Sonntag, 13. Mai 2018

Laudatio auf Rüdiger Schäfer

Vorgestern fandet ihr an dieser Stelle die erste der beiden Laudationen, die ich vergangenen Samstag auf der Intercomic 83 gehalten habe. Sie galt dem Preisträger für 2017, Hajo F. Breuer. Heute folgt nun meine Laudatio für Rüdiger Schäfer, den Preisträger des DARK STAR 2018.


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Rüdiger Schäfer wurde 1965 in Kassel geboren, lebte dort aber nicht lange, da er wegen des beruflichen Werdegangs seines Vaters in seiner Kindheit und Jugend mehrmals umziehen musste. Das scheint ein wenig auf Rüdiger abgefärbt zu haben. Nach dem Abitur und einem betriebswirtschaftlichen Studium in Göttingen verschlug es ihn nach Leverkusen zu einem großen chemisch-pharmazeutischen Unternehmen. Seine berufliche Tätigkeit brachte mehrjährige Auslandsaufenthalte unter anderem in Polen und Australien mit sich. Seit dem Jahr 2000 lebt und arbeitet er für besagten Konzern wieder in Deutschland.
 
Was das alles mit Rüdiger Schäfers Schreiberei und der Nominierung für den DARK STAR zu tun hat? Gar nichts. Die Auszeichnung, die ihm auf der 83. Intercomic verliehen wird, bekommt er für sein zweites Standbein, nämlich die Tätigkeit als Science-Fiction-Autor.
 
Wie viele andere in der deutschen Sciene Fiction-Szene Tätige ist auch Rüdiger ein Kind des Fandoms. Schon in jungen Jahren, im Alter von Zehn, wurden die Weichen für seine spätere Autorentätigkeit gestellt – nämlich als seine Mutter dem erkrankten Jungen zwei Perry Rhodan-Hefte mit nach Hause brachte. Unversehens wurde er von einer weiteren Krankheit gepackt, denn das Virus des galaktischen Weltraumhelden Perry Rhodan ließ ihn nicht mehr los. Rüdiger selbst drückt es folgendermaßen aus: „Ich las, verstand kein Wort und war hellauf begeistert. Es war der Beginn einer wunderbaren Leidenschaft.“
 
Eine Leidenschaft, die dazu führte, dass der jugendliche Rüdiger mit dem Verfassen eigener Geschichten begann – wie so viele andere aus der heutigen Profiszene, denen das Lesen nicht mehr genügte. Die selbst schreiben wollten. Er stieß auf das Science-Fiction-Fandom, die organisierte Fan-Szene mit ihren Clubs und mit viel Herzblut gemachten Fanmagazinen, den sogenannten Fanzines.
 
Rüdiger trat in den Atlan-Club-Deutschland ein und erreichte erstmals eine größere Leserschaft. Als Erklärung für diejenigen, die Atlan nicht kennen: Atlan war eine seit 1969 laufende eigenständige Heftromanserie um eben jenen unsterblichen Arkoniden, die im Perry-Rhodan-Kosmos spielte und 1988 eingestellt wurde. Im Atlan-Club-Deutschland, kurz ACD, gehörte Rüdiger rund 20 Jahre dem Vorstand an. Er wurde zudem auf dem Coloniacon 2006 bei der Jahreshauptversammlung der Perry-Rhodan-Fanzentrale e.V. zu deren Vorsitzendem gewählt.
 
Doch Rüdiger Schäfer war und ist Atlan-Fan und Kenner gleichermaßen. Daher entwarf er nach der Einstellung der Profi-Serie ein Konzept für eine Fan-Serie, die von der damaligen Verlagsunion Pabel-Moewig abgesegnet wurde und die es, geschrieben von einem Autorenteam, auf immerhin 23 Bände brachte. Mit dem Erfolg der von ihm gesteuerten Fanserie im Rücken stand Rüdiger der Sprung ins Profilager offen.
 
1998 kehrte Atlan mit einer Reihe von jeweils zwölfbändigen Minizyklen offiziell ins literarische Rampenlicht zurück. Nach mehreren im Perry-Rhodan-Universum spielenden Kurzgeschichten schrieb und veröffentliche Rüdiger Schäfer 2005 seinen ersten Profiroman, einen, wie könnte es anders sein, Atlan-Roman mit Titel Fluchtpunkt Craddyn. Ein weiterer Roman folgte schnell, und schon im Folgejahr übernahm Rüdiger vorübergehend die redaktionelle Bearbeitung der Leserkontaktseite der Atlan-Miniserien.
 
Später etablierte er sich als einer der Hauptautoren der von 2006 bis 2012 zunächst bei Fantasy Productions und anschließend bei Ulysses erscheinenden Atlan-Taschenbücher. Rüdiger und ich lieferten uns ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wer die meisten Taschenbücher zu der Reihe beisteuert. Ich musste mich Rüdiger mit 6:7 geschlagen geben. Als 2013 der Versuch unternommen wurde, die klassischen Atlan-Romane des sogenannten Sol-Zyklus in Form von Taschenheften erneut zu publizieren, war Rüdiger für deren Bearbeitung verantwortlich.
 
Ebenfalls 2013 steuerte er seinen ersten Beitrag zu Perry Rhodan Neo bei, der Neuschreibung der klassischen Perry Rhodan-Serie. Nach Band 100 übernahm er – gemeinsam mit dem mittlerweile verstorbenen Michael H. Buchholz – die Exposégestaltung, die Rüdiger bis zum heutigen Tage innehat. Für Perry Rhodan Neo hat er mittlerweile 20 Romane geschrieben, zudem einige Beiträge für die Stardust-Miniserie.
 
Der DARK STAR 2018 geht an Rüdiger Schäfer für seine Verdienste um die deutsche Science Fiction und die deutsche SF-Romanszene. 

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