Freitag, 11. Mai 2018

Laudatio auf Hajo F. Breuer

Wie ich in meinem Bericht zur 83. Intercomic
https://achimmehnert.blogspot.de/2018/05/intercomic-83.html
schrieb, hielt ich dort die Laudationen für
die DARK STAR Preisträger 2017 und 2018,
Hajo F. Breuer und Rüdiger Schäfer.

Hier also die Laudatio für Hajo, die für Rüdiger folgt übermorgen.


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Hajo F. Breuer wurde 1954 in Düsseldorf geboren und verbrachte den größten Teil seines Lebens in seiner Wahlheimat Mönchengladbach. Bei den Verantwortlichen für die Verleihung des DARK STAR 2017, die aus organisatorischen Gründen erst in diesem Jahr stattfinden kann, stand er gleich aus mehreren Gründen als Preisträger auf der Agenda: für seine Verdienste um die deutsche Romanszene, für seine Verdienste um die deutschsprachige Science Fiction und für seine Verdienste auch in der Comicszene, in der er nämlich in der Frühzeit seines Schaffens tätig war.
 
Hajo studierte Germanistik, Anglistik und Philosophie und war als Gymnasiallehrer qualifiziert. Sein Weg war jedoch der eines freischaffenden Künstlers, eines Autors, und den beschritt er zunächst als Übersetzer von Marvel-Comics für den deutschen Condor-Verlag. Ab 1983, also noch als Twen – ich gestatte mir, dieses neudeutsche Wort zu verwenden –, verfasste er für den Bastei-Verlag wöchentlich eine Ausgabe der Gespenster-Geschichten. Hierbei kam es zur Bekanntschaft und zur Zusammenarbeit mit dem im Februar 2018 verstorbenen Uwe Helmut Grave, den Hajo F. Breuer später mit zu Ren Dhark nehmen sollte.
 
Doch bis dahin sollten noch einige Jahre vergehen. Ende der Achtziger Jahre schrieb Hajo unter dem Titel Die neue Kultfigur MAX HEADROOM für den Bastei-Verlag eine Taschenbuchreihe zur gleichnamigen Fernsehserie. Zum gleichen Zeitpunkt wurde er zudem für den Hethke-Verlag tätig, wo er als Chefredakteur die DC-Comics betreute.
 
Was folgte, war und ist Hajos Opus Magnum, die Fortführung von Kurt Brands aus den Sechziger Jahren stammender Science-Fiction-Serie REN DHARK, die es seinerzeit auf 98 Heftromane brachte. Dann stellte der Kelter-Verlag die Serie kurzfristig ein. Zwar wurde Ren Dhark in den Folgejahren zweimal komplett neu aufgelegt, zu neuen Abenteuern kam es jedoch nicht.
 
Das änderte sich erst, als der HJB-Verlag eine weitere Neuauflage in Angriff nahm, allerdings nicht mehr in Heftform, sondern als repräsentative sechzehnbändige Buchausgabe. Wir sprechen heute vom Classic-Zyklus. Die Hardcover erwiesen sich jedenfalls als Glücksgriff, denn der Erfolg beim Publikum war so groß, dass eine Fortsetzung über die ursprünglichen 98 Romane hinaus schnell beschlossene Sache war.
 
Nun tat Verleger Hansjoachim Bernt, ohne es damals voraussehen zu können – vielleicht hat er es doch vorausgesehen –, einen noch größeren Glücksgriff. Zum Ende der Classics hin beauftragte er Hajo F. Breuer mit der Betreuung der Buchausgabe, für die Hajo ab Band 15 verantwortlich war. Für die Fortführung sollte Hajo dann sowohl als Exposé-Autor agieren als auch als Herausgeber – was dann, wie bekannt ist, auch geschah.
 
Insgesamt betreute Hajo die Ren Dhark-Serie von 1999 an über einen Zeitraum von 15 Jahren. Anfangs stützte er sich bei seinen Exposés für die neuen Abenteuer auf vorhandene Ideenskizzen von Kurt Brand, später erstellte er die Handlungsfortführung und die folgenden Zyklen bei den Redaktionskonferenzen mit seinem Autorenteam. Dabei führte er nicht nur die Hauptserie fort und übertraf dabei die 98 Heftromane Kurt Brands um ein Mehrfaches. Neben den abgeschlossenen Sonderbänden, ebenfalls gebundene Bücher, schuf er mehrere Ablegerserien, die als Paperbacks erschienen: namentlich Sternendschungel Galaxis, Forschungsraumer Charr sowie Der Mysterious.
 
Mich holte Hajo bereits 2000 ins Team, mein erster Dhark-Roman erschien 2001. Von Hajos Exposés war ich von Beginn an angetan. Ich merkte nämlich jedem von mir zu bearbeitenden Expo an, dass es nicht nur von einem Mann stammte, der seine Arbeit tut und seine Pflicht erfüllt, sondern der seiner Leidenschaft nachgeht. Er besaß die Gabe, nicht nur gute Exposés zu erstellen, sondern diese den einzelnen Autoren seines Teams gemäß ihren Vorlieben und Stärken maßgeschneidert auf den Leib zu schreiben.
 
Als Germanist legte Hajo Wert auf die deutsche Sprache. Anglizismen, wie jenes weiter oben von mir verwendete „Twen“, verabscheute er. „Für die meisten englischen Ausdrücke, die ihr einbaut“, sagte er zuweilen nach der Durchsicht eines Manuskripts, „könnte ihr auch ein deutsches Wort verwenden. Warum beispielsweise schwenkt die POINT OF in einen Orbit ein, wenn es doch eine Umlaufbahn gibt?“ Recht hatte er.
 
Hajo widmete sich der Ren Dhark-Serie mit Hingabe, mit Begeisterung, mit Euphorie. Dabei schaute er stets positiv in die Zukunft, und entschlossen. Von außen ließ er sich nicht in seine Arbeit hineinreden, auch nicht vom Verleger. Hajo zog seine Vorstellungen durch und hatte damit Erfolg. Wenn er einen eingeschlagenen Weg gewählt hatte und ihn für richtig hielt, verfolgte er ihn beharrlich, ging ihn konsequent weiter. Er konnte dann ein Dickkopf sein, aber im besten positiven Sinn.
 
Zu dieser Messe hier, der Intercomic, hatte Hajo übrigens eine besondere Beziehung – so wie sie auch zu ihm. Jahrelang fungierte er nämlich in Zusammenarbeit mit dem damaligen Veranstalter Norbert Hethke und mit Gerhart Renner als Messemoderator.
 
Verleger Hansjoachim Bernt bezeichnete Hajo F. Breuer einmal als den eigentlichen Boss der Ren Dhark-Serie, und ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass es Ren Dhark ohne Hajos unermüdliches Engagement nach innen und nach außen hin heute noch gäbe. Ren Dhark bis zur Rente machen, das war sein Traum. Leider war ihm die Erfüllung dieses Traums nicht vergönnt. Eine schwere Krankheit verhinderte es. Zum letzten Mal sahen wir uns bei der Ren Dhark-Konferenz 2014 in einem Bonner Hotel.

Hajo F. Breuer verstarb am 17. Oktober 2014 in Mönchengladbach. Er ist der zweite Preisträger nach Verleger Walter Lehning, der den DARK STAR postum verliehen bekommt.
 

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