Sonntag, 6. Dezember 2015

Jürgen Zeltinger im Südstadion

Er ist der selbsternannte »Asi mit Niwoh«, auch »De Plaat« gerufen. Es ist mir immer schwer gefallen, ihn musikalisch zu verorten mit seiner Mischung aus Hardrock, Punk und ein bisschen Kitsch, zuweilen auch Asi-Rock betitelt. Seit mehr als dreieinhalb Dekaden ist Jürgen Zeltinger in der Kölner Musikszene aktiv, ein echtes Urgestein also. Gestern Abend gastierte der Liebling einer eingeschworenen Fangemeinde im Vereinsheim des Südstadions, unplugged und ohne seine Band. Ihm zur Seite stand allein Dennis Kleimann an der akustischen Gitarre und zur gesanglichen Unterstützung. Der Konzerttitel »Avjespeck« bezog sich dann auch viel mehr auf die fehlenden Stromgitarren als auf Zeltingers leiblichen Umfang.

Sein bissiger Panzerfahrer erinnert mich noch heute an meine Zeit bei der Bundeswehr. Das schön dreckige (Mir sin alles) Kölsche Junge wird vom überwiegend männlichen Publikum lautstark und vielstimmig begleitet. Mehr noch gilt das für seinen Gassenhauer Asi mit Niwoh, und wie auf Knopfdruck mutiert das gesamte Auditorium zu Asis mit Niveau, die Kritikern die Fressen polieren und das Abendessen für die Band machen. Das ist einfach nur herrlich. Der Spaß ist groß und das Gelächter kaum weniger. Ich bin unvermittelbar lässt Zeltinger uns wissen, und andere alte Sachen folgen. Dass die Zeltinger-Band fehlt, fällt kaum auf, auch weil der junge (ebenfalls zur Band gehörende) Dennis Kleimann ein echtes As an der akustischen Klampfe ist.

Doch Zeltinger spielt nicht nur eigene »Stückchen«, wie er selbst seine Songs nennt, sondern auch einige seiner Lieblingslieder von anderen kölschen Bands. So hört das geneigte Publikum, das seinen Zeltinger immer wieder mit lautstarken »Jürgen! Jürgen!«-Sprechchören feiert, BAP, die Höhner und die Bläck Fööss. Besonders Die drei von der Linie 2 von den Fööss, irgendwann aus den Siebziger Jahren stammend, wird begeistert mitgegrölt. Aber auch Paar Daach fröher aus der Feder von Wolfgang Niedecken und Hey, Kölle kommen gut an.

Doch natürlich sind die Leute gekommen, um Zeltingers eigene Stücke zu hören, was er sichtlich genießt. Er interagiert sehr viel mit dem Publikum, erzählt Anekdötchen und schwaad eben so, wie ihm die kölsche Asi-Schnüss gewachsen ist. Zwischendurch kippt er immer mal wieder ein kleines Fläschchen, von dem ich annehme, dass es Wodka enthält.

Auf der Zielgerade jagen Zeltinger und das Publikum dann noch mal richtig los. Denn als Höhepunkt gibt es wie immer das von 1979 und seinem ersten Album stammende Kombistück Mein Vater war ein Wandersmann und Müngersdorfer Stadion. Obendrauf kommt – frei nach Lou Reed – schließlich der Stüverhoff, die Geschichte vom schwulen Stricher, der beklagt, dass mitten in der Nacht noch immer kein Freier aufgetaucht ist. Schwul war der Jürgen schon immer, und daraus hat er nie ein Hehl gemacht.

Der gestrige Auftritt war klasse und besaß einen enormen Spaßfaktor, woran wiederum das Publikum keinen Zweifel ließ. Ich muss Zeltinger unbedingt mal wieder mit Band abrocken sehen. War schön, Jürgen.

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