Sonntag, 1. Juni 2014

1950 - 2014. Michael Szameit gestorben

Als ich eben die Nachricht von Michael Szameits Tod erhielt, war ich wie vor den Kopf geschlagen. Er war schwer krank, las ich. Das war mir nicht bekannt. Für mich stand er mitten im Leben, denn er war in meinem Blickfeld in den vergangenen Monaten präsenter denn je. Er ging zu den sogenannten Montagsdemos, um sich mit eigenen Augen ein Bild von dem zu machen, was dort geschieht. Er stritt darüber und dafür, in bestem positiven Sinne, auch wenn er mit seiner Meinung zuweilen aneckte.

Michael war einer der beliebtesten, bedeutendsten und erfolgreichsten Science Fiction-Autoren der ehemaligen DDR. Es muß kurz nach der Maueröffnung gewesen sein, als ich ihn persönlich kennen lernte. Ich hatte bis dahin nie einen Bezug zur SF von drüben, doch der Name Michael Szameit war mir wohlbekannt. Ich weiß nicht mehr, auf welchem Con wir uns über den Weg liefen. Vermutlich war es in Dortmund.

Umso besser erinnere ich mich daran, daß wir am Abend nebeneinander an einer Bar saßen und uns stundenlang unterhielten. Michael war mir auf Anhieb sympathisch. Er plauderte mit einer lockeren Offenheit, die mich gern zuhören ließ, über sein Leben und seine Schriftstellerei in der DDR. Und er behandelte mich, der ich zu dieser Zeit noch auf keine professionellen Veröffentlichungen blicken konnte, weniger wie einen Fan als vielmehr wie einen ebenbürtigen Kollegen. So, glaube ich, hat er sich allen Menschen gegenüber verhalten. Freundlich, humanistisch und ohne sich verbiegen zu lassen. Etwas Schöneres kann man gleichermaßen über einen Mensch wie Autor wohl kaum sagen.

Kommentare:

  1. Womöglich habt ihr euch in Freudenstadt getroffen. Er war 1990 beim FreuCon.

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    1. Das wäre auch möglich. Ich bekomme es wirklich nicht mehr sortiert.

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  2. Ich kann mich erinnern, daß er als ich ca. 12 oder 13 war mit seiner Frau oder Freundin im gleichen Haus wie wir wohnte. Mein älterer Bruder hat da auch eine Exemplar eines zu der Zeit (irgendwann 80er Jahre) heraus gekommenen Buches geschenkt bekommen. War jetzt überrascht zu lesen, daß er schon gestorben ist.

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