Samstag, 28. Januar 2017

Arndt Ellmer - Die Auris-Trilogie

Der BARDIOC-Zyklus gehörte für mich zu den Highlights der Perry Rhodan-Serie. Das kosmische Ringen der beiden Superintelligenzen Bardioc und Kaiserin von Therm erschien von 1976 bis 1978 in den Heftromanen 800 bis 867. Im letzten Roman des Zyklus kam es zur Vereinigung dieser auf phantastische Weise entstandenen Superwesen. Das körperlose Gehirn eines der ehemaligen Sieben Mächtigen Bardioc ging im Kristallgespinst der Kaiserin auf. Auch heute, vierzig Jahre später, löst dieser Zyklus noch Faszination bei mir aus. Das liegt am großen kosmischen Hintergrund der Geschichte, am Faszinosum der Superintelligenzen, die damals noch nicht inflationär in der Handlung auftauchten, an weiteren Figuren wie den Inkarnationen Bardios, dem Forscher der Kaiser Douc Langur (sicherlich eine meine Lieblingsfiguren, genau wie die mitspielenden Ganerc und Alaska Saedelaere) – und natürlich an der Tatsache, dass damals William Voltz die Geschicke der Serie lenkte und die meisten Schlüsselromane verfasste.

Mit Abschluss des Zyklus verschwanden Bardioc und die Kaiserin von Therm aus der Handlung, doch es wäre interessant gewesen zu erfahren, wie sich das weitere Schicksal der Vereinigung und der verwaisten Mächtigkeitsballung Bardiocs gestaltet. Das dachte sich wohl auch Arndt Ellmer, denn der 1983 ins Perry Rhodan-Team eingestiegene Autor griff das Thema 1987 in nicht nur einem Taschenbuch wieder auf, sondern er machte gleich eine Trilogie daraus. Und das war, soviel vorweg, eine gute Idee, wie das Resultat eindrucksvoll belegt.

Das Ende der Duuhrt setzt knapp hundert Jahre nach der vermeintlichen Vereinigung der beiden Superintelligenzen ein. Es zeigen sich zunehmende Komplikationen bei dem Vereinigungsprozess. Die Kristallintelligenz droht wahnsinnig zu werden, weshalb Bardioc anbietet, sich wieder aus der Verbindung zu lösen. Dies jedoch lehnt die Kaiserin ab, woraufhin sie mehr und mehr die Kontrolle über die Völker ihrer Mächtigkeitsballung verliert und es zu kriegerischen Konflikten der bis dato verbündeten Völker untereinander kommt. Im Zusammenspiel verschiedener Figuren gelingt es schließlich, insbesondere durch das Wirken Bardiocs, die Kaiserin von Therm zu retten. In der Folge verschmelzen beide endgültig zu der neuen Superintelligenz Thermioc. Eine schöne Überraschung bereitete Arndt Ellmer mit dem Auftritt der Kelosker, jener einerseits plumpen, körperlich unförmigen Wesen, die jedoch andererseits brillante Rechner, Mathematiker und logische Denker sind, deren Denkprozesse bis in den siebendimensionalen Bereich hinaufreichen. Auch deren Rechenmeister Dobrak gehörte seinerzeit zu meinen Lieblingsfiguren, schon im Aphilie-Zyklus.

Zu Beginn des zweiten Bandes der Trilogie Die Symbionten des Limbus sind weitere einhundert Jahre vergangen. Der Paradieseffekt hat die Mächtigkeitsballung der ehemaligen Kaiserin befriedet, jene Bardiocs liegt hingegen weiterhin brach und stellt ein Machtvakuum mit einem erheblichen Machtpotential dar. Die Symbionten des Limbus werden aktiv, und eine bisher unbekannte Superintelligenz namens Ulgenland tritt auf den Plan. Zudem erscheint Bulloc, die ehemalige Vierte Inkarnation Bardiocs, und die mit Abstand mächtigste. Ulgenland gefiel mir nicht besonders. Ich fand die aus einer Roboterzivilisation hervorgegangene Superintelligenz blass, zu kalt, im Vergleich zur Entstehungsgeschichte der beiden anderen sogar ein wenig banal. Geschmackssache, klar, aber alle später auftauchenden Superintelligenzen mussten sich an den beiden Paradebeispielen messen lassen. Ulgenland spielt im Verlauf der Ereignisse um die Symbionten zwar eine wichtige Rolle, wird anschließend aber von dem geheimnisvollen Roboter aus der Vergangenheit Vlission kurzerhand in die Luft gesprengt, damit sie nicht auf die Idee kommt, sich Bardiocs verwaiste Mächtigkeitsballung untertan zu machen. Wie im ersten Band Dobrak, so ist hier Bulloc das überraschend auftauchende Highlight. Von dieser abgrundtief bösen Kreatur Bardiocs, die seinerzeit nur als ein Flimmern beschrieben wurde und die sich im damaligen Zyklus gegen ihren Schöpfer stellte und ihn zu vernichten trachtete, wurde nie endgültig geklärt, ob sie noch existiert.

Sie existiert, und wie. In Metamorphose einer Superintelligenz wird Bulloc erst richtig aktiv. Er plant einen Angriff auf Thermioc, und es kommt zur entscheidenden Auseinandersetzung zwischen der Vierten Inkarnation und der jungen Superintelligenz. Im Abschlussband der Trilogie kommt es zu zahlreichen Irrungen und Wirrungen, in denen die dem Dreiteiler seinen Titel gebende Auris sowie erneut der Roboter Vlission wichtige Rollen inehaben. Im Verlauf der Handlung verschmelzen Bardioc und die Kaiserin von Therm endgültig zu einer neuen Entität, und Bulloc wird durch eine List vernichtet. Thermioc gibt die körperliche Existenz auf und wird zu einem reinen Geisteswesen, eine zwar nachvollziehbare Entwicklung, jedoch auch ein wenig schade. Dadurch geht einiges an Reiz verloren. Allerdings ist dieses Manko insofern Makulatur, als der Handlungsstrang damit endgültig abgeschlossen ist – wenngleich Arndt Ellmer das Thema in seinem Roman Vlission, der Roboter später erneut aufgreifen sollte.

Bei den zahlreichen Handlungselementen, die hier einen großen Themenkomplex abschließen, zieht sich ein Element unterschwellig durch die gesamte Handlung, nämlich das Schicksal der Forscher der Kaiserin. Von jenen Sitzkissen ähnelnden Wesen war nie bekannt, ob es sich um natürliche Lebewesen handelt oder ob sie künstlich erschaffen wurden. Auch ihnen selbst blieb die Natur ihrer Existenz verborgen. Deren Zweck schien es zu sein, entlang der Großen Schleife Informationen zu sammeln. Gerade dieses Rätsel machte den großen Reiz der Forscher aus, was William Voltz anhand der Zerrissenheit des Douc Langur seinerzeit so einfühlsam wie blendend darstellte. Arndt Ellmer gelingt das Kunststück, plausible Antworten auf die Fragen der Leser und der Forscher gleichermaßen zu liefern und jene in einen übergreifenden Kontext zu stellen, ohne dass es an den Haaren herbeigezogen oder banal wirkt. Der Autor hat den faszinierenden Forschern eine würdige Bestimmung zukommen lassen. Wenn auch im Schatten der Mächtigen agierend, so sind doch sie, die Einsamen und Verzweifelten, die Mutigen und Kühnen die wahren Helden dieser Geschichte, auch wenn sie nicht als Helden dargestellt werden. Das wird der Konzeption der Forscher gerecht und gefiel mir ganz ausgezeichnet.

Fazit: Die Auris-Trilogie besteht aus drei Romanen, die tief in den kosmologischen Background der Serie eintauchen, und das in einem Handlungskontext, der mir seinerzeit großen Spaß gemacht hat – und dies, wie ich jüngst beim Lesen feststellte, auch dreißig Jahre später noch tut. Sie besticht durch jenen Sense of Wonder, der mich einst an Perry Rhodan fesselte. Die drei Bücher haben mich durchgehend bestens unterhalten, hielten mich bis zum Ende gepackt und ließen mich in der großen Bardioc- und Kaiserin-Zeit schwelgen. Seltsam, dass der Dreiteiler bisher an mir vorbeigegangen ist.
 

Arndt Ellmer - Auris-Trilogie
Band 1: Das Ende der Duuhrt (Perry Rhodan Planetenroman 293)
Band 2: Die Symbionten des Limbus (Perry Rhodan Planetenroman 295)
Band 3: Metamorphose einer Superintelligenz (Perry Rhodan Planetenroman 297)
Alle 1987, Taschenbuch jeweils ca. 160 Seiten, 5,80 DM bzw. 6,80 DM
Pabel-Moewig-Verlag Rastatt
 

1 Kommentar:

  1. Ja, diese Trilogie hat mir auch sehr gut gefallen. Ich bin ja ein Fan der Kosmologie des Perryversums und da macht sich AE durchaus verdient mit der Geschichte rund um die KvT. Schade, dass es die TBs nicht mehr gibt. Sie haben das Perryversum einfach bereichert. Dagegen haben die aktuellen Minizyklen irgendwie keine Chance, da sie viel zu stark durchstrukturiert sind und den Schwerpunkt immer nur auf Perry Rhodan legen. Da war die gute alte Zeit doch besser.

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