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Samstag, 21. Juli 2018

Nick 9 bei phantastik-news

Meine Romanadaptionen der NICK-Piccolos von Hansrudi Wäscher sind mittlerweile Geschichte. Der letzte Roman ist geschrieben, das Buch steht in meinem Regal. Doch das letzte Wort dazu ist noch nicht gesprochen, denn kurz nach Erscheinen von Landeverbot bespricht Carsten Kuhr den Roman für das Online-Portal phantastik-news.
 
So schreibt Kuhr: „Und das Gespann Wäscher/Mehnert fährt noch einmal auf, was der Fan klassischer Weltraum-Abenteuer schätzt. Die Erforschung exotischer Planeten, Überbleibsel technischer Hochkulturen, fremdes, kristallines Leben und die Dramatik einer Rebellion – für Aufregung und Kurzweil ist also gesorgt.“
 
Der Roman gefällt dem Rezensenten, was wiederum mir gefällt. Kuhr bescheinigt mir bei der Umsetzung Enthusiasmus und Routine, in dem Roman sieht er „beste klassische Space Opera“. Das gebe ich gern an Hansrudi Wäscher weiter, der diese tollen Geschichten schließlich erdacht und in Comicform gebracht hat. Ohne ihn gäbe es die Romane überhaupt nicht.
 
„Man kann vor Achims Arbeit nur den Hut ziehen“, endet Carsten Kuhrs Buchbesprechung. Dafür bedanke ich mich ganz herzlich und mache Schluss mit der Lobhudelei.
 
Die komplette Rezension gibt es hier:

Samstag, 7. Juli 2018

Makrito bei phantastiknews

Robert Monners beleuchtet einmal mehr den aktuellen Ren Dhark-Roman. Im Online-Portal www.phantastik-news.de beschäftigt er sich mit Makrito.

Monners dazu: "Der titelgebende Makrito wird uns vorgestellt, über sein Leben, sein Leiden und seine Flucht an Bord eines Raumschiffes einer Maschinenzivilisation wird berichtet - was dies aber mit den Vorgängen auf Sahara zu tun hat, bleibt noch offen."

Und das war an dieser Stelle vom Autorenteam auch so beabsichtigt. Allerdings werden sich den Lesern die engen Zusammenhänge in den kommenden Bänden erschließen.

Die komplette Besprechung ist hier zu finden:


Montag, 26. März 2018

Malk Katuhl bei phantastiknews

Für das Online-Magazin phantastiknews hat sich Dauerrezensent - so kann man ihn wirklich mittlerweile nennen - Robert Monners Malk Katuhl vorgenommen, die 74. Buchausgabe von Ren Dhark - Weg ins Weltall.

"Nachdem in dem vorhergehenden Ren Dhark-Titel bereits einige handfeste Überraschungen auf den Leser warteten, setzen die Autoren vorliegend noch einen drauf", freut sich Monners, und: "Hier haben die Dame und die Herren wirklich Erstaunliches offenbart."

Das war unser Anliegen, sowohl beim Erstellen des Rahmenexposes als auch beim Ausarbeiten der einzelnen Romane. Bei seiner Besprechung geht Robert Monners nicht nur auf den aktuellen Band ein, sondern wirft noch mal ein paar Schlaglichter auf den hiermit zu Ende gehenden Zyklus. Finde ich gut.

So resümiert Monners: "Wir lernten faszinierende Fremdrassen kennen, wurden mit Mysterien konfrontiert, erhielten weitere Einblicke in die Geschichte der Worgun und näherten uns dem Wächter-Orden an."

Die komplette Rezension gibt es hier:

Mittwoch, 31. Januar 2018

Peter Griese - Die Weltraummenschen

Die Weltraummenschen, ursprünglich Buhrlos oder auch die Gläsernen genannt, waren an Bord der SOL geborene Menschen, die sich dank körperlicher Veränderungen ohne Schutzanzug im Vakuum des Weltraums aufhalten konnten. Sie kamen in nur ganz wenigen Perry Rhodan-Heften vor und nach Band 1000 vor und schienen mir damals keinerlei Zweck zu erfüllen und ein vernachlässigbarer Nebennebenzweig der Handlung zu sein, den man getrost ignorieren kann. Ehrlich, ich machte mir gar nichts aus ihnen. Viel wichtiger wurden sie wohl in den Atlan-Heften ab Band 500, die mir jedoch nicht bekannt sind.
 
1982 griff Peter Griese das Motiv für Perry Rhodan-Taschenbuch 228 Die Weltraummenschen auf. Dieses fiel mir kürzlich in die Hände, und der Untertitel „Die kosmische Bestimmung der Buhrlos“ machte mich nun doch neugierig. Sollte mehr dran sein an den Gläsernen, als von mir gedacht? Irgendeine kosmische Bestimmung in Perry Rhodan vermochte mich schon immer zu packen. Jedenfalls las ich jetzt den Roman des 1996 verstorbenen Autors, der auf Cons häufig mit AC/DC-T-Shirt auftrat.
 
Die letzten 320 Buhrlos haben die SOL verlassen und sind auf einer Reise durch die Tiefen des Weltalls unterwegs. Angelockt von einer weit entfernten Energiequelle, halten sie sich im sogenannten Limbus auf, dem Niemandsland zwischen den Mächtigkeitsballungen der verfeindeten Superintelligenzen ES, dem Mentor der Menschheit, und Seth-Apophis. Sie ahnen, dass eine Aufgabe von großer Tragweite sie erwartet, kennen jedoch weder deren Inhalt noch den Auftraggeber. Gegen ihren Willen wird der Flug der in einer Metamorphose begriffenen Weltraummenschen unterbrochen. Eine mentale Warnung weist auf eine nicht näher benannte Bedrohung hin, und wenig später finden sich die Teilverpuppten an Bord eines fremden Raumschiffs wieder. Das ist nur die Einleitung zu dem Roman, und die klingt wirklich interessant.
 
Es folgen allerlei Irrungen und Wirrungen, auf die ich gar nicht näher eingehen möchte, die mit der Erwartungshaltung auf jene ominöse Bestimmung der Buhrlos spielen, diese aber leider nicht zu erfüllen wissen. Es entwickelt sich eine Fremde-treffen-auf-Fremde-Geschichte. Die einen, ohne technische Ahnung, leben in der „Wiege der Götter“, von der sie nicht wissen, dass es sich um ein Raumschiff handelt, und erhalten Befehle vom „Tabuschrein“, der sich den anderen, nämlich den Buhrlos, als eine terranische Hochleistungspositronik erschließt.
 
Streckenweise empfand ich Grieses Stil beim Lesen als ein wenig hölzern, aus heutiger Sicht vielleicht auch ein wenig antiquiert. Trotzdem ist die Geschichte spannend, und die Handlung wirft durchaus ein paar Fragen auf, deren Antworten man gespannt entgegensieht. Das gilt natürlich besonders für die heiß erwartete kosmische Bestimmung der Weltraummenschen, der sie am Ende auch tatsächlich entgegengehen. Leider jedoch entpuppt sich diese – zumindest empfand ich es so – als kleiner Etikettenschwindel. Die Buhrlos dienen zu nichts anderem als dazu, in dem Geistwesen ES aufzugehen, um dieses zu stärken.
 
Ähnliches erlebten wir bereits in Exodus der Mutanten, Perry Rhodan-Heftroman 968, als auf einen Schlag zahlreiche bekannte und beliebte Mutanten aus der Serie verschwanden. Sie mussten in ES aufgehen, um das Geistwesen zu stärken und es aus einer bedrohlichen Lage zu retten. Dies war der eine Grund für ihren Abgang – der andere war vermutlich die nicht dauerhaft handelbare Einbringung so vieler Mutanten in die Handlung, vielleicht auch der Überdruss einiger Autoren an diesen Hinterlassenschaften der Vergangenheit, die wie Klötze am Bein hängen konnten.
 
Dank Peter Gieses Roman weiß man jetzt zumindest, was aus den letzten Buhrlos wurde. Sie sind nicht wirklich tot, sondern gehören dem Geistesdepot von ES an. Aus dem könnten die Autoren sie ebenso wie die Mutanten bei Bedarf also jederzeit wieder hervorkramen und in die aktuelle Handlung einbauen. Was übrigens im vorliegenden Roman geschieht: Mehrmals erscheint Altmutant Tako Kakuta, um den Buhrlos wichtige Hilfestellung zu leisten. Das Wiederlesen mit dem Teleporter aus der Anfangszeit der Serie fand ich einerseits nett, andererseits kam mir der gute Tako bei seinen Auftritten aber vor wie der Deus ex Machina, der immer dann da ist, wenn es ohne ihn nicht weitergeht.
 
Fazit: Leider wurden mit dem Romantitel Die Weltraummenschen und vor allem mit dem Untertitel Erwartungen auf eine Geschichte mit kosmischem Inhalt geschürt, die nicht eingehalten werden konnten. Spannend zu lesen war der Roman dennoch.

Peter Griese – Die Weltraummenschen
Pabel-Moewig-Verlag
Rastatt 1982
Ca. 160 Seiten
4,80 DM

Freitag, 29. Dezember 2017

Experimentierfeld Voktar bei phantastik-news

Auch das 73. Buch von Ren Dhark - Weg ins Weltall hat Robert Monners sich wieder für das Online-Portal phantastik-News vorgenommen. Schnell ist der Mann, das muss ich immer wieder feststellen. Kurz nach Erscheinen hat er Experimentierfeld Voktar bereits gelesen und besprochen.

Zuletzt sparte Monners nicht mit Kritik, doch diesmal scheint er voll und ganz zufrieden zu sein. So lobt er das neueste Kapitel aus der Weltraum-Saga um den Raumfahrer Ren Dhark und seine Point of fast über den grünen Klee. Kritik ist wichtig, Lob ist es ebenfalls. Daher freue ich mich als Autor auch mal, so wie in diesem Fall, über eine ganz und gar positive Rezension.

Robert Monners hebt die Klärung der Hintergründe in der Geschichte hervor und erwähnt ausdrücklich die geschickte Zusammenführung der beiden Handlungsstränge in der Milchstraße und in der Zwerggalaxis Voktar. Obwohl wir schon früh auf diese Entwicklung hingewiesen haben, gab es immer wieder skeptische Stimmen, die uns nicht glauben wollten. Wie gut, wenn man das Rahmenexposé für den kompletten Zyklus kennt und an dessen Erstellung mitgewirkt hat.

Fazit lautet: "Die Dramatik ist hoch, das Tempo deutlich gesteigert, die Umsetzung rasant. Weiter so, kann man den Autoren nur zurufen."

Dieser Aufruf, dem nachzukommen wir uns auch weiterhin alle Mühe geben werden, ist dem Ren Dhark-Team Verpflichtung und Vergnügen zugleich.

Die komplette Buchbesprechung gibt es hier:

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Roy Stark bei phantastik-news

Das Online-Portal phantastik-news beschäftigt sich mit allen multimedialen Ausprägungen der Phantastik. So überrascht die Besprechung meiner zweibändigen Romanversion der Hansrudi Wäschers-Comics um den Stuntman Roy Stark auf den ersten Blick. Jedoch spielt in der Geschichte eine Zeitmaschine eine wichtige Rolle. Mit der Erfindung eines Wissenschaftlers reist der Abenteurer in die Zeit des blutrünstigen Piraten Bloody Henderson und in die Wirren des amerikanischen Sezessionskriegs. Außerdem bespricht Carsten Kuhr bei phantastik-news auch meine Tibor-, Nick- und Falk-Adaptionen.
 
Hoppla“, staunt der Rezensent dann auch, „dieses Mal geht es weder in den Dschungel, noch ins Weltall oder zu den Rittern – hier wartet eine Zeitreise-Geschichte auf den Leser.“ Carsten Kuhr fühlt sich an Sun Koh und Doc Savage erinnert und folgt dem Plot mit Spannung hinein ins geschichtliche Abenteuer.
 
Die kurze Reihe ist mit dem Zweiteiler abgeschlossen“, resümiert Carsten Kuhr, um sodann einen erwartungsvollen Blick in die Zukunft zu werfen. „Nächstes Jahr, so stand es zu lesen, geht es endlich los mit Hansrudi Wäschers wohl bekanntestem Werk: der Roman-Adaption von Sigurd – man darf gespannt sein.“

Das bin ich auch - und was zu lesen stand, trifft zu. Für diejenigen, die es noch nicht mitbekommen haben: die Arbeit am ersten Sigurd-Roman werde ich im Januar abschließen. Es ist seitens des Verlags Peter Hopf geplant, sämtliche Sigurd-Geschichten der Wäscher-Ära in literarische Buchform gießen zu lassen.
 
Die vollständige Roy Stark-Besprechung gibt es hier:


Dienstag, 14. November 2017

Carsten Kuhr bespricht Nick 8

Neben Ren Dhark werden auch die meisten meiner Wäscher-Romanadaptionen (Oder sogar alle? Ich weiß es gar nicht.) beim Online-Portal phantastik-news besprochen. So ist es just auch mit meinem kürzlich erschienenen neuen Nick-Roman geschehen. Rezensent Carsten Kuhr hat den achten Band des Weltraumfahrers unter die Lupe genommen.

"Achim Mehnert hat die Handlung der Piccolos Nr. 93 bis 119 in einen umfangreichen Roman gepackt", resümiert Kuhr. "Und was für ein Band ist das geworden! Verlassene Ruinenstädte, verschollene Hochkulturen, Schätze, Teleportationstore, archaische Gesellschaften, Dinosaurier und Amphibienwesen - das Herz eines jeden klassischen SF-Fans schlägt da höher."

Dass ich mich über solche ein positive Besprechung freue, ist klar. Ich erwähnte ja in meinem Blogeintrag nach Fertigstellung des Romanmanuskripts bereit, was für einen Spaß mir die Geschichte gemacht hat, besonders die Teleportationstore, die Hansrudi Wäscher zu einer Zeit schuf, da an Star Gate noch jahrzehntelang nicht zu denken war.

"Das ist Nostalgie pur", so noch einmal Carsten Kuhr, "der berühmte Sense of Wonder kommt leidlich zum Tragen."

Hach, da könnte ich schwelgen. Einfach nur schön.

Die vollständige Rezension gibt es hier:


Sonntag, 12. November 2017

Ren Dhark 71 im Auge des Betrachters

Auch diesmal hat sich Dauer-Rezensent Robert Monners die neue Ausgabe von Ren Dhark vorgenommen. Seine Besprechung von Band 71 mit Titel Lorrons Erbe ist bereits beim Online-Portal phantastik-news online. Das ist mittlerweile eine schöne Tradition, für die ich mich an dieser Stelle einmal bedanken möchte.

Schnell ist der Mann, und wie von ihm gewohnt, äußert Monners dabei durchaus auch kritische Töne. Der grundsätzliche Tenor ist jedoch positiv, das Buch hat dem Rezensenten gefallen. Ich stehe ja auf dem Standpunkt: wenn der Roman dem Leser gefällt und er gespannt ist auf den nächsten Band, dann haben wir unsere Arbeit richtig gemacht.

Jedenfalls resümiert der Rezensent: "Insgesamt kann man den Autoren attestieren, dass das Tempo mittlerweile, nachdem wir doch einige Romane hatten, in denen es eher geruhsam zuging, deutlich angezogen hat. Die Dramatik nimmt zu, das Tempo und die Offenbarungen fesseln den Leser. Insbesondere die angedeuteten Konflikte zwischen Wächtern und Worgun werfen hierbei Fragen auf - die einer sicherlich faszinierenden Lösung harren."

Die komplette Rezension gibt es hier:
http://www.phantastiknews.de/index.php/rezensionen/14512-ren-dhark-weg-ins-weltall-71-lorrans-erbe-ben-b-black-hrsg-buch

Donnerstag, 20. April 2017

William Voltz - Galaktische Station 17

Transmitterstationen durchziehen die Milchstraße, die ein müheloses und weitgehend zeitverlustfreies Reisen von einer Welt zur anderen ermöglichen. Allerdings sind sie Völkern vorbehalten, die die sogenannte Allianz bilden, einen Völkerbund, dem auch die Menschen angehören. Spezies, die wegen Verfehlungen aus der Allianz ausgeschlossen werden, verlieren das Privileg, die Transmitterverbindungen zwischen den galaktischen Stationen benutzen zu dürfen. Für sie ist es wie ein Rückschritt in die Steinzeit, und einige dieser Völker schließen sich zu den Abtrünnigen zusammen.
 
Der Terraner Curd Seay ist seit acht Jahren Wächter auf einer dieser Stationen, der Galaktischen Station 17, und er versieht seine Arbeit mit Hingabe. Es ist eine einsame Aufgabe. Zwar kommt es zu häufigen, doch oberflächlichen Kontakten mit den Reisenden. Seays einzige dauerhafte Gefährten sind ein anhänglicher Hund und ein altersschwacher Roboter. Zu beiden unterhält er eine emotionale Beziehung. Unwillkürlich musste ich an Perry Rhodan-Roman 757 denken, ebenfalls von William Voltz geschrieben, in dem Alaska Saedelaere auf die verwaiste Erde zurückkehrt und sich mit einem herrenlosen Hund zusammentut, den er Callibso nennt.
 
Eines Tages wird ein Planet der Allianz von Raumschiffen überfallen, die eine irdische Kennung tragen. Tatsächlich stecken die Abtrünnigen hinter dem Überfall, doch das interessiert die Allianz nicht. Zur Strafe schließt sie Terra aus dem Völkerbund aus. Sämtliche terranischen Wächter werden durch Angehörige anderer Völker ersetzt. Lediglich Curd Seay darf vorübergehend und nach eingehender Überprüfung seiner Loyalität seinen Dienst weiter versehen. Dadurch und durch die exaltierte Position der Galaktischen Station 17 steht er schon bald im Brennpunkt der Ereignisse, die auf einen interstellaren Krieg zusteuern. Als die Station besetzt wird, setzt Seay alles daran, den drohenden Krieg zu verhindern.
 
William Voltz legte mit dem 1984 bei Moewig erschienenen Roman ein klassisches Weltraumabenteuer vor. Die stringent erzählte Geschichte entwickelt sich vom Alltagsleben des Protagonisten, in das sich früh ein dramatischer Zwischenfall mischt, zu einem Höhepunkt, in dem es um nicht weniger als Sein oder Nichtsein geht. Die durchgehend spannende Handlung, flüssig und mit beschwingter Feder geschrieben, packte mich über weite Strecken als echter Pageturner mit einem äußerst sympathischen Handlungsträger.
 
Doch William Voltz belässt es nicht bei einer spannenden und abenteuerlichen Geschichte. Er benutzt sie als Vehikel, um für Verständnis und Toleranz zu werben. Unterschiede zwischen den einzelnen Völkern sind selbstverständlich und lassen sich nicht glattbügeln, und das sollen sie auch gar nicht. Viel wichtiger ist es, so WiVos Credo, die Unterschiede zu akzeptieren, auch wenn man sie aus der eigenen Sichtweise nicht versteht. Im Gegensatz zu manch anderem – und das sehe ich in der heutigen Politik und Gesellschaft stärker denn je – braucht Voltz weder erhobenen Zeigefinger noch überhöhte Mahnung, sondern ordnet diese Botschaft ganz unaufdringlich der Geschichte unter, die ich tatsächlich mehr oder weniger in einem Zug durchgelesen hab.
 
Galaktische Station 17 ist auch über dreißig Jahre nach Erscheinen noch ein empfehlenswerter Roman. Und ich halte jetzt Ausschau nach den nächsten Voltz-Romanen, die mir noch in meiner Sammlung fehlen. Denn WiVo zu lesen macht mir heute noch genauso viel Spaß wie zu meiner Schul- und Jugendzeit.


William Voltz: Galaktische Station 17
Moewig Science Fiction 3828
Arthur Moewig Verlag 1984
Taschenbuch, ca. 160 Seiten, DM 8,80
Mit einem Vorwort von William Voltz.


Samstag, 28. Januar 2017

Arndt Ellmer - Die Auris-Trilogie

Der BARDIOC-Zyklus gehörte für mich zu den Highlights der Perry Rhodan-Serie. Das kosmische Ringen der beiden Superintelligenzen Bardioc und Kaiserin von Therm erschien von 1976 bis 1978 in den Heftromanen 800 bis 867. Im letzten Roman des Zyklus kam es zur Vereinigung dieser auf phantastische Weise entstandenen Superwesen. Das körperlose Gehirn eines der ehemaligen Sieben Mächtigen Bardioc ging im Kristallgespinst der Kaiserin auf. Auch heute, vierzig Jahre später, löst dieser Zyklus noch Faszination bei mir aus. Das liegt am großen kosmischen Hintergrund der Geschichte, am Faszinosum der Superintelligenzen, die damals noch nicht inflationär in der Handlung auftauchten, an weiteren Figuren wie den Inkarnationen Bardios, dem Forscher der Kaiserin Douc Langur (sicherlich eine meine Lieblingsfiguren, genau wie die mitspielenden Ganerc und Alaska Saedelaere) – und natürlich an der Tatsache, dass damals William Voltz die Geschicke der Serie lenkte und die meisten Schlüsselromane verfasste.

Mit Abschluss des Zyklus verschwanden Bardioc und die Kaiserin von Therm aus der Handlung, doch es wäre interessant gewesen zu erfahren, wie sich das weitere Schicksal der Vereinigung und der verwaisten Mächtigkeitsballung Bardiocs gestaltet. Das dachte sich wohl auch Arndt Ellmer, denn der 1983 ins Perry Rhodan-Team eingestiegene Autor griff das Thema 1987 in nicht nur einem Taschenbuch wieder auf, sondern er machte gleich eine Trilogie daraus. Und das war, soviel vorweg, eine gute Idee, wie das Resultat eindrucksvoll belegt.

Das Ende der Duuhrt setzt knapp hundert Jahre nach der vermeintlichen Vereinigung der beiden Superintelligenzen ein. Es zeigen sich zunehmende Komplikationen bei dem Vereinigungsprozess. Die Kristallintelligenz droht wahnsinnig zu werden, weshalb Bardioc anbietet, sich wieder aus der Verbindung zu lösen. Dies jedoch lehnt die Kaiserin ab, woraufhin sie mehr und mehr die Kontrolle über die Völker ihrer Mächtigkeitsballung verliert und es zu kriegerischen Konflikten der bis dato verbündeten Völker untereinander kommt. Im Zusammenspiel verschiedener Figuren gelingt es schließlich, insbesondere durch das Wirken Bardiocs, die Kaiserin von Therm zu retten. In der Folge verschmelzen beide endgültig zu der neuen Superintelligenz Thermioc. Eine schöne Überraschung bereitete Arndt Ellmer mit dem Auftritt der Kelosker, jener einerseits plumpen, körperlich unförmigen Wesen, die jedoch andererseits brillante Rechner, Mathematiker und logische Denker sind, deren Denkprozesse bis in den siebendimensionalen Bereich hinaufreichen. Auch deren Rechenmeister Dobrak gehörte seinerzeit zu meinen Lieblingsfiguren, schon im Aphilie-Zyklus.

Zu Beginn des zweiten Bandes der Trilogie Die Symbionten des Limbus sind weitere einhundert Jahre vergangen. Der Paradieseffekt hat die Mächtigkeitsballung der ehemaligen Kaiserin befriedet, jene Bardiocs liegt hingegen weiterhin brach und stellt ein Machtvakuum mit einem erheblichen Machtpotential dar. Die Symbionten des Limbus werden aktiv, und eine bisher unbekannte Superintelligenz namens Ulgenland tritt auf den Plan. Zudem erscheint Bulloc, die ehemalige Vierte Inkarnation Bardiocs, und die mit Abstand mächtigste. Ulgenland gefiel mir nicht besonders. Ich fand die aus einer Roboterzivilisation hervorgegangene Superintelligenz blass, zu kalt, im Vergleich zur Entstehungsgeschichte der beiden anderen sogar ein wenig banal. Geschmackssache, klar, aber alle später auftauchenden Superintelligenzen mussten sich an den beiden Paradebeispielen messen lassen. Ulgenland spielt im Verlauf der Ereignisse um die Symbionten zwar eine wichtige Rolle, wird anschließend aber von dem geheimnisvollen Roboter aus der Vergangenheit Vlission kurzerhand in die Luft gesprengt, damit sie nicht auf die Idee kommt, sich Bardiocs verwaiste Mächtigkeitsballung untertan zu machen. Wie im ersten Band Dobrak, so ist hier Bulloc das überraschend auftauchende Highlight. Von dieser abgrundtief bösen Kreatur Bardiocs, die seinerzeit nur als ein Flimmern beschrieben wurde und die sich im damaligen Zyklus gegen ihren Schöpfer stellte und ihn zu vernichten trachtete, wurde nie endgültig geklärt, ob sie noch existiert.

Sie existiert, und wie. In Metamorphose einer Superintelligenz wird Bulloc erst richtig aktiv. Er plant einen Angriff auf Thermioc, und es kommt zur entscheidenden Auseinandersetzung zwischen der Vierten Inkarnation und der jungen Superintelligenz. Im Abschlussband der Trilogie kommt es zu zahlreichen Irrungen und Wirrungen, in denen die dem Dreiteiler seinen Titel gebende Auris sowie erneut der Roboter Vlission wichtige Rollen inehaben. Im Verlauf der Handlung verschmelzen Bardioc und die Kaiserin von Therm endgültig zu einer neuen Entität, und Bulloc wird durch eine List vernichtet. Thermioc gibt die körperliche Existenz auf und wird zu einem reinen Geisteswesen, eine zwar nachvollziehbare Entwicklung, jedoch auch ein wenig schade. Dadurch geht einiges an Reiz verloren. Allerdings ist dieses Manko insofern Makulatur, als der Handlungsstrang damit endgültig abgeschlossen ist – wenngleich Arndt Ellmer das Thema in seinem Roman Vlission, der Roboter später erneut aufgreifen sollte.

Bei den zahlreichen Handlungselementen, die hier einen großen Themenkomplex abschließen, zieht sich ein Element unterschwellig durch die gesamte Handlung, nämlich das Schicksal der Forscher der Kaiserin. Von jenen Sitzkissen ähnelnden Wesen war nie bekannt, ob es sich um natürliche Lebewesen handelt oder ob sie künstlich erschaffen wurden. Auch ihnen selbst blieb die Natur ihrer Existenz verborgen. Deren Zweck schien es zu sein, entlang der Großen Schleife Informationen zu sammeln. Gerade dieses Rätsel machte den großen Reiz der Forscher aus, was William Voltz anhand der Zerrissenheit des Douc Langur seinerzeit so einfühlsam wie blendend darstellte. Arndt Ellmer gelingt das Kunststück, plausible Antworten auf die Fragen der Leser und der Forscher gleichermaßen zu liefern und jene in einen übergreifenden Kontext zu stellen, ohne dass es an den Haaren herbeigezogen oder banal wirkt. Der Autor hat den faszinierenden Forschern eine würdige Bestimmung zukommen lassen. Wenn auch im Schatten der Mächtigen agierend, so sind doch sie, die Einsamen und Verzweifelten, die Mutigen und Kühnen die wahren Helden dieser Geschichte, auch wenn sie nicht als Helden dargestellt werden. Das wird der Konzeption der Forscher gerecht und gefiel mir ganz ausgezeichnet.

Fazit: Die Auris-Trilogie besteht aus drei Romanen, die tief in den kosmologischen Background der Serie eintauchen, und das in einem Handlungskontext, der mir seinerzeit großen Spaß gemacht hat – und dies, wie ich jüngst beim Lesen feststellte, auch Jahrzehnte später noch tut. Sie besticht durch jenen Sense of Wonder, der mich einst an Perry Rhodan fesselte. Die drei Bücher haben mich durchgehend bestens unterhalten, hielten mich bis zum Ende gepackt und ließen mich in der großen Bardioc- und Kaiserin-Zeit schwelgen. Seltsam, dass der Dreiteiler bisher an mir vorbeigegangen ist.
 

Arndt Ellmer - Auris-Trilogie
Band 1: Das Ende der Duuhrt (Perry Rhodan Planetenroman 293)
Band 2: Die Symbionten des Limbus (Perry Rhodan Planetenroman 295)
Band 3: Metamorphose einer Superintelligenz (Perry Rhodan Planetenroman 297)
Alle 1987, Taschenbuch jeweils ca. 160 Seiten, 5,80 DM bzw. 6,80 DM
Pabel-Moewig-Verlag Rastatt
 

Donnerstag, 5. Januar 2017

William Voltz - Die letzten Menschen der Erde

Die Menschen haben einen zwanzig Jahre währenden Krieg gegen die Torrels verloren, die Menschheit wurde dabei fast vollständig ausgerottet. Die wenigen hundert Überlebenden wurden auf eine lebensfeindliche Ödwelt deportiert, auf der ständige Staubstürme herrschen und man kaum einmal das Tageslicht zu sehen bekommt. Im Laufe der Zeit wird den Menschen immer klarer, dass sie auf diesem lebensfeindlichen Planeten endgültig zum Aussterben verurteilt sind. Eine Rückkehr zur Erde ist ihnen jedoch verboten, und Wachschiffe sorgen dafür, dass sie ihre Gefängniswelt nicht verlassen.
 
Dennoch starten die Überlebenden ein verzweifeltes Unternehmen. Sie wollen bei dem Versuch, ihre Heimatwelt zu erreichen, lieber sterben, als in der Ödnis des Staubplaneten elendiglich zu Grunde zu gehen. Mit einer Handvoll alter Raumer und einem Täuschungsmanöver gelingt ihnen tatsächlich die Flucht, doch von nun an werden sie von den überlegenen Streitkräften der Torrels gejagt, die unter allen Umständen verhindern wollen, dass die Überlebenden einen Fuß auf Terra setzen.
 
Martin Dennister, der sich mehr und mehr als Führungsgestalt der Menschen herauskristallisiert, sieht sich dabei zwei Anführern der Torrels gegenüber. Der junge, in der Militärhierarchie aufstrebende Heiiti Jaason, der die Menschen am liebsten ganz ausrotten würde, steht dabei dem erfahrenen, alten Kriegsveteranen Tiit Pootsepp gegenüber. Pootseep begegnet den Terranern nicht nur respektvoll, er hegt sogar Sympathie für diese Wesen. Als sich die meisten Raumer der Menschen opfern, damit ein einziges Schiff bis zur Erde vordringen kann, rettet Pootsepp Martin Dennister vor dem Tod im Weltall.
 
Während sich zwischen den beiden ehemaligen Feinden eine Freundschaft entwickelt, führen die Umstände dazu, dass sie gemeinsam zurück auf die Staubwelt fliegen müssen, wo sie ihr weiteres einsames Dasein fristen. Indes wiederholt sich die Geschichte, wenn auch mit anderen Vorzeichen. In einem weiteren Krieg besiegen die Burl die Torrels und jagen deren Überlebende in alle Richtungen davon.
 
Bei Die letzten Menschen der Erde handelt es sich um ein Frühwerk des 1938 in Offenbach geborenen und 1984 verstorbenen Science Fiction Autors William Voltz, dessen erste Fassung 1966 erschien. Der überzeugte Humanist Voltz, der über mehr als zwei Jahrzehnte die Geschicke der Perry Rhodan-Serie lenken sollte, thematisiert in seinem serienunabhängigen Roman die Unterdrückung von Minderheiten und mögliche daraus resultierende Folgen, die bis zum Völkermord gehen können.
 
Der vorliegende Roman ist ein tragischer, was umso deutlicher wird, wenn man weiß, auf welchem realen Vorbild die Handlung basiert. Von jeher erschütterte William Voltz nämlich das Schicksal der Cheyenne-Indianer, die man um ihre Heimat gebracht und fast ausgerottet hatte. Er griff dieses traurige Schicksal auf und versetzte die Handlung in die Zukunft und ins Weltall. Die Figuren des Romans, allen voran Martin Dennister, der sich nach den Wirren der Ereignisse als einsamer Mensch in einer verhassten Umwelt wiederfindet, nehmen viel von jenen Charakteren vorweg, die der Autor später für Perry Rhodan schuf, besonders den im Kosmos verlorenen Alaska Saedelaere.
 
Die Geschichte ist weitgehend stringent geschrieben, abwechselnd erzählt aus den Perspektiven von Martin Dennister, Heiiti Jaason und Tiit Pootsepp. Sie verzichtet auf Bögen und Umwege und konzentriert sich auf den verzweifelten Versuch der letzten Menschen, zur Erde zu gelangen. Bei aller Tragik gestaltet Voltz das Ende versöhnlich. Als Dennister nach vielen Jahren und als alter Mann mit Hilfe seines Freundes Pootsepp doch noch den Weg nach Hause findet, wenn auch nur für einen Augenblick, trifft er auf den Kern einer neuen menschlichen Zivilisation. Terra und die Terraner können hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.
 
Als William Voltz den Roman in den frühen Achtziger Jahren, damals schon schwer krank, noch einmal überarbeitete, verfasste er dazu ein Vorwort, dessen Botschaft leider auch heute noch traurige Gültigkeit besitzt: „Die Gewalt, die unsere Welt überflutet, Rücksichtslosigkeit und Haß sind letztlich nur Zeichen von Angst. Sie muß überwunden werden, bevor eines Tages wirklich die letzten Menschen der Erde vor den Trümmern unserer Zivilisation stehen."

 
William Voltz: Die letzten Menschen der Erde
Utopische Klassiker Band 1
HJB-Verlag 1996, herausgegeben von Gerd Rottenecker
Hardcover, ca. 176 Seiten, DM 16,80
 

Montag, 8. August 2016

Robert Feldhoff: Grüße vom Sternenbiest

Im Jahr 1997 versuchte die Verlagsunion Pabel Moewig die Reihe "Space Thriller" am Markt zu etablieren. Sie wurde eröffnet mit Robert Feldhoffs Roman Grüße vom Sternenbiest, dem drei weitere Hardcover von Peter Terrid, H. G. Francis und Konrad Schaef folgten. Danach war Schluss, also verkauften sich die Bücher wohl nicht gut genug, um weitere zu publizieren. Sind die Folgebände ähnlich gelungen wie Feldhoffs Opener, so ist diese Entscheidung zu bedauern.
 
Als Grüße vom Sternenbiest erschien, schrieb der 1962 geborene Robert Feldhoff bereits seit zehn Jahren für Perry Rhodan. Er wurde nicht nur Exposé-Autor und einer der bei den Lesern beliebtesten Autoren der Serie, sondern entwickelte sich zu einer Speerspitze, wenn es galt, ein neues Produkt zu etablieren. So schrieb er den ersten Band für Perry Rhodan Extra, den ersten Band für Perry Rhodan Action, den ersten Band für die Atlan Miniserien und halt auch für die Space Thriller.
 
Bei diesen handelte es sich um abgeschlossene Science Fiction-Abenteuer, die zwar vor dem Hintergrund des Rhodan-Kosmos angesiedelt, aber von der Serienhandlung völlig losgelöst waren. Unabhängig zu lesende spannende Thriller sollten es sein, auch für ein Lesepublikum, das sonst mit Perry Rhodan nicht viel am Hut hat, nehme ich an.

Die Geschichte beginnt mit dem Sturz eines vierjährigen Jungen aus dem Fenster eines Hochhauses. Ein Unfall, sollte man meinen, doch ein solcher Unfall ist ausgeschlossen, da auf der hochtechnisierten Erde des 49. Jahrhunderts spezielle Rückhaltevorrichtungen verhindern, dass jemand einfach so aus dem Fenster fällt. Sholter Roog, ausgefuchster Agent des irdischen Geheimdienstes TLD, vermutet hinter dem Kindstod nicht nur einen Mord, für den er zunächst die Eltern verantwortlich macht, sondern noch viel mehr. Roogs Problem ist nur, dass er wegen überdurchschnittlicher Gewaltbereitschaft auf einen Schreibtischposten abgeschoben wurde. Seine Vorgesetzte erlaubt ihm zwar, seine Nachforschungen zu betreiben, stellt ihm aber mit Fee Kellind eine Agenten-Anwärterin zur Seite.

Das passt Sholter Roog zwar nicht, doch er muss sich arrangieren, um nicht von dem Fall abgezogen zu werden. Dabei erweist er sich als ausgesprochener Kotzbrocken, und die Vorwürfe überdurchschnittlicher Gewaltbereitschaft sind nicht aus der Luft gegriffen, wie sich im Fortgang der Handlung zeigt, und zwar bei der Innenbetrachtung der Figur, bei ihrer Gedankenwelt und bei Übergriffen gegen Personen, die Roog unsympathisch sind. Zudem ist er ein Sexist, der sich, nachdem er mit Fee Kellind im Bett gelandet ist, ihr gegenüber erst recht widerlich verhält. Beide raufen sich jedoch immer wieder zusammen, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt.

Robert Feldhoff packt die Interaktion der beiden Agenten in einen spannenden Thriller, einen Agentenroman mit Nachforschungen und technischen Spielereien, die auch einem James Bond gut zu Gesicht stünden, mit Verfolgungsjagden, Kämpfen und Actionszenen, die jedoch allesamt die eigentliche Geschichte tragen und unterstützen. Denn Sholter Roogs Spürnase trügt ihn nicht. Es geht – als ob der nicht tragisch genug wäre – um viel mehr als den Tod eines Kleinkindes. Die galaktische Verbrecherorganisation Galactic Guardians plant einen folgenschweren Schlag gegen die Menschheit. Sie will sich in den Besitz eines Geheimcodes bringen, mit dem sich Nathan, der auf dem Mond ansässige Großrechner der Menschheit, manipulieren lässt, und Nathan steuert so ziemlich alles, was im Sonnensystem geschieht. Um dieses Ziel zu erreichen, hält sich unerkannt einer der führenden Köpfe der Galactic Guardians auf der Erde auf: Schelm.
 
Schelm, verborgen unter einem täuschenden Schutzfeld, ist eine tolle Figur, deren wahre Natur sich häppchenweise über den ganzen Roman erschließt. Nicht minder interessant ist der Killer, der in Schelms Auftrag mordet. Es handelt sich um den Tomopaten Felsenheimer, ein menschenähnliches Wesen, das seine Arme jedoch mit einem Ghyrd, einer Art Zwangsjacke, bändigen muss. Diese Arme besitzen nämlich ein mordlustiges Eigenleben und lassen sich anders nicht unter Kontrolle halten. Öffnet Felsenheimer den Ghyrd, beginnen die Arme ihr tödliches Werk, indem sie andere Intelligenzen regelrecht frikassieren.
 
Dramaturgisch ist es fast unabdingbar, dass Schelm seinen Killer Felsenheimer irgendwann auf Scholter Roog ansetzt, und der Agent und Schelm schließlich sogar persönlich aufeinandertreffen. Der Kotzbrocken Roog und seine Darstellung als Unsympath, der doch nur das Richtige tun will und dafür auch sein Leben einsetzt, ist mir durchaus sympathisch. Schließlich kriegen nur die auf die Schnauze, die es verdient haben. Mancher Leser mag das anders sehen, aber ich unterschreibe jede seiner Handlungen, auch wenn er am Schluss suspendiert wird. Ganz am Ende des Romans hat Robert Feldhoff für Sholter Roog dann noch eine richtig fiese Gemeinheit in petto, die ich hier aber ebenso wenig verraten möchte wie weitere Aspekte der Handlung.
 
Stattdessen empfehle ich die Lektüre von Grüße vom Sternenbiest. Der Roman, der soweit ich weiß kürzlich als E-Book erschienen ist, hat Spaß gemacht und animiert mich dazu, mal wieder ein paar andere Werke des 2009 verstorbenen Robert Feldhoff zu lesen. Der frühe Tod des „großen Stillen aus dem Norden“, wie Robert auch genannt wurde, ist bei Perry Rhodan ebenso wenig zu kompensieren wie der von William Voltz oder Thomas Ziegler.
 
Robert Feldhoff: Grüße vom Sternenbiest
Verlagsunion Pabel Moewig, 1997
Hardcover, ca. 240 Seiten

Montag, 18. April 2016

Thomas Ziegler: Bekenntnisse eines Ökoterroristen

Thomas Ziegler schrieb Science Fiction, Fantasy und Kriminalromane. In erstgenanntem Genre war er im deutschsprachigen Raum einer der herausragenden Autoren, in den beiden anderen mindestens einer der guten. Mit BEKENNTNISSE EINES ÖKOTERRORISTEN AUS DEM JAHRE 1988 – so der vollständige Titel des Werkes aus dem Jahr 1987 – begab sich Ziegler auf den anarchistischen Boden der Polit-Satire, und da gleich in die Vollen.

»Militante Heimwerker, sägende Gummizellen und andere Freizeitanarchos aus der Ökoszene kämpfen mit Molotow-Cocktails und Sprengsätzen gegen den Atomstaat. Ihr Motto: Schweine ins Weltall. Ihr Operationsgebiet: Wackersdorf ist überall. Ihr Programm: Alle Tage Sabo-Tage. Jeder Tag ein Anschlag ist längst zu wenig. Statt aneinander vorbeizureden wird aneinander vorbeigebombt. Fleißig mit dabei ist Tommy Z.«

So verrät es uns der Klappentext. Tommy Z. ist übrigens auch als Autor angegeben, nicht Thomas Ziegler. So ganz will sich mir der Sinn nicht erschließen. Passte Tommy Z. besser zu der abgedrehten Geschichte, als es der bekannte Name Thomas Ziegler getan hätte? Zumal der spinnerte und sympathisch rüberkommende Protagonist Tommy Z. heißt. Seine wahre Identität verbergen wollte Ziegler jedenfalls nicht, sie wird allzu deutlich in der Autorenbeschreibung hervorgehoben.

Von einem Roman zu sprechen, weigere ich mich übrigens. So etwas bezeichnet man wohl als Novelle. Denn so sperrig der Titel, so dünn das Büchlein. Das schmalbrüstige Goldmann-Bändchen bringt es auf kaum mehr als 100 Seiten. Das ist schon ziemlich anarchistisch, ebenso wie die Titelbildgestaltung, die jeder Beschreibung spottet: eine handgekritzelte Schreibmaschine mit bunten Farben. Ich vermute, damit wollte der Verlag Titel und Thema gerecht werden. Das hätte man sicher auch anders lösen können, zumindest weniger abschreckend. In der Buchhandlung wäre mir das Ding damals jedenfalls nicht aufgefallen. Ist es offensichtlich ja auch nicht.

Ich habe lange nach dem Büchlein gesucht. Es war einfach nicht zu bekommen. Als ich vor vielen Jahren einmal im Arbeitszimmer von Rainer Zubeil alias Thomas Ziegler alias Tommy Z. saß, kamen Rainer und ich auch auf dieses Thema zu sprechen. Er konnte mir damals kein Exemplar vermachen, weil er selbst nur ein einziges besaß. Ein alter Fandom-Bekannter aus dem Saarland hat es mir kürzlich freundlicherweise zukommen lassen. Auf diesem Weg noch einmal »Vielen Dank!«, lieber Ralf.

Nach dem Tschernobyl-Freitag ist alles anders, auch in der Kölner Südstadt. Tommy Z., der zum ersten Mal in seinem Leben eine Wohnung gemietet hat, hat wie viele andere den Kopf voller anarchistischer Gedanken. Gestalt annehmen lässt er sie jedoch nicht, denn eigentlich hat er ganz andere, wesentlich existenziellere Dinge im Kopf, nämlich seine Cognac-Flasche, das religiös bedingte Schwarzfahren mit der KVB und wie er das nächste vom Arbeitsamt aufs Auge gedrückte Jobangebot abbiegen kann. Ganz besonders aber seinen mystischen Sack voll Geld.

So durchgeknallt wie die anderen ist Tommy Z. längst nicht. Er macht nur widerstrebend mit bei den Aktionen des Commando Carlo Chaos. Das setzt sich zusammen aus seiner durchgeknallten, amphetaminsüchtigen Freundin Linda, dem abstinenten Alkoholiker »Haste mal 'nen Heiermann?«-Apo-Shorty, der von Visionen heimgesucht wird und am liebsten alles und jeden in die Luft bomben möchte, Cora, deren Hund grinsen und telefonieren kann, und ein paar weiteren skurrilen Gestalten, wie man sie aus Zieglers Oeuvre kennt. Gemeinsam mit ihnen geht Tommy Z. Baumaschinen eines Wackersdorf-Lieferanten in die Luft jagen, Strommasten absägen und Horden von Beagles aus Otties Tier-KZ befreien. Auch Papst Jupp von der Aktion Karneval am Strommast, Sweet Sixteen von den Revolutionären Gartenzwergen und Professor Gurke von der Sägenden Zelle Herne Zwo sind dabei.

»In rasender Eile knacken wir die Zwinger mit der Beißzange, und die Beagles geraten vollends außer Rand und Band. Überall schlackernde lange Ohren, treue braune Hundeaugen, hin- und herdüsende Geschosse auf vier Beinen. … Sie kläffen und jaulen, springen auf uns herum, lecken uns ab und treiben sonstigen Unfug, der meiner Hundeliebe nicht gerade dienlich ist.«

Ziegler zieht alle Register, um den Staat und die Politmafia als ebensolche darzustellen und die bombenden und sägenden Anarchos als Bande gutmeinender Deppen zu karikieren. Natürlich wird kräftig gegen die damalige Polit-Prominenz ausgeteilt, gegen Kanzler Kohl aus dem Gemüsefeld, gegen Waldschrat Kiechle, gegen Zimmermann, Riesenhuber, Blüm und Bangemann, gegen den Minister für Innerdeutsches und Außersinnliches Windelen und den begnadeten Rückentwicklungsminister Warnke. Auch gleich gegen das gesamte Justizministerium, das nach der Tschernobyl-Katastrophe einen Gesetzesentwurf gegen die illegale Einreise sowjetischer Atome plant. Das Commando Carlo Chaos, die Revolutionären Gartenzwerge und all die anderen Freizeit-Anarcho-Fuzzies kommen kein Deut besser weg. Das ist – wenngleich es in Teilen längst den damals aktuellen Bezug verloren hat – vollkommen überdreht, mal komisch, zuweilen grotesk und gelegentlich zu dick aufgetragen – sofern man das von einer Polit-Satire wie dieser sagen kann, aber stets im passenden, treffenden Tonfall gehalten. Ziegler war eben ein Meister des Wortes, egal in welchem Genre er sich gerade tummelte.

Das wird besonders auf den letzten fünf Seiten deutlich, als es einen drastischen sprachlichen Bruch in der Erzählweise gibt. Aus der Kapriolen schlagenden Satire wird unerwartet eine Tragödie, die das amüsierte Grinsen aus dem Gesicht vertreibt und Betroffenheit bewirkt, wo man längst mit einem blödelnden Abschluss gerechnet hatte. Genau hier, ganz am Schluss, in dieser kurzen Passage, hat die Geschichte ihre stärksten, ihre eindringlichsten Momente und zeigt statt des flapsigen Sarkasten Tommy Z. den stilsicheren Literaten Thomas Ziegler.

Sehr sympathisch war mir persönlich beim Lesen natürlich das räumliche Umfeld mit Orten, die in der Handlung explizit genannt werden: Die Südstadt, in der Tommy Z. in der Geschichte vorzugsweise unterwegs ist, trage ja auch ich im Herzen. Der Chlodwigplatz ist für mich einer der zentralen und die Stadt definierenden Orte Köln. Mit dem Severinstor verbinden mich tausend Erinnerungen, Gefühle und Anekdoten. In der Opera habe ich während meiner Oberstufenzeit mehr als nur einen Abend verbracht. Und im Filos habe ich gelegentlich mit Rainer Zubeil alias Thomas Ziegler alias Tommy Z. gesessen. Kein Wunder, dass Rainer all diese Orte in die Geschichte hat einfließen lassen, schließlich lebte er bis zu seinem Tod in der Südstadt, und er lebte gerne dort.

Aktuell ist das abgedrehte Literaturstückchen übrigens als E-Book bei Amazon erhältlich, wie ich mir habe sagen lassen. Anarchistisches Vergnügen mit Tommy Z. und den wahnsinnigen Sägemeistern aus der Kölner Südstadt!

Goldmann Verlag, München, 1987
Taschenbuch, ca. 110 Seiten
DM 7,80
ISBN 3-442-21008-9

Samstag, 9. April 2016

George R.R. Martin: Armageddon Rock

Im Jahr 1971 sind die Nazgûl am Zenit ihrer Karriere angelangt, als deren charismatischem Sänger Patrick Henry Hobbins bei einem Open Air Konzert vor 60.000 Zuschauern auf offener Bühne von einem Scharfschützen der Schädel weggeblasen wird. In jener Nacht stirbt nicht nur der »Hobbit«, wie Hobbins genannt wird, sondern die gesamte Band, eine Legende. Der Mörder wird nie gefunden.

Die Romanhandlung von Armageddon Rock setzt zehn Jahre später ein, als es zu einer weiteren Bluttat kommt. Jamie Lynch, ehemaliger Promoter und Manager der Band, wird am Jahrestag von Hobbins' Tod in seinem Haus bestialisch ermordet. Lynch liegt auf einem alten Plakat der Nazgûl, und im Hintergrund läuft eine Platte der Band, »Music To Wake The Dead«, während jemand ihm das Herz aus dem Leib reißt. In dieser oder ähnlicher Form schon gehört, möchte man meinen, doch weit gefehlt, denn George R.R. Martins Roman stammt aus dem Jahr 1983 und hat nichts von seiner Faszination verloren. Zudem entwickelt sich, was anfängt wie ein Krimi oder ein Psycho-Thriller, schnell zu einem Parforceritt, der nicht nur in die amerikanische Geschichte der Sechziger und Siebziger Jahre eintaucht, sondern vor allem knietief in die Musik jener Ära. Ich habe die Neuausgabe des Berliner Golkonda-Verlags als willkommenen Anlass genommen, das Buch nach langer Zeit wieder einmal zu lesen und war, soviel vorweg, nicht weniger begeistert als vor Jahren beim ersten oder zweiten Lesen.

Im Verlauf der Handlung wird, ähnlich wie in Twin Peaks, die Suche nach dem Mörder zur Nebensache, und fast von Beginn an hatte ich das Gefühl, ein zwischen zwei Buchdeckel gepacktes Rockalbum zu hören, das mich mit jeder weiteren Seite mehr in seinen Bann schlug. In der bei FanPro erschienenen deutschen Erstausgabe aus dem Jahr 1986 lautete der Untertitel des Romans passenderweise »Ein Langspiel-Roman in Stereo«, und für Stephen King ist Armageddon Rock »der beste Roman über die Popmusik-Kultur der 60er Jahre« überhaupt.

FanPro-Ausgabe 1986
Der Schriftsteller Sandie Blair, einst Journalist des Untergrundmagazins Hedgehog und längst Buchautor, geht der Sache nach, um einen Artikel über Lynchs Tod zu schreiben. Die Suche nach den Hintergründen wird für ihn eine Kreuzfahrt durch mehrere Bundesstaaten, bei der er in die Vergangenheit eintaucht, alten Freunden aus seiner Studienzeit wiederbegegnet und sich mit seinen früheren Idealen konfrontiert sieht. Dabei gelingt es Martin, ohne belehrend zu wirken oder Partei zu ergreifen, in düsteren, atmosphärisch dichten Bildern und Visionen, die Blair heimsuchen, mit der gewalttätigen Reaktion auf die Gegenkultur der Nixon-Ära abzurechnen. Dies geschieht eindringlich und doch mehr oder weniger en passant, ohne dabei den Handlungsfluss der eigentlichen Geschichte zu unterbrechen. Was wie ein amerikanisches Thema erscheint – Nixon, Vietnam, Hippies und Straßenkämpfe – ist für einen deutschen Leser nebensächlich, weil es Martin eben gelingt, das Trauma, auch Sandy Blairs Trauma, in seine Grundgeschichte einzuweben, ohne diese dabei zu vernachlässigen. Blair muss sich die Frage stellen, was geblieben ist von den Idealen der Flower-Power-Bewegung, was sie bewirkt und erreicht hat und wie viel davon noch in ihm selbst steckt.

Bei seiner Selbstfindungstour und der Jagd nach den Hintergründen des offensichtlichen Ritualmordes an Lynch taucht Blair immer tiefer in die Musikszene und in das Umfeld der Nazgûl ein, die sich wiedervereint anschicken, einen zweiten Triumphzug zu starten. Hierbei kommt das phantastische Element zum tragen, das sich sparsam eingesetzt wie ein unterschwelliger Faden durch den Roman zieht, als schleichendes Mysterium unheimlicher wirkt als derbe Effekte und aus Armageddon Rock tatsächlich – auch! – einen Phantastik- und Horrorroman macht. Denn protegiert werden die Musiker auf ihrem Weg zu alter Herrlichkeit von dem undurchsichtigen Edan Morse, einer apokalyptisch angelegten Figur, die übernatürliche Kräfte heraufbeschwört, um die Nazgûl wieder an die Spitze zu bringen. Morse wirkt mit Akten blutiger Selbstverstümmelung darauf hin, Patrick Henry Hobbins auferstehen zu lassen und der vor einer Dekade gescheiterten Revolution der Gegenkultur mit Hilfe der Nazgûl doch noch zum Sieg zu verhelfen, indem er Armageddon heraufbeschwört, die letzte Schlacht zwischen Gut und Böse. Doch so, wie sie alle Gefangene der Umstände sind, Sandy Blair ebenso wie die Musiker, ist es auch der von seinen eigenen Dämonen getriebene Edan Morse. Er, der scheinbare Strippenzieher, durchschaut die düstere Wahrheit so wenig wie alle anderen. Unterdessen drängt sich Blair die Frage auf, wer hier eigentlich Gut und wer Böse ist, was Schwarz und was Weiß.

Als er die Wahrheit zu erkennen glaubt, scheint es nur einen Ausweg zu geben. Die Geschichte muss sich wiederholen. Der neue Hobbins darf den Armageddon Rag nicht bis zum Ende singen, wenn es nicht zur Apokalypse kommen soll. Ein Funken Zweifel jedoch bleibt und warnt Blair davor, dass alles vielleicht ganz anders ist, als es zu sein scheint.

In der Tat ist der Roman purer Rock'n'Roll, doch er ist vor allem eins, nämlich eine extrem spannende Geschichte mit finsteren Abgründen. Und zudem mit vielen Gefühlen: mit düsteren Gefühlen der Trauer, herzzerreißenden Gefühlen der Sorge um einen alten Freund, tröstenden Gefühlen der Hoffnung und der Liebe. Man beobachtet Sandy Blairs Rücktransformation von einem an sich selbst zweifelnden und in den Mechanismen des Marktes verankerten Buchautor zu dem Idealisten, der er einst war. Zugleich demonstriert George R.R. Martin die Kraft, die Macht und die Magie einer Musik, die etwas zu sagen hatte, einer Musik, die mit ihrem Herz und ihrer Seele in der Lage war, die Jugend zu berühren und in den Köpfen etwas auszulösen. Auch das ist – in meinen Augen jedenfalls – eine Aufgabe guter und ehrlicher Rockmusik, womit sie diametral dasteht zu dem ganzen Schmonzes, der einem heute aus dem Radio entgegendudelt, und zu den sich endlos selbst wiederholenden Sangesklonen in den Hitlisten.

Martin schreibt wortreich, sehr spannend und sehr dicht, so dicht, dass ich mich bei mehr als nur einer Szene direkt in die Handlung hineinversetzt fühlte und den Eindruck hatte, die Nazgûl vor mir zu stehen zu sehen und ihre Musik, die infernalische Musik, um die Toten zu wecken, im Ohr hörte. Martin nimmt den Leser gefangen, ohne ihn bei seiner wilden Fahrt quer durch die Vereinigten Staaten, bei seinem Road Movie, bei seinem Langspielplatte und Rockkonzert gewordenen Literaturklassiker wieder loszulassen, ehe der Leser die Auflösung der Geschichte und den einzigen Ausgang aus dem apokalyptischen Drama kennt.

In einer Zeit, in der jeder über »Das Lied von Eis und Feuer« redet und sich »Game of Thrones« anschaut, kann und will ich George R.R. Martins wirkliches Meisterwerk nur wärmstens empfehlen – und ein Meisterwerk ist der Armageddon Rock. Ich liebe dieses Buch, es gehört zu meinen All Time Favourites, und zweifellos habe ich es nicht zum letzten Mal gelesen.

Golkonda Verlag, Berlin, 2014
Klappenbroschur, ca. 400 Seiten
Euro 16,90
ISBN 978-3-944720-35-7

Freitag, 21. Oktober 2011

Robert Feldhoff: Terra in Trance

Seit einiger Zeit werden ausgesuchte Romane aus den rund 400 früheren PERRY RHODAN-Taschenbüchern neu aufgelegt. Sie erscheinen in der Reihe der Planetenromane im Taschenheft-Format, einem Zwischending zwischen Heftromanen und Taschenbüchern. Zuletzt las ich Taschenheft 13, das mit der Geschichte Terra in Trance des viel zu früh verstorbenen Robert Feldhoff beglückt.

Der Autor entführt seine Leser in eine kalte und triste Welt der Zukunft. In den Straßen Terrania Citys, der verwahrlosten Hauptstadt der Menschheit, sind Kinder auf sich allein gestellt. Beim täglichen Kampf ums Überleben gilt das Gesetz des Stärkeren. Auf Familien und Erwachsene können sie sich nicht verlassen, denn die gibt es nicht. Ab einem bestimmten Alter nämlich werden die Jugendlichen von Robotern ins sogenannte Simusene versetzt. Sie hocken in den leeren Räumen gigantischer Wolkenkratzer. Mit einem Chip am Arm und künstlich ernährt, vegetieren sie dahin, ohne sich ihrer Lage bewußt zu sein, und existieren bis zu ihrem Lebensende in aufgezwungenen Träumen.

Robert Feldhoff schildert die Geschichte des Jungen Oderik Stern, zunächst auf der Straße zwischen den Schutthalden, später als Gefangener des Simusense. Auch Oderik erkennt sein wahres Schicksal viele Jahre lang nicht, trotzdem gelingt es ihm als einem von ganz wenigen schließlich, sich aus der virtuellen Welt zu befreien. Als Einsamer und Verlorener stemmt er sich in bester Philip K. Dick-Manier gegen das Schicksal, doch gegen die bestehenden Verhältnisse auf der gelähmten Erde kommt er nicht an. Am Ende stirbt er.

Die Geschichte ist düster, die Geschichte ist tragisch. Ich habe damals den kompletten Cantaro-Zyklus gelesen, der sich über 100 PERRY RHODAN-Hefte erstreckte, nämlich von Band 1400 bis 1499. Er ist erschienen zwischen 1988 und 1990. Mit dem Simusense haben die Autoren eine Menge von dem vorweggenommen, was in den Folgejahren zum Thema Computersimulationen und zu virtuellen Bewußtseinsebenen an anderer Stelle geschrieben wurde. Überhaupt wurde mit den Cantaro und der Widerstandsorganisation Widder, mit den angeblichen acht Herren der Straßen, hinter deren Masken sich der Diktator Monos verbarg, und der menschenfeindlichen Erde mit der Hölle des Simusense ein großartiges Szenario entworfen. (Das, wie ich damals schon kritisiert habe, in den letzten beiden Heften des Zyklus leider gnadenlos eingerissen und zu Makulatur wurde.)

Robert Feldhoff hat die Kernelemente dieser Terra-Hölle in großartiger Weise in seinem Planetenroman verarbeitet. Beim Lesen spürt man förmlich die Kälte und Feindlichkeit des technisierten Elends, in das die Menschen gesteckt wurden, ohne es zu wissen. Man leidet mit den Figuren, besonders in Gestalt von Oderik Stern, der seine längst verloren geglaubte Mutter in einem heruntergekommenen Raum findet, wie alle Menschen nur noch ein Zombie, ein Schatten ihrer selbst und verloren im Simusense. Oderik kann sie nicht retten, und schlußendlich kann er auch sich selbst nicht retten.

Der Roman hat mich begeistert. Für mich ist er der mit Abstand beste der bisher erschienenen Planetenromane, einfach Robert Feldhoff in Höchstform. Terra in Trance macht deutlich, was PERRY RHODAN durch Roberts tragischen Tod verloren gegangen ist.

Hätte ich zwei Wünsche für weitere Planetenromane frei, müßte ich nicht lange überlegen. Da wäre zum einen Grüße vom Sternenbiest, ebenfalls von Robert Feldhoff - da allerdings seinerzeit in der Reihe SPACE THRILLER erschienen und vom Umfang her zu lang, scheidet dieser spannende Weltraum-Thriller wohl aus. Zum anderen führt für mich kein Weg an Der Narrenturm vorbei, der glänzend skurrilen Science Fiction-Satire des ebenfalls jung verstorbenen Kölner Autors Thomas Ziegler.