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Dienstag, 25. Oktober 2016

Klaus N. Frick schreibt über Thomas Ziegler

Und zwar anlässlich der gerade als Doppelband wiederaufgelegten beiden Planetenromane Die Stadt der Zukunft und Der Narrenturm. Das hätte ich fast übersehen, aber zum Glück wurde ich durch Klaus N. Fricks Hinweis bei Facebook noch darauf aufmerksam. Klaus schrieb auf der Perry Rhodan Homepage in seiner Rubrik „Der Redakteur erinnert sich“ einen dreiteiligen Artikel über die damalige Trauerfeier nach dem Tod von Thomas Ziegler im Jahr 2004.
 
Bei dem bewegenden Abschied auf dem Westfriedhof in Köln waren neben Klaus und mir auch die SF-Autoren Uwe Anton und Horst Pukallus zugegen. Meine Ziegler-Affinität ist bekannt, und ich selbst äußerte mich vor zwei Jahren anlässlich des zehnten Todestags des Kölner Autors, mit dem ich den einen oder anderen Abend in Kneipen der Südstadt verbrachte. Nachzulesen ist das hier:
 

Nun, da ich Klaus N. Fricks Artikel las, sah ich mich tatsächlich in jene Friedhofskapelle zurückversetzt und den vorne aufgebahrten Sarg noch einmal vor meinem geistigen Auge. Klaus beschreibt nicht nur den Ablauf der Gedenkfeier, sondern lässt uns an seinen Thomas Ziegler – oder Rainer Zubeil, wie er mit bürgerlichem Namen hieß – geltenden Gedanken teilhaben. Ein warmer, ein anrührender Artikel, den ich mit einem Kloß im Hals las und den ich gern weiterempfehle. Zu finden sind die drei Teile hier:
 
Teil 1:
 
Teil 2:
 
Teil 3:

Sonntag, 24. April 2016

MarburgCon 2016

Mehnert, Rückert, Appel
(c) Anke Brand
Gestern war Tag des Bieres, auf den Tag exakt zu 500 Jahren deutsches Reinheitsgebot, und es war Welttag des Buchs. Das Buch stand gestern auch beim diesjährigen MarburgCon im Mittelpunkt. Bei der gemütlichen, fast familiären Veranstaltung präsentierten wieder zahlreiche Kleinverlage ihr Programm. Sie und die engagierten Kleinverleger sind einer der Gründe, warum ich die Szene mag.

Überhaupt Programm, davon gab es einiges: Eine Menge Lesungen und Vorträge - die ich aber nicht besuchte. Ich stöberte lieber an den Verlagsständen und führte eine Menge netter Gespräche, mit Verlegern und Herausgebern, mit Autoren und alten Bekannten aus der Szene. Der unermüdliche Wilfried A. Hary war ebenso da wie Tausendsassa Walter Appel alias Earl Warren und Zamorra-Autor Manfred H. Rückert, Markus Korb, Michael Buttler und mein Ren Dhark-Kollege Andreas Zwengel, Erik Schreiber, Wolfgang Brand, Gerhard Schäffer und Moderator Dirk van den Boom. Und natürlich die fleißigen Con-Veranstalter.

Ich habe Lesefutter von Andreas Zwengel und Markus Korb erstanden, das ich nach der Lektüre an dieser Stelle besprechen werde. Und ich freue mich, dass ich ein Terranauten-Taschenbuch von Robert Quint gefunden habe, das mir fehlte. Für die, die es nicht wissen: Bei Robert Quint handelt es sich neben Thomas Ziegler um ein weiteres Autorenpseudonym des Kölner Schriftstellers Rainer Zubeil.

Montag, 18. April 2016

Thomas Ziegler: Bekenntnisse eines Ökoterroristen

Thomas Ziegler schrieb Science Fiction, Fantasy und Kriminalromane. In erstgenanntem Genre war er im deutschsprachigen Raum einer der herausragenden Autoren, in den beiden anderen mindestens einer der guten. Mit BEKENNTNISSE EINES ÖKOTERRORISTEN AUS DEM JAHRE 1988 – so der vollständige Titel des Werkes aus dem Jahr 1987 – begab sich Ziegler auf den anarchistischen Boden der Polit-Satire, und da gleich in die Vollen.

»Militante Heimwerker, sägende Gummizellen und andere Freizeitanarchos aus der Ökoszene kämpfen mit Molotow-Cocktails und Sprengsätzen gegen den Atomstaat. Ihr Motto: Schweine ins Weltall. Ihr Operationsgebiet: Wackersdorf ist überall. Ihr Programm: Alle Tage Sabo-Tage. Jeder Tag ein Anschlag ist längst zu wenig. Statt aneinander vorbeizureden wird aneinander vorbeigebombt. Fleißig mit dabei ist Tommy Z.«

So verrät es uns der Klappentext. Tommy Z. ist übrigens auch als Autor angegeben, nicht Thomas Ziegler. So ganz will sich mir der Sinn nicht erschließen. Passte Tommy Z. besser zu der abgedrehten Geschichte, als es der bekannte Name Thomas Ziegler getan hätte? Zumal der spinnerte und sympathisch rüberkommende Protagonist Tommy Z. heißt. Seine wahre Identität verbergen wollte Ziegler jedenfalls nicht, sie wird allzu deutlich in der Autorenbeschreibung hervorgehoben.

Von einem Roman zu sprechen, weigere ich mich übrigens. So etwas bezeichnet man wohl als Novelle. Denn so sperrig der Titel, so dünn das Büchlein. Das schmalbrüstige Goldmann-Bändchen bringt es auf kaum mehr als 100 Seiten. Das ist schon ziemlich anarchistisch, ebenso wie die Titelbildgestaltung, die jeder Beschreibung spottet: eine handgekritzelte Schreibmaschine mit bunten Farben. Ich vermute, damit wollte der Verlag Titel und Thema gerecht werden. Das hätte man sicher auch anders lösen können, zumindest weniger abschreckend. In der Buchhandlung wäre mir das Ding damals jedenfalls nicht aufgefallen. Ist es offensichtlich ja auch nicht.

Ich habe lange nach dem Büchlein gesucht. Es war einfach nicht zu bekommen. Als ich vor vielen Jahren einmal im Arbeitszimmer von Rainer Zubeil alias Thomas Ziegler alias Tommy Z. saß, kamen Rainer und ich auch auf dieses Thema zu sprechen. Er konnte mir damals kein Exemplar vermachen, weil er selbst nur ein einziges besaß. Ein alter Fandom-Bekannter aus dem Saarland hat es mir kürzlich freundlicherweise zukommen lassen. Auf diesem Weg noch einmal »Vielen Dank!«, lieber Ralf.

Nach dem Tschernobyl-Freitag ist alles anders, auch in der Kölner Südstadt. Tommy Z., der zum ersten Mal in seinem Leben eine Wohnung gemietet hat, hat wie viele andere den Kopf voller anarchistischer Gedanken. Gestalt annehmen lässt er sie jedoch nicht, denn eigentlich hat er ganz andere, wesentlich existenziellere Dinge im Kopf, nämlich seine Cognac-Flasche, das religiös bedingte Schwarzfahren mit der KVB und wie er das nächste vom Arbeitsamt aufs Auge gedrückte Jobangebot abbiegen kann. Ganz besonders aber seinen mystischen Sack voll Geld.

So durchgeknallt wie die anderen ist Tommy Z. längst nicht. Er macht nur widerstrebend mit bei den Aktionen des Commando Carlo Chaos. Das setzt sich zusammen aus seiner durchgeknallten, amphetaminsüchtigen Freundin Linda, dem abstinenten Alkoholiker »Haste mal 'nen Heiermann?«-Apo-Shorty, der von Visionen heimgesucht wird und am liebsten alles und jeden in die Luft bomben möchte, Cora, deren Hund grinsen und telefonieren kann, und ein paar weiteren skurrilen Gestalten, wie man sie aus Zieglers Oeuvre kennt. Gemeinsam mit ihnen geht Tommy Z. Baumaschinen eines Wackersdorf-Lieferanten in die Luft jagen, Strommasten absägen und Horden von Beagles aus Otties Tier-KZ befreien. Auch Papst Jupp von der Aktion Karneval am Strommast, Sweet Sixteen von den Revolutionären Gartenzwergen und Professor Gurke von der Sägenden Zelle Herne Zwo sind dabei.

»In rasender Eile knacken wir die Zwinger mit der Beißzange, und die Beagles geraten vollends außer Rand und Band. Überall schlackernde lange Ohren, treue braune Hundeaugen, hin- und herdüsende Geschosse auf vier Beinen. … Sie kläffen und jaulen, springen auf uns herum, lecken uns ab und treiben sonstigen Unfug, der meiner Hundeliebe nicht gerade dienlich ist.«

Ziegler zieht alle Register, um den Staat und die Politmafia als ebensolche darzustellen und die bombenden und sägenden Anarchos als Bande gutmeinender Deppen zu karikieren. Natürlich wird kräftig gegen die damalige Polit-Prominenz ausgeteilt, gegen Kanzler Kohl aus dem Gemüsefeld, gegen Waldschrat Kiechle, gegen Zimmermann, Riesenhuber, Blüm und Bangemann, gegen den Minister für Innerdeutsches und Außersinnliches Windelen und den begnadeten Rückentwicklungsminister Warnke. Auch gleich gegen das gesamte Justizministerium, das nach der Tschernobyl-Katastrophe einen Gesetzesentwurf gegen die illegale Einreise sowjetischer Atome plant. Das Commando Carlo Chaos, die Revolutionären Gartenzwerge und all die anderen Freizeit-Anarcho-Fuzzies kommen kein Deut besser weg. Das ist – wenngleich es in Teilen längst den damals aktuellen Bezug verloren hat – vollkommen überdreht, mal komisch, zuweilen grotesk und gelegentlich zu dick aufgetragen – sofern man das von einer Polit-Satire wie dieser sagen kann, aber stets im passenden, treffenden Tonfall gehalten. Ziegler war eben ein Meister des Wortes, egal in welchem Genre er sich gerade tummelte.

Das wird besonders auf den letzten fünf Seiten deutlich, als es einen drastischen sprachlichen Bruch in der Erzählweise gibt. Aus der Kapriolen schlagenden Satire wird unerwartet eine Tragödie, die das amüsierte Grinsen aus dem Gesicht vertreibt und Betroffenheit bewirkt, wo man längst mit einem blödelnden Abschluss gerechnet hatte. Genau hier, ganz am Schluss, in dieser kurzen Passage, hat die Geschichte ihre stärksten, ihre eindringlichsten Momente und zeigt statt des flapsigen Sarkasten Tommy Z. den stilsicheren Literaten Thomas Ziegler.

Sehr sympathisch war mir persönlich beim Lesen natürlich das räumliche Umfeld mit Orten, die in der Handlung explizit genannt werden: Die Südstadt, in der Tommy Z. in der Geschichte vorzugsweise unterwegs ist, trage ja auch ich im Herzen. Der Chlodwigplatz ist für mich einer der zentralen und die Stadt definierenden Orte Köln. Mit dem Severinstor verbinden mich tausend Erinnerungen, Gefühle und Anekdoten. In der Opera habe ich während meiner Oberstufenzeit mehr als nur einen Abend verbracht. Und im Filos habe ich gelegentlich mit Rainer Zubeil alias Thomas Ziegler alias Tommy Z. gesessen. Kein Wunder, dass Rainer all diese Orte in die Geschichte hat einfließen lassen, schließlich lebte er bis zu seinem Tod in der Südstadt, und er lebte gerne dort.

Aktuell ist das abgedrehte Literaturstückchen übrigens als E-Book bei Amazon erhältlich, wie ich mir habe sagen lassen. Anarchistisches Vergnügen mit Tommy Z. und den wahnsinnigen Sägemeistern aus der Kölner Südstadt!

Goldmann Verlag, München, 1987
Taschenbuch, ca. 110 Seiten
DM 7,80
ISBN 3-442-21008-9

Mittwoch, 15. Juli 2015

Weitere Neuigkeiten zu Thomas Ziegler

Vor ein paar Tagen habe ich über die anstehenden Wiederveröffentlichungen einiger Romane von Thomas Ziegler berichtet und dabei meiner Hoffnung Ausdruck verliehen, auch Zieglers Perry Rhodan-Taschenbücher mögen neu aufgelegt werden. Und tatsächlich, auch was das angeht, gibt es gute Nachrichten, die mich persönlich freuen.

Vorhin erreichte mich eine Mail von Perry Rhodan-Redakteur Klaus N. Frick. Es ist auf jeden Fall geplant, die Ziegler-Taschenbücher bei den mittlerweile im Zaubermond-Verlag erscheinenden Planetenromanen neu zu publizieren. Doch nicht nur das, sondern Klaus beabsichtigt zudem, die Kurzgeschichten, die Thomas Ziegler im Perryversum veröffentlicht hat, in irgendeiner Form noch einmal zu bringen.

Ich erinnere mich an zwei Erzählungen aus den Achtziger Jahren, die ich damals gelesen habe und die mir gefielen, so wie eigentlich fast alles von Thomas Ziegler. Es waren Star Amore und Terra Terror Tours, zwei SF-Satiren, die mit den Figuren aus Der Narrenturm spielten. Es würde mich freuen, sie wieder in die Finger zu bekommen.

Freitag, 10. Juli 2015

Revival für Thomas Ziegler

Der in Wuppertal geborene und in Köln lebende Schriftsteller Thomas Ziegler, mit bürgerlichem Namen Rainer Zubeil, verstarb im September 2004. Bis dahin war er ein literarischer Hansdampf in allen Gassen. In der Science Fiction war er ebenso zu Hause wie in der Fantasy und im Kriminalgenre.

Er schrieb eigene abgeschlossene Romane sowie zahlreiche Beiträge für DIE TERRANAUTEN und PERRY RHODAN. Für beide Serien war er zeitweise auch als Exposé-Autor tätig. Ebenso verfasste er die anfänglichen Expos für die neuen Abenteuer von RAUMSCHIFF PROMET und brachte die Serie damit wieder auf einen guten Weg. Er schuf das Weltraum-Epos FLAMING BESS und ersann die Fantasy-Trilogie SADOR, die er leider nicht abschließen konnte. Auch sein Kurzgeschichtenwerk ist beeindruckend.

In der Dekade nach seinem Tod geriet sein Werk in wenig in Vergessenheit, was ich als echter Ziegler-Fan bedaure. Schon zu meinen Schulzeiten, also lange bevor ich Rainer persönlich kannte, nannten ich ihn als einen meiner Lieblingsautoren, neben beispielsweise Philip K. Dick, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Zahlreiche seiner Romane und mehrere Kurzgeschichtensammlungen aus seiner Feder stehen in meinem Bücherregal.

Viele seiner Veröffentlichungen sind indes längst vergriffen und selbst antiquarisch nur schwer zu bekommen. Ich selbst suche seit Jahren nach der 1988 bei Goldmann erschienenen Polit-Satire Bekenntnisse eines Ökoterroristen. Einmal, als wir bei Rainer zu Hause saßen, kamen wir unter anderem auf dieses Taschenbuch zu sprechen. Er konnte mir kein Exemplar überlassen, er besaß nämlich selbst nur ein einziges.

Doch nun ist Hoffnung in Sicht. Gleich zwei Verlage kündigen Wiederveröffentlichungen von Romanen Thomas Zieglers an. Das ist zum einen der noch junge Berliner Golkonda-Verlag, der mit seiner erlesenen Veröffentlichungspolitik bereits für Beachtung sorgt. Der andere ist der in Windeck ansässige Blitz-Verlag, der schon früher Material von Ziegler publizierte, beispielsweise Eine Kleinigkeit für uns Reinkarnauten, eine Sammlung von Erzählungen.

Golkonda befasst sich mit dem phantastischen Schaffen Thomas Zieglers. So ist die furiose Parallelweltgeschichte Stimmen der Nacht bereits erschienen (eine Besprechung dazu folgt in wenigen Tagen an dieser Stelle), ebenso die Sador-Trilogie (Der Flieger des Kaisers, Am See der Finsternis und Der Bote des Gehörnten). Deren abschließender dritter Teil wurde von Markolf Hoffmann zu Ende geschrieben. Darüber hinaus freut mich die Ankündigung auf der Golkonda-Verlagsseite, das Programm werde in den kommenden Jahres zu einer umfassenden Ziegler-Werkausgabe ausgebaut. Auf Nachfrage bei Golkonda teilte mir die presseverantwortliche Dame mit, für Dezember sei die Veröffentlichung von Alles ist gut geplant. Weitere konkrete Termine stehen bisher nicht fest. Hier muss man sich also in Geduld fassen.

Der Blitz-Verlag widmet sich Thomas Zieglers neben der Science Fiction zweitem Standbein, dem Kriminalroman. Es soll losgehen mit Tod im Dom sowie Koks und Karneval, beide damals als Taschenbuchausgaben bei Goldmann erschienen. Weitere Krimis sind nicht ausgeschlossen. Auch hier muss man die Entwicklung abwarten.

Vielleicht tut sich ja sogar etwas im Bereich Perry Rhodan, zumindest hege ich die vage Hoffnung. Künftig legt der Zaubermond-Verlag die alten Rhodan-Planetenromane wieder auf. Das waren Taschenbücher mit abgeschlossenen Geschichten. In der Reihe sind seinerzeit drei Romane von Thomas Ziegler erschienen, nämlich Die Stadt der Zukunft, Expedition ins Totenreich und die herrlich-verrückte SF-Satire Der Narrenturm. Es wäre schön, wenn der eine oder andere dieser Romane bei der Veröffentlichungspolitik berücksichtigt würde.

Ich freue mich jedenfalls, dass Thomas Zieglers literarische Hinterlassenschaft eine Renaissance erlebt. Sein Werk hat es verdient, und ich bin sicher, er würde sich darüber freuen. Ich selbst werde die Gelegenheit nutzen, um Thomas Ziegler alias Rainer Zubeil wiederzulesen.

Samstag, 11. Oktober 2014

Ziegler und Böhmert zum Rezensieren

Den Tipp gab es von dem Berliner Autor und Übersetzer Frank Böhmert. Oder Böhmi, wie ich ihn seit über 30 Jahren zu nennen pflege. Nachdem ich an dieser Stelle kürzlich ein paar Gedanken zum 10. Todestag von Thomas Ziegler niederschrieb, wies er mich auf eine nette Neuigkeit hin.

Ziegler wird gewissermaßen grad wiederentdeckt. Seine Romane - oder zumindest einige davon - erscheinen nach und nach im Berliner Golkonda-Verlag. Das freut mich, ist es doch eine willkommene Gelegenheit, die Werke des Kölner Autors in den Neuausgaben wieder einmal zu lesen.

Zumal neben dem Glanzstück Stimmen der Nacht bereits Sardor erschienen ist. Die Fantasy-Saga um den Jagdflieger Dietrich von Warnstein, den es aus den Wirren des Ersten Weltkrieges in eine fremdartige Welt mit magischen Geschöpfen verschlägt, hatte Ziegler als Trilogie angelegt. Die ersten beiden Bände sind seinerzeit erschienen, den abschließenden brachte der Autor leider nicht fertig. Er wurde von dem Berliner Autor Markolf Hoffmann zu Ende geführt, sodaß die Trilogie nun endlich vollständig vorliegt.

Golkonda war so freundlich, mit sowohl Sardor als auch Stimmen der Nacht als Rezensionsexemplare zur Verfügung zu stellen. Was mich ebenfalls freut, Bloß weg hier! von Frank Böhmert gab es obendrauf. In letzterem habe ich bereits zu schmökern begonnen. Die Besprechungen zu allen oben genannten Büchern gibt's dann auf absehbare Zeit. Hier und wahrscheinlich auch an anderer Stelle.

Donnerstag, 11. September 2014

10. Todestag von Thomas Ziegler

Rainer und ich auf dem Coloniacon 2004
Natürlich hieß er mit bürgerlichem Namen Rainer Zubeil. Seine größte Bekanntheit erlangte der in Wuppertal aufgewachsene und in Köln lebende Schriftsteller aber als Thomas Ziegler. Denn unter diesem Pseudonym schrieb er von 1983 bis 1985 für Perry Rhodan, wo er eine Zeitlang auch als Exposéautor tätig war. Man kann guten Gewissens sagen, daß er mit seinen skurrilen Ideen neuen Wind in die Serie brachte.

Bestes Beispiel ist für mich bis heute sein Planetenroman Der Narrenturm. Die abgedrehten Figuren Lukas Lorrimer, Famos O'Hack, Karnegoris Pan und ein entlaufener Würgebaum namens Jack the Ripper zeigten einen Thomas Ziegler in Bestform. Bizarre Aliens, überkandidelte Einfälle und ein an Satire grenzender Humor waren sein Markenzeichen, das er nicht nur in die Science Fiction einfließen ließ, sondern auch in seine Kriminalromane wie beispielsweise Koks und Karneval.

Rainer verwendete in seiner Schriftstellerkarriere weitere Pseudonyme. Henry Quinn und Robert Quint. Helmut Horowitz, John Spider und Tommy Z. Neben Perry Rhodan schrieb er für Die Terranauten, schuf mit Flaming Bess seine eigene Serie und verfaßte diverse eigenständige Romane, sowohl im Bereich der Science Fiction und der Fantasy als auch im Krimigenre. In der SF wurde er mehrfach mit dem renommierten Kurt-Laßwitz-Preis ausgezeichnet.

Ich lernte Rainer im Vorfeld eines Coloniacons persönlich kennen. Ich weiß nicht mehr, in welchem Jahr das war. Manfred M. und ich veranstalteten den damaligen Con, und wir wollten Thomas Ziegler unbedingt als Gast gewinnen. Wir fanden heraus, daß er in der Südstadt lebte, und schafften es tatsächlich, uns mit ihm zu verabreden.

Wir trafen uns im Filos, einer Mischung aus Kneipe, Bistro und Restaurant. Er erwartete wohl zwei pickelgesichtige Nerds, deren Sozialkompetenz beim Lesen von Perry Rhodan endete, und wir wußten nicht recht, wie wir uns ihm nähern sollten. Ziegler? Quint? Zubeil? Oder sonstwie? Was wir ihm auch sagten. Er meinte in seiner unkompliziert-augenzwinkernden Art, es sei schon okay, wenn wir ihn schlicht und einfach mit Präsident anreden. Damit war das Eis gebrochen.

Ende der Neunziger Jahre beschloß Jörg Kaegelmann, in seinem Blitz-Verlag Kurt Brands alte Raumschiff Promet-Geschichten mit neuen Abenteuern fortzusetzen. Dazu verpflichtete er Thomas Ziegler als Exposéautor. Ich war nicht nur stolz wie Bolle, als ich gefragt wurde, ob ich Lust habe, an der neuen Serie mitzuschreiben, sondern es ergab sich, daß Rainer und ich öfter miteinander zu tun hatten. Beim Schreiben der Romane nach seinen Expos hatte ich zu so mancher Szene Fragen. Er meinte stets: "Mach es einfach so, wie du es für am besten hältst." Das funktionierte ausgezeichnet, und wir kamen gut zurecht. Die Zusammenarbeit mit ihm war ein weiter Beweis für seine völlig unkomplizierte Art.

In der Folgezeit trafen wir uns des öfteren privat. So manches Mal saßen wir in der Südstadt im Litho, einem griechischen Restaurant. Nicht zum essen, sondern zum trinken. Ich bestellte Kölsch, Rainer blieb bei seinem geliebten Vecchia Romagna. Meistens hatten wir viel Spaß, denn so humorig wie in seinen Romanen war er auch bei zwischenmenschlichen Kontakten. Ich mochte ihn gleichermaßen als Mensch und als Autor. Die meisten seiner serienunabhängigen Werle stehen in meinem Bücherregal.

2004 war er abermals Besucher des Coloniacons und gerade erst zu Perry Rhodan zurückgekehrt, was seine Fans freute. Einige Monate zuvor war er mit seiner Lebensgefährtin umgezogen, innerhalb der Südstadt. Er bewohnte nun eine Wohnung mit Dachterrasse, von der aus der Blick Richtung Rhein ging. Ich erinnere mich noch daran, wie wir das letzte Mal zusammen dort oben in der Sonne saßen. Wir tranken eiskaltes Kölsch aus Flaschen, und Rainer freute sich darauf, wieder stärker bei Perry Rhodan einzusteigen. Er war begeistert, zukunftsgewandt und bestens aufgelegt. Seine Pläne konnte er jedoch leider nicht mehr verwirklichen. Wenige Tage später ist er gestorben, gerade einmal 47 Jahre alt.

In Bezug auf unsere Lebensweise, die Lockerheit und all die uns offen stehenden Möglichkeiten sagte er einmal zu mir: "Der Westen ist für mich das Licht der Welt." Ein bißchen von diesem Licht war er mit seinen Werken selbst. Wenn ich heute, an seinem zehnten Todestag, mit reichlich Schwermut an Rainer denke, fällt mir eine Textpassage ein, die Wolfgang Niedecken in dem BAP-Lied Dreimohl zehn Johre singt. "E Glas ob die von uns, die't hinger sich han. Mir sinn uns widder, irjendwo, irjendwann." Das will ich aber auch schwer hoffen.


Montag, 28. April 2014

Tod eines Cyborgs

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Ich hatte ihn schon vor einiger Zeit angekündigt. Es freut mich, nun endlich den Startschuß verkünden zu können. Denn er ist soeben erschienen, der erste Roman in der neuen RAUMSCHIFF PROMET-Taschenbuchserie. Er spielt im bekannten Promet-Universum, jedoch ein paar Jahre nach den in den Klassikern geschilderten Ereignissen, die ja derzeit von neuen Autoren neu geschrieben und komplett wiederveröffentlicht werden. Die Handlung schließt nahtlos an meine beiden Hardcover an, die bereits im Blitz-Verlag erschienen sind.

Das Schöne ist, daß ich mit den Besatzungen der alten und der neuen Promet jonglieren konnte. Wie es der Untertitel "Die Abenteuer der Shalyn Shan" verrät, steht Shalyn mit ihrer von Thomas Ziegler für die neuen Abenteuer erdachten Crew im Mittelpunkt der Handlung: Major Patrick O'Healy, der Cyborg Cyberjohn Five, Professor Lukas Hagen, Vanessa Modesta und Sir Klakkarakk, der Ritter von Quog, der einer übermannsgroßen, aufrechtgehenden Heuschrecke gleicht.

Neben ihnen sind auch die Helden aus den Klassikern nicht vergessen. In Tod eines Cyborgs sind Jörn Callaghan und Szer Ekka mit von der Partie. In den beiden Folgebänden, die ich bereits geschrieben habe, wird dann auch Peet Orell ins Geschehen eingreifen. Etwas länger vertrösten muß ich die Fans von Arn Borul. Er wird ebenso wie Vivien Raid und Junici erst später wieder in Erscheinung treten, ist aber nicht vergessen. Im Gegenteil, die Gestrandeten werden im Folgezyklus eine zentrale Rolle spielen.

Samstag, 30. März 2013

Der Chronoskop-Zyklus geht zu Ende


In dieser Intensität ist es mir noch nie passiert, daß sich eine Geschichte verselbständigte und in eine ganze andere Richtung entwickelte, als ursprünglich geplant. Die Rede ist von der im Blitz-Verlag erscheinenden Serie Raumschiff Promet - Von Stern zu Stern, und speziell zu dem just abgeschlossenen Chronoskop-Zyklus, wie ich ihn für mich benannt habe. Vor geraumer Zeit habe ich eine Geschichte ersonnen, in der die Protagonisten der klassischen Abenteuer in die aktuelle Handlung zurückkehren sollten.

Als Thomas Ziegler vor einigen Jahren Exposes für neue Abenteuer der Promet schrieb, führte er eine ganz neue Besatzung um die Moranerin Shalyn Shan ein. Die alten Recken Peet Orell, Arn und Junici Borul, Jörn Callaghan. Vivien Raid, Szer Ekka und Pino Tak blieben dabei weitgehend auf der Strecke. Als sie dem Ruf der Agaren folgten und durch einen Transmitter gingen, verschwanden sie nicht nur an einen unbekannten Ort, sondern auch aus der Handlung. Die Leser aber wollten diesen Personenkreis wiederhaben.

Den Grundstein dafür legte ich in den Bänden 6 und 7, namentlich Das Orakel von Chron und Notruf aus Katai, die einen neuen Kurzzyklus einleiteten. Die Handlung setzte an der Stelle ein, als Orell und Co nach dem Transmitterdurchgang herauskommen. Doch auch Shalyn Shan sollte mit der neuen Promet V selbstverständlich zu ihrem Recht kommen. So waren eine ganze Reihe Figuren ins Geschehen zu integrieren, das sich, ohne dass ich es beabsichtigt hatte, auf gleich sechs Handlungsebenen verzweigte. Da waren die Boruls und Raid auf dem Planeten Draster, der entführte Orell im Zeiter des Suchers Irk, die durch ein Chronoskop auf den Avatara-Planeten Kalar verschlagenen Callaghan und Ekka sowie der in einer Hyperraumarche gestrandete Cyberjohn Five. Und natürlich Shalyn Shan, die mit der neuen Promet zu einem Testflug aufbricht, der sich ganz anders entwickelt als gedacht. Damit nicht genug, wird ein weit in der Vergangenheit eingetretenes Drama beleuchtet, das den Hintergrund für sämtliche Irrungen und Wirrungen liefert, in die unsere Helden geraten.

Nun habe ich drei Folgebände an den Verlag geliefert. Die Bücher tragen die Titel Jedruls Plan, Bruderkrieg und Rebellion. Sie bringen den Fünfteiler zu einem Abschluß - und wiederum auch nicht. Denn wie gesagt, die Geschichte begab sich durch die Aufteilung auf die verschiedenen Handlungsebenen auf eigene Pfade und wurde länger und länger. Trotz mehrmaligen Umschreibens kam ich mit dem zur Verfügung stehenden Platz hinten und vorne nicht hin. So blieb mir schließlich nichts anderes übrig, als einen der Handlungsstränge komplett aus dem Manuskript zu werfen. Es geschah schweren Herzens, hatte aber keine Auswirkungen auf den Handlungsverlauf, da es sich im Grunde um eine vom Rest unabhängige Geschichte handelt.

Freitag, 24. Juni 2011

Die Promet fliegt wieder

Der 1991 verstorbene Kurt Brand schuf bereits 1971 die als RAUMSCHIFF PROMET bekannt gewordene Science Fiction-Serie, die eigentlich ARN BORUL - VON STERN ZU STERN hieß. Von Brand, der zuvor für PERRY RHODAN geschrieben hatte, stammen auch die bis heute erfolgreich erscheinenden Abenteuer um den Raumfahrer REN DHARK.
In den Neunziger Jahren legte Jörg Kaegelmann in seinem Blitz-Verlag die ehemaligen Romanhefte von Promet als Paperbacks wieder auf. Angeregt von den Verkaufserfolgen, beschloß er, den alten Geschichten aus der Brand-Ära neugeschriebene Fortsetzungen folgen zu lassen. Als es 1997 losging, hatte er ein kleines Autorenteam beisammen, dem auch ich angehörte. Auf dem Coloniacon war ich gefragt worden, ob ich Lust habe, an RAUMSCHIFF PROMET - NEUE ABENTEUER mitzuschreiben. Da brauchte ich nicht lange zu überlegen. Zum einen bedeutete mein Einstieg in die Serie meine ersten Veröffentlichungen im SF-Romanbereich, zum anderen war Thomas Ziegler, einer meiner Lieblingsautoren der deutschen SF-Szene, für die Exposes verantwortlich. So war ich von Anfang an dabei und habe gemeinsam mit Konrad Schaef die meisten Beiträge zum neun Bände umfassenden Katai-Zyklus geschrieben.
Nach dem Abschlußband gab es 2003 eine Reihe von Veränderungen. Die Serie wurde umbenannt in TITAN - STERNENABENTEUER, die Promet wurde ersetzt durch die Titan, und es erschienen ein paar unzusammenhängende Romane, für die Thomas Ziegler nicht mehr verantwortlich zeichnete. Danach kehrte er noch einmal zurück und konzipierte die Virtuversum-Trilogie, für die ich alle drei Bände verfaßte.
Ein Jahr später, 2004, verstarb Thomas Ziegler, und die Handlungsführung wurde für mich immer unübersichtlicher. Ganz ehrlich, ich las die Bücher nicht mal mehr. Meine Begeisterung war dahin, und so schrieb ich auch keine weiteren Beiträge. Den Werdegang der ehemaligen Promet verfolgte ich aber weiterhin. 2009 kam es zu einer weiteren Umbenennung, diesmal in STAR VOYAGER.
Jetzt, weitere zwei Jahre später, geht wieder alles auf Null. Künftig erscheinen, mit Band 1 beginnend, brandneue Geschichten unter dem Seriennamen RAUMSCHIFF PROMET - VON STERN ZU STERN, womit der Bogen geschlagen ist zum ursprünglichen, von Kurt Brand erdachten Titel. Da Jörg und ich im Bereich Promet schon lange mal wieder etwas zusammen machen wollten, packten wir die Gelegenheit beim Schopf.
Ich habe dieser Tage das Manuskript für den ersten Band der neuen Buchreihe beim Blitz-Verlag abgeliefert. Der Handlungsablauf für die unmittelbare Fortsetzung existiert in meinem Kopf, und für die Bände 3 und 4 habe ich bereits die Eckdaten entworfen. Danach ist der erste Zyklus abgeschlossen, es sei denn, es ergeben sich zu viele offene Handlungsfäden, die einen fünften Roman erfordern. Das wird sich zeigen, wenn ich mit dem Schreiben der zweiten Zyklushälfte beschäftigt bin.
Zunächst aber freue ich mich auf RAUMSCHIFF PROMET - VON STERN ZU STERN Band 1, der im September unter dem Titel Das Orakel von Chron das Licht der Welt erblicken wird.