Samstag, 30. Dezember 2017

Hansrudi Wäscher Magazin 44

Hansrudi Wäschers Buffalo Bill-Comics habe ich nie gelesen. Entweder interessierten mich als Jungen nicht, oder ich habe sie damals gar nicht wahrgenommen. Ich weiß es nicht mehr. Bei Western mochte ich Bessy und schwor später auf Leutnant Blueberry. Die 44. Ausgabe des Hansrudi Wäscher-Magazins ziert allerdings ein sehr schönes Buffalo Bild-Motiv. Ich war auf Anhieb sicher, es noch nie gesehen zu haben. Kein Wunder, verrät das Vorwort doch, dass es sich um ein bislang unveröffentlichtes Gemälde aus Privatbesitz handelt. Wobei ich einmal mehr bedaure, kein einziges Wäscher-Original zu besitzen.
 
Der Heftinhalt beginnt traurig, nämlich mit einem Nachruf auf den verstorbenen Herbert Karbaumer, der die vorangegangene Ausgabe noch redaktionell betreut hatte, und einem offenen Brief von Herberts Bruder Konrad an den HRW-Fanclub, der das Magazin herausgibt.
 
Amüsant zu lesen sind hingegen stets die Blicke in die Vergangenheit. Der Schweizer Wäscher-Fan Reinhard Schneider erzählt, wie die Comics des Lehning-Verlags Anfang der Sechziger Jahre ihren Weg auch an die Schweizer Kiosks fanden. Gustav Gaisbauer erinnert sich an den 1973 von ihm besuchten Internationalen Comic-Salon in Berlin. Herbert Karbaumer erzählt von einer Begebenheiten, die sich 1973/74 zutrug, als sein Bruder einen Stapel Tibor-Comics verlieh, diese nicht zurückbekam und sie stattdessen eines Tages auf dem Lesetisch im Wartebereich eines Friseursalons lagen.
 
Herr Wäschers Witwe Helga, Club und Magazin gleichermaßen verbunden, gibt eine tolle Anekdote zum besten. Anfang der Sechziger Jahre stand nämlich eines Sommertages plötzlich ein lebender Elefant unter dem Fenster von Hansrudi Wäschers Arbeitszimmer, der, wie sich später herausstellte, zu einem durchziehenden Zirkus gehörte. Sogar ein Foto des Elefantenjungen mit seiner Mutter ist erhalten geblieben und hier zu sehen.
 
Anlässlich des 50. Geburtstags von Roy Stark, zu dem ja auch meine Roman-Adaption erschienen ist, präsentiert Herbert Karbaumer eine Checkliste der Roy Stark-Veröffentlichungen. Der Leser erfährt von Abwicklungen, die man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen kann. Als nämlich in den Sechziger Jahren Roy Stark auch in Frankreich erscheinen sollte, wurden die Originalzeichnungen kurzerhand auf dem Postweg dorthin geschickt. Sie kamen dann jedoch nicht auf gleichem Weg zurück, sondern verschwanden – um erst Jahrzehnte später im Internet bei Ebay wieder aufzutauchen. Eine eigene abenteuerliche Geschichte, die sich Hansrudi Wäscher nicht einmal auszudenken brauchte.
 
Die Fortsetzung der chronologischen Titelauflistung aller Wäscher-Erstdrucke hat mich dann fast erschlagen. Seiten über Seiten Titel mit Erscheinungsdatum und weiteren Informationen, nein, das ist nichts für mich. Puristen und Biographen finden vielleicht Gefallen daran, aber ich habe Dieter Herolds Fleißarbeit überblättert. Vom selben Autor sehr interessant hingegen fand ich einen Blick auf Sigurd-Manuskripte. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich nicht weniger als handschriftliche sowie maschinengeschriebene Exposés Herrn Wäschers, die HRW als Vorlage für die daraus entstandenen Comics benutzte. Für mich aufschlussreich, da ich bekanntlich selbst sehr viel mit Exposévorgaben arbeite.
 
Reich bebilderte Berichte von verschiedenen Clubtreffen, das Finale eines Buffalo Bill-Comics und Leserbriefe runden das bunte Magazin ab. Nummer 45 erscheint zur kommenden Intercomic-Messe Anfang Mai 2018 in Köln.

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