfköpfige Truppe bei ihrem Konzert in der Kabelmetal-Halle in Schladern eindrucksvoll. Zuvor hatte ich von der Gruppe noch nie etwas gehört. Dabei gibt es Demon's Eye, wenn auch schon längst nicht mehr in Urbesetzung, bereits seit zwanzig Jahren. Damit deckt die aktuelle Tour gleich ein doppeltes Jubiläum ab: 50 Jahre Deep Purple und 20 Jahre Demon's Eye.
 
Bei ihrem gut zweistündigen Auftritt stellten Demon's Eye die Zeit von der Deep Purple-Gründung 1968 bis zum 1993er Album The Battle Rages On in den Vordergrund. Gleich vom ersten Purple-Album wurde Hush gespielt, das ich zuletzt auch noch bei Deep Purple selbst erlebt habe, und früh kommt ein Highway Star, das deutlich macht, dass Demon's Eye ihren positiven Ruf völlig zurecht genießen. Sie spielen nicht nur mit Begeisterung und Leidenschaft, sondern mit musikalischen Fähigkeiten, die erklären, warum viele echte Purple-Fans sich auch dieser Tribute Band zugetan fühlen.
 
Sänger Daniele Gelsomino beherrscht die großen Gesten, Schlagzeuger Andree Schneider trommelte, was die Stöcke hergeben, und Bassist Maik Keller zeigte sich auf der Bühne wie Roger Glover als der ruhende Pol. Der formidable Gitarrist Mark Zyk lieferte sich mit Organist und Keyboarder Gert-Jan Naus ausschweifende Instrumentalpassagen. Zu einem regelrechten Duell geriet das bei dem episch zelebrierten Child in Time, bei dem sich die Beiden gegenseitig hochschaukelten. Grandios! Überhaupt Child in Time – das habe ich bei Deep Purple seit vielen Jahren nicht mehr live erlebt. Angeblich spielen Purple es nicht mehr, weil Ian Gillans Stimme nicht mehr in die erforderliche Höhe kommt. Zwar hatte auch Daniele Gelsomino bei diesem Stück zu kämpfen – und wer hätte das nicht –, so zog er sich doch achtbarer aus der Affäre, als ich erwartet hatte. Respekt!
 
Die Klassiker erfreuten das Herz, denn man muss den Jungs von Demon's Eye attestieren, dass sie gar nicht so weit weg sind von der Band, deren Lebenswerk sie verwalten und auf ihre eigene, den Originalen sehr nahe Weise interpretieren. Weder fehlte Woman From Tokyo noch Smoke on the Water. Für Perfect Strangers vom gleichnamigen Deep Purple-Comeback-Album bin ich immer zu haben. Auch Rainbow beherrschen sie, wie beispielsweise Stargazer von Ritchie Blackmores ehemaliger und wieder aktueller Band zeigten. Mit Soldier of Fortune hatten Demon's Eye, wie ich meiner reizenden Begleiterin zwinkernd ins Ohr raunte, sogar „etwas für Mädchen“ im Programm – wofür ich auch prompt einen Ellbogen in die Rippen bekam.
 
Als Zugabe gab es ein Medley aus dem von mir so geliebten Long Live Rock'n'Roll und Black Night, womit Rainbow und Deep Purple schiedlich-friedlich vereint waren. Es folgte Burn, das ich zuletzt bei einem schon länger zurückliegenden Konzert von Black Country Communion aus der Röhre von Glenn Hughes vernommen habe. Den Abschluss bildete ein Rockin' in the Free World, bei dem Band und Besucher noch einmal durch die Decke gingen. Von wem das Original stammt, brauche ich sicher nicht zu erwähnen. Sehr wohl erwähnen kann ich aber, dass ich Demon's Eye bestimmt nicht zum letzten Mal gesehen habe.

Sonntag, 22. Oktober 2017

Jürgen Zöller und BAP

Als BAP im Sommer 1987 ein Open Air Konzert in St. Wendel spielten, war ich schon einige Jahre BAP-Fan und besuchte bei jeder Tour zumindest ein Konzert, was ich heute immer noch tue. Manche Auftritte der Kölner Rock- und Mundartband führten mich weit aus der Stadt hinaus, sogar zu einem Auftritt in Luxemburg fuhr ich. Die meisten Auftritte in den Achtziger Jahren aber sah ich natürlich in Köln, im Sartory und der legendären Sporthalle. 1987 sah es jedoch mau aus mit einem BAP-Konzert.
 
Da Wolfgang Niedecken ein Soloalbum mit den Complizen eingespielt hatte und mit dieser Truppe unterwegs war, gab es in dem Jahr keine BAP-Tour – dafür jedoch im Saarland den Open Air Auftritt am 19. September im Bosenbach Stadion. Ich weiß heute nicht mehr, wie ich nach St. Wendel gelangte, jedenfalls ließ ich mir das Konzert nicht entgehen.
 
Nach Heinz Rudolf Kunze (den ich damals mochte und immer noch mag), Konstantin Wecker (den ich zu der Zeit sporadisch hörte) und Udo Lindenberg (den ich Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger sehr viel hörte, heute gar nicht mehr, und wenn dann die alten Sachen) betraten BAP die Bühne als Headliner. Das Open Air war auch eine Art Warm Up für ihre bevorstehende China-Tour. Auf der Bühne saß ein neues Bandmitglied. Jürgen Zöller war als Schlagzeuger für den kurz zuvor verstorbenen Trommler Pete King eingestiegen. Dass er diese Position fast 30 Jahre lang innehaben sollte, hat er damals sicher nicht gedacht.
 
Inzwischen, Jürgen Zöller ist heute 70, ist er bei BAP wieder ausgestiegen. Auf dem aktuellen BAP-Album „Lebenslänglich“, zum vierzigjährigen Bandbestehen und mit Sönke Reich am Schlagzeug, widmet Wolfgang Niedecken seinem langjährigen Weggefährten mit Schrääsch hinger mir ein eigenes Stück, in dem er in Stichworten ihre gemeinsame Zeit und seinen Dank an Jürgen Zöller zum Ausdruck bringt, schön, melancholisch, zu Herz gehend.
 
Damals in St. Wendel habe ich Jürgen Zöller bei seinem allerersten Konzert mit BAP gesehen, viele Jahre immer wieder und schließlich bei seiner finalen Tour in der Beethovenhalle in Bonn. Jürgen Zöller bleibt der Musikszene mit seiner eigenen Band erhalten, und die Eintrittskarte vom Open Air Konzert irgendwo im Saarland befindet sich selbstverständlich heute noch in meiner Sammlung.
 
Hier noch die Setlist vom Konzert in St. Wendel:

Samstag, 29. Juli 2017

Das Underground schließt seine Pforten

Wenn das Underground im September schließen muss, geht wahrlich eine Ära zu Ende. Der Club und Veranstaltungsort in Köln-Ehrenfeld wurde 1988 eröffnet. Er besteht aus einer Kneipe mit zwei angrenzenden Sälen und einem Biergarten für die Sommermonate. Anscheinend wurden die Betreiber von der raschen Entwicklung überrollt. Ihre Pläne, zum dreißigjährigen Jubiläum im Januar eine große Abschiedsparty auf die Beine zu stellen, können sie nicht mehr verwirklichen. Die Stadt Köln will auf dem ehemaligen Industriegelände eine inklusive Universitätsschule errichten. Der Betrieb des Undergrounds endet auf städtische Anordnung Mitte September.
 
Mit seinen Wochenendparties und seinen Konzerten genießt das Underground einen guten Ruf weit über Kölns Stadtgrenzen hinaus. Die dort gespielte Musik war meist nach meinem Geschmack: Rock, Rock'n'Roll, Heavy Metal und Punk. Viele heute international bekannte Bands und Künstler standen im Underground auf der Bühne, bevor ihre Karriere so richtig in Schwung kam, so beispielsweise Green Day, die heutzutage Stadien füllen.
 
Anfang der Neunziger Jahre habe ich ein paar Mal im Underground gesessen und zwei oder drei Konzerte gesehen. Ich glaube mich zu erinnern, dass Brings dazu gehörte. Brings, 1990 gegründet und damals nach eine richtige Rockband, bevor sie zehn Jahre später mit fliegenden Fahnen zur Stimmungs- und Karnevalsmusik überliefen, spielten dort, noch bevor sie ihr erstes Album veröffentlichten. Wen ich sonst noch dort sah, weiß ich gar nicht mehr. Auf jeden Fall ist die Zeit des Underground abgelaufen. Das finde ich schade.

Samstag, 17. Juni 2017

The Joshua Tree 1987 im Müngersdorfer Stadion

U2 sind derzeit auf großer Tour. Anlass ist der 30. Geburtstag ihres bahnbrechenden Albumklassikers The Joshua Tree. Spätestens diese Veröffentlichung hatte die vier Iren nach The Unforgettable Fire endgültig zu Superstars gemacht, die weltweit die Stadien füllten.

So auch in Köln, wo sie am 17. Juni 1987 im Müngersdorfer Stadion vor 67.000 Zuschauern spielten. Einer davon war ich. Als Vorgruppen traten Big Audio Dynamite auf, Lou Reed sowie The Pretenders. Weder habe ich Erinnerungen an Lou Reed, noch an die wunderbare Chrissie Hynde. Schade.

Bevor die begeisternde Show begann, ärgerte ich mich gleich am Eingang, und das nicht wenig. Der Abrissstreifen an den Eintrittskarten interessierte die Eingangskontrolleure nämlich herzlich wenig. An der Vorkontrolle, also am Stadioneingang, wurde die halbe Karte abgerissen, am Zugang zum Innenraum dann die zweite Hälfte einbehalten. Für jemanden, der die Karten der von ihm besuchten Konzerte sammelt, ein Unding, ja eine Frechheit. Bloß interessierte das die Deppen an den Kontrollpunkten herzlich wenig. Da half weder gutes Zureden noch Fluchen oder Schimpfen. So etwas habe ich weder vorher bei einem Konzert noch später jemals wieder erlebt.

Das Konzert selbst hielt, was die Erwartungshaltung versprach: Die Stücke, die ich inzwischen auswendig kannte, eine großartige Performance und eine Band auf ihrem vermeintlichen Höhepunkt. Jetzt, 30 Jahre später, spielen U2 im Gegensatz zu damals das komplette Album. Das allein wäre schon Grund genug, sich einen Auftritt anzusehen. Allerdings, und das ist ein schwaches Bild, findet nur ein einziger Auftritt in Deutschland statt, und zwar im Juli in Berlin. Das ist mir doch zu weit, da bleibe ich lieber bei der Erinnerung an den famosen Auftritt 1987 in Müngersdorf, auch wenn die Erinnerung an das Konzert gern deutlicher sein dürfte.

So sah die Setlist damals aus:

Stand By Me
C'mon Everybody
I Will Follow
I Still Haven't Found What I'm Looking For / Exodus (Snippet)
MLK
The Unforgettable Fire
Sunday Bloody Sunday
Exit / Riders On The Storm (Snippet) / Gloria (Van-Morrison-Song) (Snippet)
In God's Country
The Electric Co.
Help!
Bad / Ruby Tuesday (Snippet) / Sympathy For The Devil (Snippet)
New Year's Day
Pride (In The Name Of Love)
Zugabe(n):
Bullet The Blue Sky
Running To Stand Still
With Or Without You / Love Will Tear Us Apart (Snippet)
Party Girl
'40'

Donnerstag, 8. Juni 2017

Einmal noch Smoke on the Water

Als ich Smoke on the Water zum ersten Mal im Radio hörte, hatte ich noch keine Ahnung von Musik, und auf Konzerte ging ich erst recht noch nicht. Ich war auf Anhieb begeistert, auch wenn ich nicht verstand, um was es in dem Lied ging. Doch ähnlich wie später Sultans of Swing von den Dire Straits war es wie eine Initialzündung. Deep Purple hieß die Band, erfuhr ich. Als ich dann zum Konzertgänger wurde, noch nicht ahnend, dass das jahrzehntelang so bleiben sollte, wollte ich diese Band natürlich unbedingt auf der Bühne sehen. Doch Pech gehabt, Deep Purple hatte sich bereits 1976 aufgelöst. Schweren Herzens akzeptierte ich, dass es mir niemals vergönnt sein würde, die Musiker und dieses Stück live zu erleben.

Im Jahr 1984 war ich bei der Bundeswehr und hatte bereits einige Konzerte hinter mir. An einen Auftritt von Deep Purple dachte ich da längst nicht mehr. Wie denn auch? Schließlich existierte die Band seit acht Jahren nicht mehr. Dann berichteten die Kölner Tageszeitungen, die Rocklegenden hätten sich wieder zusammengerauft und ein neues Album sowie eine ausgedehnte Tour ständen auf dem Programm. Ich erinnere mich an ein Preisausschreiben. Ich glaube, es war im Express, aber die Erinnerung könnte mich trügen. Es galt zu raten, welche der alten Stücke die wiederformierte Band auf ihrer Konzertreise spielen würde.
 
Ein neues Album, die Vorstellung fand ich nett. Da ich aber inzwischen von „Machine Head“, „In Rock“, „Fireball“ und dem Live-Meisterwerk „Made in Japan“ infiziert war, erwartete ich keinen großen Wurf. Was sich als Irrtum erweisen sollte, denn das Reunion-Album „Perfect Strangers“ zählt für mich zu den besten Purple-Platten. Ungleich mehr als auf die Scheibe freute ich mich jedoch auf die Tour. Mein Jahre zuvor gehegter und schließlich ad acta gelegter Traum schien in Erfüllung zu gehen. 1985 war die Band auf Tour, und sie spielten ein Open Air auf dem Maimarktgelände in Mannheim. Vermutlich gab es kein Konzert in meiner Nähe, sonst wäre ich nicht nach Mannheim gefahren, per Anhalter, wenn ich mich recht entsinne. Oder doch mit der Bahn? Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls hätte mich nichts davon abhalten können.
 
Vor den Headlinern traten vier Bands auf: Meat Loaf, Mountain, Roger Chapman und die Lokalmatadoren Rodgau Monotones. Gleichwohl teils klingende Namen, dürften mir die Vorgruppen ziemlich egal gewesen sein. Ebenso dass es, so meine ich mich zu erinnern, über weite Strecken des Tages regnete. Es war der 29. Juni und mein erstes, jahrelang nicht für möglich gehaltenes Deep Purple-Konzert. Zwei Jahre später sah ich sie in der alten, heute längst nicht mehr existenten Kölner Sporthalle und in den folgenden drei Dekaden immer mal wieder, zuletzt 2015 in der Arena in Oberhausen.
 
Vor wenigen Monaten wurde dann ein neues Album angekündigt. Bei dem Titel „inFinit“ schossen die Spekulationen über ein bevorstehendes Ende der Band ins Kraut. Zudem wurde die anstehende Welttournee als „The Long Goodbye Tour“ angekündigt. Verdenken könnte man den altgedienten Recken den Rückzug ins Privatleben nicht, schließlich sind sie um die Siebzig. In einem Interview in der April-Ausgabe des Musikmagazins Classic Rock und auch an anderer Stelle relativierte Schlagzeuger Ian Paice, der übrigens als Kind zwei Jahre in Köln lebte, die schlimmsten Befürchtungen. Zwar sei das Ende der Band unvermeidlich, doch auch wenn dies die letzte ausgedehnte Welttour sei, können die Musiker sich durchaus vorstellen, kleinere Reisen mit wenigen Auftritten in verschiedenen Kontinenten zu unternehmen. Nicht mal ein weiteres Album schließt der Drummer kategorisch aus. Voraussetzung sei natürlich, dass sie alle gesund blieben.
 
Nun hielt das Hardrock-Flaggschiff in der KölnArena Einzug. Es war das erste Mal, dass ich Deep Purple an diesem Auftrittsort erlebte. Sie begannen mit Time for Bedlam, einem von vier Songs des neuen Albums, die zeigten, dass sich die aktuellen Stücke hinter den Klassikern nicht zu verstecken brauchen. Die folgten dann mit Fireball, Bloodsucker und Strange Kind of Woman in rascher Folge.
 
Ian Paice und Bassist Roger Glover spielten beherzt wie seit fast fünfzig Jahren. Ian Gillan, bei dem ich immer fürchte, dass die Stimme versagt, belehrte mich zum wiederholten Mal eines besseren. Gitarrist Steve Morse sowie Keyboarder Don Airey sind schon lange viel mehr als bloßer Ersatz für Ritchie Blackmore und Jon Lord – auch wenn diese beiden im Line Up der Band für mich unerreicht bleiben. Morse ist ein hervorragender Gitarrist, und Aireys ausgedehntes Solo erinnerte an Glanzzeiten des großen Jon Lord. Da standen fünf wunderbare, fünf beseelte Musiker auf der Bühne, die sich ihres Könnens und ihrer Fähigkeiten bewusst sind, die nichts mehr beweisen müssen und vielleicht gerade deswegen umso mehr Spaß an ihrem eigenen Spiel haben.
 
Es entwickelte sich ein Parforceritt durch die Jahrzehnte und durch die verschiedenen Schaffensphasen der Band. Als Perfect Strangers vom Wiedervereinigungsalbum erklang, ahnte man, dass es dem Finale entgegengeht, das dann mit Smoke on the Water, wie könnte es anders sein, seinen Höhepunkt erreichte. Lautstark wurde der große Klassiker aus mehreren tausend Kehlen mitgesungen. Als Zugabe gab es dann wie von mir erwartet Hush vom allerersten Album von 1968 und schlussendlich das abermals von den Fans mitgesungene Black Night.
 
Keine Frage, Deep Purple präsentierten sich noch einmal wie zu besten Zeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie wirklich aufhören. Dazu sind sie zu spielfreudig, zu sehr voller Energie und einfach noch viel zu gut. Dieses Konzert wäre zwar ein würdiger Abschluss für mich, aber Ian Paice's zurückhaltende Andeutungen im Interview lassen mich hoffen, dass es das noch nicht war mit Deep Purple. Ansonsten ginge für mich wirklich eine Ära zu Ende. Aber mindestens einmal möchte ich gern noch – nun ja, es steht in der Überschrift.

Setlist: 1. Time for Bedlam / 2. Fireball / 3. Bloodsucker / 4. Strange Kind of Woman / 5. Johnny's Band / 6. Uncommon Man / 7. The Surprising / 8. Lazy / 9. Birds of Prey / 10. Hell to Pay / 11. Keyboard Solo / 12. Perfect Strangers / 13. Space Truckin' / 14. Smoke on the Water / 15. Hush / 16. Bass Solo / 17. Black Night.
 

Sonntag, 12. Februar 2017

Kölsche Mundart mit dem Drei Mann Quartett

Kölsch wie auch andere regionale Mundarten wird immer weniger gesprochen, heißt es – und immer weniger gesprochen werden. Es sei abzusehen, dass die Dialekte aussterben. Bin ich in Köln in den Veedeln unterwegs, in der Straßenbahn oder selbst in kölschen Kneipen, fällt mir auf, dass die Behauptung stimmt. Oder zumindest bilde ich mir das ein. Kölsch sprechen überwiegend noch die alten Kölner.
 
Anders ist das im Karneval, wo die kölsche Sprache aus dem Liedgut nicht wegzudenken ist. Zu den Gruppen, die dort seit Jahrzehnten auftreten (Bläck Fööss, Höhner, Paveier, Räuber), gesellten und gesellen sich alljährlich neue Bands (wie beispielsweise die Klüngelköpp, Kasalla, Cat Balou, Die Domstürmer). Leider bekommt man sowohl von den Alteingesessenen als auch den Neuen in ihren Liedern kaum einmal mehr richtig schöne Geschichten erzählt, so wie es vor allem die Bläck Fööss in den Siebziger Jahren machten. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel, aber überwiegend muss für jede Session eine neue Hymne her, die auch der letzte Depp noch mit drei Promille mitgrölen kann.
 
Glücklicherweise gibt es – abseits der großen Bühnen und zumeist unbeachtet seitens eines feierwütigen Publikums – Musiker, die sich der kölschen Mundart und den alten Texten verschrieben haben. Sie pflegen sie bei ihren Auftritten mit Begeisterung und erhalten sie am Leben. Zunächst fiel mir das vor ein paar Jahren bei der Familich auf, auch bei Philipp Oebel und vor geraumer Zeit bei Peter Schmitz-Hellwing. Und jetzt lernte ich eine Band kennen, von der ich bis dato noch nie etwas gehört hatte. Noch dazu geschah das, nachdem mir ein Flyer in die Hand gefallen war, nicht in Köln, sondern in der mittelalterlichen Burg Mauel im Windecker Ländchen.
 
Um ein Trio handelt es sich, das den im ersten Moment merkwürdig anmutenden Namen Drei Mann Quartett trägt. Verständlich wird er, wenn man erfährt, dass das Publikum als der vierte Mann (oder die vierte Frau) gilt. Dass das dreiköpfige Quartett bislang an mir vorbeiging, wundert mich, spielen die Jungs doch bereits seit einigen Jahren zusammen. Freddie Böhmer und Martin Hark spielen akustische Gitarre, Reinhold Schreiber zupft den E-Bass, jedoch kommen im Laufe des Konzerts auch weitere Instrumente wie beispielsweise die durch Hans Süper bekannt gewordene Flitsch zum Einsatz. Das Bild oben habe ich von Facebook entliehen, dort ist das Drei Mann Quartett präsent.
 
Der Gewölbesaal der Burg Mauel bot einen schönen Rahmen für den Auftritt. Wie lang mag er gewesen sein (der Auftritt, nicht der Gewölbesaal)? Zwei Stunden bestimmt, ich habe nicht auf die Uhr geschaut. Wozu auch, denn die Zeit verging wie im Flug. Die Musiker konzentrierten sich auf Klassiker der kölschen Mundart wie Willi Ostermanns (1876 – 1936) Die Mösch und Kutt erop! oder Karl Berbuers (1900 – 1977) Heidewitzka, Herr Kapitän sowie das von Hans Knipp (1944 – 2011) komponierte und von Horst Muys (1925 – 1970) bekannt gemachte Ne Besuch em Zoo. Alles wohlklingende Namen von Komponisten, Textdichtern und Krätzchensängern. Diese klassischen Mundartlieder ließen sich damals durchaus dem Karneval zurechnen, gehen für mich aber viel weiter. Häufig liefern sie Alltagsbeobachtungen in musikalisch aufbereiteter Form, worin besonders Willi Ostermann ein Meister war. Ich bin ne kölsche Jung von Fritz Weber (1909 – 1984) kam ebenso zu Ehren wie De Pänz sin us dem Hus und weitere Stücke der Bläck Fööss, kein Wunder, gelten zahlreiche Leeder der Mutter aller kölschen Bands selbst längst als Klassiker. Noch viel mehr gab es, und manches kannte ich gar nicht.
 
Freddie Böhmer, Martin Hark und Reinhold Schreiber singen alle. Jeder der drei hat offenbar seine persönlichen Lieblingsstücke, und mit entsprechender Hingabe werden sie vorgetragen. Man merkt den Musikern ihre Freude beim Vortrag an, was noch unterstrichen wird durch die launigen Ansagen und die kleinen Verzällcher zwischen den einzelnen Stücken. Dank Musikern wie dem Drei Mann Quartett leben solche musikalischen Perlen in kölscher Mundart weiter, was aller Ehren wert ist und nicht genug anerkannt werden kann. Es war ein herrliches Konzert, und das dreiköpfige Quartett wird mich wiedersehen. So kündigten die Musiker bereits an, im kommenden August, und dann unter freiem Himmel, erneut in der Burg Mauel aufzutreten. Dann fahre ich wieder hin. Also, heißer Tip für alle Freunde von Krätzchen und kölschen Mundart-Evergreens: das Drei Mann Quartett!

Freitag, 20. Januar 2017

Black Sabbath mit furiosem Finale

Sie gelten als die Gründerväter des Heavy Metal und drückten dem Genre über annähernd fünf Dekaden ihren Stempel auf, wenn auch mit wechselnden Besetzungen. Neben Ozzy Osbourne sangen vorübergehend auch Ronnie James Dio sowie Ian Gillan bei Black Sabbath. Zudem sah ich vor ein paar Jahren bei einem Open Air in Bonn unter dem Bandnamen „Heaven and Hell“ die Besetzung Dio, Tony Iommi, Geezer Butler und Vinny Appice.

Jetzt, fünfzig Jahre nach den ersten gemeinsamen musikalischen Gehversuchen von Osbourne, Iommi, Butler und Bill Ward, begab sich die Legende auf Abschiedstour. Das letzte Konzert in Deutschland, bevor dann in ihrer Heimatstadt Birmingham endgültig der Vorhang fällt, fand in Köln statt. Der einzige Wermutstropfen war das Fehlen von Bill Ward am Schlagzeug, der durch den zugegeben hervorragenden Trommler, einen echten Berserker hinter der Schießbude, Tommy Clufetos ersetzt wurde.
 
Black Sabbath legten los mit Black Sabbath, und gleich vom ersten Stück an kochte die Halle. In der Bühnenmitte stand Ozzy am Mikrofonständer, an dem er das ganze Konzert über hüpfte und wibbelte und den er nur zu gelegentlichen Ausflügen losließ, um das Publikum unermüdlich zum rhythmischen Klatschen zu animieren. Was aber gar nicht nötig war, denn die 15.000 Besucher in der KölnArena feierten ihre Helden noch einmal frenetisch ab. Zur Linken (von den Zuschauern aus gesehen) malträtierte Geezer Butler seinen Bass, und rechts glänzte Tony Iommi an der Gitarre. Der von ihm produzierte schwere Gitarrensound war schon immer eins der Markenzeichen von Black Sabbath, das ihrer Musik einen ganz eigenständigen Sound verlieh, eine unverwechselbare Note, in meinen Augen ein Alleinstellungsmerkmal, ähnlich wie es bei Motörhead auf deren eigene Art der Fall war.
 
Was in den folgenden knapp zwei Stunden folgte, war ganz großes Kino. Ich war schon bei zahlreichen Konzerten, aber ich habe noch nicht erlebt, dass vier Männer einen solchen Geräuschorkan erzeugen können – der übrigens anschaulich demonstrierte, dass auch in der oft gescholtenen KölnArena eine hervorragende Akustik möglich ist, wenn man die Technik entsprechend präpariert. Jedenfalls fegte ein brachiales Hitfeuerwerk von Fairies Wear Boots über War Pigs bis hin zu Dirty Woman durch die Halle, das einen im Innenraum regelrecht von den Socken haute. Iommis Gitarrenriffs kamen gewohnt düster daher, gewohnt schwer und trugen den musikalischen Unterbau fast ebenso mit wie Butlers donnernder Bass und der wie entfesselt trommelnde Clufetos. Ozzy, der Fürst der Finsternis, war weitaus besser bei Stimme, als ich das vorab gelesen hatte. Er wetteiferte mit Tonys Gitarreninferno und schien geradezu besessen davon, sich nicht von dieser Riffkanonade unterkriegen zu lassen.
 
Bei Iron Man und Children of the Grave ging es dann dem heraufbeschworenen Ende entgegen. Spaß hatten sie bis zuletzt, das sah man besonders dem lachenden Ozzy an, und das Publikum war ohnehin aus dem Häuschen. Meinetwegen hätte das Konzert gern noch zwei Stunden weitergehen können, aber die älteren Herren auf der Bühne sind nun mal leider nicht mehr die Jugendlichen, die sich vor einem halben Jahrhundert aus Birmingham aufmachten, um die Welt zu erobern. Wehmut kam bei dem Konzert nicht auf, dazu blieb überhaupt keine Zeit, doch davon verspüre ich jetzt ein wenig, da ich diese Zeilen niederschreibe. Denn es ist wirklich vorbei, das wurde endgültig besiegelt mit dem finalen Stück, das kein anderes als Paranoid hätte sein können und bei dem Band und Publikum noch einmal durch die Decke gingen.
 
Danach war ich nicht nur zufrieden, nein, ich war schlichtweg begeistert von einem Auftritt, der eine Messlatte war, an die so schnell kein anderer herankommen dürfte. Black Sabbath spielten als gäbe es kein Morgen, was in gewisser Weise ja auch zutrifft. Dass dies das Ende gewesen sein soll, ist trotz allem nur schwer vorstellbar. Die Musiker spielten mit einem Elan und einer unbändigen Kraft, die, wüsste man es nicht besser, vermuten ließe, die Band stände ganz am Anfang und würde gerade jetzt erst so richtig loslegen.
 
Die komplette Setlist: 1. Black Sabbath - 2. Fairies Wear Boots - 3. Under the Sun/Every Day Comes and Goes - 4. After Forever - 5. Into the Void - 6. Snowblind - 7. War Pigs - 8. Behind the Wall of Sleep - 9. N.I.B. - 10. Hand of Doom - 11. Rat Salad - 12. Iron Man - 13. Dirty Women - 14. Children of the Grave - 15. Paranoid
 

Montag, 25. April 2016

Peter Schmitz-Hellwing hat Heimweh noh Kölle

Schon vorletzte Woche begab sich Peter Schmitz-Hellwing mit seiner Band im Hennefer Wirtshaus auf eine musikalische Zeitreise, die ich mir nicht entgehen lassen wollte. Dass ich erst jetzt dazu komme, etwas über das sehr schöne Konzert zu schreiben, tut dem Vergnügen an jenem Abend keinen Abbruch. Das gemütliche Wirtshaus kam mir bekannt vor, und dann erinnerte ich mich. Dort war ich vor Jahren schon einmal gewesen, als Fortuna Köln noch in einer Liga mit Hennef spielte. Nach dem Auswärtsspiel sind wir damals mit der ganzen Fortuna-Bande dort eingekehrt.

Dieser Abend nun stand zwar ebenfalls im Zeichen kölscher Tradition, hatte aber nichts mit Fußball zu tun, sondern mit einem, wenn nicht dem bekanntesten Kölner Krätzchensänger. Gemeint ist natürlich der 1876 geborene Komponist und Liederdichter Willi Ostermann, der der Nachwelt eine Vielzahl von Krätzchen hinterlassen hat. Für Nichtkölner: Krätzchen sind in kölscher Mundart gesungene Heimat- und Karnevalslieder, mal humorig, mal bissig, mal nachdenklich, bemerkenswerten Gegebenheiten verpflichtet, Alltagsbeobachtungen und den Menschen in den Veedeln.

Peter Schmitz-Hellwings Band setzt sich zusammen aus dem (klassischen) Bassisten Gerd Brenner, dem Keyboarder Andreas Orwat und dem Schlagzeuger Udo Kempen. Der kleine Saal war mit rund fünfzig Leuten ausverkauft, und ich dürfte so ziemlich der jüngste im Publikum gewesen sein. Dieses war, zumindest bei den Refrains, recht textsicher, und es entwickelte sich von Beginn an eine Art „Loss mer singe“-Konzert mit dem Augenmerk auf Willi Ostermann.

Es ging los mit Däm Schmitz sing Frau ess durchgebrannt (aus dem Jahrt 1907) und Am dude Jüd (1906). Ich stellte schnell fest, dass ich die meisten der alten Lieder kenne, fast alle sogar. Später folgten unter anderem De Wienanz han 'nen Has em Pott sowie Kutt erop! Kutt erop! Kutt erop! und Jetz hät dat Schmitze Billa, allesamt um die hundert Jahre alte Klassiker, die in Köln längst als Evergreen-Charakter haben. Für mich sind es Lieder mit Herz und Seele, für Herz und Gemüt, und weit entfernt von dem leider heute im Karneval weit verbreiteten Gegröhle, das weder mit Mundart noch kölscher Tradition zu tun hat.

Zwischendurch streute Peter Schmitz-Hellwing immer wieder Hintergrundinformationen und Anekdötchen über Willi Ostermann ein, über alte Kölsche Musik und Namen der Zwanziger und Dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts und über Hintergründe der Entstehung der einzelnen Lieder. So erfuhr ich, dass Willi Ostermann keine Noten lesen konnte und doch als so etwas wie der Erfinder der Kölner Karnevalsmusik gilt. Denn er war der erste, der nicht auf überlieferte Klänge zurückgriff, sondern neben seinen Texten auch eigene Melodien komponierte. Auch thematisierte Peter Schmitz-Hellwing im Kontext der Musik historische Gegebenheiten wie die Einflussnahme der NSDAP auf den Rosenmontag(szug) in den späten Dreißiger Jahren und den Wiederaufbau des Gürzenichs, der guten Kölner Stube, in den Fünfzigern.

Auf der Zielgeraden und als Höhepunkt ging es dann Schlag auf Schlag, und nicht allein nur von Willi Ostermann. Bei seinem Och wat wor dat fröher schön doch en Colonia wurde mir warm ums Herz, bei Karl Berbuers Trizonesien-Song, gleich nach Ende des zweiten Weltkriegs eine Ersatzbundeshymne, erwischte ich mich beim Mitklatschen, und bei Ludwig Sebus' großartigem Luur ens vun Düx noh Kölle geriet ich ins Schwelgen.

Unter großem Applaus gab es dann natürlich Heimweh noh Kölle, auch bekannt als Ich möch zo Foß noh Kölle jon. Dieses Lied, bis heute die inoffizielle Kölner Stadthymne, schrieb Willi Ostermann 1936 im Krankenhaus auf dem Sterbebett, und allein damit hat er sich in Köln unsterblich gemacht. Nach einem „Dreimol Kölle Alaaf!“ folgte als Zugabe Drink doch eine met von den Bläck Fööss, ebenfalls längst ein Klassiker.

Es ist wunderbar, und ich finde es wichtig, dass die alten Stücke nicht vergessen sind. Mehr noch, dass es heute Künstler gibt, die sie noch und wieder spielen, denn diese kleinen Schätze dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Peter Schmitz-Hellwing und Band habe ich jedenfalls nicht zum letzten Mal gesehen.

Sonntag, 6. Dezember 2015

Jürgen Zeltinger im Südstadion

Er ist der selbsternannte »Asi mit Niwoh«, auch »De Plaat« gerufen. Es ist mir immer schwer gefallen, ihn musikalisch zu verorten mit seiner Mischung aus Hardrock, Punk und ein bisschen Kitsch, zuweilen auch Asi-Rock betitelt. Seit mehr als dreieinhalb Dekaden ist Jürgen Zeltinger in der Kölner Musikszene aktiv, ein echtes Urgestein also. Gestern Abend gastierte der Liebling einer eingeschworenen Fangemeinde im Vereinsheim des Südstadions, unplugged und ohne seine Band. Ihm zur Seite stand allein Dennis Kleimann an der akustischen Gitarre und zur gesanglichen Unterstützung. Der Konzerttitel »Avjespeck« bezog sich dann auch viel mehr auf die fehlenden Stromgitarren als auf Zeltingers leiblichen Umfang.

Sein bissiger Panzerfahrer erinnert mich noch heute an meine Zeit bei der Bundeswehr. Das schön dreckige (Mir sin alles) Kölsche Junge wird vom überwiegend männlichen Publikum lautstark und vielstimmig begleitet. Mehr noch gilt das für seinen Gassenhauer Asi mit Niwoh, und wie auf Knopfdruck mutiert das gesamte Auditorium zu Asis mit Niveau, die Kritikern die Fressen polieren und das Abendessen für die Band machen. Das ist einfach nur herrlich. Der Spaß ist groß und das Gelächter kaum weniger. Ich bin unvermittelbar lässt Zeltinger uns wissen, und andere alte Sachen folgen. Dass die Zeltinger-Band fehlt, fällt kaum auf, auch weil der junge (ebenfalls zur Band gehörende) Dennis Kleimann ein echtes As an der akustischen Klampfe ist.

Doch Zeltinger spielt nicht nur eigene »Stückchen«, wie er selbst seine Songs nennt, sondern auch einige seiner Lieblingslieder von anderen kölschen Bands. So hört das geneigte Publikum, das seinen Zeltinger immer wieder mit lautstarken »Jürgen! Jürgen!«-Sprechchören feiert, BAP, die Höhner und die Bläck Fööss. Besonders Die drei von der Linie 2 von den Fööss, irgendwann aus den Siebziger Jahren stammend, wird begeistert mitgegrölt. Aber auch Paar Daach fröher aus der Feder von Wolfgang Niedecken und Hey, Kölle kommen gut an.

Doch natürlich sind die Leute gekommen, um Zeltingers eigene Stücke zu hören, was er sichtlich genießt. Er interagiert sehr viel mit dem Publikum, erzählt Anekdötchen und schwaad eben so, wie ihm die kölsche Asi-Schnüss gewachsen ist. Zwischendurch kippt er immer mal wieder ein kleines Fläschchen, von dem ich annehme, dass es Wodka enthält.

Auf der Zielgerade jagen Zeltinger und das Publikum dann noch mal richtig los. Denn als Höhepunkt gibt es wie immer das von 1979 und seinem ersten Album stammende Kombistück Mein Vater war ein Wandersmann und Müngersdorfer Stadion. Obendrauf kommt – frei nach Lou Reed – schließlich der Stüverhoff, die Geschichte vom schwulen Stricher, der beklagt, dass mitten in der Nacht noch immer kein Freier aufgetaucht ist. Schwul war der Jürgen schon immer, und daraus hat er nie ein Hehl gemacht.

Der gestrige Auftritt war klasse und besaß einen enormen Spaßfaktor, woran wiederum das Publikum keinen Zweifel ließ. Ich muss Zeltinger unbedingt mal wieder mit Band abrocken sehen. War schön, Jürgen.

Samstag, 21. November 2015

Deep Purple in bester Spiellaune

Dass Deep Purple zu meinen all time favourites gehören, dürfte hinlänglich bekannt sein, und dass ich hingehe, wenn sie mal wieder auf Tour sind, ist eine klare Sache. Mit einem neuen Album im Gepäck touren sie derzeit wieder, auch durch deutsche Hallen. Ich freute mich wie Hulle auf das Konzert in Oberhausen, und ich wurde nicht enttäuscht.

Zugegeben, ein bisschen hüftsteif ist Ian Gillan mittlerweile schon, doch wen will das verwundern? Immerhin hat der Sänger der britischen Hardrock-Legenden mittlerweile 70 Jahre auf dem Buckel. In einem Alter, in dem andere längst in Rente sind, ist er von der Bühne ebenso wenig wegzudenken wie seine Weggefährten. Und Gillans Stimme ist bestens in Schuss, wie sich in der Arena zeigte.

Vor jedem von mir besuchten Deep Purple-Konzert schließe ich mit mir selbst eine Wette ab, mit welchem Lied sie wohl beginnen werden. Ich tippe stets auf Highway Star und liege meistens richtig. So auch diesmal - was allerdings keine große Kunst ist, denn mit diesem Stück legen sie schon seit vielen Jahren los.

Es folgt ein bestens sortiertes Paket von Klassikern, vorwiegend, aber nicht nur aus den Siebziger Jahren. Strange Kind of Woman und Lazy, Bloodsucker und Demon's Eye. Erfreulicherweise immer noch im Programm ist auch das herausragende Perfect Strangers vom grandiosen gleichnamigen Reunion-Album aus dem Jahr 1984. Bis damals glaubte ich, Deep Purple niemals live sehen zu können, da sich die Band 1976 aufgelöst hatte. Ein großer Irrtum - zum Glück!

(c) Ralf Schmidt
Natürlich ist jedes Bandmitglied ein Virtuose an seinem jeweiligen Instrument, und so bekam auch jeder seine Soloeinlage. Vorneweg brillierte Steve Morse mehrmals an der Gitarre, doch Berserker Ian Paice am Schlagzeug brauchte sich dahinter genauso wenig zu verstecken wie das zweite Purple-Gründungsmitglied Roger Glover am Bass oder der erst im neuen Jahrtausend nach dem Ausstieg von Jon Lord dazugekommene Don Airey an Keyboards und Hammond-Orgel. Zwischendurch griff Ian Gillan sogar zur Mundharmonika.

Auch vom aktuellen Album, in das ich noch nicht reingehört habe, spielten sie etwas. Das hat mir gefallen, und die Scheibe muss her. Ein Stück erinnerte mich ein wenig an Black Sabbath. Doch egal ob bei den vielen alten oder den wenigen neuen Liedern, die fünf Herren waren in bester Spiellaune und glänzend aufgelegt. Angesichts von soviel Qualität und musikalischem Können müsste jeder heutige Chart-Depp vor Scham im Boden versinken. Macht aber leider keiner. Deep Purple jedenfalls lieben, was sie tun, und sie lieben ihre Songs, das merkt man.

(c) Ralf Schmidt
Mit Space Trucking und Smoke on the Water gingen sie unter dem frenetischen Beifall der 7000 Besucher von der Bühne. Letzteres kann ich mir ohnehin immer wieder mit größter Begeisterung anhören, egal wie oft ich das Stück schon gehört habe. Das ist so ähnlich wie bei Born to Run, bei Verdamp lang her oder Sultans of Swing. Auch die Zugaben hatten es noch einmal in sich. Hush von ihrem Debütalbum aus dem Jahr 1968 gehört dankenswerterweise seit einigen Jahren wieder zum Standard-Repertoire, und Black Night kommt als finaler Kracher immer wieder gut.

Insgesamt spielten Deep Purple 16 Stücke in rund zwei Stunden, ohne dass auch nur einen Moment lang Langeweile aufkam. Sie sind halt nicht nur absolute Profis, sondern mit Begeisterung bei der Sache. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die älteren Herren ans Aufhören denken. Dazu machen ihnen ihre Auftritte unübersehbar viel zu viel Spaß. Ich hoffe es jedenfalls nicht, denn ich freue mich schon auf die nächste Tour und das nächste Konzert von Deep Purple.

Montag, 31. August 2015

Bläck Fööss seit 40 Jahren am Tanzbrunnen

(c) des Fotos by Frank "Veeni" Veenstra
Ob das irgendeine andere Band an irgendeinem Ort der Welt geschafft hat? Vierzig Jahre lang jedes Jahr mindestens ein, zuweilen sogar zwei oder drei Mal am selben Veranstaltungsort aufzutreten? Die Kölner Mundartgruppe Bläck Fööss hat dieses Kunststück jedenfalls fertig gebracht. 1970 wurden die Fööss gegründet, 1975, also in dem Jahr, in dem Boss Bruce Springsteen sein Jahrhundertalbum Born to Run veröffentlichte, stand die Mutter aller kölschen Bands erstmals auf der Open Air-Bühne des Tanzbrunnens.

Am Samstagabend war es wieder soweit. Vor proppenvollem ausverkauftem Haus und bei strahlendem Sonnenschein legten die sieben Musiker pünktlich um 19 Uhr los. Die Stimmung beim Publikum war sofort da, bei allen "von 8 bis 80", wie Erry Stoklosa feststellte. Fööss-Konzerte sind eine echte Familienangelegenheit, zu der sogar Besucher aus Belgien, den Niederlanden und Skandinavien anreisen. Die Fööss waren bestens aufgelegt, und die Hits kamen Schlag auf Schlag. In 45 Jahren Bandbestehen sammelt sich natürlich ein enormer Fundus an Liedern an

Zu jedem Konzert am Tanzbrunnen lässt die Kölner Kultband sich etwas besonderes einfallen. In diesem Jahr gaben die Musiker ein Elvis Presley-Medley zum besten. Gewandet in typisches Elvis-Bühnenoutfit schmetterten sie ein paar bekannte Stücke des King, um dann ihr Elvis lääv folgen zu lassen. Überhaupt verweisen sie immer wieder auf die Idole ihrer eigenen Jugend

Doch es wurde nicht nur gefeiert und mitgesungen, sondern zwischendurch immer wieder besinnliche, nachdenkliche Töne angeschlagen. Zum Beispiel mit Usjebomb, einem ruhigen Stück über das ausgebombte Köln. An das Kriegsende vor siebzig Jahren erinnerte auch der von Karl Berbuer stammende Gassenhauer Trizonesiensong, unschwer zu erkennen auf die drei Besatzungszonen gemünzt und gleich nach dem Krieg so etwas wie die inoffizielle Ersatzhymne. Bömmel Lückerath nutzte die Gelegenheit, um vor immer offener zu Tage tretenden rechten Tendenzen zu warnen. Harsche Kritik musste auch der Rat der Stadt Köln für so manch verfehlte Politik in den vergangenen Jahren einstecken.

Meine Lieblingslieder der Bläck Fööss stammen vorwiegend aus den Siebziger oder frühen Achtziger Jahren, und da die Band sich durch alle Schaffensperioden spielte, kamen auch sie zum Zug. Kölsche Bröck, erzählt aus der Perspektive einer Kölner Rheinbrücke, Ming eetste Fründin, die natürlich das Meiers Kätchen war, und vor allem das Heimwehstück Ich han nen Deckel.

Klar, dass mir nicht alle Stücke der Bläck Fööss gefallen. Das schafft ja nicht mal BAP, und selbst beim Boss gibt es Songs, die ich nicht mag. Bei den Fööss sind das beispielsweise die vom Publikum stets abgefeierten Kathrin und Bye bye, my Love. Die Leute fahren drauf ab, ich sehe darin nur Schlagerdriss. Aber ein paar wenige Ausfälle bei all den wunderbaren Liedern verzeihe ich den in Ehren ergrauten Herren gern, die die Kölsche Mundart in die Musik und die Musik in die Kölsche Sprooch gebracht haben.

Unsere Stammbaum jagte sich mit Wenn et Leech usjing em Roxy, Surfen am Fühlinger See mit dem Bickendorfer Büdche. Das Publikum der Bläck Fööss ist ausgesprochen textsicher, und zuweilen lassen die Musiker, die in jeder musikalischen Richtung zu Hause sind, ihm den Vortritt. Bei Uptempo-Stücken und Rock'n'Roll ebenso wie bei Balladen und griechischen Melodien. Beim Sirtaki ließ sich das Publikum nicht lange bitten. Da der Tanzbrunnen rechtsrheinisch liegt, durfte Schäl Sick natürlich nicht fehlen, und das Rheinhotel erfreut sich ohnehin immer wieder großer Beliebtheit.

Drink doch eine met und In unserem Veedel habe ich bestimmt tausendmal gehört, habe aber bei beiden Stück immer noch einen Kloß im Hals. Kaum anders geht es mir bei Mer han e Hätz för Kölle, eins ihrer schönsten Stücke, ihrer zu Herzen gehendsten Lieder, bei dem so mancher Lokalpatriot gerne mal ein Tränchen verdrückt.

Manches Stück fehlte, manches andere kam überraschend. Nach dem Veedel war Schluss, um Punkt 22 Uhr und nach einem wundervollen dreistündigen Programm. Länger als bis zehn ist am Tanzbrunnen nicht erlaubt, auch nicht am Wochenende, sonst gibt es Ärger. Man merkte den Musikern an, dass sie liebend gern noch weitergespielt hätten. Durften sie aber nicht. Schade. Dafür haben sie angekündigt, 2016 auch im 41. Jahr am selben Ort auf der Bühne zu stehen. Ich bitte darum.

Montag, 9. März 2015

White Hot & Blue in der Torburg

Ich habe ein Konzert gesehen, das gar nicht eingeplant war. White Hot & Blue nennt sich die 1982 in Gelsenkirchen gegründete Band, ursprünglich ein Trio, inzwischen ein Quintett. Ulli Tietze (Bass und Gesang), Thomas Erkelenz (Gitarre und Gesang), Gregor Hengesbach (Gitarre), Martin Scholz (Keyboards) und Bernd Gremm (Schlagzeug) stammen aus dem Ruhrpott und beweisen eindrucksvoll, dass Gelsenkirchener und Dortmunder nicht nur gegeneinander, sondern auch miteinander spielen können.

Gehört habe ich von der Band noch nie, und dass ich sie jetzt entdeckt habe, ist einem reinen Zufall zu verdanken. Nach einem Spaziergang durch die Südstadt wollte ich in der Torburg Fußball schauen. Während des Spiels begannen die Musiker mit dem Aufbau ihrer Instrumente und führten ihren Soundcheck durch. Bei den bluesigen Klängen wurde ich sofort hellhörig und entschied, mir das Konzert nach dem Spiel anzusehen. Eine Entscheidung, die ich nicht bereue.

White Hot & Blue machen kräftigen, erdigen Blues und Bluesrock, genau das, was ich unter guter alter handgemachter Musik verstehe, unter ehrlicher Musik. Bei jedem der fünf Musiker handelt es sich um einen tollen Instrumentalisten, und die Jungs legten eine Menge Spielfreude an den Tag. Da sind echte Könner am Werk, denen man anmerkt, dass sie nicht erst seit kurzem zusammen spielen. Bei ihren musikalischen Fähigkeiten und den wirklich guten Stücken wundert es mich, dass sie nicht bekannter sind.

Gelegentlich hatte ich das Gefühl, John Fogerty persönlich packt gerade einen Swamp Blues aus. Der Drummer glänzte mit einem Solo, und der großartige Keyboarder spielte sich phasenweise mit geschlossenen Augen und verzücktem Lächeln im Gesicht regelrecht in Ekstase. Ein richtiggehender Zauberer an den Tasten. Große Klasse. Unverhofft kommt oft, heißt es. White Hot & Blue kamen für mich unverhofft - und richtig gut. Das Konzert war Klasse, und die Band kann ich wärmstens empfehlen.

Freitag, 23. Januar 2015

Who Knows im Versus

Seit sieben Jahren betreibt Ralf die Kneipe Versus im Kwartier Latäng, dem Studentenviertel nahe der Uni. Jeden Montag treten bei ihm Blues- oder Bluesrock-Bands auf, für lau, man zahlt also keinen Eintritt. Ich habe schon das eine oder andere Mal darüber berichtet.

Nun sah ich dort Who Knows, eine fünfköpfige Kapelle. Sänger, zwei Gitarren, Baß und Schlagzeug. Von Anfang an knallte ein richtig fetter Sound durch den Laden. Blues war das für mich nicht. Ich versuchte, die Musik einzuordnen - was man ja nicht unbedingt machen muß. Ich tat es trotzdem und kam zu keinem Ergebnis. Ich unterhielt mich mit anderen Zuhörern, und wir einigten uns auf die Begriffe Indie-Blues und Indie-Rock.

Die Richtung, der Stil sagte mir jedenfalls zu. Der Kopf wippte, der Fuß folgte dem Takt, und ich trommelte mit den Fingerspitzen auf der Theke. Vorher noch nie gehört von der Band, ein Versäumnis. Schönes Konzert mit ein paar Kölsch, das hat mir richtig gut gefallen.

Dafür verblüffte mich eine Neuigkeit. Nach sieben Jahren hört Ralf mit dem Versus auf. Am Aschermittwoch soll es einen großen Abschied geben, danach gehen die Lichter aus. Fürs erste, aber für den Laden hat sich in den letzten dreißig Jahren immer ein Nachfolger gefunden. Ralf selbst hat sich bereits eine neue Aufgabe gestellt. Mitten in der Stadt, auf der Hohe Straße, eröffnet er das Live Rock Cafe. Der Name hört schon mal gut an. Noch besser klingt, daß es dort jeden Abend Live-Auftritte geben soll. Ich bin gespannt.

Samstag, 8. November 2014

Namenlose Pferde

Wolfgang Anton und Josef Loup sind bekannt durch ihre Mitsingkonzerte mit der Kölner Mundart-Gruppe De Familich. Sie können aber auch anders, nämlich Englisch und Musikstücke, die ich als klassisch bezeichne, ohne daß sie etwas mit Klassik zu tun haben. Hits eben, die die Jahrzehnte überdauert haben und die wohl jeder schon mal gehört hat.

Verstärkt durch Christian Hecker treten Anton und Loup als Trio unter dem Namen Wild Horses With No Names auf. Die Pferde interpretieren beliebte und bekannte Stücke aus der Rockmusik auf ihre eigene Weise. Mit zwei akustischen Gitarren, Akkordeon und mehrstimmigem Gesang. Das ist sehr folkig und hat etwas von Lagerfeuerromantik.

Was die drei Musiker spielen, das verrät der Bandname, der, wie unschwer zu erkennen ist, an das Lied A Horse With No Name von America angelehnt ist. Nämlich Hits der Sechziger und Siebziger Jahre. Von den Stones über Dylan und die Kinks bis hin zu Simon & Garfunkel.

Ich habe die Horses in Mannis Rästorang gesehen. Der Auftritt verlief sehr gemütlich und entspannt. Durch die Musikauswahl gab es zahlreiche "Aha"- und "Ooohhh"-Effekte. Es ergibt sich wie von selbst, daß man mitsingt oder mitsummt. Die dargebotenen Lieder kannte ich alle, einige habe ich bei Konzerten der Originalinterpreten gesehen und gehört. Es ist schön und macht Spaß, sie auf diesem Weg wieder- oder neu zu entdecken.

Die Wild Horses With No Names nehmen übrigens keinen Eintritt. Weil ihnen das Spielen Spaß macht und sie die Lieder, die sie mögen, auf diese Weise weitergeben können. Nach dem Auftritt geht der Hut rum. Sympathische Sache. Seht sie euch an, wenn sie in einer kölschen Kneipe in eurer Nähe auftreten.

Samstag, 1. November 2014

The Big Blind im Versus

Ich war einkaufen und wollte nur ganz kurz im Versus vorbei. Ein oder zwei Bier und dann ab nach Hause. Es war noch mal ein schöner Tag gewesen, auch der Abend war mild. Daher stand die Eingangstür weit offen. Von drinnen drang mir wuchtig-krawalliger Sound entgegen, der just endete, als ich eintrat.

Im hinteren Bereich spielte eine fünfköpfige Band. Sänger, zwei Gitarristen, Bassist und Schlagzeuger. Gerade wurde das letzte Lied vor der Pause angekündigt. Von einer deutschen Band, die sicher alle kennen, wie der Sänger meinte. Stimmt, es folgte Rock You Like A Hurricane von den Scorpions.

Rund ein Dutzend begeisterte junge Leute standen vorn, auf Tuchfühlung mit der Band. Im Gegensatz zu mir kannten sie The Big Blind, das war unübersehbar. „Here I am …“ kam der Beginn des Refrains, und es war wie eine kleine Zeitreise. Mitte der Achtziger besuchte ich ein Scorpions-Konzert, zur Hochzeit der Hannoveraner. Damals war Rock You Like A Hurricane aktuell, und ich stand wohl ähnlich im Publikum wie nun diese euphorischen Jungs und Mädels. Die langen Haare flogen, und die Luftgitarren wurden ausgepackt.

Jetzt im Versus war ich der älteste. Die Musik gefiel mir dennoch. Die Musik von The Big Blind ist deutlich härter als von den Scorpions, wie ich nach der kurzen Pause feststellte. Als Trash Metal würde ich sie bezeichnen, der Sänger nannte sie schlicht Rock’n’Roll. Das junge Publikum ging entsprechend mit, mit einer Mischung aus Headbanging und Pogo.

Von den im weiteren Verlauf des Abends dargebotenen Stücken kannte ich so gut wie keins, sieht man von zwei bekannten Klassikern ab. Eine Trash-Version von Bryan Adams’ Summer of 69 hatte ich zuvor noch nicht gehört, und als Finale gab es eine zehnminütige Fassung von Johnny B. Good. The Big Blind schafften es, daß ich ein paar Bier mehr trank als geplant und bis zum Konzertende blieb. Das ist, wie der Sänger meinte, wirklich Rock’n’Roll. Solch jungen Bands wünsche ich mehr Publikum.

Samstag, 27. September 2014

Kölsches Gipfeltreffen am Tanzbrunnen

Als gegen 21.30 Uhr begeisterter Applaus über das Tanzbrunnengelände fegte, wußte man, daß die Bläck Fööss ihren Gassenhauer En unserem Veedel angestimmt hatten. Seit über 40 Jahren bringt wohl kein anderes Lied die kölsche Seele und kölnische Befindlichkeiten so treffend auf den Punkt wie der Klassiker der Fööss. Es war das Ende und der Höhepunkt eines Tages voller Musik, bei dem vor den Fööss schon die Klüngelköpp, Cat Ballou, Kasalla und die Paveier aufgetreten waren.

Der Telefon- und Internetanbieter NetCologne wurde 20 und feierte am Tanzbrunnen seinen runden Geburtstag. Ich feierte mit. Stimmt nicht, ich feierte nicht, denn das ganze Rahmenprogramm interessierte mich nicht die Bohne. Mir ging es um die musikalische Schiene. Gleich fünf Kölner Mundartgruppen traten auf, und das für nicht einmal zehn Euro Eintritt. Dafür muß man NetCologne natürlich loben, zumal jede Band gut eine Stunde spielte.

Den Reigen eröffneten vor vollem Haus mit rund 10.000 Besuchern die Klüngelköpp. Die Band, lange völlig an mir vorbeigegangen, gibt es nun auch schon seit gut zehn Jahren. Im Karneval hat sie inzwischen zu den Großen aufgeschlossen. Besonders dank Stücken wie Stääne, Wer einmol Kölle sing Heimat nennt und vor allem Jedäuf met 4711, dem großen Hit der vergangenen Session. Schönes Lied, da geht auch bei mir der Daumen hoch. Leider gibt es bei den Klüngelköpp zu viele Schlagereinflüsse. Das ist bekanntlich gar nicht mein Ding.

Es folgten die Youngster von Cat Ballou, inzwischen eine Hausnummer in der Kölner Musikszene. Wie die nach ihnen auftretenden Kasalla sind Cat Ballou parkettsicher zwischen Karneval und Rockmusik angesiedelt. Ihr rotziger Rock auch für die jüngere Generation gestattet sogar die eine oder andere Punkattitüde. Da schaue ich dann auch mal generös über seichte Popstückchen hinweg.

Kasalla räumen ohnehin seit zwei Jahren und ihrem Überflieger Pirate ab, was abzuräumen ist. Am Tanzbrunnen bedienten sie die Rockschiene und zündeten ein Feuerwerk ihrer Hits. Von denen haben sie schon ein paar, obwohl es die Gruppe erst seit drei Jahren gibt. Ihren Popularitätsgrad konnte man am begeistert mitgehenden Publikum ablesen. Kasalla werde ich mir ganz sicher noch häufig anschauen (und anhören).

Als nächstes kamen altgediente Vertreter kölscher Musik auf die Bühne. Die Paveier bestehen seit 1983 und sind seit Dekaden eine feste Größe im Karneval. Neben den Bläck Fööss, den Höhnern und den Räubern zählen sie zum sogenannten Kleeblatt. Bei ihrer Darbietung gab es naturgemäß zahlreiche bekannte Stücke mit hohem Wiedererkennungswert. Das sentimentale Dat jeiht vorbei und das schmissige Schön ist das Leben mag ich. Für das wunderbare Mir sin Kölsche us Kölle am Rhing verzeihe ich ihnen sogar das anbiedernde Köln hat was zu bieten.

Und dann betraten eben die Bläck Fööss, seit 1970 die Mutter aller kölschen Bands, die Bretter, auf denen die Menschen in Köln sie sehen wollen. Vollblutmusiker mit Herz, Seele, Stimme, Vielseitigkeit im Genre und an den Instrumenten und großem musikalischem Können, ohne wie manch andere zu Kitsch zu neigen. Auch nach über vierzig Jahren gehen den Fööss die Ideen nicht aus, was vielleicht die größte Leistung ist. Besonders gefreut habe ich mich über gleich mehrere Stücke aus den Siebziger Jahren wie beispielsweise Lück wie ich und du. Das sind Evergreens, die nahezu jeder kennt, der kölsche Musik hört, egal ob Jung oder Alt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bands habe ich an den Bläck Fööss nichts auszusetzen. Allenfalls die beiden Schlagerausfälle Katrin und Bye bye my love.

Bei den Auftritten der fünf Bands war eines deutlich zu spüren. Die Grenzen zwischen Karnevalsmusik und Kölschrock sind längst verschwommen. Das finde ich sehr gut. Schließlich bin ich in beiden Bereichen zu Hause.

Gar nicht gut hingegen fand ich, daß NetCologne es geschafft hat, dem gräuslichen Moderator Linus eine adäquate Moderatorin zur Seite zu stellen. Eine wahrlich reife Leistung. Denn Claudia Barbonus, deren Namen ich zuvor noch nie vernommen hatte, schaffte es tatsächlich, im Stile einer Marktschreierin noch mehr inhaltsbefreites und plattes Gelaber von sich zu geben als Linus.

Freitag, 12. September 2014

Michael Ende in der Philharmonie

Derzeit produziert der Westdeutsche Rundfunk ein mehrstündiges Hörspiel nach Michael Endes Weltbestseller Die unendliche Geschichte. Den Roman fand ich damals spannend und farbig, die Verfilmung ziemlich grottig. Das Hörspiel soll der Romanvorlage und Michael Endes eigenen Ansprüchen gerechter werden, heißt es. Zu wünschen wäre es dem 1995 verstorbenen Autor.

Der Musiker und Komponist Felix Rösch, bekannt für seine Arbeit mit dem Orchester des Westdeutschen Rundfunks sowie dem Deutschen Filmorchester Babelsberg, hat die Musik zu der Hörspielproduktion geschrieben. Umfangreich, fesselnd und mit großem Aufwand wird sie in Szene gesetzt, wie ich gestern mit eigenen Augen und Ohren verfolgen konnte. Das Ergebnis kommt sogar bei einem mit klassischen Instrumenten recht unbeleckten Hörer wie mir gut an.

Ich war in der Kölner Philharmonie und wohnte einer gut halbstündigen Probe des WDR Sinfonieorchesters bei. Eigentlich war es viel mehr als nur eine Probe, denn das rund hundertköpfige Orchester unter Leitung des Dirigenten David Marlow spielte komplette Sequenzen. Nennt man das so? Ich war von der musikalischen Darbietung jedenfalls beeindruckt. Ich bin kein Anhänger von Hörbüchern oder Hörspielen. Ich lese lieber selbst. Doch die Musik hat mir großartig gefallen. Ich denke, allein ihretwegen lohnt sich später das Anhören der fertigen Produktion.

Dienstag, 26. August 2014

BAP zieht den Stecker

Da war sie also nun, die elektronisch reduzierte BAP-Tour. "Unplugged" nannte man das früher. Heute auch noch? Wolfgang Niedecken witzelte jedenfalls darüber, daß der Stecker natürlich nicht ganz gezogen sei, sonst würde man allenfalls in den ersten beiden Reihen etwas hören. Doch man wolle ganz höösch machen. Ob die Zuschauer denn wissen, was das Worte bedeute? Vergnügtes Lachen im Auditorium. Schließlich fand das Konzert in der Beethovenhalle in Bonn statt.

Überhaupt war der BAP-Frontmann zu einigen augenzwinkernden Bemerkungen aufgelegt, auch an seine eigene Adresse. Was habe man anläßlich der Tonfilm-Tour zur Jahrtausendwende noch Kritik auf die Ohren bekommen für eine bestuhlte Tournee. "BAP im Sitzen", zitierte er. "Das geht ja gar nicht." Bei der gestiegenen Altersstruktur seien die Besucher heute wohl froh darüber, drei Stunden sitzen zu können. So wie auch die Musiker selbst.

Eine Ausnahme machte Werner Kopal, der die meiste Zeit stand. Das geht nun mal schlecht anders bei einem Kontrabaß. Ansonsten fiel mir zunächst auf, daß Helmut Krumminga nicht auf der Bühne war. Stattdessen hatte BAP einen neuen Gitarristen dabei. Ulrich Rode, von dem ich noch nie gehört hatte. Aber ein hervorragender Ersatz für Krumminga, der aus persönlichen Gründen nicht an der Tour teilnehmen konnte. Ein vorübergehender Ersatz oder ein dauerhafter? Ich bin gespannt.

Los ging es mit Noh alle dänne Johre, einem meiner Lieblingsstücke vom letzten Album. Mit dem Text kann ich mich voll und ganz identifizieren. Danach ging es gleich ganz weit zurück in der Band-Historie. Die rut-wieß-blau querjestriefte Frau war mal wieder angesagt. Deutlich war der reduzierte Sound zu hören, der vielen der alten Stücke ein neues Gewand verleiht. Neu arrangiert, mußte ich mich erst daran gewöhnen. Und fand, daß das bei manchen Stücken wie dem folkigen Souvenirs oder dem dramatischen Lisa wunderbar funktioniert, ich aber mit anderen wie Rääts un links vum Bahndamm ohne fetzigen Rock'n'Roll oder mit der reduzierten Fassung von Anna nicht klar komme.

Einem Liedermacher und Geschichtenerzähler wie Wolfgang Niedecken kommt diese Form natürlich entgegen. Zumal die ausgewählt guten Musiker eine große Bandbreite zeigen. Ulrich Rode spielte nicht nur Gitarre, sondern zudem ein indisches Saiteninstrument, dessen Namen ich mir nicht merken konnte, und Pedal Steel. Anne de Wolf brillierte nicht nur wie gewohnt mit der Geige, sondern wechselte zwischen Mandoline, Cello, Posaune und einem indischen Harmonium hin und her. Dazu gibt es mir Rhani Krija wieder einen Percussionisten in der Band.

Der brachte mit seiner Spielweise gelegentlich einen orientalischen Touch in die Musik ein. Und ansonsten waren, wie erwähnt, folkige Klänge ebenso zu hören wie Country-Anleihen, vor allem durch die Pedal Steel. Dafür fehlten mir eindeutig die markanten Gitarren von Klaus Major Heuser oder Helmut Krumminga. Als Rock'n'Roll würde ich die derzeitige Ausrichtung nicht bezeichnen, dafür fehlen mir zu viele Rock-Elemente, was sich auch daran bemerkbar machte, daß einige Stücke, auf die ich wartete, nicht gespielt wurden. Die hätten wohl nicht ins Konzept gepaßt. "Weltmusik" titelte gar jemand, ein Begriff, der sich mir nie wirklich erschlossen hat.

Beim unverzichtbaren Verdamp lang hielt es das Publikum ohnehin nicht mehr auf den Stühlen. Frei nach dem Fußballfan-Motto "Sitzen ist für'n Arsch" sprangen alle auf und sangen lauthals mit. So mag ich es. Schön, daß als Zugabe noch Do kanns zaubre kam und zum Abschluß das großartige Sendeschluß. Letzteres dürfte ich seit Jahrzehnten nicht mehr gehört haben.

Doch davon abgesehen, daß ich eine andere musikalische Ausrichtung bevorzuge - um es mit Bruce Sprinsteen zu sagen: I got this guitar, and I learned how to make it talk - war es ein wunderbares Konzert. Es macht Spaß, Wolfgang Niedecken dermaßen entspannt und in jeder Hinsicht positiv zuversichtlich auf der Bühne zu sehen.

Da bin ich jetzt schon ein wenig mürrisch, daß BAP sich 2015 auf den Bühnen rar machen wollen. Kein Konzert? Schwer vorstellbar. Ich hoffe, Wolfgang Niedecken läßt sich zu dem einen oder anderen Sommer-Open Air hinreißen. Vielleicht am Tanzbrunnen oder in Bonn. Ansonsten richtet sich die ganze Konzentration der Band auf 2016. Denn dann kann das vierzigjährige BAP-Bestehen gefeiert werden.

Für diejenigen, die die Auswahl der gespielten Stücke interessiert, hier die komplette Setlist:

19.08. Bonn

◘ 1 ┌NOH ALL DÄNNE JOHRE
◘ 2 └RWB
3 MOMENT
4 ┌ZOSAMME ALT
5 └BAHNDAMM
6 ANNA
7 RITA
8 ┌MAGDALENA
9 └NÖHER
10 OLEANDER (ICH WÜNSCH MIR)
 (Bandvorstellung)
11 SHOESHINE
- - - - -
◘ 12 ┌SOUVENIRS
◘ 13 └MORJE FRÖH
14 LISA
15 ┌GULU
│Michas Intermezzo
16 │JUPP
17 └KRISTALLNAACH
18 FRANKIE
19 ┌PRÄDESTINIERT
20 │LENA
21 └VERDAMP
----------
22 PAAR DAACH
23 NOVEMBERMORJE
24 ZAUBRE
----------
25 ┌SONGS
26 └SENDESCHLUSS

Sonntag, 24. August 2014

Kasalla rocken den Tanzbrunnen

Erst 2011 wurde die Band gegründet. Seitdem hat sie zwei Alben mit drei Single-Auskopplungen veröffentlicht. Daß sie den Durchbruch geschafft hat, bewies das heutige Konzert am Tanzbrunnen. 11.000 Besucher waren da, die meisten ziemlich textsicher.

Mir sind Kasalla zuerst im Karneval aufgefallen, mit ihrem musikalischen Überflieger Pirate, der überall rauf- und runtergespielt wurde. Daher hielt ich sie anfangs für eine weitere Karnevalstruppe, möglicherweise nur mit einem One Hit Wonder. Weit gefehlt, wie auch der heutige Auftritt bewies. Ich ordne die fünfköpfige Mundart-Truppe längst dem Kölsch-Rock zu. Und den haben sie richtig gut drauf.

Denn abgerockt wurde kräftig. Immer en Bewäjung und Stäänefleejer kamen früh. Dazu zahlreiche Stücke, die ich bis dahin nicht kannte. Die Musiker waren bestens aufgelegt bei so einem großen Publikum, und die Menge honorierte die Spielfreude mit Begeisterung. Balladen können sie auch, wie Der Fluss beweist. Ebenso larmoyant angehauchte Schmachtfetzen wie Marie. Am Ende des Konzerts wurden die Hits abgefeuert. Immer noch do, Kumm mer lääve, und natürlich Pirate. Das Publikum ging ab wie die Rakete in Stäänefleejer.

Das dreistündige Programm wartete mit zusätzlichen musikalischen Überraschungen auf. Kasalla hatten sich Gäste eingeladen, zu denen sie eine besondere Beziehung haben. Das Urgestein der Kölner Musikszene Gerd Köster mit Frank Hocker und Helmut Krumminga. Dazu den früheren Bläck Fööss-Frontmann Tommy Engel, der Die Stadt von Trude Herr und seinen musikalischen Leckerbissen Du bes Kölle zum besten gab und frenetisch gefeiert wurde.

"Wir kommen wieder" versprachen Kasalla am Ende. Daran dürfte kein Zweifel bestehen. Ich sehe sie schon in vierzig Jahren auf der Bühne stehen, eine Institution der Stadt, verehrt und gefeiert, so wie heute die Bläck Fööss. Da muß einem um das Fortbestehen kölscher Mundartmusik nicht bange sein.

Samstag, 16. August 2014

Dead Men Walking

Manchmal ereignen sich seltsame Dinge. Marginalien eigentlich nur, die mich dann aber stundenlang beschäftigen oder sich mir gar über Tage immer wieder in Erinnerung bringen. So erst kürzlich geschehen. Bei einem Spaziergang kam ich an einer Gaststätte vorbei, aus der Musik ertönte. Gary Moore, Still Got The Blues. Wunderbares Stück. Ich erkannte es nach wenigen Akkorden. Den habe ich noch live gesehen, ging es mir durch den Kopf. Ein paar hundert Meter weiter vernahm ich ein Stück von Queen, Killer Queen. Ich blieb stehen und versuchte den Ausgangsort zu lokalisieren. Vergeblich, er ließ sich nicht bestimmen. Freddie Mercurys Stimme kam aus irgendeinem Fenster.

Erst Moore, dann Mercury. Seltsames Zusammentreffen, dachte ich bei mir. Denn letzteren hatte ich ebenfalls noch live erlebt. Ich kann zwar keine toten Menschen sehen, höre sie jedoch. Ich spazierte weiter und erwartete insgeheim ein weiteres musikalisches Déjà-vu. Es blieb aus, doch ich wäre belustigt gewesen. Aus dem Kopf bekam ich die Sache dennoch nicht so schnell. Zu Hause nahm ich meinen Packen gesammelter Konzerteintrittskarten zur Hand und wühlte darin herum. Ich überlegte, ob ich weitere Musiker, an denen mir etwas lag und die mittlerweile verstorben sind, zu ihren Lebzeiten auf der Bühne gesehen habe.


Tatsächlich ist es so. Das gilt vor allem für den Man in Black. 1994 war ich am Tanzbrunnen bei einem Konzert des legendären Johnny Cash, der gemeinsam mit June Carter zum Tanz aufspielte. Rio Reiser habe ich in den Achtziger Jahren zwei Mal gesehen, John Denver mit Take Me Home, Country Roads 1995 in der Düsseldorfer Philipshalle. Den Big Man Clarence Clemons durfte ich mit seinen herausragenden Saxophon-Künsten in Bruce Springsteens E Street Band mehrmals erleben, den virtuosen Meister an der Hammond Orgel Jon Lord bei Deep Purple nicht weniger oft. Ronnie James Dio, den kleinen Leadsänger mit der gewaltigen Stimme, sah ich sowohl mit seiner eigenen Band als auch kurz vor seinem Tod mit Heaven & Hell, und dahinter verbarg sich keine geringere Band als Black Sabbath ohne Ozzy Osbourne.

Um zum Anfang zurückzukehren: Den Rocker und späteren Blueser Gary Moore bewunderte ich in den Achtzigern zweimal in der Kölner Sporthalle. Ein drittes Mal sah ich ihn am 19. Juli 1986 im rappelvollen Müngersdorfer Stadion. An dem Tag spielte er mit seiner Band (neben Marillion und Level 42) als Vorgruppe von Freddie Mercurys Queen. Ob das nun Zufall ist? Ich glaube ja ohnehin an die große Rock'n'Roll-Band, die ich eines Tages im Himmel sehen werde. Dann auch mit all jenen Legenden, die zu sehen ich nicht das Vergnügen hatte. Seien es John Lennon oder Bob Marley, Jimi Hendrix oder Jimmy Morrison, Rory Gallagher oder der King höchstpersönlich.