Mittwoch, 4. Januar 2017

Im Bett mit Ren Dhark

Pünktlich zum Jahreswechsel habe ich die Arbeit an Ren Dhark 68 abgeschlossen und das alte Jahr damit, was die schriftstellerische Arbeit betrifft, positiv beendet. Die Überschrift dieses Posts mag dem einen oder der anderen vielleicht ein wenig merkwürdig vorkommen, doch das ist sie beileibe nicht. Schließlich ist der gute Ren Dhark, wenn es ihm auch bestimmt zu sein scheint, die Galaxis zu retten, ein Mann aus Fleisch und Blut und als solcher nicht gegen die betörenden Reize einer schönen Frau gefeit.

Und so geschieht es halt in meinem neuen Manuskript, dass Ren, wie oben angedeutet, tatsächlich mit einer Frau im Bett landet. Getreu dem Motto: Schatz, wir müssen reden, zieh dich schon mal aus. Als ich die kleine Episode bei einem Telefonat mit Expokrat Ben B. Black erwähnte, entfuhr es Ben prompt: "Du hast hoffentlich keinen Porno draus gemacht." Ich sah ihn buchstäblich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Aber ich konnte ihn beruhigen. Nein, habe ich natürlich nicht.

Der Schwerpunkt der Handlung liegt diesmal ganz und gar auf der POINT OF und ihrer Besatzung. Es treten Umstände ein, die eine Rückkehr aus der Zwerggalaxis Voktar in die heimatliche Milchstraße unmöglich machen. Bei ihrer Suche nach einer Lösung für das Problem stoßen die Raumfahrer von der Erde auf ein ganz spezielles Volk, bei dem sie erhellende Informationen über die Hintergründe der Geschehnisse in Voktar erhalten. Es ist nicht übertrieben, zu sagen, dass diese Erkenntnisse dazu angetan sind, Ren Dhark und seine Leute gewaltig zu schockieren.

Ein unheimliches Erlebnis hat Arc Doorn. Der jahrtausendealte Worgun in Menschengestalt erhascht unerwartet einen Blick in die Vergangenheit. In einer Vision erhält er Eindrücke einer gefährlichen Macht, von der die Menschheit schon früher rudimentäre Kenntnis erlangte. Um wen es sich dabei handelt, verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht. Nur, dass der Titel dieses Posts auch anders hätte lauten können, nämlich: Rückkehr nach Arkan-23.

Dienstag, 3. Januar 2017

Hansrudi Wäscher Magazin 42

Die 42. Ausgabe dieses immer wieder schönen Magazins ist bereits im November zur Intercomic erschienen, nun bin ich endlich dazu gekommen, sie zu lesen. Das Titelbild schmückt diesmal ein Motiv von „Jim, der Cowboy“. Wäscher fertigte die Zeichnung bereits 2002 für die SPRECHBLASE an, dort ist sie aber nie erschienen. Wir haben also tatsächlich eine Erstveröffentlichung vor Augen.
 
Erstveröffentlichungen gibt es auch im Heftinneren. Der Bastei-Verlag ließ einst beim Abdruck von Buffalo Bill-Comics diverse Zeichnungen oder gar ganze Seiten weg. Die verschwundenen Zeichnungen sind wieder aufgetaucht und werden an dieser Stelle in Fortsetzungen nachgeliefert. Den Anlass nutzen die Macher des Magazins dazu, gleich einen ganzen Buffalo Bill-Comic zu präsentieren – neu handgelettert und mit einer tollen Colorierung! Die ersten zwölf Seiten des Abenteuers Abrechnung mit den Skalpjägern finden sich in diesem Heft.
 
Sympathisch rüber kommt das Interview mit Herrn Wäschers Witwe Helga, die Einblick gibt in die gemeinsamen Tagesabläufe und in Arbeitsabläufe ihres Mannes. Dazu passen weitere Berichte von Lesern über ihren Besuch bei den Wäschers sowie Fan-Rückblicke in die Vergangenheit, beispielsweise Herbert Karbaumers Betrachtung von begossenen Lehning-Anstecknadeln, Hans-Joachim Neuperts Jugenderinnerungen an Eisblumen, Wundertüten und Old Shatterhand oder Dieter Herolds Gedenken an einen schlechten Tausch. Solche persönlichen Eindrücke aus einer längst vergangenen Zeit lese ich immer gern.
 
Akribische Leserarbeit darf in einem Wäscher-Magazin nicht fehlen, so zu finden in Form einer Check-Liste zu Jim, was sich bei dem Titelbild ja anbietet, oder eines Berichtes von Dietmar Taubert über Sigurd-Piccolo-Titelbilder. Ohnehin findet sich wieder eine Menge Bildmaterial aus dem Schaffenswerk Wäschers. Nicht nur wird der Abdruck von Telefonkarten-Originalen mit dem fünften Teil fortgesetzt, die Herausgeber haben ein bislang völlig unbekanntes Akim-Motiv aufgetrieben.
 
Man beginnt des weiteren mit dem Abdruck der schönsten Sprechblase-Titelbilder. Auf die bin ich gespannt, da ich natürlich längst nicht alle Sprechblase-Ausgaben kenne. Hinzu kommt die Fortsetzung der Bleistiftvorzeichnungen eines Falk-Piccolos – derlei bekommt man nur selten zu sehen – sowie der dritte und abschließende Teil eines Lanowen-Comics von Jan Hoffmann. Und noch eine schöne Sache: Hansrudi Wäscher hat ein zwei Piccolos umfassendes Nick-Abenteuer mit Titel Das Zeiträtsel hinterlassen, von dem wir als Vorabdruck das Titelbild und drei Piccolo-Streifen zu sehen bekommen.
 
Abgerundet wird die 42. Nummer des abwechslungsreichen und lesenswerten Wäscher-Magazins durch einen Blick auf Sigurd-Puzzles aus dem Jahr 1967, Bilder von den Clubtreffen der rührigen Wäscher-Entusiasten und Leserbriefe. Das Heft, und nicht nur diese Ausgabe, ist wie immer mehr als nur einen Blick wert.

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Strange Kind of Woman

Der nächste Ren Dhark-Sonderband in der Unitall-Reihe wird aus der Feder von Jan Gardemann stammen. Hier ist schon mal die Covergraphik von Ralph Voltz. Wer die Figur auf dem Bild ist, kann ich nicht sagen, da mir der Inhalt von Jans Manuskript noch nicht bekannt ist. Der Titel des Romans lautet Iondrus Suche. Der Autor setzt damit thematisch seinen Roman Das Geheimnis von Iondru aus dem Jahr 2015 fort.


Dienstag, 27. Dezember 2016

Carrie Fisher 1956 - 2016

Das Jahr 2016 hat bis kurz vor seinem Ende wirklich blindwütig in alle Richtungen ausgekeilt, und ich mag keine Nachrufe mehr schreiben. Es erwischte von mir gern gelesene Autoren der deutschen Phantastik wie Manfred Borchard und Malte Schulz-Sembten, gern gesehene Schauspieler wie Götz George, gern gehörte Musiker wie Glenn Frey und Jimmy Bain und großartige Fußballspieler wie Hannes Löhr und Johan Cruyff - und sogar gern gemochte persönliche Bekannte.

Was mit David Bowie begann, endete mit Rick Parfitt und George Michael. Zumindest dachte ich das bis vor wenigen Stunden, doch dann schlug dieses garstig-böse Jahr noch einmal zu. Heute verstarb mit Carrie Fisher auch meine Prinzessin. Ja, wieso eigentlich meine Prinzessin?

Als "Star Wars" 1977 ins Kino kam, war Luke Skywalker dem kleinen Achim altersmäßig am nächsten. Zumindest kam es mir so vor. Tatsächlich war er natürlich wesentlich älter als ich. Viel cooler fand ich ohnehin Han Solo, der mit der Waffe in der Hand ein Draufgänger ganz nach meinem Geschmack war. Han allein gegen den Rest der Welt, und nichts konnte ihn aufhalten - dachte ich zumindest bis zum zweiten Film. Und dann war da noch, ach ja, richtig, diese Prinzessin namens Leia. Die hat auch geballert, aber sie war halt nur ein Mädchen und Staffage neben den Jungs. Und überhaupt habe ich mich zu der Zeit noch viel mehr fürs Fußballspielen interessiert als für Mädchen.

Drei Jahre später folgte "Das Imperium schlägt zurück". Inzwischen sah ich die Welt teilweise mit anderen Augen als noch beim ersten Film der Trilogie. Han war immer noch der Coolste, aber viel hübscher und süßer als Han war Leia. So musste ein Prinzessin sein. Nicht mit einem Krönchen auf dem Kopf, sondern mit einer Strahlenwaffe in der Hand. Sie besaß Charme und Lieblichkeit, zugleich aber auch die knallharten Argumente einer starken Frau gegen die Imperialen Truppen. Sie war hinreißend, bezaubernd. Ich begriff gar nicht, wie ich das im ersten Teil hatte übersehen können. Ich glaube, ich war hin und weg. War ich vielleicht sogar ein bisschen eifersüchtig auf Han, weil er Leia kriegte? Ich glaube nicht, aber man weiß ja nie. Jedenfalls war von da an Leia meine Prinzessin. Sie war viel hübscher und viel cooler als alle Mädels in meiner Jahrgangsstufe.

Anlässlich des letzten Star Wars-Films (nicht dieses aktuelle Rogue-Ding) sah ich Carrie Fisher als Gast bei einer Talkshow, eine sympathische Frau, die gleich wieder mein Herz eroberte. Sie und Leia waren in Würde gealtert, ohne irgendeinem schauderhaften Jugendwahn hinterher zu hecheln. Ich spekulierte sogar darauf, dass sie vielleicht im nächsten Film, gemeinsam mit ihrem Filmbruder Luke, wieder dabei sein wird. Daraus wird nichts mehr - aber meine Prinzessin ist sie immer noch.

Samstag, 24. Dezember 2016

Drei Krune för et Chressfess

Wie alle Jahre wieder habe ich auch diesmal die Weihnachtssitzung des Hänneschen-Theaters besucht, des Kölner Puppenspieltheaters. „Drei Krune för et Chressfess“ lautet der Titel der diesjährigen Aufführung. Auf Hochdeutsch heißt das „Drei Kronen für das Christfest“.
 
Denn um drei Kronen geht es unter anderem in dem Stück, und zwar um keine geringeren Kronen als jene der Heiligen drei Könige. Die Vorstellung läuft über vier Aufzüge und bedient sich dabei drei verschiedener Bühnenbilder. Los geht es in Schäls Trödelladen, dann folgt das Stadtbild von Knollendorf, danach der Dreikönigsschrein im Kölner Dom und schließlich wieder Schäls Laden. Für diejenigen, die es nicht wissen: Knollendorf ist natürlich nichts anderes als das alte Köln.
 
Als Kind war das kleine Hänneschen meine Lieblingsfigur, doch längst schon ist es der Schäl. Das wiederum bedeutet Scheel, weil der Kerl schielt. Schäl spielt meistens die Rolle des fiesen Burschen, der jedoch im Laufe der Handlung geläutert wird. So auch in diesem Fall. Der Geizkragen führt ein kleines Geschäft, in dem er seinen Kunden Ramsch als wertvolle Antiquitäten verkauft und seine Angestellten Tünnes und Speimanes ausbeutet. Den beiden armen Kerlen untersagt er, Feierabend zu machen, weil noch so viel zu tun sei. Dabei möchten der Tünnes und der Manes schnellstmöglich nach Hause, weil Weihnachten ist.
 
Schäl indes hat mit Weihnachten nichts am Hut. Er verabscheut das Fest geradezu. Später wird sich der Grund herausstellen. Als er ein kleiner Junge war, starb seine Mutter ausgerechnet an Heiligabend, und so sieht er den Totenkarren immer noch an sich vorbeiziehen. Die Aufklärung dieses Hintergrunds erschließt sich den Zuschauern in Form eines Zeitsprungs in die Vergangenheit. Man kann also glatt von einer Science Fiction-Geschichte sprechen.
 
Im weiteren Verlauf der Handlung kommt es zu einer Reihe von Irrungen und Wirrungen, die dazu führen, Schäl auf den rechten Weg zu bringen. Er erleidet einen Herzanfall, bekommt von seinem Arzt eine düstere Prognose gestellt und verkracht sich mit anderen Knollendorfern. Das passt den beiden Kindern Hänneschen und Bärbelchen gar nicht, weil sie sich auf ein friedliches Weihnachtsfest freuen. Wie immer sind vor allem sie es, die wichtige Beiträge zum Zustandekommen des glücklichen Endes leisten.
 
Doch diesmal erhalten sie unerwartete Unterstützung von drei Stadtstreichern, jeder mit einer eigenen kleinen Geschichte und mit einer wertvollen Gabe im Gepäck. Diese Schätze erlangen ihren Wert aber nur, wenn sie mit drei zugehörigen Kronen in Verbindung gebracht werden. Man ahnt es bereits, es handelt sich um die Kronen der heiligen drei Könige. Irgendwann begreift der verbiesterte Schäl, dass es seine Bestimmung ist, die drei Kronen an den Ort zu bringen, an den sie gehören, nämlich eben zum Dreikönigenschrein im Kölner Dom.
 
Dieses Bühnenbild war für mich das Schönste. Obwohl ich die Stadtansicht von Knollendorf mag, kam der wundervoll präsentierte Schrein besonders beeindruckend rüber. Das lag vermutlich an seiner exaltierten Darstellung inmitten ansonsten reduziert arrangierten optischen Beiwerks.
 
Als sich die Kronen wieder an ihrem angestammten Platz befinden, geht Schäl das Herz auf, und der Weihnachtshasser begreift endgültig den Sinn des Weihnachtsfestes, was sich dann im vierten Aufzug zeigt. In seinem Trödelladen steht nicht nur ein prächtig geschmückter Baum, der bekehrte Schäl spendiert zudem den ungläubigen Tünnes und Speimanes eine Gratifikation und zudem eine Gehaltserhöhung. Bevor am Ende der Vorhang fällt, singen diese und alle anderen in der Handlung auftauchenden Puppen gemeinsam mit den Zuschauern ein Weihnachtslied.
 
Ich hatte Spaß an der Geschichte, auch wenn sie natürlich nach einem vertrauten Muster gestrickt und stellenweise vorhersehbar ist. Doch man muss bedenken, dass es sich um eine Aufführung für Kinder handelt, wenn von diesen auch nur wenige unter den zahlreichen Erwachsenen vertreten waren. Das fiel mir noch nie so sehr auf wie in diesem Jahr.
 
Einen erhobenen Zeigefinger gibt es übrigens nicht, auch wenn das an der einen oder anderen Stelle in diesem Text so klingen mag. Dafür kommt die Geschichte viel zu locker und humorig rüber und ist garniert mit zahlreichen kleinen Gags, die für Gelächter sorgten. Es wird Zeit, dass ich mir mal eine Hänneschen-Aufführung außerhalb des Karnevals- und des Weihnachtsprogramms ansehe. Was läge da näher, als mich im kommenden Frühjahr für Schälock Holmes zu entscheiden? Der Schäl als Sherlock Holmes? Das stelle ich mir jetzt schon köstlich vor.

Freitag, 23. Dezember 2016

Ein frohes Weihnachtsfest 2016

Wieder liegt ein Jahr hinter uns, ein Jahr, in dem ich in meinem Blog eine Menge zu berichten hatte. Aufregendes war darunter, Erfreuliches und Erheiterndes, Erfolgreiches und Ergötzliches. Doch leider gab es auch die eine oder andere traurige Nachricht zu beklagen. Das ist nun einmal der Lauf der Dinge und durch nichts zu ändern.

Ich bedanke mich bei allen, die gelegentlich, häufiger oder gar regelmäßig in meinen Blog schauen. Auch im kommenden Jahr werde ich mich zu all den Dingen äußern, die sich in meinem persönlichen und schriftstellerischen Umfeld ereignen und die dazu geeignet sind, an dieser Stelle erwähnt zu werden. Bleibt mir gewogen und als Leser erhalten. Es würde mich freuen.

Ich wünsche euch allen ein Weihnachtsfest, wie es sein sollte, froh und festlich, besinnlich und doch heiter, ruhig und erholsam. Und friedlich natürlich. Dazu im günstigen Fall im Kreis von Menschen, mit denen ihr diese besondere Zeit am liebsten verbringt. Zugleich wünsche ich euch einen guten Jahresabschluss, einen guten Rutsch und das erdenklich Beste für 2017. Wir lesen uns.

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Abschied von Winfried Brand

Das Wetter hatte sich herausgeputzt. Blauer Himmel und strahlender Sonnenschein waren dabei, als die Trauergemeinde dem vor gut einer Woche verstorbenen Winfried Brand gestern das letzte Geleit gab. Es gibt Leute, die der Meinung sind, ein wolkenverhangener Himmel bilde die passende Rahmenbedingung für eine Beerdigung. Ich brauche aber keine Rahmenbedingungen, die aufs Gemüt drücken. Den Abschied von einem Menschen, den man eine lange Zeit kannte, ist trist und grau genug. Da darf gern die Sonne lachen.

Ein katholischer Pfarrer hielt die Ansprache in der Trauerhalle des Longericher Friedhofs. Longerich, das ist der Stadtteil, aus dem Winy stammte. Der Bitte der Familie folgend, trat der Priester sehr leger auf. Er verzichtete, da Winy schon vor langer Zeit aus der Kirche ausgetreten war, weitgehend auf seine Tracht sowie auf Brimborium der katholischen Kirche. So gab es auch keine Messe mit irgendwelchen rituellen Abläufen. Die Trauerrede war einerseits weltlich gehalten, stand aber andererseits im Zeichen des Kreuzes und war Christentum und christlichen Werten verpflichtet. Der Spagat des Pfarrers gelang. Ich empfand seine Trauerrede als sehr angenehm. Ich denke, sie wäre in Winys Sinn gewesen.

Beim Trauerzug zur Grabstätte gingen mir verschiedene Erinnerungen an Begebenheiten mit Winfried durch den Kopf. Wiederholt sah ich das Bild des (fast noch kindlich) jungen Winy, den ich vor rund dreieinhalb Dekaden kennengelernt habe, vor meinem geistigen Auge. Dass ein Mensch auf einmal nicht mehr da ist, war für mich schon immer eine nur schwer begreifliche Situation, irgendwie unwirklich und bizarr. Als ich dann vor dem offenen Grab stand und ein paar Blütenblätter hineinwarf, benutzte ich die mir zum Mantra gewordene Formel, die ich bei Beerdigungen stets verwende. Ich verabschiedete mich mit "Tschüss, Winy."

Freitag, 16. Dezember 2016

Dabophilorisoptyl

Er ist ein Woniozell, und sein Name lautet Dabophilorisoptyl. Für das Titelbild von Ren Dhark 67 hat Ralph Voltz ein herrliches Motiv gewählt. Die von Muscheln abstammenden Wesen in der Galaxis Voktar spielen in der Handlung derzeit eine wichtige Rolle.

Es gefällt mir immer, wenn exotisch aussehende Völker aus der Serie visuell umgesetzt werden. Man hat ja eigene Bilder im Kopf. Manchmal ähneln sie der Ausführung des Graphikers, manchmal weichen sie stark davon ab. Mit dem Woniozell hat Ralph sich wieder einmal selbst übertroffen. Das Buch erscheint im Februar 2017.


Montag, 12. Dezember 2016

Winfried Brand 1967 - 2016

Winy auf dem Coloniacon 1982
Es muss 1981 gewesen sein, als ich Winfried Brand kennenlernte, kurz nachdem drei Kölner Jungs einen Science Fiction-Club aus der Taufe gehoben hatten. Winy, wie er von allen genannt wurde, stieß schon wenig später dazu, wie dann auch bald sein jüngerer Bruder Wolfgang. Von da an war Winy für viele Jahre aktiver Bestandteil der Kölner SF-Szene. So auch in all seiner jugendlichen Frische auf dem ersten Coloniacon 1982, wie man auf dem Bild links sehen kann.

Bei den in den Achtziger Jahren noch jährlich stattfindenden Coloniacons tat er sich als Helfer hervor. Vor allem aber publizierte er das Rezensions-Zine Flash, das jahrelang erschien und dem er sich mit Herzblut verschrieb. Es war Winy, der mich eines Tages zum SF-Stammtisch in Zollstock mitschleppte. Ein Vierteljahrhundert dürfte das her sein. Ich habe ihn in der damaligen Zeit stets freundlich und meist gut gelaunt erlebt, gleichwohl er aber auch ein herber und gelegentlich hitziger Diskutant sein konnte. Der eine oder andere Stammtischteilnehmer dürfte ein Lied davon singen können.



Winy auf dem Coloniacon 2014
Irgendwann machte sich Winy dann rar. Zwei Kinder kamen, eine räumliche Veränderung folgte, und andere private Dinge bestimmten sein Leben. Der Kontakt brach ab, und auch von den anderen Stammtischlern konnte niemand sagen, was Winy trieb. Bis er auf dem Coloniacon 2014 plötzlich vor mir stand. Winy war wieder da, ich freute mich ihn zu sehen. Seitdem sind wir uns zu bestimmten Anlässen wieder regelmäßig über den Weg gelaufen. Er fuhr zum BuchmesseCon in Frankfurt, besuchte die Intercomic und war auch wieder auf dem diesjährigen Coloniacon zugegen.

Der Szene blieb er bis zuletzt verbunden. Für verschiedene Verlage führte er Textarbeiten durch und erstellte E-Books. Auf dem diesjährigen BuCon begegneten wir uns zum letzten Mal. Auf der Intercomic im November erschien er nicht, weil es ihm nicht gut ging. Eine Unpässlichkeit, die sicher bald hinter ihm liegen wird, dachten wir. Eine traurige Fehleinschätzung, leider.

Winfried Brand starb am 12. Dezember 2016 nach kurzer, schwerer Krankheit. Er wurde nur 49 Jahre alt. Winy hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Meine Gedanken sind bei seinen Familienangehörigen.

Samstag, 10. Dezember 2016

Ein Tag mit Nick und Hubert Haensel

Es gibt Arbeitsvorbereitungen und Arbeitsvorbereitungen. Die einen sind unangenehm und nervtötend, kosten Zeit, die man lieber anders investieren würde, und können nicht schnell genug erledigt werden.  Dazu gehören gewisse Recherchen, wie sie, ohne ein konkretes Beispiel zu nennen, immer wieder erforderlich werden. Sie mögen für ein Manuskript wichtig sogar, sogar unerlässlich, sind aber dennoch lästig. Die zweite Kategorie ist keine Pflichtaufgabe, sondern fällt unter die Spaßkategorie. In diesen Genuss kam ich heute. Der nächste Nick-Roman steht nämlich auf meinem Arbeitspapier.

Bevor ich mit dem Schreiben am achten Buch beginnen kann, musste ich mich darüber ins Bild setzen, was in Band 7 geschieht. Den hat bekanntlich der beliebte Autor Hubert Haensel verfasst. Im Gegensatz zu allen Wäscher-Fans und Nick-Anhängern, die auf Huberts Gastroman warten, liegt mir das redigierte Manuskript bereits vor. So genoss ich heute die spannende Adaption, die dort ansetzt, wo ich mit Band 6 abgeschlossen habe. Wie nicht anders zu erwarten, hat mich Hubert Haensels abenteuerliche Geschichte prima unterhalten. Die Leser, soviel sei schon mal angekündigt, dürfen sich freuen.

Gleich im Anschluss an Huberts Manuskript nahm ich mir einen Stapel Comics vor. Mit zunehmender Begeisterung versank ich in den Nick-Großbänden 47 bis 60, die die Grundlage für den folgenden Roman bilden, der dann wieder aus meiner Feder stammen wird. Die Geschichte zeigt einmal mehr Hansrudi Wäschers Fähigkeit als Erzähler und seinen Ideenreichtum, mit dem er der späteren Science Fiction in seinen Piccolos häufig einen Schritt voraus war. In diesem Fall beginnt es mit einem in der Ödnis eines fremden Planeten stehenden Torbogens, durch den die Raumfahrer auf eine andere Welt gelangen können. Na, wer denkt dabei nicht gleich an gewisse Sternentore aus einer gewissen SF-Serie? Tolle Geschichte! Ich freue mich schon darauf, sie in Romanform zu bringen.

Freitag, 9. Dezember 2016

Aufruhr in Voktar

Der letzte Ren Dhark-Roman für dieses Jahr ist erschienen, meine letzten Belegexemplare 2016 sind eingetroffen. Das ist immer eine Art Abschluss, schon eine Weile vor Silvester - was hingegen fürs Schreiben nicht gilt. Denn den verbleibenden Tagen bis zum Jahresende bastle ich weiter an zwei Manuskripten, eins davon ein weiterer Ren Dhark. Am liebsten würde ich beide noch fertigstellen, doch das dürfte zeitlich nicht hinkommen.

Doch zurück zu Aufruhr in Voktar, mit dem der 66. Band von Weg ins Weltall vorliegt. Mit dem Buch feiert der laufende Zyklus Halbzeit. Auch schon wieder, man könnte melancholisch werden - aber es geht ja weiter, und allmählich richtet sich der Blick auf die nächste Ren Dhark-Konferenz im kommenden Sommer.

Das vorliegende Buch ist wie immer ein Gemeinschaftswerk, im Grunde aus drei Heftromanen bestehend. In unserer internen Zählung sind das die Nummern 373 bis 375. Die Exposés stammen von Ben B. Black, das Titelbild wie immer von Ralph Voltz, und das Buch verfasste ich gemeinsam mit Jan Gardemann und Nina Morawitz, der einzigen Frau in unserem fünfköpfigen Team. Weiterhin gibt es in der Geschichte zwei Handlungsebenen, doch zeichnen sich erste Querverbindungen ab. Neugierig auf den Inhalt? Der Klappentext verrät folgendes:

"Bei der Zollkontrolle auf Danlechraa werden die GSO-Agenten Liv Sanders und Ömer Giray getrennt. Sanders taucht nicht wieder auf, und ihr Partner befürchtet das Schlimmste, weshalb er sich umgehend auf die Suche nach seiner Kollegin begibt. Etwa zur gleichen Zeit stellen Ren Dhark und seine Begleiter in der fernen Galaxis NGK 3109 fest, dass es dort unter der friedlich wirkenden Oberfläche zu brodeln scheint. Chris Shanton, Arc Doorn und Amy Stewart, die immer noch nach einem Weg in die heimatliche Milchstraße suchen, bekommen es inzwischen mit einem weiteren kriegerischen Volk zu tun. Alles sieht ganz danach aus, als herrsche Aufruhr in Voktar."

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Hoher Wiedererkennungswert

Einen solchen attestiert Robert Monners Aufbruch nach NGK 3109 in seiner Besprechung bei phantastik-News. Das 65. Ren Dhark-Buch ist erst im November erschienen, doch die Rezension ist bereits online. Da war einer wieder sehr schnell. Freut mich, zumal der Roman dem Rezensenten gefallen zu haben scheint.

So schreibt Monners: "In beiden großen Plots bleiben die Autoren dem verhaftet, was die Fans und Leser bei Ren Dhark suchen. Die Darstellung von Alien-Zivilisationen, den Wundern zwischen den Sternen und klassischen Kriminal- und Thriller-Elementen." Ich füge hinzu: Genau so soll es sein.

Die ganze Besprechung gibt es hier: http://www.phantastiknews.de/index.php/rezensionen/12954-ren-dhark-weg-ins-weltall-65-im-auftrag-der-instanz-ben-b-black-hrsg-buch

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Kleines Jubiläum - Tibor zum Zehnten

Ich habe heute die Arbeit an einem weiteren Romanmanuskript nach Comicvorlagen von Hansrudi Wäscher abgeschlossen, und zwar an Tibor 10. Ja, ganz richtig, es ist tatsächlich bereits mein zehnter Tibor-Roman. Da spreche ich durchaus gerne von einem kleinen Jubiläum, von einem Jubiläum, an das ich damals ganz sicher nicht gedacht habe.

Damals, das war im Mai 2011. Der mir bis dahin nicht persönlich bekannte Verleger Peter Hopf sprach mich auf der Intercomic in Köln an. Er erzählte mir von seinem Vorhaben, in seinem Verlag Romane um Wäschers Dschungelhelden Tibor zu veröffentlichen, werkgetreue Adaptionen nach den Comics der Sechziger Jahre, als Hardcover und in feiner Aufmachung. Zu meiner Überraschung bot Peter mir an, diese Romane zu schreiben. Natürlich ließ ich mich nicht zweimal bitten. In den folgenden Monaten verfasste ich also Band 1, der, wenn ich mich recht erinnere, Anfang 2012 erschien. Seitdem machen wir zwei Tibors jährlich.

Und heute habe ich also das Manuskript für den Jubiläumsband an den Verlag geschickt. Zum ersten Mal kann man die Handlungszeit der Geschichte zeitlich ziemlich genau festmachen, und zum ersten Mal geht der Roman über eine reine Abenteuergeschichte hinaus. Er wird nämlich politisch. Die Geschichte spielt vor der Unabhängigkeitserklärung, die Kenia die Unabhängigkeit von Großbritannien bescherte, was bekanntlich im Dezember 1963 geschah.

Eine Verschwörung weißer Geschäftemacher, die die Diamanten des Landes ausplündern, und einer schwarzen Bruderschaft, die die kommende Regierung stellen will, zielt darauf ab, einen blutigen Bürgerkrieg anzuzetteln. Gegen seinen Willen wird Tibor in die Ereignisse verwickelt, da eine Intrige darauf abzielt, ihn als den Hintermann der Diebstähle hinzustellen. Um sich von dem Verdacht reinzuwaschen, bleibt dem Herrn des Dschungels nichts anderes übrig, als sich auf die Suche nach dem wahren Schuldigen zu machen.

Donnerstag, 24. November 2016

Aufbruch nach NGK 3109

Eine weite Reise liegt vor Ren Dhark und seinen Gefährten, als sie sich aufmachen, um nach ihren verschollenen Freunden zu suchen. Nicht weniger als vier Millionen Lichtjahre trennen die (real existierende und am Rand der Lokalen Gruppe liegende) Zwerggalaxis NGK 3109, wo man die Gesuchten zu finden hofft, von der heimatlichen Milchstraße.

Der neue Ren Dhark ist erschienen. Der Stapel Belegexemplare ist zwar schon vor ein paar Tagen bei mir eingetroffen, aber ich bin erst jetzt dazu gekommen, in dem Buch zu schmökern, das ich gemeinsam mit Nina Morawietz und Jan Gardemann geschrieben habe. Ralph Voltz' Titelbildmotiv zeigt anschaulich die einzige Möglichkeit, die oben genannte Distanz zu überwinden: im Koppelflug der Point of mit neun S-Kreuzern und den daraus resultierenden Beschleunigungswerten beim Flug mit Sternensog.

Der Klappentext zum Roman verrät:
Während sich die GSO-Agenten Liv Sanders und Ömer Giray auf den Weg nach Brana machen, um sich mit Echri Ezbal über ihre aktuellen Erkenntnisse auszutauschen, geraten Chris Shanton, Arc Doorn und Amy Stewart in eine äußerst brenzlige Lage, aus der es kein Entkommen zu geben scheint. Umso wichtiger ist es, dass Ren Dhark jetzt endlich eine Spur hat, wo er nach seinen vermissten Freunden suchen soll. Er stattet Bulam und Mesopotamia einen Besuch ab, um letzte Vorbereitungen zu treffen für den Aufbruch nach NGK 3109.

Montag, 14. November 2016

Das KittyCon-Programmheft

Ja, richtig, der Con liegt auch schon wieder zwei Wochen zurück, aber ich wollte zumindest noch ein paar Worte zum Programmheft loswerden. Das kommt nämlich ziemlich professionell daher und sieht richtig schnieke aus mit seinen hundert Seiten Umfang und einer Aufmachung, die kaum etwas zu wünschen übrig lässt. Wenn ich da an manche Fanzines im gleichen A5-Format zurückdenke, die wir früher gemacht haben, liegen bei den heutigen Gestaltungsmöglichkeiten am eigenen Rechner natürlich Welten dazwischen.

Wirklich zufrieden sein können Autoren, Referenten und Graphiker, die in Wort und Bild vorgestellt werden. Teilweise gibt es häppchenweise Leseproben. Erst beim nachträglichen Durchblättern des Programmhefts wurde mir bewusst, wie viele Kreative auf dem Con anwesend waren. Dass mir das bei der Veranstaltung selbst nicht auffiel, liegt daran, dass ich zum einen weder die Namen noch die Gesichter der Leute kenne und die meisten in doch sehr bescheiden kleinem Rahmen vor sich hinwerkeln. (Was natürlich nicht für alle gilt, siehe Uschi Zietschs Fabylon-Verlag.) Zum anderen gehe ich Geschichten, die ich selbst als Mädchen-Fantasy bezeichne oder die eine Autorin eine historische Vampirromanserie nennt, tunlichst aus dem Weg. Aber das macht ja nichts.

Die Präsentation im Conheft ist jedenfalls gelungen. Auf dem Cover sehen wir übrigens die dem Con seinen Namen verleihende Kitty Moan, eine Romanfigur aus der Feder von Cannonball Randall. Der wiederum ist kein anderer als der Converanstalter Helmut Dunkel. Der Programmüberblick findet sich in der Heftmitte, wo er hingehört, weil man ihn eben da, genau, am besten findet. Die dritte Ausgabe des KittyCons ist inzwischen definitiv für 2017 angekündigt. Da drücke ich Helmut Dunkel und seinen Mitstreitern gleich mal die Daumen für mehr Besucherresonanz als in diesem Jahr.

Sonntag, 13. November 2016

25. Todestag Kurt Brand

Werner Kurt Giesa und Kurt Brand
Auf der Intercomic bekam ich eine Anstecknadel mit dem Motiv der Point of geschenkt. Die Point of ist das Raumschiff des irdischen Weltraumfahrers Ren Dhark, und Ren Dhark ist eine Science Fiction-Serie, die Kurt Brand Mitte der Sechziger Jahre ersann – und die, nebenbei bemerkt, im August ihr fünfzigjähriges Jubiläum feierte und sich bis heute mit Fortsetzungen in Buchform großer Beliebtheit erfreut. Das erste Heft erschien 1966, und in Heftform lief die Serie bis 1969.

Bis Kurt Brand, am 10. Mai 1917 in Wuppertal geboren, Ren Dhark aus der Taufe hob, hatte er im Verlagsbereich und als Schriftsteller bereits einiges hinter sich. Nach dem Krieg baute er in Köln eine der größten privaten Leihbüchereien auf, und ab Anfang der Fünfziger Jahre veröffentlichte er eigene Romane. Obwohl er besonders der Science Fiction zugetan war, war er auch in anderen Genres aktiv. So schrieb er im Laufe seiner Schaffenszeit nicht nur für Perry Rhodan und Atlan, für die Zeitkugel und Mondstation 1999, für Checkpart 2000 und Kommissar X, für Gespenster-Krimi und Geister-Krimi, für Professor Zamorra und die Fledermaus, für Captain Morris und Jerry Cotton. Brand verfasste zudem zahlreiche serienunabhängige Einzelromane und Mini-Zyklen. Dabei benutzte er auch eine Reihe von Pseudonymen.

Dass ihm mit Ren Dhark ein eigener großer Wurf gelang, ist wohl dem Umstand geschuldet, dass er – im Streit, wie es heißt – als Autor bei Perry Rhodan ausschied. Das zweite literarische Kind, das er neben Ren Dhark aus der Taufe hob, war Arn Borul – von Stern zu Stern. Der sperrige Name wurde später in Raumschiff Promet geändert, die Serie lief in Heftform bis 1973. Sicher würde es Kurt Brand gefallen, dass beide Serien im Jahr 2016 immer noch mit neuen Abenteuern fortgesetzt werden.
 
Im Übrigen zählt er neben Clark Darlton, Karl-Herbert Scheer und W.D. Rohr heute zu den Pionieren der deutschen Schience Fiction in den Fünfziger Jahren. Kurt Brand starb am 8. November 1991 in seiner späteren Wahlheimat Kaltern in Südtirol, wo auch das obige Foto aufgenommen wurde.

Samstag, 12. November 2016

Intercomic 80

Bereits am vergangenen Wochenende fand zum 80. Mal die Intercomic statt. Die Messe in der Köln-Mülheimer Stadthalle erfreut sich weiterhin stetiger Beliebtheit. Zwar war diesmal etwas weniger los als vor einem halben Jahr, aber der Besucherzuspruch schwankt halt von Veranstaltung zu Veranstaltung. Ich nehme an, im kommenden Frühjahr wird die Resonanz wieder nach oben gehen – und gut besucht war die Messe trotzdem.

Ich habe mir schon lange nicht mehr die Muße genommen, durch die Gänge zu schlendern – eben weil es mir meistens zu voll ist und ich die Enge nicht mag. Diesmal jedoch steuerte ich zahlreiche Aussteller an und wühlte in den Bergen von Comics, begutachtete hier, staunte dort und nahm das eine oder andere Fundstück mit. Aus dem Kopf sollte man das nicht machen. Zu Hause stellte ich prompt fest, dass zwei Dubletten darunter waren.

Der „Ritter der 9. Kunst“ wurde in diesem Jahr an den Comic-Autor und Kleinverleger Ingrabald Ewald verliehen, der mittlerweile als so etwas wie der textende Hans Rudi Wäscher-Nachfolger gilt und mit seinen neuen Geschichten aus dem Wäscher-Kosmos maßgeblich zum Fortbestehen der Nostalgie-Comic-Szene beiträgt. Die Laudatio hielt der Wiener Sprechblase-Herausgeber Gerhard Förster in bekannt launiger Weise mit allerlei Anekdoten. Es kam mir so vor, als wollte Gerhard mit seiner Laudatio gar nicht mehr aufhören.

Der „Dark Star 2016“ war Walter Lehning gewidmet, dessen gleichnamiger Verlag in den Fünfziger Jahren das deutsche Comicgeschehen revolutionierte, indem Lehning die aus Italien mitgebrachte Idee der Piccolos in Deutschland realisierte und Wäscher zu seiner großen Karriere verhalf. Lehning wäre in diesem Jahr siebzig Jahre alt geworden. Mit ihm wurde meines Wissens zum ersten Mal jemand postum mit dem Dark Star geehrt. Stellvertretend nahmen Heinz Mohlberg und Dieter Kirchschläger den Preis entgegen. Die beiden Kleinverleger halten unermüdlich die Wäscher-Fahne hoch, indem sie die Fans und Leser der Generation Lehning weiterhin mit Piccolos und Großbänden versorgen.

Wie üblich waren der Verlag Peter Hopf und der Blitz-Verlag unter den Ausstellern und präsentierten meine jüngst bei ihnen erschienenen Romane, der eine Nick, Falk und Tibor, der andere Raumschiff Promet. Mit Rüdiger-Schäfer, der aktuell die Exposés für Perry Rhodan Neo verfasst, posierte ich für die Messe-Presse. Im Blitzlichtgewitter sollten wir Romane hochhalten oder selbige signieren. Irgendwie kommt mir das immer peinlicher vor.

Donnerstag, 3. November 2016

Ringraumer in Nöten

Wenn ich bei jedem neuen Ren Dhark-Titelbild anmerke, dass ich ein Fan von Ralph Voltz bin, wird das dann irgendwann langweilig? Mag sein, aber es ist nun mal so. Daher: Ich bin ein Fan von Ralph Voltz.

Ralphs Covergraphik für den im Dezember erscheinenden 66. Band der deutschen Science Fiction-Serie ist fertig. Der in Charlotte, USA lebende Künstler hat eine schöne Szene aus dem Romaninhalt ausgewählt und wunderbar umgesetzt. Das Motiv bringt den Buchtitel auf den Punkt: Aufruhr in Voktar.

Wie immer darf spekuliert werden. Um welchen Ringraumer handelt es sich? Ganz einfach, diese Antwort! Oder vielleicht doch nicht? Und wer sind die Angreifer in den Schiffen, die wie plattgedrückte Walnüsse aussehen? Die Antworten auf diese Fragen gibt es noch vor Weihnachten.

Mittwoch, 2. November 2016

Andromeda Nachrichten 255

Die aktuelle Ausgabe der Andromeda Nachrichten ist mit 152 Seiten im A4-Format ganz schön opulent ausgefallen. Das liegt daran, dass die 255. Nummer des SFCD-Magazins zugleich das Conheft des diesjährigen BuchmesseCons war und ist. So beschäftigt sich knapp ein Drittel des Umfangs mit einem Rückblick auf den BuCon des vergangenen Jahres inklusive zahlreichen Schnappschüssen sowie mit der diesjährigen Begleitveranstaltung zur Frankfurter Buchmesse.

Die diversen Referenten und Programmgestalter des BuCons 2016 werden in Wort und Text vorgestellt, von Behrend & Behrend bis Markus Heitz, vom Karl May Verlag bis Axel Kruse, von Thomas Le Blanc bis Christian Humberg und von Regina Schleheck bis Tommy Krappweis. Ich selbst blicke mir auch entgegen, gemeinsam mit meinen Ren Dhark-Kollegen und der Panel-Ankündigung zum aktuellen Zyklus "Die verlorene Galaxis".

Den Rest des Heftes stellen die obligatorischen Sparten, die die deutsche Phantastik-Szene in ihren verschiedenen Ausprägungen und Medien beleuchten: Science und Fantasy, Zwielicht und Cinema (Wieso nicht Kino?), Perry Rhodan und E-Games (Warum nicht Spiele?). Die Buch- und Fanzinebesprechungen fallen diesmal recht spärlich aus, finde ich, im Gegensatz zu den Filmbetrachtungen, bei denen man nicht nur von einer Fülle, sondern von einer Schwemme reden kann.

Dafür interessieren die Laudatios auf die Preisträger des Deutschen Science Fiction Preises 2016 für den besten Roman (Andreas Brandhorst: Das Schiff) und die beste Kurzgeschichte (Frank Böhmert: Operation Gnadenakt). Angelika Herzog berichtet vom MediKonOne in Oldenburg. In "Aliens - Das Fremde als extraterrestrische Projektion" liefert Raphael Morisco eine Analyse des Fremden in der Science-Fiction am Beispiel der Serie Stargate. Perry Rhodan-Kenner Robert Hector attestiert der Serie, in einer Sackgasse gelandet zu sein, und wirft ihr "Germanistengeschwurbel" vor. Aua!

Reichlich Sekundärmaterial also, mal unterhaltsam, mal informativ, mal kritisch, aber zuweilen auch ganz schön trocken. Als Infoquelle über die heimische Szene bleiben die Andromeda-Nachrichten mit ihrer umfassenden wie kompakten Berichterstattung ein gern genommenes Periodikum, und das umlaufende Titelbild des namhaften Künstlers Thomas Franke weiß zu gefallen.

Dienstag, 1. November 2016

2. Kitty Moan Convention in Langenfeld

Am vergangenen Wochenende ging in Langenfeld zum zweiten Mal der KittyCon über die Bühne. Dass dort bereits im vergangenen Jahr eine solche Veranstaltung stattfand, war mir nicht bewusst. Ich erfuhr davon, da Veranstalter Helmut Dunkel mich auf dem Coloniacon darauf hinwies. Also fuhr ich am Samstag hin, Langenfeld liegt ja gleich um die Ecke.
 
Die Halle – der Carl-Becker-Saal, anscheinend eine frühere Industriehalle – ist gut geeignet für einen Con wie diesen, bei dem unter anderem viel Wert auf Aussteller und Händler gelegt wird. Die Tische reihten sich entlang der Wände, und auch der Innenraum war durch die Aufteilung mit Stellwänden prima ausgenutzt. Durch die Gänge liefen gewandete Besucher, deren Kostüme ich dem Steampunk zurechne, sowie Piraten. Ja, tatsächlich Piraten. Ich gebe zu, das hatte ich zuvor auf einem Con noch nicht erlebt. Allerdings ist der KittyCon ja auch kein SF-Con, wie ich sie gemeinhin besuche. Er versteht sich vielmehr als Fantasy-Event für Erwachsene und umfasst inhaltlich die Bereiche Abenteuer, SciFi, Fantasy, Horror, Trash und Erotik. Traf es wirklich zu, dass der Einlass erst ab 18 gewährt wurde, wie mir jemand zuraunte? Ich weiß es nicht.
 
Das Organisationsteam stellte ein reichhaltiges Programmangebot auf die Beine. Zumeist liefen drei Programmschienen parallel: Vorträge, Autorenlesungen, Workshops und vieles mehr. Gewöhnungsbedürftig war zwar, dass sämtliche Programmpunkte außerhalb der Halle in zugigen Zelten stattfanden, doch zum Glück spielte das Wetter mit. Die große Hauptbühne im Saal nutzte Helmut lediglich für die Begrüßung, für Durchsagen und Hinweise aufs Programm. Von diesem bekam ich wie üblich so gut wie nichts mit. Einzig bei Robert Vogels launigem Vortrag „Rücksturz zur Erde: 50 Jahre Raumpatrouille“ nahm ich Platz.
 
Ansonsten unterhielt ich mich lieber mit Bekannten. Die meisten Zeit trieb ich mich bei Jörg Kaegelmanns Blitz-Verlag herum. Ich besuchte Uschi Zietsch und Gerald Jambor am Fabylon-Stand, plauderte mit Geisterspiegel-Macher Wolfgang Brand und mit Exodus-Mitherausgeber Olaf Kemmler, von dem ich die neue Ausgabe einsackte, die hier besprochen wird, sobald ich alle Kurzgeschichten gelesen habe. Für Aufsehen sorgte eine als Piraten verkleidete Gruppe, die nicht nur eine Piratenhochzeit zelebrierte und im Freien ein kleines Zeltlager aufgeschlagen hatte, sondern die sich zudem mit archaisch aussehenden und offenbar selbstgebauten Minifahrzeugen ein Bobbycar-Rennen quer durch die Halle lieferte. Mutig, verwegen und witzig. Respekt.
 
In Relation zum Aufwand, den die Veranstalter getrieben haben, und der Menge an Ausstellern war die Besucherzahl hingegen ernüchternd. Zumindest empfand ich es so. Der Andrang hätte deutlich höher ausfallen dürfen. Vielleicht sehen Helmut Dunkel und das Orga-Team das anders, ich kenne ja die Kalkulation und die Erwartungshaltung nicht. Auf jeden Fall wünsche ich ihnen, dass sie nicht die Lust verlieren und es im nächsten Jahr mit dem KittyCon weitergeht. Dann bin ich wieder dabei. Das Weizenbier an der Theke schmeckte übrigens, und das Conheft kommt ausgesprochen professionell daher. Vielleicht verliere ich darüber separat noch ein paar Worte.