Mittwoch, 26. Juli 2017

Coole Rockmusik-Shirts

Vor ein paar Tagen saß ich mit einem Bekannten in einem Biergarten, ich ein Kölsch vor mir, er ein Weißbier. Schwere graue Wolken zogen über den Himmel, ziemlich tiefhängend und mit beachtlicher Geschwindigkeit. Nur gelegentlich gaben sie den Blick auf die Sonne frei, oder ich erhaschte einen Ausschnitt blauen Himmels. Zwar sah es so aus, als würde der Regen jeden Moment einsetzen, doch es war warm, sodass nicht mehr als ein T-Shirt nötig war, um draußen zu hocken.
 
Ich trug ein Motörhead-Shirt von der European-Tour 2009, die Lemmys Truppe unter anderem nach Köln geführt hatte. Die Auswahl war reiner Zufall. Von Konzertbesuchen in den vergangenen drei Jahrzehnten liegen mehrere Stapel Tour-Shirts der verschiedensten Bands in meinem Schrank – auf der einen Seite die, die ich nicht mehr tragen kann, sondern nur aus nostalgischen Gründen aufbewahre, auf der anderen Seite jene, die mir noch passen und deshalb auch durch die Weltgeschichte getragen werden. Man kann mir also zufällig begegnen, wenn ich mit BAP oder Bruce Springsteen unterwegs bin, mit Deep Purple, Neil Young oder John Fogerty. Oder mit sonst wem.
 
Diesmal war es halt Motörhead. Mein Weizen trinkendes Gegenüber stand da mit den Sex Pistols in nichts nach, und wir lobten uns gegenseitig für den guten Musikgeschmack. Aus dem Lokal drang AC/DC auf die Straße, was wir zudem beide gutheißen konnten. Nach einer Weile ging ein junger Bursche vorbei, nicht älter als sechzehn, schätzte ich. Unwillkürlich wurde ich aufmerksam auf sein T-Shirt, denn es trug den sattsam bekannten Schriftzug der Ramones. Das amüsierte mich, war ich doch sicher, dass der junge Mann die Ramones niemals live gesehen hat.
 
In dem Zusammenhang fiel mir ein, was ich bereits seit einigen Jahren beobachte. Immer wieder begegnen mir Leute, und zwar Leute jeden Alters, die mit Band-Shirts durch die Gegend laufen, bei denen ich dann im Vorbeigehen in Gedanken wohlwollend nicke. Neben Motörhead, AC/DC und vor allem den Ramones sind das beispielsweise Nirvana, Iron Maiden, natürlich auch die herausgestreckte Zunge der Rolling Stones oder das ikonische Emblem der Dead Kennedys – mithin also ausnahmslos Bands, die ich schätze.
 
Allerdings frage ich mich dann jedes Mal, ob die Shirtträger ebenfalls einen Bezug zu dieser oder jener Band haben oder ob diese Bands sogar in der Mitte der Gesellschaft einen solchen Kultstatus besitzen, dass man mit ihnen auf der Brust kokettiert, ohne einen Bezug zu deren Musik zu haben. Oder sind die Schriftzüge gar längst modische Accessoires, assimiliert von der Modeindustrie, wie es seinerzeit mit dem ganzen Punkoutfit geschah?

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