Samstag, 21. März 2015

Klaus Ulonska 1942 - 2015

„Fortuna Kölns Herz schlägt nicht mehr“, titelte der Kölner Express über den unerwarteten Tod von Klaus Ulonska. Der Präsident von Fortuna Köln starb am 14. März 2015 völlig überraschend an einem Herzinfarkt.


Das Entsetzen war groß in Köln in den vergangenen Tagen, und es zog sich durch alle Schichten und Altersklassen. Ich bekam die Welle von Anteilnahme in den Medien mit und im Vereinsheim, wo ein Kondolenzbuch auslag. Ich spürte die Wertschätzung und Liebe, die Ulonska genossen hat, bei der Gedenkfeier in St. Aposteln. Die Bläck Fööss sangen, und die Fortuna-Spieler trugen den Sarg. Es war ergreifend, ebenso wie die anschließende Beisetzung auf Melaten, wo viele Freunde und Weggefährten von Klaus Ulonska zusammenkamen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen, darunter auch viele Anhänger von Fortuna Köln. Ich hatte mit den Tränen zu kämpfen, als ich mich auf dem Friedhof von Klaus’ Frau Helge verabschiedete und ihr für alles dankte, was sie und ihr Klaus zehn Jahre lang für die Fortuna getan haben.

Schon in jungen Jahren begeisterte sich Ulonska für den Sport, dem er in verschiedenen Bereichen sein Leben lang treu blieb. Für den ASV Köln war er als Sprinter über 100 und 200 Meter sowie als Staffelläufer über die 4 x 100 Meter aktiv. Mit der Staffel wurde er 1962 Europameister. Nach seiner aktiven Karriere blieb er dem Sport weiterhin verbunden. Er war über viele Jahre  Präsident des Kölner Eis-Klubs, wirkte als Organisator der großen Leichtathletik-Sportfeste des ASV und setzte sich für die Gründung des Kölner Seniorensportvereins sowie des Kölner Behindertensportvereins ein.

Auch außerhalb des Sports war sein Schaffen breit gestreut. Als Mitglied des Traditionskorps der Altstädter Köln lebte er seine Begeisterung für  den Karneval und das Kölner Brauchtum aus. 1973 gehörte er als Jungfrau Claudia dem Kölner Dreigestirn an. Seitdem leitete er unzählige Sitzungen, zumeist als Clown verkleidet. Kaum ein anderes Kostüm hätte seine Lebensfreude besser ausdrücken können.

Denn Klaus Ulonska war ein durch und durch positiver Mensch, ein gläubiger Mensch, dem alle gleich viel wert waren und der für jeden ein offenes Ohr hatte. Als Ratsherr der Stadt Köln arbeitete er unermüdlich zum Wohl der Stadt, später setzte er sein soziales Engagement auf anderer Ebene fort, beispielsweise als Unterstützer des Kölner Obdachlosenfrühstücks. Für seinen Einsatz für die Menschen von Köln und seine vielfältigen Verdienste um den Sport wurde ihm 2014 das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Mir wurde Klaus Ulonska bekannt, als er 2004 die Geschicke von Fortuna Köln übernahm. Es war eine Zeit, in der die Fortuna sowohl finanziell als auch sportlich in ziemliche Schieflage geraten war. Nach dem Tod von Jean „Schäng“ Löring rutschte der Verein bis in die 5. Liga ab, der Konkurs schien kaum noch abzuwenden. Der Südstadtclub stand vor dem Aus.

Damals, so weiß es die Legende zu berichten, schellten ein paar enthusiastische Fortuna-Fans bei Klaus Ulonska, um ihn als neuen starken Mann für die Fortuna zu gewinnen. Er wollte nicht, zunächst, doch seine Frau Helge bat die Fans in die Wohnung. Ein stundenlanges Gespräch folgte, an dessen Ende sich Ulonska bereiterklärte, es zu machen – für sechs Wochen. Aus diesen sechs Wochen wurden mehr als zehn Jahre.

Denn Klaus Ulonska entdeckte seine Liebe zur Fortuna, für die er schon bald von morgens bis abends aktiv war, häufig bis spät in die Nacht hinein. Wie zu Beginn unterstützte seine Frau ihn dabei und ließ ihm alle Freiheiten, die er benötigte, um die Fortuna in ruhigeres Fahrwasser zu manövrieren. Dem leidenschaftlichen Ulonska gelang aber noch viel mehr als das: unter seiner Ägide konnte der Verein sich wirtschaftlich konsolidieren und steht heute schuldenfrei dar. Dafür sorgten unter anderem all die Förderer und Sponsoren, die er durch seine vielfältigen Kontakte gewinnen konnte. Zudem erfüllte er den Traum aller Fortuna-Fans: nach dem zwischenzeitigen Aufstieg aus der Verbandsliga führte er den Verein 2014 in die 3. Liga und damit zurück in den Profifußball.


Eine schöne Sache – und eine, die im Fußball ganz und gar ungewöhnlich ist – drückt die Beliebtheit von Klaus Ulonska aus. Nicht nur Kölner bringen ihm große Sympathie entgegen, sondern auch die Fans der Gastmannschaften waren von ihm begeistert. Bei Heimspielen begrüßte Ulonska sämtliche Gästefans persönlich. Das wurde ihm niemals zuviel. »Wer war dieser freundliche Mann eben?«, wurde dann häufig gefragt. Und groß war die Überraschung, wenn es hieß: »Klaus Ulonska, der Präsident von Fortuna Köln.«

In den sozialen Netzwerken fiel es mir in den vergangenen Tagen besonders auf. Die Anteilnahme über Ulonskas Tod kommt von Fußballanhängern aus ganz Deutschland, die mit ihren Vereinen auf die Fortuna getroffen sind: ob von Preußen Münster oder den Bayern, den Stuttgarter Kickers oder Borussia Dortmund. Voller Wärme und Mitgefühl war der mehrseitige Nachruf eines BVB-Fanclubs über den „sympathischsten Fußballpräsident der Welt“.

Längst zur Legende geworden ist Klaus Ulonskas Spendenball. Mit dem durchschritt er bei jedem Heimspiel die Reihen der Besucher, um Geld zu sammeln für die Jugendmannschaften der Fortuna. Denn die vielen hundert Kinder und Jugendlichen aus 23 Nationen, die bei der Fortuna kicken, waren ihm – ebenso wie seinem Vorgänger Jean Löring – eine Herzensangelegenheit.

So oft ich Klaus Ulonska begegnete, er war nie abweisend, hatte niemals schlechte Laune.  »Viel Glück und Segen auf allen Fortuna-Wegen«, so pflegte er stets zu sagen. Mit seinem sonnigen Gemüt und seiner Herzlichkeit lachte er gern und viel. Nur einmal habe ich ihn anders gesehen, nämlich nach dem entscheidenden Relegationsspiel in München gegen die zweite Mannschaft der Bayern. Nach dem Fortuna-Erfolg und dem Aufstieg in die 3. Liga heulte Klaus Rotz und Wasser. Es waren Tränen der Freude und der Erleichterung. Er hatte sein Ziel erreicht – eigentlich nur ein weiteres Zwischenziel, denn mit einem Auge schielte er für die kommenden Jahre bereits auf die 2. Liga. Diesen Traum wird er sich und den Fortuna-Anhängern nun leider nicht mehr erfüllen.

Klaus Ulonska hat ein großes, ein respektables Lebenswerk hinterlassen. Dieser freundliche, herzensgute und sympathische Mann wird der Fortuna ebenso sehr fehlen wie vielen anderen Menschen in Köln. Sein Verlust ist kaum zu kompensieren. Noch vor kurzem haben wir ein paar Worte gewechselt, und wie immer sprühte er vor Energie. Nichts ließ ahnen, dass er schon bald nicht mehr bei uns sein würde. Ich danke Klaus und seiner Frau Helge für alles, was sie für die Fortuna getan haben. Wo wären wir heute ohne euch?

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