Samstag, 19. Dezember 2015

De Nosskracher

Seit ein paar Jahren tauche ich in der Adventszeit in die Erinnerungen meiner Kindheit ein. Ich besuche nämlich alljährlich mit Vergnügen die Weihnachtsvorstellung des Puppenspieltheaters der Stadt Köln. Es ist zwar eine Aufführung, die für Kinder gedacht ist, und doch besteht das Publikum zu etwa drei Vierteln aus Erwachsenen jeden Alters. So auch gestern.

»De Nosskracher« heißt die diesjährige Aufführung, auf Hochdeutsch also »Der Nusskracher«. Vorab wunderte ich mich über den Titel. Dass man einen Nussknacker auch als Nusskracher bezeichnet ist mir neu. Die Vorstellung war ausverkauft, wie vermutlich ebenso die vorangegangenen und alle, die bis Weihnachten noch folgen werden.

Der titelgebende Nusskracher spielt eine wichtige Rolle. Doppelt so groß wie die Akteure, ersetzt er den von den Knollendorfern sehnlich erwarteten Weihnachtsbaum, der auf dem Markt zwischen den Buden aufgestellt werden soll. Da anstelle des Prachtbaumes aber nur ein mickriges Gehölz geliefert wird, machen die Puppen aus der Not eine Tugend, indem sie den in einem Keller vergessenen Nusskracher reaktivieren.

Und genau damit beginnen die Irrungen und Wirrungen. Der Legende nach gibt es im Wald nämlich eine goldene Nuss, und derjenige, der sie findet und von dem Knacker knacken lässt, der hat einen Wunsch frei. Hänneschen und Bärbelchen machen sich auf die Suche, weil sie einem durch gebrochenen Flügel nicht mehr flugfähigen Engel in den Himmel zurück helfen wollen.

Schäl, wie immer verschlagen und auf den eigenen Vorteil bedacht, hat selbstverständlich ganz anderes im Sinn. Er sieht sich schon in einem Swimming Pool voll Gold schwimmen. Vorher hat er bereits eine Biberfamilie entführt, für die der Lehrer und die Schüler, allen voran Hänneschen und Bärbelchen, ein Biberreservat anlegen. Oder ein „Biberreserverad«, wie Hänneschen radebrecht, weil er das Wort nicht aussprechen kann. Schäl will die entführten Biber ohnehin viel lieber gewinnbringend verkaufen.

In den vier Aufzügen spielen auch einige der anderen bekannten Puppen mit: der Tünnes und der Speimanes, Maritzebill und der Mählwurm, dazu Dorfpolizist Schnäuzerkowski und der hillije Mann, der vom Himmel auf die Erde hinabsteigt. Neben den Bibern spielen auch die Tiere des Waldes wieder mit, die häufig dabei sind. Sowohl Menschen als auch Tiere – ohnehin samt und sonders Puppen – singen zwischendurch das eine oder andere Weihnachtslied. In den vier Aufzügen gibt es einige gelungene Gags, über die sowohl Kinder als auch Erwachsene lachen. Wie es sich für das Hänneschen-Theater gehört, wird all das in Kölscher Mundart dargeboten.

Am Ende sind es natürlich Hänneschen und Bärbelchen, die alles zum Guten wenden, doch die Paraderolle hat der Schäl, dem es tatsächlich gelingt, die goldene Nuss zu finden und sie vom Nosskracher knacken zu lassen. Doch siehe da, gerade als er am Ziel seiner Träume zum reichen Mann ist, wird der Bursche geläutert und tut endlich mal ein gutes Werk, indem er den gefallenen Engel wieder fliegen lässt.

Drei verschiedene Bühnenbilder gibt es diesmal, wieder liebevoll entworfen und ausgeführt. Da ist zunächst der Knollendorfer Marktplatz mit den noch geschlossenen Weihnachtsständen, gefolgt von einem winterlichen, schneebedeckten Wald und anschließend der guten Stube vom Schäl, in der der Halunke die entführten Biber eingesperrt hat. Zum Finale im vierten Aufzug geht es dann zurück auf den Knollendorfer Marktplatz, wo die Marktstände inzwischen beleuchtet sind und Puppen und Publikum gemeinsam singen.

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